Special Vereinigte Arabische Emirate Digitale Wirtschaft
Digital Health in den VAE: Marktchancen
Die VAE legen viel Wert auf Know-how und ausländische Expertise. Hier ergeben sich unter anderem auch Chancen für deutsche Unternehmen.
29.05.2020
Das Potenzial ist groß
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verfügen über ein umfassendes, staatlich finanziertes Gesundheitssystem, das seiner Bevölkerung einen hohen Standard bietet. Die Gesamtausgaben für Gesundheit beliefen sich für das Jahr 2019 auf 14,5 Milliarden US-Dollar (US$) und sollen mit einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 6 Prozent steigen. Diese beinhalten die Ausgaben auf föderalem Level wie auch in den einzelnen Emiraten. Das Wachstum wird auch durch Investitionen in die Digitalisierung vorangetrieben.
Im Rahmen ihrer Strategie zur künstlichen Intelligenz (KI) beabsichtigt die VAE, umgerechnet circa 2 Milliarden US$ für eine Vielzahl von Innovationen in unterschiedlichen Sektoren, einschließlich des Gesundheitswesens, bereitzustellen. Laut Angaben des Analyseinstituts Oxford Business Group wurden zwischen 2014 und 2016 bereits 232 Millionen US$ für die Digitalisierung des Gesundheitswesen ausgegeben.
Bisher ist der öffentliche Sektor die treibende Kraft hinter der Digitalisierung des Gesundheitswesens in den VAE. Der Spielraum der Regierung ist durch den Abschwung der Wirtschaftsleistung infolge der Coronaviruspandemie und des starken Ölpreis-Verfalls eingeschränkt. Kurzfristig gesehen rechnen Branchenkenner sogar mit Verzögerungen bei Digitalisierungsvorhaben.
Andererseits hat die Coronaviruspandemie die Bedeutung von Digital-Health-Lösungen und -Produkten nochmal stärker hervorgehoben und die Nachfrage enorm gesteigert. Mittel- bis langfristig werden bestehende Initiativen stärker vorantreiben und so die Entwicklung und das Angebot weiterer intelligenter Gesundheitsdienste fördern. Für die erfolgreiche Entwicklung des Sektors bleiben Investitionen aus dem privaten Sektor unvermeidbar.
VAE wappnen sich gegen Covid-19
Den letzten verfügbaren Zahlen des Ministry of Health and Prevention (MoHP) zufolge ist die Anzahl der Krankenhäuser in den VAE zwischen 2012 und 2017 um 45 auf 143 gestiegen. Die Bettenkapazitäten haben sich um 38 Prozent auf 13.312 erhöht. Das Angebot im Bereich der ambulanten Versorgung wurde um 1.491 auf 4.968 Einrichtungen erweitert.
Humaid Al Qutami, Generaldirektor der Dubai Health Authority, berichtete auf einer Pressekonferenz, dass die VAE Krankenhaus- und Quarantänezentren für die Behandlung von 10.000 Covid-19-Fällen bereitstellen können. Ferner wurde ein Feldkrankenhaus in Dubai eröffnet. Ein weiteres soll dazu kommen und die Bettenkapazität um insgesamt 5.000 Betten erhöhen. Vier weitere Feldkrankenhäuser mit zusätzlichen Bettenkapazitäten von bis zu 5.000 (Stand 29.4.2020) sind in den nördlichen Emiraten errichtet worden.
Projekte kommen nur langsam voran
Laut Meed Projects befinden sich Krankenhausprojekte im Wert von 2,6 Milliarden US$ in der Ausführungs- und Planungsphase. In den letzten Jahren sind viele Vorhaben allerdings nur langsam vorangekommen oder sogar ganz ins Stocken geraten.
VAE Corona Tabelle 2
Virtuelles Krankenhaus in Planung
Das Gesundheitsministerium arbeitet mit dem Telekommunikationsbetreiber DU zusammen, um das erste virtuelle Krankenhaus der Region zu errichten, berichten Branchenkenner. Eine offizielle Stellungnahme gibt es zurzeit nicht. Eines der Ziele ist, Ärzte und Krankenpflegemitarbeiter Patienten zu Hause oder an einem anderen Ort über intelligente Monitore oder KI-Geräte fernversorgen zu können.
KI-Anwendungen in Krankenhäusern gehören zum Alltag
Digitalisierung ist in den VAE keine Zukunftsvision, sondern bereits in vielen Bereichen der Gesundheitswirtschaft etabliert. Schätzungen zufolge soll allein der Markt für 3D-gedruckte Medizinprodukte in Dubai bis 2025 einen Wert von 463 Millionen US$ erreichen. Beinprothesen werden bereits im 3D-Druckerverfahren hergestellt. Ende 2017 stellte das Dubai Hospital einen "Roboterapotheker" vor, der bis zu 35.000 Medikamente lagern und 12 Rezepte pro Minute erstellen kann. KI wird auch zur Früherkennung bei Augenkrankheiten sowie zur radiologischen Bildgebung eingesetzt. Diese können mit 96 prozentiger Sicherheit die diabetische Retinopathie frühzeitig erkennen. KI-Technologie wird auch genutzt, um Tuberkulose in Röntgenaufnahmen des Brustkorbs innerhalb von Sekunden zu diagnostizieren.
Die emiratische Regierung verfolgt ein ganzheitliches Konzept, wenn es um die Digitalisierung des Gesundheitswesens geht und versucht, diese in so viele Bereiche wie möglich, zu implementieren. Entsprechend gibt es eine Vielzahl von Abnehmern von Digital-Health-Lösungen und –Produkten. Diese reichen von Gesundheitsanbietern wie Krankenhäuser über Praxen und Krankenkassen bis hin zu Privatpersonen.
Kosten für persönliche digitale Hilfsmittel (z.B. Wearables) und einige m-Health Applikationen werden immer häufiger von Krankenkassen übernommen. Durch den Ausbruch des Coronavirus wurden telemedizinische Dienste durch die Regierung kostenfrei zur Verfügung gestellt. Über die Initiative Doctor for Every Citizen erhalten Bürger in Dubai rund um die Uhr kostenlose Telemedizin-Beratung. Um eine Konsultation zu buchen, kann der Patient die DHA-App herunterladen oder die gebührenfreie Telefonnummer anrufen und einen Termin buchen. In Abu Dhabi bietet das Telemedicine Center, ein Joint Venture zwischen der Mubadala Investment Company und dem führenden Telemedizinanbieter der Schweiz, Medgate, rund um die Uhr kostenfreie telefonische medizinische Beratung an.