Auch wenn die Produktionszahlen nahe der Rekordstände liegen, steht auch Tschechiens Automobilindustrie vor einer Zeitenwende. Immer mehr Zulieferer müssen ihre Werke schließen.
Tschechien kann sich der Krise der europäischen Autoindustrie nicht gänzlich entziehen. Zu eng sind die Verflechtungen vor allem mit dem deutschen Fahrzeugbau. Die Branche befinde sich in der schwierigsten Phase seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte Jaroslav Povšík, Betriebsratschef bei Škoda Auto, Mitte Juli 2026 in einem Interview. Die geplante Umstrukturierung von Volkswagen könnte seiner Ansicht nach die Zukunft der Škoda-Kleinwagen gefährden.
Der Produktionsindex der Fahrzeugbranche (NACE-Code 29) stieg 2025 laut Statistikamt um magere 0,5 Prozent. Der Wert der Neuaufträge wuchs 2025 nur auf dem Niveau der Inflation um 2,6 Prozent.
Mit Škoda Auto (Volkswagen), Hyundai und Toyota produzieren drei Weltkonzerne Pkw in Tschechien. Außerdem haben sich große Erstausrüster (OEM) wie Bosch, Continental oder Brose sowie leistungsfähige Sublieferanten angesiedelt.
Nach dem Höchstwert von 2024 blieb Tschechiens Autoproduktion 2025 mit rund 1,45 Millionen Pkw stabil. Das 1. Halbjahr 2026 (+4,4 Prozent) deutet darauf hin, dass 2026 wieder ein Rekordjahr werden könnte.
Der größte Fahrzeughersteller Škoda Auto produzierte 2025 in den beiden Werken Mladá Boleslav und Kvasiny rund 947.000 Fahrzeuge. Neben Pkw liefen am Stammsitz Mladá Boleslav auch 514.000 Benzinmotoren sowie 311.000 manuelle Getriebe vom Band. Außerdem werden dort Batterien für Elektrofahrzeuge montiert. In Vrchlabí produzierte Škoda 721.000 Automatikgetriebe.
Bei Škoda und den anderen Herstellern geht der Großteil der Produktion ins Ausland. Tschechien exportierte 2025 Pkw im Wert von über 32 Milliarden Euro. Davon entfielen mehr als 70 Prozent auf die EU. Märkte in Übersee spielen bislang nur eine Nebenrolle. Der Autoexport nach China betrug lediglich 8,4 Millionen Euro, in die USA nur 2,9 Millionen Euro.
Wachstumsmärkte liegen in Asien
Für Škoda Auto liegen die Wachstumsmärkte in Zentralasien, Vietnam und vor allem Indien, wo die VW-Tochter eigene Werke betreibt. Allein 2025 investierte Škoda Auto fast 2,1 Milliarden Euro und damit 14 Prozent mehr als im Vorjahr.
Auch bei Hyundai gehen die Investitionen trotz Absatzschwäche weiter. In Nošovice ließ Hyundai 2025 insgesamt 40 Schweißroboter austauschen und nahm eine automatische Türmontage in Betrieb. Für 2026 plant Hyundai Anlagen zur automatischen Positionierung von Windschutzscheiben, zur Messung der Passgenauigkeit von Türen und Motorhauben sowie zur Erkennung von Lackfehlern.
Außerdem soll 2026 die Jahreskapazität der Batteriemontage bei Hyundai Mobis von 360.000 Batterien auf 450.000 Einheiten steigen, berichtete das Unternehmen. Der Betrieb beliefert auch das Kia-Werk im slowakischen Žilina.
Das Toyota-Werk Kolín profitiert vom Start des neuen Hybrid-Modells Aygo X, das seit Ende 2025 in Tschechien vom Band läuft. Bei den weiteren Investitionen in die Fabrik streben die Japaner bis 2030 CO₂-Neutralität an.
Pkw-Produktion in der Tschechischen Republik Stückzahl; Veränderung in Prozent| Pkw-Hersteller | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | Veränderung 2025/2024 |
|---|
| Škoda Auto | 693.032 | 864.889 | 896.933 | 947.140 | 5,6 |
| Hyundai Motor Manufacturing Czech | 322.500 | 340.500 | 330.890 | 276.175 | -16,5 |
| Toyota Motor Manufacturing Czech Republic | 202.255 | 192.427 | 225.058 | 222.461 | -1,2 |
| Summe | 1.217.787 | 1.397.816 | 1.452.881 | 1.445.776 | -0,5 |
Quelle: AutoSAP 2026
Lkw-Produktion wird sprunghaft steigen
Neben der starken Autoindustrie ist Tschechien auch ein wichtiger Produktionsstandort für Busse und Lastkraftwagen.
Der einzige Lkw-Hersteller Tatra Trucks, der zur Rüstungsholding CSG gehört, plant bis 2028 eine neue Produktionshalle im mährisch-schlesischen Kopřivnice, um die Bearbeitung wichtiger Komponenten wie Rahmen, Motoren und Getriebe an einem Ort zu konzentrieren. Über 70 Millionen Euro soll dabei die Anschaffung von Maschinen kosten. Bis 2030 will Tatra die Jahresproduktion auf 3.000 Fahrzeuge verdoppeln, vor allem dank Aufträgen aus dem Verteidigungssektor.
Bis dahin bekommt der tschechische Hersteller starke Konkurrenz. Daimler Truck kündigte Anfang 2026 an, in Cheb ein neues Lkw-Werk für über 300 Millionen Euro zu errichten. Ab 2030 könnten dort 25.000 Lastkraftwagen montiert werden.
Keine Traktorenproduktion mehr in Tschechien
Dagegen ist die Traktorenproduktion in Tschechien Geschichte. Der letzte Hersteller Zetor stellte die Fertigung am Stammsitz Brno im Sommer 2026 nach 80 Jahren ein. Künftig werden Zetor-Traktoren nur noch in Indien hergestellt.
Bei Bussen hat Tschechien mit Iveco, SOR Libchavy, KHMC und Škoda Electric noch vier Hersteller. Sie steigerten ihre Produktion 2025 um mehr als ein Viertel. Das hing vor allem mit der guten Entwicklung beim größten Hersteller Iveco im ostböhmischen Vysoké Mýto zusammen, wo über 5.000 Busse vom Band liefen.
Milliardenumsatz bei den Zulieferern
Die tschechische Kfz-Zulieferindustrie erzielte 2024 einen Umsatz von rund 31,7 Milliarden Euro (NACE 29.3). Nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Handel liefern rund 900 Unternehmen der Automobilindustrie zu.
Den Großteil der Umsätze in der Kfz-Industrie erzielen Unternehmen unter ausländischer Kontrolle. Viele der führenden TIER-1-Unternehmen und Hunderte von Zulieferfirmen fertigen im Land. Die umsatzstärksten sind Continental, Bosch, Mobis und Faurecia. Durch die geringere Nachfrage in den europäischen Automobilfabriken sinkt aber die Auslastung der tschechischen Zulieferbetriebe. Immer mehr Unternehmen müssen ihre Werke schließen. Im Juni 2026 kündigten Megatech Industries (Kunststoffteile) und Inteva Products (Dachsysteme, Türschlösser) an, ihre Produktion bei Jablonec nad Nisou einzustellen. Schon zuvor gab es größere Entlassungen in drei Werken von Valeo.
Hoher Bedarf an Komponenten
Tschechiens Bedarf an Komponenten für die Fahrzeugproduktion ist weiterhin sehr hoch. Im Jahr 2025 importierte das Land Kfz-Teile im Wert von fast 18 Milliarden Euro. Ein Drittel davon kam aus Deutschland. Dahinter folgten Polen, die Slowakei und Ungarn. Im 1. Halbjahr 2026 war der Einfuhrwert stabil. Die Importe von Komponenten aus Deutschland stiegen um 1,5 Prozent.
Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile in die Tschechische Republikin Millionen Euro; Veränderung in Prozent| | 2025 | Veränderung 2025/2024 | Januar bis April 2026 | Veränderung Januar bis April 2026 / Januar bis April 2025 | aus Deutschland (2025) | aus Deutschland Veränderung 2025/2024 | aus Deutschland (Januar bis April 2026) | aus Deutschland Veränderung Januar bis April 2026 / Januar bis April 2025 |
|---|
SITC 778.3 Kfz-Elektrik | 1.364 | -4,9 | 444 | -4,9 | 219 | -5,1 | 77 | 5,5 |
SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc. | 12.271 | -0,3 | 4.297 | 4,5 | 4.272 | 0,1 | 1.546 | 10,3 |
SITC 773.13 Zündkabelsätze | 2.218 | 8,0 | 789 | 7,7 | 435 | 3,6 | 157 | 8,0 |
SITC 713.2 Motoren | 2.076 | -19,6 | 607 | -23,1 | 925 | -32,6 | 232 | -35,9 |
Summe | 17.930 | -2,5 | 6.137 | 0,6 | 5.850 | -7,0 | 2.012 | 1,5 |
Quelle: Eurostat 2026
Viele Investitionen in Batterietechnologien
Die aktuellen Projekte in der tschechischen Automobilindustrie konzentrieren sich vor allem auf Technologien für Batterieautos. Außerdem investieren die Unternehmen in die Automatisierung der Produktion und in Energieeffizienz.
Ausgewählte Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in der Tschechischen RepublikInvestitionssumme in Millionen Euro| Unternehmen | Investitionssumme *) | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Toyota Motor Manufacturing Czech Republic | 680 | Investitionsanreize genehmigt | neue Halle für Produktion von Elektroautos und Batteriemontage in Kolín |
| Daimler Trucks | 330 | Baubeginn 2027; Produktion 2030 geplant | neues Werk zur Lkw-Produktion in Cheb; zum Teil Verlegung der Produktion aus Deutschland und der Türkei |
| Aisin Europe Manufacturing Czech | 185,5 | Investitionsanreize genehmigt; Testphase; Serienproduktion ab 2027 geplant | neue Halle zur Produktion von Elektromotoren für BMW in Písek |
| Gestamp Louny | 109 | Investitionsanreize genehmigt | Erweiterung der Produktion von Batterieboxen für Kfz in Louny |
| Tatra Trucks | 94,8 | Baubeginn 2026; Fertigstellung 2028 geplant | neue Halle für Werkzeugbau und Metallbearbeitung in Kopřivnice |
| Mobis Automotive Czech | 49,4 | Investitionsanreize genehmigt; Bau begonnen | Produktion von Batteriesystemen für Elektroautos in Nošovice |
| Sungwoo Hitech | 33,7 | Investitionsanreize genehmigt | Erweiterung der Produktion von Stahlteilen für Kfz in Ostrava |
| SJG Czech | 22,9 | Investitionsanreize genehmigt | Erweiterung der Produktion von Modulen zur Batterieladung für Elektroutos in Karviná |
| Stadt Prag | 20,3 | Langfristiger Plan für mehrere Jahre | Bau von 1.500 Ladepunkten für E-Autos |
Electra | k.A. | Bau begonnen; Ausbau der Filialen 2026 bis 2030 | Ausbau von Schnellladestationen für Elektroautos |
* Umrechnung anhand des Wechselkurses 1 Euro = 24,255 Tschechische Kronen (Tschechische Nationalbank, 9.7.2026).Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest; CzechInvest 2026; Pressemeldungen 2025 bis 2026