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Tschechiens Autobranche kommt bislang gut durch die Krise

Die Konzentration auf den europäischen Markt kommt der tschechischen Autobranche zugute. Doch vor allem die Zulieferer brauchen neue Aufträge, um ihre Werke künftig auszulasten.

Gerit Schulze

Von Gerit Schulze | Prag

Ausblick der Kfz-Branche in der Tschechischen Republik

Bewertung:

  • Europa bleibt wichtigster Absatzmarkt für Autos aus Tschechien.
  • Viele Investitionen in Automatisierung und Batterieproduktion.
  • Zulieferer hoffen auf Aufträge aus der Rüstungsindustrie.
  • Inlandsmarkt für Neuwagen wächst weiter.
  • Markt für Elektroautos weiter hinter europäischem Durchschnitt.
  • Ladeinfrastruktur ist flächendeckend gut ausgebaut.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionsankündigungen, Auftragseingängen und Expertenmeinungen. Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Juli 2026.

  • Tschechien spielt in Europa fast eine Sonderrolle: Die Pkw-Produktion steuert 2026 auf einen Rekord zu. Und auch die Neuzulassungen von Fahrzeugen entwickeln sich sehr positiv. 

    Die positive Konjunkturentwicklung befeuert die Nachfrage nach Fahrzeugen in Tschechien. Analysten von PricewaterhouseCoopers (PwC) erwarten für 2026 bis zu 260.000 Neuwagen. Damit rückt das Marktvolumen an den früheren Höchststand heran (2017: 272.000 Neuzulassungen). Im 1. Halbjahr 2026 stiegen die Verkäufe um 6 Prozent.

    Als Gründe für die Kauffreude nennt PwC unter anderem das wachsende Angebot an Elektroautos, attraktive Leasingangebote sowie den Markteintritt neuer Anbieter. Vor allem chinesische Marken bauen ihre Präsenz aus.

    Zulassung von neuen Fahrzeugen in der Tschechischen RepublikStückzahl, Veränderungen in Prozent

    Kategorie

    2023

    2024

    2025

    Veränderung 2025/2024

    1. Halbjahr 2026

    Veränderung 1. Hj. 2026/1. Hj. 2025

    Pkw

    221.422

    231.600

    248.719

    7,4

    129.810

    5,8

    leichte Nutzfahrzeuge

    22.780

    21.761

    20.278

    -6,8

    10.863

    12,7

    Lkw

    10.414

    9.172

    9.162

    -0,1

    5.053

    12,3

    Busse

    1.080

    1.331

    822

    -38,2

    513

    18,2

    Quelle: Verband der Autoimporteure (SDA) 2026

     

    Im Markenranking kaum Verschiebungen

    Dank des neuen Elektromodells Elroq und einiger Facelifts der volumenstarken Modelle konnte Škoda seinen Marktanteil in Tschechien 2025 stabil halten. Die Modelle Octavia, Kamiq, Karoq, Kodiaq, Fabia und Scala waren die sechs meistverkauften Automodelle im Land. Erst dahinter folgte der Hyundai i30. Die Südkoreaner kommen auf einen Marktanteil von 8 Prozent und lagen wieder vor Toyota. Die Marke Volkswagen hielt ihren Marktanteil von 6,7 Prozent und belegte Platz 4. Auch die deutschen Hersteller Mercedes-Benz (Platz 7) und BMW (10) verteidigten ihre Marktposition.

    34 Prozent

    Marktanteil hat die Marke Škoda bei Neuzulassungen in Tschechien.

    Aus dem Stand heraus in die Top 25 schaffte es 2025 die chinesische Marke Jaecoo. Sie gehört zum Chery-Konzern und verkaufte rund 1.251 Neuwagen in Tschechien. Zusammen mit der zweiten Marke Omoda und seinen eigenen Modellen kam Chery sogar auf über 2.000 Neuzulassungen. 

    Jaecoo setzt stark auf Plug-in-Hybride und kommt damit am tschechischen Markt gut an, wo reine Elektroautos noch geringe Akzeptanz haben. Außerdem profitieren die Chery-Modelle von langen Garantiezeiten, großzügiger Serienausstattung und der Strategie, über lokale Händler die Präsenz auszubauen. Führende Gebrauchtwagengruppen vermarkten aktiv chinesische Marken, allen voran die Aures Holding (AAA Auto). Sie importieren chinesische Neuwagen direkt von lokalen Partnern und sorgen auch für Service und Ersatzteile.

    Die Rolle von SUV als wichtigste Fahrzeugklasse nimmt zu. Sie erreichten 2025 einen Marktanteil von 52 Prozent bei den Neuwagenverkäufen. Dahinter folgt die untere Mittelklasse, zu der Škodas Octavia gehört, mit 15 Prozent Marktanteil. Drei Viertel der Neuwagen werden auf Firmen zugelassen.

    Dominierender Treibstoff bei neu zugelassenen Fahrzeugen war mit leicht gestiegener Tendenz zum Vorjahr Benzin (68 Prozent, inklusive Hybridmodelle). Diesel verlor auf Jahressicht fünf Prozentpunkte und kam auf einen Anteil von 25 Prozent. Reine Batterieautos erreichten knapp 6 Prozent und damit nur wenig mehr als 2024.

    Škoda jetzt zweitstärkste Automarke in Europa

    Auch die tschechische Fahrzeugproduktion wächst, vor allem dank Škoda Auto. Die Volkswagen-Tochter konnte ihre Auslieferungen 2025 weltweit um 13 Prozent auf über 1 Million Fahrzeuge steigern. Ihr Umsatz erreichte ein Allzeithoch von rund 30 Milliarden Euro.

    Im 1. Quartal 2026 setzte Škoda Auto seine Erfolgsgeschichte fort. Die Auslieferungen stiegen noch einmal um 14 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. In Europa war der tschechische Hersteller erstmals die zweitmeistverkaufte Pkw-Marke nach Volkswagen und vor Toyota.

    Anders sieht es bei den beiden anderen tschechischen Fahrzeugfabriken, Hyundai in Nošovice und Toyota in Kolín, aus. Beide mussten ihre Produktion 2025 drosseln. Bei Hyundai setzte sich der Rückgang in den ersten sechs Monaten 2026 fort, während Toyota seinen Ausstoß leicht steigerte.

    Toyota baut künftig Elektroautos in Tschechien

    Am Standort Kolín wollen die Japaner ihre erste Produktionsstätte für Elektroautos in Europa errichten. Für die Werkserweiterung plant Toyota Ausgaben von rund 680 Millionen Euro. Die tschechische Regierung zahlt davon 64 Millionen Euro als Investitionsanreiz für ein Batteriemontagewerk.

    Aktuell werden in Kolín die beiden Kleinwagenmodelle Aygo und Yaris mit Hybridantrieb produziert. Die Kapazität liegt bei 220.000 Fahrzeugen pro Jahr. Nach Angaben von Toyota kommen 65 Prozent der Komponenten von tschechischen Herstellern.

    Bei Škoda wird das neue kompakte Elektro-SUV Epiq nicht in Tschechien, sondern im nordspanischen VW-Werk Pamplona produziert. Die Kapazitäten im Heimatmarkt braucht Škoda ab diesem Jahr für das Familien-SUV Peaq. Der Siebensitzer wird das neue elektrische Spitzenmodell der Marke. Er soll wie die Elektroautos Enyaq und Elroq im Stammwerk Mladá Boleslav vom Band laufen.

    Dagegen läuft es bei Hyundai in Nošovice derzeit nicht so gut. Der Gewinn des einzigen europäischen Werks der Südkoreaner war 2025 um 60 Prozent eingebrochen. Auch für 2026 rechnet der Konzern mit einem Rückgang der Produktion auf knapp 265.000 Fahrzeuge. Für das Jahresende hat Hyundai den Produktionsstart eines neuen Modells angekündigt. Experten rechnen mit einer Erweiterung der Elektrifizierungsstrategie.

    Zulieferer bieten sich der Rüstungsbranche an

    Während Tschechiens Autohersteller relativ stabile Ergebnisse erzielen, kommen die Zulieferer stärker unter die Räder. Vor allem die Krise beim deutschen Volkswagen-Konzern belastet das Geschäft. Rund 200 tschechische Firmen sollen VW beliefern. Ihre Aufträge sind in den vergangenen Monaten um mehrere Dutzend Prozent eingebrochen, sagte Petr Knap, strategischer Berater der tschechischen Automobilindustrie, der Presseagentur ČTK. Die Maschinenbaugruppe Brano, die Tür‑ und Sitzsysteme herstellt, berichtete laut Tageszeitung Hospodářské noviny von Bestellrückgängen in Westeuropa von bis zu 30 Prozent.

    Die Teilehersteller suchen ihr Heil daher in der Rüstungsindustrie. Firmen wie der Kunststoff‑ und Elektronikzulieferer Isolit‑Bravo oder der Gießerei- und Bearbeitungsspezialist Motor Jikov bieten ihre Kapazitäten an. Doch der Zugang zur Rüstungsbranche ist schwierig, erklären Branchenvertreter. Die Sicherheits‑ und Zertifizierungsanforderungen seien sehr streng, die Stückzahlen klein und die Produkte sehr speziell. Daher bleibt die Verteidigungsindustrie bislang nur ein Nischenmarkt, der die Einbußen im traditionellen Geschäft nicht ausgleicht.

    Gerit Schulze

    Von Gerit Schulze | Prag

  • Steigende Benzinpreise, eine größere Modellauswahl, mehr Reichweite und sinkende Preise erhöhen auch in Tschechien das Interesse an Elektroautos. Die Inlandsproduktion steigt.

    In absoluten Zahlen ist Tschechiens Markt für Elektroautos überschaubar: Im 1. Halbjahr 2026 wurden 8.630 Pkw mit Batterieantrieb neu zugelassen. Der Marktanteil stieg auf 6,7 Prozent gegenüber 5,6 Prozent im Gesamtjahr 2025.

    Die Dynamik bleibt weiter hinter dem europäischen Durchschnitt zurück. In der EU stieg der Absatz von Batterieautos zwischen Januar und Mai 2026 laut Herstellerverband ACAE um 36 Prozent, in Tschechien jedoch nur um 17 Prozent. Beim Anteil an den Neuzulassungen verzeichnen nur sechs der 27 EU-Staaten niedrigere Werte. Das liegt an fehlenden staatlichen Kaufprämien für die Anschaffung von Elektroautos.

    Firmenkunden treiben das Geschäft voran

    Impulse für den Markt in Tschechien entstehen besonders durch Firmenkunden. Eine Befragung des Leasinganbieters Arval unter 300 Unternehmen des Landes hat ergeben, dass ein Drittel von ihnen bereits Elektroautos im Fuhrpark hat oder dies in den kommenden drei Jahren plant.

    Aktuell gehen laut Marktkennern rund 90 Prozent der neu zugelassenen Elektroautos an Unternehmen. Die Treiber waren zuletzt in erster Linie internationale Konzerne in Tschechien, die damit ihre Nachhaltigkeitsziele erfüllen wollen. Die hohen Benzin- und Dieselpreise und die verbesserte Ladeinfrastruktur lassen auch immer mehr einheimische Firmen auf Elektroantrieb umsteigen. Dazu tragen die neuen Modelle von Škoda bei, der traditionell beliebtesten Marke in Tschechiens Firmenflotten.

    Zulassung von neuen Elektrofahrzeugen in der Tschechischen Republik *)

    Kategorie

    2022

    2023

    2024

    2025

    1. Halbjahr 2026

    Pkw

    3.892

    6.640

    10.933

    13.8068.630

    Anteil an den Gesamtzulassungen (in %)

    2,03

    3,00

    4,72

    5,556,65

    leichte Nutzfahrzeuge

    134

    353

    622

    1.342853
    Anteil an den Gesamtzulassungen (in %)

    0,79

    1,55

    2,86

    6,627,85
    Lkw

    4

    10

    27

    13661
    Anteil an den Gesamtzulassungen (in %)

    0,04

    0,10

    0,29

    1,481,21
    Busse

    40

    6

    59

    4135
    Anteil an den Gesamtzulassungen (in %)

    3,29

    0,56

    4,43

    4,996,82
    * Reine Elektrofahrzeuge, ohne Hybridmodelle.Quelle: Verband der Autoimporteure (SDA) 2026

     

    Besonders große Zuwächse bei neu zugelassenen Elektrofahrzeugen gibt es bei Nutzfahrzeugen. Die Verkäufe von elektrisch betriebenen Lkw haben sich 2025 gegenüber dem Vorjahr verfünffacht. Der Marktanteil blieb mit 1,5 Prozent aber noch sehr gering. Bei leichten Nutzfahrzeugen verdoppelten sich die Neuzulassungen von Elektromodellen.

    Deutsche Hersteller verlieren Marktanteile

    Dank des neuen Modells Elroq und des weiter erfolgreichen SUV Enyaq konnte Škoda Auto 2025 seinen Marktanteil bei den Neuzulassungen von Elektroautos 2025 mehr als verdoppeln. Auf die tschechische Marke entfielen 38 Prozent aller Verkäufe. Der bisherige Spitzenreiter Tesla dagegen halbierte seine Marktposition auf 14 Prozent. 

    Die drei deutschen Hersteller Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz verloren Marktanteile in einem insgesamt wachsenden Markt. Bei BMW sanken die Verkäufe sogar in absoluten Zahlen (von 578 neu zugelassenen Autos im Jahr 2024 auf 431 im Jahr 2025). Im Ergebnis schrumpfte der Marktanteil um zwei Prozentpunkte auf 3 Prozent. 

    Unter den starken Zuwächsen von Škoda litten aber auch andere Hersteller, vor allem Volvo und die chinesische Marke MG. Ihre Verkaufszahlen waren 2025 nur noch halb so hoch wie im Jahr zuvor. Andere chinesische Hersteller kommen bei Elektroautos bislang nicht auf eine relevante Marktgröße von mehr als 1 Prozent.

    Meistverkaufte Elektrofahrzeuge in Tschechien nach Hersteller *)Pkw
    Marke

    Neuzulassungen 2025

    Neuzulassungen 1. Halbjahr 2026

    Škoda5.2592.869
    Tesla1.9431.435
    Mercedes-Benz572420
    Toyota385388
    Volkswagen801364
    Ford618350
    BMW431320
    Hyundai672295
    BYD130278
    Kia422278
    * Reine Elektrofahrzeuge, ohne Hybridmodelle.Quelle: Verband der Autoimporteure (SDA) 2026

    Škoda größter Batterielieferant im VW-Konzern

    Die tschechischen Autohersteller investieren weiter in Technologien für Elektroautos. Škoda Auto eröffnete im Februar 2026 im Hauptwerk Mladá Boleslav eine neue Montagehalle für Batteriesysteme und ist nun der größte Produzent dieser Komponenten im VW‑Konzern. In das Projekt investierte Volkswagen über 200 Millionen Euro. Bis zu 335.000 Einheiten pro Jahr können dort produziert werden.

    Das ŠkodaStammwerk ist der erste Produktionsstandort des Konzerns in Europa, der CelltoPackBatteriesysteme für den Einsatz in elektrischen Volumenmodellen herstellt. Die Linien sind zu 84 Prozent automatisiert, 131 Industrieroboter kommen zum Einsatz. Dank der Investition kann Škoda künftig bis zu 200.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr in Mladá Boleslav produzieren.

    Nach Angaben des Automobilverbands AutoSAP liefen in Tschechien 2025 über 224.000 Elektroautos vom Band, fast doppelt so viel wie 2024. Hinzu kamen 61.000 Plugin-Hybride (+60 Prozent). 

    Der Löwenanteil der E-Auto-Produktion entfällt auf Škoda. Laut AutoSAP produzierte die VW-Tochter 2025 fast 190.000 reine Elektroautos (BEV), ein Plus von 137 Prozent zum Vorjahr. Zugleich verdoppelte Škoda seine Auslieferungen an BEV und wurde in diesem Segment zur viertgrößten Marke in Europa. Mit dem Kleinwagen Epiq und dem Familien-Van Peaq kommen 2026 zwei neue Modelle auf den Markt, auf die der tschechische Autobauer große Hoffnungen setzt.

    Bei Hyundai in Nošovice liefen 2025 rund 35.000 Batterieautos vom Band (+5 Prozent). Bislang noch keine Elektroautos produziert Tschechiens dritter Autobauer Toyota. Allerdings bauen die Japaner das Werk in Kolín zur ersten BEV-Produktionsstätte des Konzerns in Europa aus.

    Jede vierte Ladesäule steht in Prag

    Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur macht Tschechien Fortschritte. Allein 2025 kamen über 700 Stationen mit 1.251 Ladepunkten hinzu. Laut Zentrum für Verkehrsforschung (Centrum dopravního výzkumu) gab es Ende Mai 2026 fast 6.400 Ladepunkte im Land. Rund ein Viertel davon entfiel auf die Hauptstadt Prag.

    Ein Problem ist weiterhin die geringe Dichte an Schnellladestationen (ab 50 Kilowatt Leistung) und Ultraschnellladern (UFC, ab 150 Kilowatt). Das Zentrum für Verkehrsforschung verzeichnete zur Jahresmitte 2026 in Tschechien rund 350 Lademöglichkeiten an UFC. Das entsprach einem Anteil von nur 4 Prozent aller Ladepunkte.

    Die wichtigsten Betreiber von Ladestationen sind die drei Stromversorger ČEZ, Pražská energetika und E.ON. Außerdem sind die großen Tankstellenketten und Einzelhändler aktiv beim Ausbau der Infrastruktur.

    Laut Zentrum für Verkehrsforschung waren Mitte Juli 2026 in Tschechien über 73.000 Pkw mit Batterieantrieb registriert; knapp ein Viertel davon in Prag. Damit teilen sich elf Autos einen öffentlichen Ladepunkt.

    Gerit Schulze

    Von Gerit Schulze | Prag

  • Auch wenn die Produktionszahlen nahe der Rekordstände liegen, steht auch Tschechiens Automobilindustrie vor einer Zeitenwende. Immer mehr Zulieferer müssen ihre Werke schließen.

    Tschechien kann sich der Krise der europäischen Autoindustrie nicht gänzlich entziehen. Zu eng sind die Verflechtungen vor allem mit dem deutschen Fahrzeugbau. Die Branche befinde sich in der schwierigsten Phase seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte Jaroslav Povšík, Betriebsratschef bei Škoda Auto, Mitte Juli 2026 in einem Interview. Die geplante Umstrukturierung von Volkswagen könnte seiner Ansicht nach die Zukunft der Škoda-Kleinwagen gefährden.

    Der Produktionsindex der Fahrzeugbranche (NACE-Code 29) stieg 2025 laut Statistikamt um magere 0,5 Prozent. Der Wert der Neuaufträge wuchs 2025 nur auf dem Niveau der Inflation um 2,6 Prozent.

    Mit Škoda Auto (Volkswagen), Hyundai und Toyota produzieren drei Weltkonzerne Pkw in Tschechien. Außerdem haben sich große Erstausrüster (OEM) wie Bosch, Continental oder Brose sowie leistungsfähige Sublieferanten angesiedelt.

    Nach dem Höchstwert von 2024 blieb Tschechiens Autoproduktion 2025 mit rund 1,45 Millionen Pkw stabil. Das 1. Halbjahr 2026 (+4,4 Prozent) deutet darauf hin, dass 2026 wieder ein Rekordjahr werden könnte.

     

    Der größte Fahrzeughersteller Škoda Auto produzierte 2025 in den beiden Werken Mladá Boleslav und Kvasiny rund 947.000 Fahrzeuge. Neben Pkw liefen am Stammsitz Mladá Boleslav auch 514.000 Benzinmotoren sowie 311.000 manuelle Getriebe vom Band. Außerdem werden dort Batterien für Elektrofahrzeuge montiert. In Vrchlabí produzierte Škoda 721.000 Automatikgetriebe.

    Bei Škoda und den anderen Herstellern geht der Großteil der Produktion ins Ausland. Tschechien exportierte 2025 Pkw im Wert von über 32 Milliarden Euro. Davon entfielen mehr als 70 Prozent auf die EU. Märkte in Übersee spielen bislang nur eine Nebenrolle. Der Autoexport nach China betrug lediglich 8,4 Millionen Euro, in die USA nur 2,9 Millionen Euro.

    Wachstumsmärkte liegen in Asien

    Für Škoda Auto liegen die Wachstumsmärkte in Zentralasien, Vietnam und vor allem Indien, wo die VW-Tochter eigene Werke betreibt. Allein 2025 investierte Škoda Auto fast 2,1 Milliarden Euro und damit 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

    Auch bei Hyundai gehen die Investitionen trotz Absatzschwäche weiter. In Nošovice ließ Hyundai 2025 insgesamt 40 Schweißroboter austauschen und nahm eine automatische Türmontage in Betrieb. Für 2026 plant Hyundai Anlagen zur automatischen Positionierung von Windschutzscheiben, zur Messung der Passgenauigkeit von Türen und Motorhauben sowie zur Erkennung von Lackfehlern.

    Außerdem soll 2026 die Jahreskapazität der Batteriemontage bei Hyundai Mobis von 360.000 Batterien auf 450.000 Einheiten steigen, berichtete das Unternehmen. Der Betrieb beliefert auch das Kia-Werk im slowakischen Žilina.

    Das Toyota-Werk Kolín profitiert vom Start des neuen Hybrid-Modells Aygo X, das seit Ende 2025 in Tschechien vom Band läuft. Bei den weiteren Investitionen in die Fabrik streben die Japaner bis 2030 CO₂-Neutralität an.

    Pkw-Produktion in der Tschechischen Republik Stückzahl; Veränderung in Prozent
    Pkw-Hersteller

    2022

    2023

    2024

    2025

    Veränderung 2025/2024

    Škoda Auto

    693.032

    864.889

    896.933

    947.140

    5,6

    Hyundai Motor Manufacturing Czech

    322.500

    340.500

    330.890

    276.175

    -16,5

    Toyota Motor Manufacturing Czech Republic

    202.255

    192.427

    225.058

    222.461

    -1,2

    Summe

    1.217.787

    1.397.816

    1.452.881

    1.445.776

    -0,5

    Quelle: AutoSAP 2026

    Lkw-Produktion wird sprunghaft steigen

    Neben der starken Autoindustrie ist Tschechien auch ein wichtiger Produktionsstandort für Busse und Lastkraftwagen.

    Der einzige Lkw-Hersteller Tatra Trucks, der zur Rüstungsholding CSG gehört, plant bis 2028 eine neue Produktionshalle im mährisch-schlesischen Kopřivnice, um die Bearbeitung wichtiger Komponenten wie Rahmen, Motoren und Getriebe an einem Ort zu konzentrieren. Über 70 Millionen Euro soll dabei die Anschaffung von Maschinen kosten. Bis 2030 will Tatra die Jahresproduktion auf 3.000 Fahrzeuge verdoppeln, vor allem dank Aufträgen aus dem Verteidigungssektor.

    Bis dahin bekommt der tschechische Hersteller starke Konkurrenz. Daimler Truck kündigte Anfang 2026 an, in Cheb ein neues Lkw-Werk für über 300 Millionen Euro zu errichten. Ab 2030 könnten dort 25.000 Lastkraftwagen montiert werden.

    Keine Traktorenproduktion mehr in Tschechien

    Dagegen ist die Traktorenproduktion in Tschechien Geschichte. Der letzte Hersteller Zetor stellte die Fertigung am Stammsitz Brno im Sommer 2026 nach 80 Jahren ein. Künftig werden Zetor-Traktoren nur noch in Indien hergestellt.

    Bei Bussen hat Tschechien mit Iveco, SOR Libchavy, KHMC und Škoda Electric noch vier Hersteller. Sie steigerten ihre Produktion 2025 um mehr als ein Viertel. Das hing vor allem mit der guten Entwicklung beim größten Hersteller Iveco im ostböhmischen Vysoké Mýto zusammen, wo über 5.000 Busse vom Band liefen.

    Milliardenumsatz bei den Zulieferern

    Die tschechische Kfz-Zulieferindustrie erzielte 2024 einen Umsatz von rund 31,7 Milliarden Euro (NACE 29.3). Nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Handel liefern rund 900 Unternehmen der Automobilindustrie zu.

    Den Großteil der Umsätze in der Kfz-Industrie erzielen Unternehmen unter ausländischer Kontrolle. Viele der führenden TIER-1-Unternehmen und Hunderte von Zulieferfirmen fertigen im Land. Die umsatzstärksten sind Continental, Bosch, Mobis und Faurecia. Durch die geringere Nachfrage in den europäischen Automobilfabriken sinkt aber die Auslastung der tschechischen Zulieferbetriebe. Immer mehr Unternehmen müssen ihre Werke schließen. Im Juni 2026 kündigten Megatech Industries (Kunststoffteile) und Inteva Products (Dachsysteme, Türschlösser) an, ihre Produktion bei Jablonec nad Nisou einzustellen. Schon zuvor gab es größere Entlassungen in drei Werken von Valeo.

    Hoher Bedarf an Komponenten 

    Tschechiens Bedarf an Komponenten für die Fahrzeugproduktion ist weiterhin sehr hoch. Im Jahr 2025 importierte das Land Kfz-Teile im Wert von fast 18 Milliarden Euro. Ein Drittel davon kam aus Deutschland. Dahinter folgten Polen, die Slowakei und Ungarn. Im 1. Halbjahr 2026 war der Einfuhrwert stabil. Die Importe von Komponenten aus Deutschland stiegen um 1,5 Prozent.

    Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile in die Tschechische Republikin Millionen Euro; Veränderung in Prozent
     

    2025

    Veränderung 2025/2024

    Januar bis April 2026

    Veränderung Januar bis April 2026 / Januar bis April 2025

    aus Deutschland (2025)

    aus Deutschland Veränderung 2025/2024

    aus Deutschland (Januar bis April 2026)

    aus Deutschland Veränderung Januar bis April 2026 / Januar bis April 2025

    SITC 778.3 Kfz-Elektrik

    1.364-4,9444-4,9219-5,1775,5

    SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc.

    12.271-0,34.2974,54.2720,11.54610,3

    SITC 773.13 Zündkabelsätze

    2.2188,07897,74353,61578,0

    SITC 713.2 Motoren

    2.076-19,6607-23,1925-32,6232-35,9

    Summe

    17.930-2,56.1370,65.850-7,02.0121,5
    Quelle: Eurostat 2026

    Viele Investitionen in Batterietechnologien

    Die aktuellen Projekte in der tschechischen Automobilindustrie konzentrieren sich vor allem auf Technologien für Batterieautos. Außerdem investieren die Unternehmen in die Automatisierung der Produktion und in Energieeffizienz.

    Ausgewählte Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in der Tschechischen RepublikInvestitionssumme in Millionen Euro
    Unternehmen

    Investitionssumme *)

    ProjektstandAnmerkungen
    Toyota Motor Manufacturing Czech Republic

    680

    Investitionsanreize genehmigtneue Halle für Produktion von Elektroautos und Batteriemontage in Kolín
    Daimler Trucks

    330

    Baubeginn 2027; Produktion 2030 geplantneues Werk zur Lkw-Produktion in Cheb; zum Teil Verlegung der Produktion aus Deutschland und der Türkei
    Aisin Europe Manufacturing Czech

    185,5

    Investitionsanreize genehmigt; Testphase; Serienproduktion ab 2027 geplantneue Halle zur Produktion von Elektromotoren für BMW in Písek
    Gestamp Louny

    109

    Investitionsanreize genehmigtErweiterung der Produktion von Batterieboxen für Kfz in Louny
    Tatra Trucks

    94,8

    Baubeginn 2026; Fertigstellung 2028 geplantneue Halle für Werkzeugbau und Metallbearbeitung in Kopřivnice
    Mobis Automotive Czech

    49,4

    Investitionsanreize genehmigt; Bau begonnenProduktion von Batteriesystemen für Elektroautos in Nošovice
    Sungwoo Hitech

    33,7

    Investitionsanreize genehmigtErweiterung der Produktion von Stahlteilen für Kfz in Ostrava
    SJG Czech

    22,9

    Investitionsanreize genehmigtErweiterung der Produktion von Modulen zur Batterieladung für Elektroutos in Karviná
    Stadt Prag

    20,3

    Langfristiger Plan für mehrere JahreBau von 1.500 Ladepunkten für E-Autos

    Electra

     

    k.A.

    Bau begonnen; Ausbau der Filialen 2026 bis 2030Ausbau von Schnellladestationen für Elektroautos
    * Umrechnung anhand des Wechselkurses 1 Euro = 24,255 Tschechische Kronen (Tschechische Nationalbank, 9.7.2026).Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest; CzechInvest 2026; Pressemeldungen 2025 bis 2026

    Gerit Schulze

    Von Gerit Schulze | Prag

  • Als Mitglieder der Europäischen Union gelten für Deutschland und die Tschechische Republik auf dem Binnenmarkt die gleichen Rahmenbedingungen.

    Das Verkehrsministerium hat fünf Institutionen als offizielle Prüfstellen für Fahrzeuge und Kfz-Teile beauftragt: Die tschechischen Niederlassungen von Dekra und TÜV Süd, IGTT, Státní zkušebna strojů und Elektrotechnický zkušební ústav.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa Deutsches Institut für Normung e. V.).

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Gerit Schulze

    Von Gerit Schulze | Prag

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Tschechische Republik

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministerium für Industrie und Handel

    Zuständig für die Automobilindustrie
    VerkehrsministeriumRegelt Verkehrsgesetze und technische Anforderungen
    CzechInvestFörderstelle für Investitionen
    Verband der Automobilindustrie (AutoSAP)Vertritt 129 Unternehmen und Institutionen
    Verband der Automobilimporteure (SDA)Vereinigung mit 45 Mitgliedern
    Verband des tschechischen Kraftfahrzeuggewerbes Vertritt Werkstätten und Händler
    AutomakersFachzeitschrift und -portal
    AutoservisFachzeitschrift für Werkstätten
    MotosalonFachmesse in Brno für Motorräder, Geländefahrzeuge, Zubehör und Bekleidung, nächster Termin 2028
    E-SalonFachmesse in Prag für saubere Mobilität, Technologien und Lösungen für Elektromobilität; 12. bis 15. November 2026
    For CaravanFachmesse in Prag für Wohnmobile und Caravans; 19. bis 21. März 2027
    Prague Car FestivalFachmesse in Prag für Tuning und Motorsport; 31. Oktober bis 1. November 2026
    Caravaning BrnoFachausstellung in Brno für Wohnmobile und Caravans; 5. bis 8. November 2026
    Autosalon 2026Fachmesse in Lysá nad Labem für Kfz und Zubehör; 6. bis 8. November 2026
    CzechbusFachmesse in Prag für Busse, öffentlichen Verkehr und Telematik; 24. bis 26. November 2026
    MotocyklFachausstellung in Prag für Motorräder, Vierräder und Zubehör; 4. bis 7. März 2027
    Truck & Cargo ExpoFachmesse in Prag für Lkw und Logistik; 23. bis 25. November 2027
    Lieferantendatenbank AutomobilindustrieDienstleistung von CzechInvest auch in englischer Version