Wirtschaftsstandort | Chile

Warum Chile geostrategisch an Gewicht gewinnt

Die Wirtschaft des Andenstaats stützt sich bisher vor allem auf den Bergbau und den Agrarsektor. Die globale Energiewende bietet neue Optionen auch für deutsche Firmen.

Stefanie Schmitt

Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile

Reiche Vorkommen an Kupfer und Lithium, potenziell auch an seltenen Erden, sowie sehr gute Bedingungen für Wind- und Solarenergie machen Chile zu einem wichtigen Partner für die Energiewende. Zugleich punktet das rund 20 Millionen Einwohner zählende Land mit freiem Marktzugang für Waren, Dienstleistungen und Investitionen bei vergleichsweise geringem Länderrisiko. Das Engagement deutscher Firmen ist bislang aber überschaubar.

In den vergangenen Jahren durchlief Chiles Wirtschaft eine Schwächephase. Unternehmen kritisieren insbesondere Bürokratie und lange Genehmigungsverfahren. Sie setzen große Hoffnungen auf den seit 11. März 2026 amtierenden neuen Präsidenten José Antonio Kast. Er hatte in seinem Wahlkampf unter anderem Bürokratieabbau und einen wirtschaftsfreundlicheren Kurs versprochen.

  • In Chile gibt der Bergbau den Ton an. Chancen bieten auch Energie-, Land- und Fischwirtschaft sowie der breitgefächerte Servicesektor. Künftig will Chile als KI-Hub mitspielen.

    Chile ist die viertgrößte Volkswirtschaft Südamerikas. Beim Pro-Kopf-Einkommen belegt der Andenstaat Platz 3, nach Guyana und Uruguay. Mit einer Exportquote von rund einem Drittel im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist Chile zudem die exportstärkste Nation der Region. Doch die Angebotspalette ist schmal. Das Gros der Exporte entfällt auf Rohstoffe, überwiegend Kupfer, sowie Nahrungsmittel.

    Die chilenische Wirtschaft wuchs 2025 um 2,3 Prozent. Bis 2030 erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) jährliche Zuwächse von durchschnittlich knapp 2,4 Prozent.

    20,2 Mio.

    Personen lebten 2025 in Chile.

    Quelle: Instituto Nacional de Estadísticas (INE) 2025

    355,3 Mrd.

    US-Dollar umfasste das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025.

    Quelle: Internationaler Währungsfonds (IWF) 2026

    17.735 US-Dollar

    erreichte das BIP pro Kopf 2025.

    Quelle: IWF 2026

    Rang 51

    belegte Chile 2025 laut vorläufigen Zahlen unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2026

    Rang 31

    nimmt Chile im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 182 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2026

    97,5 %

    betrug die Alphabetisierungs-
    quote der Bevölkerung ab 15 Jahren 2024

    Quelle: acciónEducar auf Basis des Census 2024

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    SWOT-Analyse Chile

    S

    Stärken Strengths

    • Umfangreiche Rohstoffvorkommen
    • Optimale natürliche Bedingungen für Wind- und Solarenergie
    • Makroökonomische Stabilität
    • Verhältnismäßig geringe Korruption
    • Starke Integration in die Weltwirtschaft über Freihandels- und anderen Abkommen
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Geografische Randlage
    • Kleiner Binnenmarkt
    • Oligopole schwächen in einigen Branchen den Wettbewerb
    • Geringe Diversifizierung der Wirtschaft, Abhängigkeit von Rohstoffpreisen und vom Hauptabnehmerland China
    • Ineffiziente, langwierige Genehmigungsverfahren beeinträchtigen Wachstum und Innovation
    O

    Chancen Opportunities

    • Trend zu Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit
    • "Dekarbonisierungsplan" fördert Erneuerbare und grünen Wasserstoff
    • Energiewende und rekordhohe Rohstoffpreise stimulieren Bergbauinvestitionen
    • Bewusstsein für Abhängigkeiten von "kritischen" Partnern (China/USA) eröffnet Chancen für Europa
    • Nach Wahl von Präsident Kast höhere Investitionsbereitschaft der Unternehmen
    T

    Risiken Threats

    • Steigende Kriminalität und hohe Sicherheitskosten
    • Fachkräftemangel und geringe Produktivität
    • Digitalisierung, Automatisierung und KI erhöhen Cyberrisiken
    • Geplante Haushaltskonsolidierung mit Ausgabenkürzungen in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar
    • Zunehmende politische Polarisierung im In- und Ausland

    Bergbaufirmen investieren Milliarden

    Der Bergbau ist das Rückgrat der Wirtschaft. Die staatliche Kupferkommission Cochilco rechnet 2026 mit Investitionen von 8,9 Milliarden US-Dollar (US$) in den Sektor, überwiegend in Kupferminen. Chile ist der weltweit größte Förderer des roten Metalls. Zugleich befindet sich der Bergbau in einem tiefgreifenden Wandel: Neue Technologien für den Untertagebau, strengere Umweltauflagen und die Dekarbonisierung der Prozesse eröffnen vielfältige Geschäftschancen.

    Chile verfügt zudem über die weltweit größten Lithiumreserven. In den vergangenen Jahren verlor das Land jedoch an Boden gegenüber dem größten Förderer Australien und auch gegenüber dem Nachbarland Argentinien. Cochilco beziffert die Abbaumenge im Jahr 2025 auf 300.000 Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalente (LCE). Laut dem U.S. Geological Survey lag Chiles Anteil an der weltweiten Förderung somit bei 19 Prozent. Im Jahr 2020 kam das Land noch auf knapp 28 Prozent. Hauptgrund ist die schleppende Umsetzung der 2023 vorgelegten Lithiumstrategie.

    Bis die ersten neuen Projekte tatsächlich in Produktion gehen, wird es zwar noch Jahre dauern. Aber im Januar 2026 nahm das chilenische Bergbauministerium den Antrag auf eine Betriebserlaubnis für den Abbau von Lithium (CEOL) der Firma Wealth Minerals für das Projekt Kuska entgegen. Auch Clean Tech Lithium hat den CEOL beantragt, nachdem im Dezember 2025 der Befragungsprozess der indigenen Bevölkerung für ihr Projekt Laguna Verde abgeschlossen werden konnte. Es gibt also Fortschritte.

    Iris Wunderlich Leiterin des Bergbaukompetenzzentrums der AHK Chile

    Neben diesen beiden kritischen Rohstoffen machen Eisen, Silber, Gold, Molybdän und Zink sowie perspektivisch Kobalt und seltene Erden Chile zu einem strategisch wichtigen Rohstofflieferanten. Die AHK Chile sieht wachsende Chancen für deutsche Unternehmen als Technologielieferanten. "In gewissem Sinne spiegelt sich dies bereits in der Rekordanmeldung deutscher Firmen für die Bergbaumesse Exponor 2026 wider", sagt AHK-Geschäftsführerin Cornelia Sonnenberg. Risiken bärgen aber die aktuellen geopolitischen Spannungen und der hohe Ölpreis, die zu einer weltweiten Rezession führen könnten.

    Dienstleistungssektor expandiert

    Der Dienstleistungssektor hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch ist auch der Anteil des Gesundheitssektors (2023: 10,1 Prozent des BIP). An Bedeutung für die Handelsnation Chile gewinnen zudem Logistik und Seefahrt. Ihr Anteil am BIP liegt bei knapp 6 Prozent.

    Im Tourismus verzeichnete Chile 2025 Rekordzahlen. Laut Wirtschaftsministerium kamen etwas mehr als 6 Millionen ausländische Gäste ins Land. Das war der zweithöchste Wert seit 2017. Besonders für Argentinier war Chile aufgrund des starken argentinischen Pesos attraktiv.

    Dynamisch entwickelt sich auch die Start-up-Szene – allen voran Finanz- und KI-Dienstleistungen.

    Lateinamerikas KI-Pionier Chile

    Chile will im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) vorne mitmischen. Im Jahr 2025 belegte das Land zum dritten Mal in Folge den Spitzenplatz im Ranking Indice Latinoamericano de Inteligencia Artificial. Der Index wird vom Chilenischen Nationalen Zentrum für Künstliche Intelligenz (CENIA) und der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) erstellt. Im Februar 2026 stellte CENIA mit Latam GPT das erste regionale KI-Modell vor.

    In der Region Tarapacá im Norden Chiles entsteht ein Hochleistungsrechner, der im Juni 2026 in Betrieb gehen soll. Mit 96 Grafikprozessoren des Typs NVIDIA H200 GPU wird er einer der leistungsfähigsten ganz Lateinamerikas sein. Chile will zu einem führenden Standort für digitale Infrastruktur werden. Das sieht der 2024 veröffentlichte Plan Nacional de Data Centers vor. Die Hardware-Voraussetzungen hierfür sind gut. Nach Angaben der Chile Data Centers Association verfügt das Land über 37 Rechenzentren. Acht weitere durchlaufen ihre Genehmigungsverfahren oder befinden sich im Bau.

    Agrarsektor muss sich dem Klimawandel anpassen

    Die ökonomisch wichtigsten Säulen des Agrarsektors sind die Fischerei, die Forstwirtschaft (Zellulose) sowie die Sonderkulturen Obst und Wein. In Nischen wie Tafeltrauben, Äpfel, Blaubeeren oder Avocados zählt Chile zu den führenden Anbietern. Für den italienischen Süßwarenhersteller Ferrero ist das Land eines der wichtigsten Bezugsländer von Haselnüssen. In der Lachszucht liegt es hinter Norwegen weltweit auf dem zweiten Platz.

    Zentrale Herausforderungen für die Landwirtschaft sind knappe Wasserressourcen und der Klimawandel. Entsprechend gewinnen Wassermanagement und wassersparende Erzeugungstechniken an Bedeutung. Bereits heute weichen die Anbauer auf resilientere Sorten oder in andere Länder aus.

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in Chile (Anteile in Prozent)

    Sektoren

    Anteil am BIP 2025 1)

    Anteil an den Beschäftigten 2026 2)

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    3,5

    6,1

    Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    13,1

    3,2

    Verarbeitendes Gewerbe

    9,0

    9,4

    Strom-, Gas-, Wasserversorgung, Abwasser- und Müllentsorgung

    3,4

    1,4

    Dienstleistungen, einschließlich Bauwirtschaft

    61,5

    79,9 3)

    Sonstiges

    9,6

    k.A.

    1 Abweichungen durch Rundungsdifferenzen; 2 Stand: Februar 2026; 3 einschließlich der Beschäftigten im Bereich "Sonstiges".Quelle: Banco Central de Chile 2026

    Energie und grüner Wasserstoff: Ausbau der Energiespeicher boomt

    Chile gehört zu den Ländern mit ausgezeichneten Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbarer Energie. Auf Erneuerbare entfiel 2025 fast die Hälfte der Stromproduktion. Einschließlich konventioneller Wasserkraft waren es sogar 69,5 Prozent. Allerdings beeinträchtigen fehlende Netzkapazitäten die Rentabilität vieler in den letzten Jahren errichteter Solar- und Windparks.

    Einen Fortschritt markiert die Mega-Stromtrasse von Kimal nach Lo Aguirre. Die 1,5 Milliarden US$ teure Leitung soll Antofagasta mit Santiago verbinden und erhielt Ende 2025 ihre Umweltgenehmigung. Nach Presseberichten stehen jedoch noch weitere 4.941 Genehmigungen aus. Künftig dürfte der Bau großer Energiespeicher an Bedeutung gewinnen. Laut dem Informationsdienstleister BNamericas soll die Speicherkapazität 2030 rund 10 Gigawatt erreichen.

    In der Wasserstoffbranche sind die Fortschritte bislang gering. Viele der noch vor wenigen Jahren stark beworbenen Projekte befinden sich seit Jahren im Genehmigungsprozess. Mehr als ein Viertel aller Vorhaben im Stadium der Umweltprüfung entfiel Anfang 2026 auf den Energiesektor. Derzeit arbeitet ein interministerieller Rat an einer Aktualisierung der nationalen Wasserstoffstrategie 2026 bis 2030. Am Aufbau einer Industrie für grünen Wasserstoff und dessen Derivate soll grundsätzlich festgehalten werden. "Und vielleicht bringen die steigenden Öl- und Gaspreise doch noch einen neuen Schwung für den zunächst einmal eingeknickten grünen Wasserstoffhype", meint AHK-Chefin Sonnenberg.

    Wo künftig in Chile am meisten investiert wirdProjekte in der Umweltprüfung als Gradmesser für künftige Boomzentren; Stand: Januar 2026
    Region

    Zahl der Projekte

    Betrag (in Mrd. US$)

    Anteil am Gesamtvolumen (in %)

    Magallanes y la Antárctica Chilena

    14

    27,0

    30,1

    Antofagasta

    34

    23,7

    26,4

    Valparaíso

    35

    7,1

    7,9

    Metropolitana

    61

    5,9

    6,6

    Sonstige

    247

    25,9

    29,0

    Summe

    391

    89,6

    100,0

    Quelle: Servicio de Evaluación Ambiental 2026

    Regionen außerhalb der Metropolregion gewinnen an Bedeutung

    Bislang konzentriert sich die Wirtschaftskraft auf die Metropolregion Santiago, die Hafenstadt Valparaíso und die Bergbaugebiete im Norden des Landes. Wegen des Bergbaus und den höchsten Investitionen weist die Wüstenregion Antofagasta das höchste Pro-Kopf-Einkommen auf. Künftig könnten sich die regionalen Gewichte jedoch verschieben. So dürfte kurzfristig die Region um Copiapó von Bergbau- und anderen Projekten profitieren. Noch Zukunftsmusik sind dagegen die Vorhaben für grünen Wasserstoff rund um Punta Arenas im äußersten Süden Chiles.

    Stefanie Schmitt

    Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile

  • Chile gilt im regionalen Vergleich als stabil. Das Interesse ausländischer Unternehmen ist ungebrochen, an deutschen Firmen mangelt es jedoch.

    In Chile kann nicht viel schief gehen. Die Institutionen sind stabil. Die vorbildliche Übergabe von einer Regierung zur nächsten zeugt von einem hohen Demokratieverständnis. Die Wirtschaft wächst solide – und dann feiert auch noch der Kupferpreis historische Höchststände und eine Reihe großer Projekte steht kurz vor ihrer Genehmigung.

    Philip Bartsch Stellvertretender Geschäftsführer der AHK Chile

    Auslandsinvestitionen ungebrochen hoch...

    Dieses positive Bild spiegelt sich in den ausländischen Direktinvestitionen wider. Laut Zentralbank stiegen sie 2025 um fast 11 Prozent auf mehr als 14,5 Milliarden US-Dollar (US$). Hauptinvestor ist Kanada mit seinen großen Bergbauunternehmen, gefolgt von den USA, den Niederlanden und Spanien.

    Das Gros der Gelder entfällt auf den Rohstoff- und den Energiesektor. Künftig könnte auch wieder mehr Geld in Projekte zur Erzeugung von grünem Wasserstoff und seinen Derivaten fließen.

    ...doch deutsche Investitionen unter ferner liefen

    Der deutsche Anteil an den Direktinvestitionen liegt jedoch seit Jahren bei unter 1 Prozent. Auch die Zahl der im Land aktiven deutschen Firmen ist überschaubar. Die AHK Chile schätzt sie auf etwa 120 bis 150. Darin enthalten sind auch Unternehmen, die lediglich über Handelsvertreter im Land präsent sind, etwa Mercedes-Benz über den Distributor Kaufmann.

    Fehlendes Doppelbesteuerungsabkommen bremst Investitionen aus Deutschland

    Weniger als 0,4 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in Chile entfallen auf deutsche Investoren, so die chilenische Zentralbank. Die Statistik bildet das tatsächliche Engagement jedoch nur unvollständig ab. Viele deutsche Unternehmen investieren wegen des fehlenden bilateralen Doppelbesteuerungsabkommens über Drittstaaten mit entsprechenden Vereinbarungen. So ist der Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln BENEO‑Orafti ein Direktinvestment der deutschen Südzucker AG, wurde jedoch über deren belgische Tochter abgewickelt. Andere Unternehmen nutzen Spanien als Standort.

    Zudem erfasst die Statistik keine reinvestierten Gewinne, deren Rücktransfer ohne Doppelbesteuerungsabkommen ebenfalls erschwert ist. Intransparent bleibt die Lage auch, weil Übernahmen lokaler Unternehmen zwar statistisch berücksichtigt werden, jedoch nicht als deutsche Investitionen erkennbar sind. Dazu zählt der Erwerb des Pharmaunternehmens Andromaco durch Grünenthal.

    De facto dürfte der deutsche Investitionsanteil somit über 0,4 Prozent liegen. Gleichwohl bleibt er von untergeordneter Bedeutung und entwickelt sich derzeit eher rückläufig. Investoren wie RWE reduzieren ihr Engagement aus unternehmensinternen Gründen oder ziehen sich vollständig aus dem chilenischen Markt zurück.

    Stabile Demokratie, offener Markt, wieder optimistische Unternehmen

    Chile punktet mit einer funktionierenden Demokratie und stabilen Institutionen wie einer unabhängigen Zentralbank und verlässlichen Gerichten. Zugleich zählt das Land zu den weltweit offensten Volkswirtschaften und ist in ein dichtes Netz von Handels- und Wirtschaftsabkommen eingebunden. Das erleichtert ausländischen Unternehmen den Marktzugang und macht Chile für Firmen vor Ort zu einem attraktiven Sprungbrett in die Region.

    Im zuletzt verfügbaren Economic Freedom Ranking des Fraser-Instituts belegte Chile 2023 Rang 26 unter 165 Ländern, drei Plätze besser als im Vorjahr. In Lateinamerika liegt es damit auf Platz 2 hinter Costa Rica. Gleichwohl beurteilte die chilenische Unternehmerschaft die Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre deutlich kritischer. Bemängelt wurden unter anderem ausgebliebene Reformen im Renten- und Steuersystem, steigende Kosten sowie strenge, teils über die Vorgaben hinausgehende Umweltprüfungen. Einigkeit besteht zudem über zu viel Bürokratie ("Permisiología") und wachsende Sicherheitsprobleme.

    Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die neue Regierung Kast, die Abhilfe versprochen hat. Selten spiegelten die Unternehmerumfragen so viel Optimismus in Bezug auf Geschäftschancen wider wie im Februar 2026. Dies dürfte auch die bislang eher verhaltene Investitionsneigung beleben, erwartet etwa Fernando Parga, Partner bei EY Parthenon Chile, gegenüber der Wirtschaftszeitung Diarío Financiero.

    Im World Competitiveness Ranking des International Institute for Management Development belegte Chile 2025 Platz 38 unter 69 Ländern. Zwar bleibt das Land damit im Mittelfeld, konnte sich seit 2021 (Rang 44) jedoch spürbar verbessern. Es liegt deutlich vor Mexiko (Position 51), Kolumbien (50) und Argentinien (58), aber hinter Brasilien (17; zum Vergleich: Deutschland Rang 18), das mit Marktgröße, breiterer Industriestruktur und höherer Innovationskraft punktet.

    Produktivität bleibt niedrig, steigt aber wieder

    Erste Fortschritte zeigen sich bei der Produktivität. Die Gesamtproduktivität der Wirtschaft verzeichnete zuletzt erstmals wieder Zuwächse: 2024 um 0,6 Prozent und 2025 um 0,5 bis 0,6 Prozent. Zuvor war sie mehr als ein Jahrzehnt rückläufig gewesen. Ursachen seien firmeninterne Umstrukturierungen und die steigende Automatisierung, so die Nationale Kommission für Evaluierung und Produktivität.

    Für weitere Produktivitätsfortschritte bedürfe es neben einer Verbesserung des regulatorischen Rahmens aber:

    • einer Erhöhung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung; diese lagen 2024 laut Wissenschaftsministerium bei 0,41 Prozent des BIP (zum Vergleich: Deutschland 2025 laut Destatis 3,13 Prozent) und
    • einer besseren und kontinuierlichen Aus- und Weiterbildung.

    Hemmschuh Fachkräftemangel

    Zwar ist das Angebot an Universitätsabgängern, insbesondere im Ingenieurbereich, qualitativ und quantitativ grundsätzlich zufriedenstellend. Einschränkend wirkt jedoch die hohe Theorielastigkeit der Ausbildung. Anders stellt sich die Lage bei Technikern und Handwerkern dar. Hier besteht ein gravierendes Missverhältnis zwischen dem Angebot und dem Bedarf der Wirtschaft. "Chile fehlt das komplette Mittelfeld", sagt Cornelia Sonnenberg, Geschäftsführende Direktorin der AHK Chile. "Allein mit Universitätsabsolventen ist es eben nicht getan."

    Bereits bei der Personalsuche muss man als deutsches Unternehmen wissen, dass man niemanden findet, der zu 100 Prozent passt, weil Ausbildung und Berufsinhalte nicht dem entsprechen, was wir aus Deutschland kennen.

    Lutz Kindermann Geschäftsführer des Bremer Windparkentwicklers wpd in Santiago

    Nicht nur Automatisierung und künstliche Intelligenz werden Chiles Arbeitswelt massiv verändern. Hinzu kommt der demografische Wandel, sprich wachsende Anforderungen bei teilweise schwindendem Arbeitsethos der Generation Z und einer insgesamt alternden Belegschaft. Die Firmen werden daher künftig viel stärker in Qualifizierung investieren müssen.

     

    Größte deutsche Investoren in Chile Stand: Januar 2026
    Unternehmen 1)Branche

    Investitionsvolumen (in US$)

    Beschäftigte

    Standorte

    Hapag-Lloyd 2)

     

    Logistik; Beteiligungen an Hafeninfrastruktur

    circa 1 Mrd.

    350 bis 400 für Hapag-Lloyd (die im August 2023 übernommene Firma SAAM Terminals hat insgesamt circa 4.000 Beschäftigte, allerdings nicht nur in Chile, sondern auch in anderen lateinamerikanischen Ländern)

    Regionalzentrale für Lateinamerika in Viña del Mar; über SAAM Terminals mit Sitz in Santiago in sechs Ländern tätig; Beteiligungen an weiteren Terminals in Chile (Iquique, Antofagasta, San Antonio, San Vicente und Corral)
    WPDWindparks

    500 Mio.

    58

    Santiago, Bío Bío und La Araucanía
    GrünenthalPharma

    k.A.

    über 750

    Insgesamt zwei, darunter Laboratorios Andrómaco, Peñalolen, Santiago
    BASFChemie

    k.A.

    k.A.

    Insgesamt zwei: Santiago und Concón (Produktion)
    Südzucker (über BENEO-Orafti)Lebensmittelindustrie

    k.A.

    k.A.

    Pemuco/Biobío
    DHLLogistik

    k.A.

    k.A.

    Mehrere landesweit
    Henkel (auch über die Tochter Bekron)Chemie

    k.A.

    k.A.

    Pudahuel und Quilicura in der Región Metropolitana de Santiago sowie zwei kleinere in Antofagasta und Arica
    HDIVersicherungen

    k.A.

    über 600

    Insgesamt zwölf landesweit verteilt von Iquique bis Puerto Mont
    1 viele Unternehmen, darunter DHL oder BASF veröffentlichen nur Clusterzahlen für Ländergruppen, in denen sich auch Chile befindet; 2 die chilenische CSAV ist mit einem Anteil von 30 Prozent einer der Hauptaktionäre der Hapag-Lloyd AG.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest auf der Grundlage von Firmenangaben 2026

    Investitionsförderung wird in Chile kleingeschrieben

    Chile ist aus wirtschaftspolitischer Sicht ein sehr liberales Land. Selbst klassische öffentliche Versorgungsaufgaben wie die Strom- und Wasserversorgung werden an Privatunternehmen als Konzessionen vergeben.

    Fördermöglichkeiten für Unternehmen gibt es daher nur sehr beschränkt, zum Beispiel für in- und ausländische Start-ups. Gewisse Steuererleichterungen sind in den beiden Freihandelszonen in Punta Arenas und Iquique möglich. Da beide Städte jedoch relativ weit von den bisherigen industriellen Zentren des Landes entfernt liegen, spielen sie bei Investitionsentscheidungen nur eine sehr nachgeordnete Rolle. Für Punta Arenas könnte sich das jedoch im Zuge der dortigen Ausbaupläne im Bereich erneuerbare Energie beziehungsweise der Produktion von grünem Wasserstoff ändern.

    "Diese Marktoffenheit ist nicht überall selbstverständlich"

    v. l. n. r. Stefanie Schmitt, Director, GTAI, Pablo Pastega, Vize-Präsident, Flixbus Südamerika v. l. n. r. Stefanie Schmitt, Director, GTAI, Pablo Pastega, Vize-Präsident, Flixbus Südamerika | © Felipe Gomez - GTAI

    Flixbus feiert im Oktober 2026 drei Jahre Eintritt in den chilenischen Markt. Damals startete das deutsche Logistikunternehmen mit sechs Bussen, die von der Hauptstadt Santiago aus die drei Destinationen Valparaíso, Viña del Mar und La Serena anfuhren. Heute umfasst die Flixbus-Flotte rund 250 Busse, welche insgesamt 50 Städte in Chile miteinander verbinden. Germany Trade & Invest (GTAI) sprach mit Pablo Pastega, Vize-Präsident für Südamerika bei Flixbus.

    Herr Pastega, was macht Chile für Flixbus interessant?

    Flixbus ist zu einem internationalen Unternehmen gewachsen, weltweit arbeiten wir in mehr als 40 Ländern. In Südamerika war Chile das zweite Land nach Brasilien, in dem wir aktiv geworden sind. Für uns entscheidend war damals dreierlei: erstens der rechtlich und politisch stabile Rahmen, den Chile bietet, und zweitens dass wir als ausländisches Unternehmen hier überhaupt tätig sein dürfen. Diese Marktoffenheit des Fernbusverkehrs ist nicht überall selbstverständlich.

    Darüber hinaus haben wir drittens ein ausreichend großes Potenzial an Kunden gesehen mit Interesse an unserem Produkt. Wir bieten qualitativ hochwertige Busse zu sehr günstigen Ticketkosten. Außerdem profitieren wir von unserem hohen Wiedererkennungswert bei internationalen Passagieren, die uns von anderen Ländern kennen.

    Welches sind für Sie die größten Herausforderungen in Chile?

    Wie alle Unternehmen haben wir viel mit bürokratischen Prozessen und administrativen Vorgaben zu tun. Ein Beispiel: Anders als etwa in Deutschland dürfen Sie Busse, die für den Fernbusverkehr zugelassen und registriert sind, nicht für andere Zwecke wie den Personenverkehr im Bergbau einsetzen – oder umgekehrt, selbst wenn Sie alle sonstigen Voraussetzungen erfüllen. Man bekommt entweder die eine Zulassung oder die andere.

    Damit muss man sich arrangieren – einerseits ist Chile, was seine Außenwirtschaftsbeziehungen angeht, ein sehr liberales und offenes Land, andererseits werden viele Prozesse im Innern mitunter sehr rigide gehandhabt.

    Ganz aktuell sehen auch wir uns außerdem mit den Folgen des Iran-Krieges konfrontiert. Als Busunternehmen treffen uns die Erhöhungen der Treibstoffpreise unmittelbar. In Chile gibt es, anders als in anderen Märkten, keine staatliche Unterstützung, um diese Preiserhöhungen abzufedern und dies, obwohl Fernbusse im öffentlichen Fernverkehr angesichts des nur sehr kleinen Bahnnetzes eine herausragende Rolle spielen. Hinzu kommt, dass die chilenischen Buskunden sehr preissensitiv sind und der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Gesellschaften hoch ist. Jetzt müssen wir abwarten, wie sich das auf die gesamte Branche auswirkt.

    Welche Tipps würden Sie einem deutschen Unternehmer geben, der sich für Chile interessiert?

    In Chile existiert ein breites Netzwerk an deutschen Institutionen und Initiativen, von der AHK, der Deutschen Botschaft, GTAI bis hin zu verschiedenen Ländervertretungen oder der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Nutzen Sie alle Hilfestellungen vor Ort – die richtigen Kontakte sind alles in Chile.

    GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Stefanie Schmitt

    Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile

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    BezeichnungAnmerkung
    AHK ChileAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Botschaft der Bundesrepublik DeutschlandDiplomatische Vertretung Deutschlands
    InvestChileInvestitionsförderagentur für ausländische Unternehmen in Chile
    CorfoStaatliche chilenische Wirtschaftsförderagentur