Wirtschaftsstandort | Uruguay

Uruguay als sichere Anlaufstelle für das Südamerikageschäft

Uruguay hat beste Voraussetzungen, sich als sicherer Hafen für Auslandsinvestitionen in der Region zu etablieren. Viele Firmen nutzen den Mercosur-Staat als Logistikhub.

Stefanie Schmitt

Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile

Bislang spielt Uruguay auf der Investitionslandkarte der meisten deutschen Unternehmen kaum eine Rolle. Mit 3,4 Millionen Einwohnern zählt das Land zu den kleineren Volkswirtschaften Lateinamerikas. Dafür belegt es bei Korruptionsfreiheit, Demokratie, Freiheit und Rechtssicherheit regelmäßig Spitzenplätze in der Region. Hinzu kommt die große Distanz zu den globalen geopolitischen Krisenherden.

Vor diesem Hintergrund positioniert sich Uruguay zunehmend als Logistikdrehscheibe für den Mercosur und als sicherer Einstiegspunkt in den südamerikanischen Markt.

  • Kein Land der Welt zählt mehr Rinder pro Kopf als Uruguay. Neben dem starken Agrar- und Forstsektor setzt das Land auf Dienstleistungen, allen voran in den Zweigen Logistik und IT.

    Uruguays Wirtschaft ist zwar kaum diversifiziert, doch zeigt sich das Land erstaunlich resilient gegenüber externen Belastungen: In den vergangenen 25 Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur in einem Jahr, dem Coronajahr 2020, gesunken. Für 2026 und 2027 erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) BIP-Zuwächse von 1,8 beziehungsweise 2,6 Prozent.

    Mit Ausnahme der Land- und Forstwirtschaft konzentriert sich der Großteil der Wirtschaftsaktivitäten auf den Großraum Montevideo sowie einige kleinere, im Land verteilte Standorte.

    3,4 Mio.

    Menschen lebten 2025 in Uruguay.

    Quelle: Weltbank 2026

    96,1 Mrd.

    US-Dollar beträgt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 laut Prognosen.

    Quelle: IWF 2026

    27.608 US-Dollar

    macht das BIP pro Kopf damit 2026 aus.

    Quelle: IWF 2026

    Rang 97

    belegte das Land 2025 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2026

    Rang 17

    nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2026

    2,0 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2026.

    Quelle: Gobierno de Uruguay 2026

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    Die vergleichsweise schmale Wirtschaftsstruktur spiegelt sich auch an den Exporten wider: Von den Warenausfuhren im Wert von 13,5 Milliarden US-Dollar (US$) im Jahr 2025 entfielen laut der Investitions- und Exportförderagentur Uruguay XXI rund 73 Prozent auf Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft. Hauptkunden sind China, Brasilien und die EU.

    SWOT-Analyse Uruguay

    S

    Stärken Strengths

    • Stabile und transparente Demokratie mit verlässlichen Institutionen
    • Sehr geringe Korruption
    • Stromerzeugung nahezu vollständig aus erneuerbaren Energien
    • Rinderzucht und Forstwirtschaft (Niedrigrisikoland laut EU-Entwaldungsverordnung) 
    • Viele IT-Start-ups und globale IT-Dienstleister
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Sehr kleiner Binnenmarkt, überschaubare Geschäftschancen vor Ort
    • Vergleichsweise hohe Personal- und andere Kosten
    • Geringe Verbreitung von Englisch im Geschäftsalltag
    • Schwach entwickelte industrielle Basis
    • Defizite bei Wasserver- und Abwasserentsorgung sowie Abfallmanagement
    O

    Chancen Opportunities

    • Ausbau zur Logistikdrehscheibe für Mercosur mit 14 Freihandelszonen
    • Sicherer Hafen für Investitionen (etwa aus Argentinien und Brasilien)
    • Investitionen in Umwelttechnik (Wasser, Abwasser, Müllentsorgung; grüne Energie/grüner Wasserstoff)
    • Wachsender High-End-Tourismus
    • EU-Mercosur-Abkommen
    T

    Risiken Threats

    • Geringe wirtschaftliche Diversifizierung
    • Keine Rohstoffvorkommen
    • Verlust von Investitionen wegen hohem Kostenniveau
    • Kein automatischer Zugang zum gesamten Mercosur-Markt, da Mercosur kein einheitlicher Wirtschaftsraum ist
    • Begrenzte handelspolitische Flexibilität durch die gemeinsame Mercosur-Außenhandelspolitik

    Devisenbringer Agrar- und Forstwirtschaft

    Mit einem Bestand von 11 Millionen bis 12 Millionen Rindern gilt Uruguay als das Land mit der höchsten Rinderdichte pro Einwohner weltweit. Hinzu kommen rund 6 Millionen Schafe. Laut Uruguay XXI entfielen 2025 rund 27 Prozent der gesamten Exporte auf Rindfleisch und Milchprodukte. Nach Angaben von UN Comtrade war Uruguay 2024 elftwichtigster Rindfleischexporteur weltweit, gerechnet in Mengen.

    Wichtig für EU-Kunden: Nationale Informationssysteme ermöglichen die Rückverfolgbarkeit von Nutztieren. Dies ermöglicht den Nachweis, dass das Rindfleisch den Richtlinien der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) genügt.

    Was hinter der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) steckt:

    Die 2023 erlassene EU-Entwaldungsverordnung (EUDR, Verordnung (EU) 2023/1115) zielt darauf, die globale Entwaldung einzudämmen und die Biodiversität zu schützen. Sie regelt, dass bestimmte Rohstoffe und daraus hergestellte Produkte nur dann in der EU gehandelt oder in die EU importiert werden dürfen, wenn sie entwaldungsfrei und gemäß den Rechtsvorschriften des Erzeugerlandes produziert wurden. 

    Entwaldungsfrei bedeutet, dass die Rohstoffe nicht auf Flächen erzeugt wurden, die nach dem 31. Dezember 2020 entwaldet wurden, und dass Holz aus Wäldern stammt, die seit diesem Datum keine Waldschädigung erfahren haben.

    Die EUDR umfasst sieben Hauptprodukte: Holz, Kakao, Kaffee, Kautschuk, Ölpalme, Soja und Rinder.

    Die EUDR kategorisiert Länder in niedriges, normales oder hohes Entwaldungsrisiko, basierend auf Entwaldungstrends, landwirtschaftlicher Expansion und rechtlichen Rahmenbedingungen. Uruguay gilt gemäß der EUDR als Niedrigrisikoland. 

    Weitere 19 Prozent des Warenexports stammen aus dem Ackerbau (Soja, Reis und Gerste/Malz). Bei Reis lag Uruguay 2024 laut UN Comtrade mengenmäßig auf Rang 9 der Reis-Exportnationen. Die Lebensmittelverarbeitung vor Ort bietet noch deutliches Ausbaupotenzial.

     

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in UruguayFür das Jahr 2025; Anteile in Prozent

    Sektoren

    Anteil am BIP

    Anteil an den Beschäftigten (Stand August 2026)

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Bergbau

    7,2

    8,1

    Verarbeitendes Gewerbe

    10,0

    9,7

    Wasser-, Gas- und Energieversorgung

    2,3

    1,1

    Baugewerbe

    4,3

    7,4

    Handel, Hotellerie und Gastronomie

    13,7

    21,2

    Logistik und Lagerwirtschaft, Informations- und Kommunikationsdienstleistungen

    8,2

    7,7

    Finanzdienste

    4,9

    1,6

    Öffentliche Verwaltung

    5,0

    6,5

    Gesundheits- und Bildungswesen, Immobilien, freiberufliche und sonstige Dienste

    32,8

    36,8

    Verrechnungsposten (Steuern minus Subventionen)

    11,6

    0

    Quelle: Banco Central del Uruguay 2026, Instituto Nacional de Estadística 2026

    Zertifizierte Forstwirtschaft lockt Investoren an

    Attraktiv für ausländische Investoren ist Uruguays Forst- und Zellstoffwirtschaft. Nahezu die gesamte forstwirtschaftliche Produktion ist nach den Standards FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification) zertifiziert und erfüllt damit hohe Anforderungen an Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit.

    Größter Player und schon seit Jahrzehnten vor Ort ist die finnische Firma UPM. Beim Bau ihres zweiten, im Jahr 2023 in Betrieb genommenen Werks UPM Paso de los Toros bezog sie einen großen Teil ihrer Maschinen und Anlagen von deutschen Anbietern. Die in Uruguay ansässigen Forst- und Zellstoffunternehmen produzieren nahezu ausschließlich für den Weltmarkt. Im Jahr 2025 erwirtschafteten sie rund ein Fünftel der Warenexporte des Landes.

    Logistikdrehscheibe Uruguay 

    Uruguay hat sich als wichtiger Logistikstandort für Südamerika etabliert. Dazu tragen auch die 14 Freihandelszonen bei, die Unternehmen je nach Branche unterschiedliche steuerliche und regulatorische Vorteile bieten.

    Das Land verfügt über 15 Seehäfen, darunter acht Handelshäfen mit Verbindungen nach Argentinien, Bolivien, Brasilien und Paraguay. Ergänzt wird die Infrastruktur durch ein dichtes Straßennetz mit drei Grenzübergängen nach Argentinien und sechs nach Brasilien.

    Das Eisenbahnnetz ist ausbaufähig. Ausgehend vom Hafen von Montevideo umfasst es drei Hauptstrecken, von denen zwei nach Brasilien und eine nach Argentinien führen. Hinzu kommen fünf internationale Flughäfen.

    In Uruguay liegen die einzigen Freihäfen an der südamerikanischen Atlantikküste, und der Carrasco International Airport ist der einzige Freiflughafen in Südamerika.

    Kira Potowski Geschäftsführerin der AHK Uruguay

     

    So schnell ist man von Uruguay in ...Transportdauer nach Verkehrsmittel
    TransportmittelZielTransportdauer (in Tagen)
    FlugzeugBogotá (Kolumbien)

    1

     Asunción (Paraguay)

    1

     Lima (Peru)

    1

     Buenos Aires (Argentinien)

    1

     Santiago de Chile (Chile)

    1

    LkwBuenos Aires (Argentinien)

    1

     Porto Alegre (Brasilien)

    2

     Rosario (Argentinien)

    2

     Asunción (Paraguay)

    3

     Córdoba (Argentinien)

    3

     São Paulo (Brasilien)

    3-5

     Santiago de Chile (Chile)

    3-5

     Santa Cruz (Bolivien)

    8

    SchiffBuenos Aires (Argentinien)

    1

     Santos (Brasilien)

    6

     Río de Janeiro (Brasilien)

    9

     Asunción (Paraguay)

    9

     San Antonio (Chile)

    20

    Quelle: Instituto Nacional de Logística 2026

     

    Standort für globale Dienstleistungen

    Der Dienstleistungssektor gewinnt an Bedeutung. Mit 7,4 Milliarden US$ erreichten die Dienstleistungsexporte 2025 bereits mehr als die Hälfte des Warenexports. Auf sogenannte globale Dienstleistungen, darunter Finanz-, Rechts-, Personal- und Logistikdienste, entfielen rund 57 Prozent der Ausfuhren.

    Uruguay will diese Entwicklung weiter vorantreiben und fördert Zukunftstechnologien wie Data Science, künstliche Intelligenz (KI) und Cybersicherheit. Laut dem LATAM AI Index des Centro Nacional de Inteligencia Artificial (CENIA) belegte Uruguay 2025 hinter Chile und Brasilien Platz 3 in Lateinamerika. Das Land zählt insbesondere beim Ausbau der digitalen Infrastruktur, der KI-Governance, der digitalen Bildung sowie der Einführung von KI-Anwendungen zu den regionalen Vorreitern.

    Internationale Firmen nutzen Uruguay bereits als Standort für digitale und wissensintensive Dienstleistungen. Dazu zählen Mercado Libre und Tata Consultancy Services, die von der gut ausgebauten digitalen Infrastruktur und qualifizierten Arbeitskräften profitieren.

    Gleichzeitig zeigt das Beispiel von BASF Services Americas die Grenzen des Standorts. Das in Montevideo ansässige Shared-Service-Center erbrachte zuletzt mit rund 1.200 Beschäftigten Dienstleistungen für 72 BASF-Gesellschaften in Nord- und Südamerika. Wie die Zeitung El Observador Anfang 2026 berichtete, verlagert BASF Teile dieser Aktivitäten nach Indien, wo die Personalkosten deutlich niedriger sind.

    Hohe Personalkosten als Standortnachteil

    Die im regionalen Vergleich hohen Arbeitskosten zählen zu den größten Standortnachteilen Uruguays. Im August 2026 lag der Mindestlohn bei umgerechnet rund 632 US$. Das ist deutlich mehr als in Paraguay (390 US$) und Argentinien, wo der Mindestlohn infolge der Wirtschafts- und Währungskrise inzwischen auf umgerechnet rund 315 US$ gesunken ist – und damit auf etwa die Hälfte des Werts von Uruguay. "Vor rund 15 Jahren wäre dies kaum vorstellbar gewesen", kommentiert Henrik ter Huerne vom Hamburger Logistikunternehmen Schryver diese Entwicklung. 

    Zu berücksichtigen ist zudem, dass viele Unternehmen deutlich mehr als den gesetzlichen Mindestlohn zahlen. Gründe dafür sind sowohl der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte als auch tarifvertragliche Vereinbarungen in einzelnen Branchen. Hinzu kommen Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung von knapp 20 Prozent.

    Erneuerbare Energien, E-Mobilität und grüner Wasserstoff

    Bei der Energiewende gehört Uruguay weltweit zu den Vorreitern. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur stammten 2023 rund 93,5 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen. Diese günstigen Rahmenbedingungen kommen auch der Elektromobilität zugute, die sich dynamisch entwickelt.

    Nach Daten des Automobilverbands ACAU erreichte der Absatz von E-Autos 2025 mit 14.443 Einheiten einen neuen Höchststand und lag damit 146,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Gemessen an der Einwohnerzahl verfügt Uruguay über den größten Bestand an E-Mobilen in Lateinamerika. Den Markt dominieren chinesische Hersteller. Volkswagen gehört zwar zu den meistverkauften Automarken und rangiert insgesamt auf Platz 5. Im schnell wachsenden E-Autosegment spielen deutsche Anbieter bislang jedoch kaum eine Rolle.

    Auch beim Thema grüner Wasserstoff bringt Uruguay günstige Voraussetzungen mit. Seit 2023 besteht zudem eine Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und Uruguay.

    Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile

  • Uruguay überzeugt durch stabile demokratische Institutionen, hohe Rechtssicherheit und wirtschaftliche Freiheit. Hinzu kommen attraktive Förderinstrumente für Investoren.

    Mit 3,4 Millionen Einwohnern ist Uruguay eine der kleinsten Volkswirtschaften Lateinamerikas. Beim Pro-Kopf-Einkommen steht das Land aber auf Platz 1. Für 2026 rechnet der IWF mit einem BIP pro Kopf von rund 27.600 US$.

    Gemeinsam mit Chile gehört Uruguay zu den politisch und wirtschaftlich stabilsten Staaten der Region. Zudem profitiert das Land von seiner großen Distanz zu den Krisenherden der Welt. Entsprechend stuft der Kreditversicherer Allianz Trade Uruguay als Standort mit einem geringen Unternehmensrisiko ("low risk for enterprises") ein.

    Sicher, stabil und Compliance-freundlich

    Hinzu kommen ein hohes Maß an wirtschaftlicher Freiheit und ein wirtschaftsfreundlicher Rahmen. Im Index of Economic Freedom 2026 der Heritage Foundation belegt Uruguay nach Chile Platz 2 in Lateinamerika und Rang 32 weltweit. Als besondere Stärken nennt die Stiftung:

    • starke Rechtsstaatlichkeit
    • hohe Integrität staatlicher Institutionen
    • geringe Korruption
    • investitionsfreundliche Rahmenbedingungen

    Im Corruption Perceptions Index 2025 von Transparency International belegt Uruguay Platz 1 in Lateinamerika und Rang 17 weltweit. Auch bei demokratischen und bürgerrechtlichen Indikatoren gehört das Land zur Spitzengruppe der Region:

    • Rang 1 in Lateinamerika (weltweit Rang 15) beim Democracy Index 2025 des Economist; damit gilt Uruguay als einzige "vollwertige Demokratie" der Region.
    • Im Freedom in the World Report 2026 von Freedom House erreichte Uruguay 97 von 100 Punkten und zählt damit zu den freiesten Ländern der Welt. Zum Vergleich: Chile und Deutschland jeweils 95.

    Deutsche Unternehmen unterrepräsentiert

    Trotz dieser Standortvorteile kommt Uruguay auf der "Landkarte" der meisten deutschen Firmen bislang nicht vor. Entsprechend überschaubar fällt das Engagement aus: Laut der Banco Central del Uruguay belief sich der Bestand der deutschen Direktinvestitionen 2024 auf rund 740 Millionen US-Dollar. Das entsprach 2 Prozent der gesamten ausländischen Direktinvestitionen. Zu den wichtigsten Investoren zählen Spanien, Argentinien und Brasilien.

    Gleichwohl sind auch deutsche Firmen vor Ort vertreten, darunter viele mit Vertriebsniederlassungen wie Bayer, Boehringer Ingelheim, Fresenius Medical Care, Nordex Energy, Rodenstock, Siemens Healthineers und Würth.

    Wichtige deutsche Wirtschaftsakteure in UruguayLogistik und andere Dienstleistungen überwiegen
    UnternehmenBrancheAnmerkungen
    BaderLederindustrieBeschaffung und Verarbeitung hochwertiger Rinderhäute aus Uruguay
    BASFChemieRegionales Shared Services Center; Vertrieb, Forschung und Entwicklung für die Landwirtschaft; einer der größten deutschen Arbeitgeber und Investoren im Land mit derzeit noch über 1.000 Beschäftigten in Finanz-, IT-, Logistik- und Verwaltungsdienstleistungen für ganz Amerika, befindet sich allerdings in einem Verlagerungsprozess. 
    Deutsche Bahn Engineering (DB E.C.O. Group)InfrastrukturBeteiligung an Planung, Engineering und Betrieb der Bahnstrecke für das Zellstoffwerk Paso de los Toros von UPM ("Ferrocarril Central"); DB E.C.O Group zieht sich gegenwärtig aus Uruguay zurück.
    DHLLogistikAusbau der Präsenz; im September 2026 Übernahme von Aero Cargas
    EnertragWindenergieProjektentwicklung; Enertrag plant Bau von E-Methanolanlage in Tacuarembó.
    Rhenus LogisticsLogistikLogistikdienstleister; kauften 2023 BLU Logistics (Kolumbien) und 2026 die LBH Group (Niederlande) einschließlich deren Uruguay-Geschäfts.
    SchryverLogistikBedient von Uruguay aus mehrere Länder der Region.
    Siemens EnergyEnergieIngenieurbüro in Montevideo
    Quelle: AHK Uruguay 2026, IHK Hannover 2025, Firmenwebseiten 2026


     

    Investitionsförderung: Zahlreiche Steuer- und Zollvergünstigungen

    Wichtiger Ansprechpartner für ausländische Unternehmen, die sich für Uruguay als Geschäftspartner oder Investitionsziel interessieren, ist die Investitions- und Exportförderagentur Uruguay XXI. Grundlage der Investitionsförderung bildet das Investitionsfördergesetz Nr. 16.906/98, ergänzt um das seit 1. Februar 2026 geltende Dekret Nr. 329/025.

    Das Investitionsfördergesetz Nr. 16.906 und das Dekret Nr. 329/025 sehen eine Reihe steuerlicher und zollrechtlicher Vergünstigungen vor:

    1. Körperschaftsteuer (IRAE): Steuerbefreiung auf einen Teil der förderfähigen Investition. Die Höhe der Förderung richtet sich nach einer Indikatorenmatrix und kann bei besonders förderwürdigen Großinvestitionen bis zu 100 Prozent der Investitionssumme erreichen. Die Laufzeit wird von der Investitionsförderkommission COMAP (Comisión de Aplicación de la Ley de Inversiones) festgelegt und beträgt mindestens vier Jahre.
    2. Vermögensteuer (IP): Befreiung für förderfähige bewegliche Anlagegüter während ihrer gesamten Nutzungsdauer. Für geförderte Baumaßnahmen gilt die Befreiung acht Jahre in Montevideo und zehn Jahre im übrigen Land.
    3. Mehrwertsteuer (IVA): Erstattung der Mehrwertsteuer auf förderfähige bewegliche Anlagegüter sowie auf Materialien und Dienstleistungen im Zusammenhang mit Bauprojekten.
    4. Importsteuer und Zölle: Mögliche Befreiung von Einfuhrabgaben auf bestimmte Anlagegüter, sofern diese die Voraussetzungen des Förderregimes erfüllen und nicht mit der nationalen Industrie konkurrieren.

    Ausländische Investitionen werden genauso behandelt wie inländische. Diese Gleichbehandlung ist nicht überall selbstverständlich.

    Kira Potowski Geschäftsführerin der AHK Uruguay

    Sonderstellung der Freihandelszonen

    Eine besondere Rolle bei der Investitionsförderung spielen die 14 Freihandelszonen des Landes. Unternehmen, die sich dort ansiedeln, profitieren von weitreichenden Steuervergünstigungen. Dazu zählen unter anderem Befreiungen von der Körperschaftsteuer, der Vermögensteuer sowie von Einfuhrabgaben. Darüber hinaus sind Nutzer der Freihandelszonen grundsätzlich auch von weiteren bestehenden oder künftig eingeführten nationalen Steuern befreit. Für bestimmte ausländische Beschäftigte bestehen unter den gesetzlichen Voraussetzungen steuerliche Sonderregelungen. 

    Übersicht der 14 Freihandelszonen in Uruguay
    NameSchwerpunkte und Besonderheiten
    Parque de las CienciasPharmaindustrie
    Zona Nueva PalmiraLagerung und Verladung von Schüttgut
    Zona Franca Punta Pereira Produktion von Zellulose
    WTC Free Zone Dienstleistungen; Zone mit der zweithöchsten Bruttowertschöpfung (836 Millionen US$) und dem dritthöchsten Durchschnittseinkommen im Monat (5.046 US$, jeweils 2023)
    Zona Franca Colonia SuizaLogistik und Produktion von Gütern
    Aguada ParkDienstleistungen; Zone mit dem zweithöchsten Durchschnittseinkommen im Monat (5.560 US$, 2023)
    ZonamericaFirmenniederlassungen; Zone mit der höchsten Bruttowertschöpfung (2,0 Milliarden US$) und meisten Beschäftigten (7.019, jeweils 2023)
    Zona Franca FloridaLagerwirtschaft
    Grupo Continental Zona Franca Gewerbegebiet
    UPM Fray BentosProduktion von Zellulose; Zone mit dem höchsten Durchschnittseinkommen im Monat (5.758 US$, 2023)
    Zona Franca Libertad. LideralLagerwirtschaft und Handel
    CUECAR Produktion von Zellulose; Zone mit den höchsten Investitionen, 3,2 Milliarden US$ von 2020 bis 2023
    Zona Franca del PlataDienstleistungen
    Zona Franca WTS Punta del Este Free ZoneDienstleistungen
    Quelle: Ministerio de Economía y Finanzas 2026; Webseiten der Freihandelszonen und Firmen 2026

    Nach Aussage von Kira Potowski spricht die langjährige Kontinuität des Freizonensystems für eine hohe Planungssicherheit. Das System besteht seit 1987 und wurde von den jeweiligen Regierungen zwar angepasst, in seinem Grundsatz jedoch beibehalten.

    Sektorspezifische Förderung

    Nach Angaben von Uruguay XXI konzentriert sich die staatliche Investitions- und Exportförderung auf fünf Schwerpunktbereiche:

    • Infrastruktur und Logistik: Trotz seiner Rolle als regionaler Logistikstandort besteht weiterhin Ausbaupotenzial. Im jüngsten Logistics Performance Index (LPI) der Weltbank von 2023 belegte Uruguay Rang 6 in Lateinamerika und Platz 84 von 139 Ländern weltweit.
    • Agrobusiness: landwirtschaftliche Produkte, Forstwirtschaft, Landmaschinen
    • Globale Dienstleistungen: IT, Lebenswissenschaften, Corporate Services, Architektur und Ingenieurwissenschaften
    • Kreativwirtschaft: Hierzu gehören Kultur- und Veranstaltungswirtschaft, Möbel- und Modedesign, die Film- und Medienbranche sowie die Games-Industrie. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Uruguay zuletzt durch Filmproduktionen wie "La Sociedad de la Nieve".
    • Saubere Energien: Energieinfrastruktur, Erneuerbare, grüner Wasserstoff und Derivate, Energieeffizienz

    Uruguay will Wasser- und Müllmanagement modernisieren

    Uruguay erlebte 2022/23 eine schwere Wasserkrise. Die Regierung verfolgt umfangreiche Investitionen, um die Versorgung resilienter zu gestalten. Zentrales Projekt ist Aguas Corrientes in Canelones. Es ist Teil eines umfassenderen Wasserprogramms, das auch den Bau der Talsperre Casupá (Investitionsvolumen: 130 Millionen US$) sowie Investitionen in die Leitungsnetze einschließt.

    Noch wenig entwickelt ist die Abfallwirtschaft. Als Vorzeigeprojekt gilt das derzeit vom Umweltministerium und regionalen Behörden umgesetzte integrierte Abfallverwertungszentrum in Maldonado. Ziel ist die stärkere Verwertung von Siedlungsabfällen und der Übergang von der Deponierung hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Zusätzliche Impulse soll die 2026 verabschiedete nationale Waste-to-Energy-Strategie liefern.

    Erste Investitionen sind bereits erkennbar. Das Portal InfoRío berichtete über den Bau einer industriellen Kompostierungsanlage des chilenischen Unternehmens Resiter in Paysandú, bei der auch deutsche Technik zum Einsatz kommen soll. Bislang besitzt Uruguay nur wenige industrielle Kompostierungs- oder Waste-to-Value-Anlagen dieser Größe, aber die Regierung treibt derzeit mehrere Initiativen zur Verwertung organischer Abfälle voran.

    "Uruguay ist ein Land der kurzen Wege"

    Henrik ter Huerne, General Manager, Schryver Uruguay S.A. Henrik ter Huerne, General Manager, Schryver Uruguay S.A. | © Henrik ter Huerne - Schryver

    Schryver Logistics ist ein Familienunternehmen in dritter Generation. Bereits seit 1938 liegt der Fokus des Logistikdienstleisters auf Lateinamerika mit ersten Serviceangeboten in Mexiko. Aktuell sind die Hamburger in zehn Ländern der Region mit eigenen Niederlassungen vertreten. Das Büro in Montevideo wurde 2024 gegründet.

    Germany Trade & Invest (GTAI) sprach mit Henrik ter Huerne, Geschäftsführer bei Schryver Uruguay, um zu erfahren, warum es sich für deutsche Firmen lohnt, Uruguay näher in Augenschein zu nehmen.

    Herr ter Huerne, was macht Uruguay für Schryver interessant?

    Für ein Familienunternehmen wie Schryver ist Stabilität sehr wichtig. Dass man sich darauf verlassen kann, dass Gesetze und Abkommen auch dann noch respektiert werden, wenn die Regierung wechselt. Diese Kontinuität ist in vielen Ländern der Region nicht so gegeben.

    Darüber hinaus ist Uruguay ein Land der kurzen Wege. Ich meine das nicht nur geografisch, selbst wenn sich das Gros der Geschäftsaktivitäten in der Region um Montevideo abspielt. Ich meine das auch gesellschaftlich. Man kommt sehr schnell an die Entscheidungsträger heran. Wo sonst könnte ich zum Beispiel – sei es mit Hilfe der AHK oder mit Hilfe der Botschaft – innerhalb weniger Tage einen Termin beim Transportminister vereinbaren? 

    Für uns als Logistiker ist dann natürlich auch die sehr gute Logistikinfrastruktur entscheidend – angefangen von den Zolllagern an den Häfen über die Freihandelszonen bis hin zu den vergleichsweise unkomplizierten Verzollungsprozessen. 

    Für mich persönlich war Uruguay nach vielen Jahren in Kolumbien auch eine interessante Veränderung. Es verbindet für mich vieles, was ich an Lateinamerika schätze, mit Strukturen und einer Lebensweise, die einem Europäer gleichzeitig sehr vertraut vorkommen.

    Welches sind die größten Herausforderungen in Uruguay?

    Es ist kein Geheimnis: Uruguay ist ein kleiner, überschaubarer Markt und deshalb schwer skalierbar. Um die Vorteile Uruguays voll ausschöpfen zu können, muss man es als Basis für Aktivitäten in der Region begreifen. In diesem Sinne betreuen wir von hier aus unter anderem auch Argentinien und Paraguay und unterstützen unsere Büros in Chile und Bolivien. Gerade diese regionale Ausrichtung macht den Standort für uns aber interessant.

    Ein weiterer Punkt für sich sind die relativ hohen Personalkosten. Uruguay gehört innerhalb der Region zu den Ländern mit einem vergleichsweise hohen Lohn- und Kostenniveau. Man kann das beispielsweise an den Mindestlöhnen sehen. Wir bezahlen zwar grundsätzlich über dem gesetzlichen Mindestlohn, um qualifizierte Mitarbeiter langfristig an uns zu binden, aber er gibt einen gewissen Anhaltspunkt. 

    Welche Tipps würden Sie einem deutschen Unternehmer geben, der sich für Uruguay interessiert?

    Dass Uruguay ein Land der kurzen Wege ist, kann zugleich ein Hindernis sein: Gefühlt kennen sich alle, weil sie auf die gleiche Schule gegangen sind, die gleiche Universität besucht haben, vom Fußball oder vom Grillen. Alle arbeiten schon sehr lange miteinander, und deshalb kann es schwierig werden, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Umso wichtiger sind Präsenz und Netzwerken vor Ort!

    Das nächste ist: Mund-zu-Mund-Propaganda spielt eine herausragende Rolle. Das ist gut, wenn man einen Auftrag gut abgewickelt hat. Aber wenn etwas schiefgelaufen ist, ist es genauso schnell in der Welt – umso wichtiger ist gutes, korrektes Arbeiten. 

    Ich würde Uruguay nie nur anhand seiner 3,4 Millionen Einwohner beurteilen. Für deutsche Unternehmen lohnt es sich, die Frage größer zu stellen: Welche Rolle kann Uruguay innerhalb meiner Strategie für den Cono Sur spielen? Genau darin sehen wir für unseren Standort in Montevideo großes Potenzial.

    GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile

  •  

    BezeichnungAnmerkung
    AHK - Deutsch-Uruguayische Industrie- und HandelskammerZentrale Anlaufstelle für deutsche Unternehmen in Uruguay
    Deutsche Botschaft in MontevideoDiplomatische Vertretung der Bundesrepublik Deutschland
    Uruguay XXIZentrale staatliche Investitionsförderagentur für ausländische Unternehmen in Uruguay
    ANII - Agencia Nacional de Investigación e Innovación Unterstützt Forschung und Innovation in Biotechnologie, erneuerbaren Energien und IT mit Stipendien und Finanzierungen.
    ANDE - Agencia Nacional de DesarrolloBietet Förderprogramme für KMU und Start-ups.