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Wirtschaftsausblick | Vietnam

Wachstum in Vietnam wird sich 2024 beschleunigen

Die bessere Absatzlage in den USA und Europa verheißt 2024 eine Erholung für den Exportmarkt. Anstehende Reformen können das Wachstum beschleunigen.

Von Peter Buerstedde | Hanoi

Top-Thema: Exportindustrien warten auf ein Anziehen der Nachfrage

USA und Europa sind für vietnamesische Exporte wichtige Zielländer. Die schwache Konjunkturentwicklung dort belastet weiter das Wachstum. Hohe Inflationsraten schwächen die Kaufkraft und somit die Nachfrage nach den wichtigsten vietnamesischen Exportgütern Elektronik, Textilien, Schuhe und Möbel. Handels- und Produktionszahlen deuten auf eine Erholung, die aber noch sehr langsam voranschreitet. Erst Mitte Februar 2024, nach dem traditionellen Neujahrsfest Tet, beschleunigt sie sich wahrscheinlich.

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Der "Purchasing Managers Index" (PMI) erfasst die Geschäftsstimmung in der Industrie. Liegt er über 50 Punkte, deutet das auf Wachstum hin, darunter auf einen Rückgang der Geschäftstätigkeit. Der PMI hatte im August die 50-Punkte-Marke überschritten, lag danach aber wieder leicht darunter. Das Weihnachtsgeschäft des Westens hat nicht den gewünschten Schwung gebracht. Die Produktion lässt erneut leicht nach, aber es gibt geringfügig mehr Aufträge. 

Die Zahl der Beschäftigten in der Industrie hat sich seit Oktober 2023 nach einem kontinuierlichen Abbau in den vorherigen sieben Monaten stabilisiert. Viele entlassene Industriearbeiter finden zwar schnell wieder einen Job, aber im schlechter bezahlten, informellen Sektor – dadurch steht den Haushalten weniger Einkommen zur Verfügung.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum hängt vom Exportgeschäft ab

Die vietnamesische Regierung plant mit einem Wachstum für 2024 um die 6 bis 6,5 Prozent, aber tatsächlich ist die Entwicklung für die Exportnation höchst unsicher. Die inländische Produktion hängt stark von der Nachfrage in den wichtigsten Exportmärkten USA, Europa und China ab. Ab dem 2. Quartal 2024 könnten mehr Aufträge die Einfuhren von Rohmaterialien, die Produktion und die Ausfuhren von Gütern beleben. 

Auch der Konsum wird wohl langsamer wachsen und die Wirtschaftsentwicklung dämpfen. Um Kaufimpulse zu geben, will die Regierung eine Mehrwertsteuersenkung um 2 Prozentpunkte, die Ende 2023 auslaufen sollte, bis Mitte 2024 verlängern. 

Trotz langsamer Prozesse investiert der Staat mehr

Das Interesse ausländischer Investoren ist nach Rekordzuflüssen in den letzten beiden Jahren ungebrochen. Im Jahr 2024 werden Unternehmer vermutlich weiterhin hohe Investitionen tätigen. Diese gehen vor allem in den Bau neuer Fabriken für das Exportgeschäft

Die Hochbaubranche – vor allem der Wohnungs- und Hotelbaubefindet sich in einer Krise, die durch Korruptionsskandale, gestiegene Zinsen und lange Genehmigungsprozesse hervorgerufen wurde. Diese führten zu einem Stillstand auf vielen Baustellen. Seit Sommer 2023 sind zwar einige Großprojekte nach jahrelanger Inaktivität genehmigt worden, aber die Wiederaufnahme von Bauvorhaben erfolgt noch nicht auf breiter Front.

Ein weiteres, wenn auch kein neues Problem ist die schleppende Umsetzung öffentlicher Investitionen. Bis zum Oktober 2023 waren lediglich etwa zwei Drittel der für das gesamte Jahr geplanten Mittel eingesetzt worden. Aufgeschreckt durch eine Antikorruptionskampagne der Kommunistischen Partei wollen Behördenmitarbeiter nicht riskieren, unter Korruptionsverdacht zu geraten und zögern deshalb Entscheidungen heraus. Die Regierung hat die Finanzmittel für 2024 dennoch deutlich aufgestockt zum einen, um die Konjunktur anzukurbeln und zum anderem, um die Infrastruktur auszubauen.

Konsum wächst schwächer

Der Konsum ist der wichtigste Wachstumstreiber für Vietnam, auch wenn die Kauflaune durch weniger verfügbares Einkommen nachlässt. Die Einzelhandelsumsätze lagen im Oktober 2023 nur 7 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Die Inflation pendelt sich bei etwas über 3 Prozent ein. Sie bleibt damit deutlich unter der von der Zentralbank anvisierten Obergrenze von 4 Prozent und der vietnamesische Dong gewinnt wieder an Boden gegenüber dem US-Dollar. Damit sinkt die Gefahr einer sogenannten "importierten Inflation", also einer Teuerungsrate, deren Ursachen in den Außenbeziehungen einer Volkswirtschaft liegen.

Der Reiseverkehr stützt den Konsum. Der Inlandstourismus hat sich nach einem starken Jahresbeginn etwas gelegt, aber die ausländischen Besucherzahlen entwickeln sich erfreulich und steigen stark an. Das Regierungsziel von 12 bis 13 Millionen Reisenden wird 2023 übertroffen werden.

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Deutsche Perspektive: Ansiedlungen und Beschaffung legen zu

Viele deutsche Firmen haben sich 2023 in Vietnam angesiedelt, darunter Tesa, Schäffler, Viessmann, Magnetec, Kurz, Pepperl+Fuchs, Südwolle, Harting, Fuchs Schmierstoffe und das Start-up für Energieriegel Lecka. Viele Firmen wollen auf diese Weise ihre Abhängigkeit von China verringern und Kosten sparen – und ein Standbein in Südostasien aufbauen. Gleichzeitig wächst das Interesse am Beschaffungsmarkt Vietnam.

Deutsche Investitionen könnten sich noch beschleunigen, insbesondere Windparkentwickler aus der Bundesrepublik stehen in den Startlöchern. Derzeit steckt die Regierung einen neuen Rechtsrahmen für Investitionen in erneuerbare Energien ab. 

Mehr Informationen erhalten Sie auf der Länderseite Vietnam.

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