Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt beschleunigen den Metroausbau. Bis 2030 sollen mehr als 600 neue Streckenkilometer entstehen.
Der Ausbau der Metrosysteme in Vietnam hat sich 2026 stark beschleunigt. Nachdem Projekte lange nur schleppend vorankamen, haben Entwickler seit Ende 2025 den Bau zahlreicher Vorhaben in Angriff genommen. Für weitere Projekte sind die Planungen weit fortgeschritten.
In den Jahren 2024 und 2025 haben die ersten zweieinhalb Metrolinien des Landes nach jahrelangen Verzögerungen den Betrieb aufgenommen: Linie 1 in Ho-Chi-Minh-Stadt und Linie 2A sowie der oberirdische Abschnitt der Linie 3, beide in Hanoi. Jetzt sollen bis 2030 in Hanoi sechs neue Linien eröffnet werden. Die neuen Linien befinden sich bereits im Bau. Gleichzeitig werden die beiden bestehenden Linien ausgebaut. Bis 2030 werden insgesamt 372 Streckenkilometer errichtet. Die Investitionen betragen rund 59 Milliarden US-Dollar (US$).
Ho-Chi-Minh-Stadt will bis 2030 rund 255 Kilometer für 27 Milliarden US$ in Betrieb nehmen. In diese Aufstellung fließt aber auch die klassische Bahnstrecke von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Can Gio mit ein.
Der Ausbau urbaner Schienenverkehrssysteme beschränkt sich nicht auf die beiden Metropolen. Da Nang plant ein Metrosystem vom Flughafen an die Küste und weiter bis nach Hoi An. Auf der Insel Phu Quoc baut das vietnamesische Konglomerat Sungroup gemeinsam mit China Railway Rolling Stock Corporation eine erste Straßenbahn. Sie soll 2027 den Flughafen mit einem neuen Konferenzzentrum verbinden.
Wichtigste Metroprojekte in VietnamInvestitionsvolumen in Milliarden US$| Hanoi VinSpeed-Paket (Linien 1, 2, 8, 10, 14) | 52,6 | 303,5 Kilometer; Im Bau seit Juni 2026; Projektentwickler ist VinSpeed |
| Ho-Chi-Minh-Stadt (HCMS) Metro zum neuen Flughafen Long Thanh | 4,8 | 41,8 Kilometer; Machbarkeitsstudie durch Thaco; Soll kurzfristig vergeben werden |
| HCMS Linie 2 (Thu Dao Mot – Zentrum HCMS) | 4,7 | 35 Kilometer; Verbindung der neuen Metropolregion mit Industrieregion Binh Duong; Baubeginn Ende 2026 geplant |
| HCMS Linie 6 (Phase 1) | 3,4 | 22,9 Kilometer; Baubeginn noch 2026 geplant |
| Hanoi Linie 5 (Van Cao – Hoa Lac) | 3,0 | 39,6 Kilometer; Seit Dezember 2025 in Umsetzung durch Konsortium unter Führung der Pacific Construction Group |
| HCMS Linie 2 (Ben Thanh – Tham Luong) | 2,2 | Phase 1 von 3: 11,3 Kilometer; Im Bau seit Januar 2026; Projektentwickler ist Thaco; Rollendes Material von Hyundai Rotem |
| HCMS Verlängerung Linie 1 | 2,2 | 31,6 Kilometer; Baubeginn noch 2026 geplant |
| Hanoi Linie 2A (Verlängerung nach Xuan Mai) | 1,8 | Auf 20,4 Kilometer erhöht; Machbarkeitsstudie erstellt durch China Railway Sixth Group; Baubeginn noch 2026 geplant |
| Hanoi Linie 3 (Verlängerung nach Hoang Mai) | 1,8 | 8,7 Kilometer; Machbarkeitsstudie weit fortgeschritten; Finanzierung durch Asian Development Bank, Agence Française de Développement und KfW vorgesehen; Baubeginn noch 2026 geplant |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Pipeline weiter dynamisch
Die Plananpassungen haben sich unter starkem politischen Druck in den letzten Monaten beschleunigt. In Hanoi wurde im Juni 2026 gleich fünf Linien an VinSpeed als Generalunternehmer vergeben. VinSpeed ist ein Tochterunternehmen der Vingroup, des größten Konglomerats des Landes. Viele Projekte verbinden große Wohnbauvorhaben des Unternehmens miteinander. Zudem geht es in Hanoi um die Anbindung des Flughafens sowie an einen Hightech- und einen Biotechnologiepark.
In Ho-Chi-Minh-Stadt haben der beschleunigte Bau des neuen Flughafens und die Eingliederung zweier Nachbarprovinzen in das Stadtgebiet die bisherigen Planungen grundlegend verändert. Die neuen Linien und Erweiterungen sollen nun das erweiterte Stadtgebiet und den Großflughafen Long Thanh anbinden.
Mehr Druck und bessere Rahmenbedingungen
In der Vergangenheit gab es bei Metroprojekten teils massive Verzögerungen, Kostensteigerungen und Rechtsstreitigkeiten. Mittlerweile stehen die Chancen auf eine schnellere Umsetzung besser. Der politische Druck hat sich verstärkt und die Rahmenbedingungen wurden angepasst.
Neue Sonderregelungen geben Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt mehr Autonomie bei der Projektumsetzung. Enteignungen und Grundstücksfreigaben werden nun vor der Umsetzung des eigentlichen Infrastrukturprojekts durchgeführt. Damit entfällt eine der wichtigsten Ursachen für Verzögerungen. Ergänzend hat die Regierung Mitte 2026 landesweit einheitliche technische Standards für Metrosysteme erlassen. Sie schaffen einen gemeinsamen Rahmen für Planung, Ausschreibung und Betrieb neuer Strecken.
Der beschleunigte Ausbau eröffnet Chancen für deutsche Anbieter von Fahrzeugen, Signal- und Leittechnik, Bahnstromversorgung, Bahnhofs- und Depotausrüstung sowie Planungsleistungen. Deutsche Unternehmen waren an den bisherigen Metroprojekten zwar als Technologie- und Ausrüstungslieferanten beteiligt, prägten jedoch keine der Metrolinien als führende Projekt- oder Systempartner.
Die Metronetze werden von den städtischen Verkehrsgesellschaften Hanoi Metro Company und Ho Chi Minh City Urban Railway Company No. 1 betrieben. Für Planung und Entwicklung der Metronetze sind in Hanoi das Metro Railway Management Board und in Ho-Chi-Minh-Stadt die Management Authority for Urban Railways zuständig. Die beiden Behörden koordinieren die Vorbereitung und Umsetzung der Projekte und setzen dabei bewusst auf einen Mix internationaler Technologiepartner, um Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu vermeiden.
Chinesische Anbieter gewinnen Projekte
Die bisher realisierten Strecken entstanden jeweils mit unterschiedlichen internationalen Konsortien: Die Linie 2A in Hanoi wurde maßgeblich von chinesischen Unternehmen (unter anderem der China Railway Sixth Group) umgesetzt, die Linie 3 von einem französisch geprägten Konsortium mit weiterer europäischer und südkoreanischer Beteiligung (Alstom, Colas Rail, Thales und Hyundai Engineering & Construction). Die Metro 1 in Ho-Chi-Minh-Stadt entstand unter Führung japanischer Partner (Hitachi, Sumitomo und Shimizu).
Chinesische Unternehmen treten bei der neuen Ausbauwelle offensiv auf und konnten sich bereits mehrere wichtige Vorhaben sichern. Die Linie 5 in Hanoi wird bereits von einem chinesisch geführten Konsortium unter Leitung der Pacific Construction Group umgesetzt. Auch bei der Verlängerung der mit chinesischer Technik ausgeführten Linie 2A gilt eine erneute Zusammenarbeit mit Partnern aus China als wahrscheinlich.
In Ho-Chi-Minh-Stadt wird die Metro 2 derzeit von einem Konsortium unter Beteiligung des vietnamesischen Konzerns Thaco, des südkoreanischen Fahrzeugherstellers Hyundai Rotem sowie chinesischer Partner vorbereitet. Chinesische Unternehmen haben darüber hinaus für weitere Metrovorhaben der Stadt Konsortien mit lokalen Firmen gebildet und Interesse an zusätzlichen Projekten geäußert.
Für die Erweiterung der Linie 3 in Hanoi könnte dagegen erneut europäische Technologie zum Zuge kommen, da für das Vorhaben eine Beteiligung europäischer Finanzierer wahrscheinlich ist. Offen ist die Situation bei den fünf von VinSpeed entwickelten Metroprojekten in Hanoi. Die Vergabe vieler Technologie- und Systempakete steht dort noch aus, genauso wie bei zahlreichen weiteren Vorhaben in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Für internationale Anbieter eröffnen sich damit weiterhin Chancen bei Fahrzeugen, Signaltechnik, Elektrifizierung und weiterer Bahntechnik.
Von Peter Buerstedde
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