Hanoi steht im Schatten der imposanten Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt. Großprojekte sollen die Hauptstadt in neuem Licht erstrahlen lassen.
Hanoi hat Anfang 2026 einen neuen Masterplan für die Stadtentwicklung präsentiert, der sich an Shanghai als Vorbild orientiert. Der Plan sieht eine komplette Transformation vor. Gebiete am Roten Fluss sollen erschlossen werden und dieser "Red River Scenic Boulevard" dürfte das Gesicht der Stadt völlig verändern. Auch Innovationscluster sollen geschaffen werden. Und außerhalb ist eine imposante Olympische Stadt geplant.
Roter Fluss als neue Entwicklungsachse
Hanoi leidet wie viele schnell wachsende Metropolen in Schwellenländern unter Wohnungsnot, Umweltverschmutzung und Verkehrschaos. Um das übervölkerte Zentrum Hanois zu entlasten, sah ein Generalplan 2011 neue Satellitenstädte vor. Aber die Rechnung ging nicht auf. Die Trabantenstädte waren schlecht angebunden, Schulen und Krankenhäuser fehlten. Sie waren wenig attraktiv und das Zentrum zog weiterhin neue Einwohner an.
Künftig sollen 860.000 Einwohner aus der Innenstadt ins Umland umziehen. Dazu dient auch das Schwemmland an den Ufern des Roten Flusses, der das Stadtzentrum im Norden und Osten umschließt. Derzeit werden in den Flussniederungen vor allem Bananen angebaut und Baustoffe verladen. Erst wenige Siedlungen entstanden jenseits der Deichstraßen.
Ab dem Jahr 2026 sollen nun beide Seiten des Roten Flusses "harmonisch" auf einer Länge von 40 Kilometern urbanisiert werden. Die Details sind noch nicht öffentlich, aber Büro- und Wohntürme, Parks und Metrolinien gehören zur künftigen Bebauung. Dafür müssen zunächst etwa 200.000 Einwohner umgesiedelt werden.
Spektakuläre Infrastrukturbauten
Zur besseren Anbindung der künftigen Bebauungsgebiete werden bis 2035 neun weitere Brücken über den Roten Fluss errichtet. Drei Brücken sind seit 2025 im Bau, darunter die Tu-Lien-Brücke, die als spektakuläre Hängebrücke die Blicke auf sich ziehen wird. Sie wird vom Stadtzentrum nach Osten zum neuen Messegelände führen.
Hanoi hat seit August 2025 ein modernes Messezentrum und dürfte gegenüber dem Messestandort Ho-Chi-Minh-Stadt an Bedeutung gewinnen. In einer Art Tauschgeschäft hatte die Vingroup, der größte Konzern des Landes, in nur acht Monaten ein gigantisches Messezentrum aus dem Boden gestampft und erhielt dafür im Gegenzug das alte Messegelände, wo nun neue Wohnungen entstehen werden. Um das neue Messegelände entsteht wiederum ein riesiges Wohnviertel namens Vinhomes Global Gate.
Das Konzept für die Messe hatten ursprünglich das Architektenbüro gmp und die Ingenieursfirma Inros Lackner aus Deutschland entworfen. Schließlich hat Vingroup das Vorhaben aber anders umgesetzt. Inros Lackner ist aber Generalplaner für den ersten Biotechnologiepark des Landes im Westen der Stadt. Auf 199 Hektar werden in den kommenden Jahren Büros und Labore entstehen. Der Westen von Hanoi soll so eine Innovationsschneise bilden, die von dem Neubaugebiet Starlake über den Biotechnologiepark bis zum Hightech-Park in Hoa Lac 40 Kilometer westlich der Stadt reicht.
In das Großvorhaben Starlake, das sich seit dem Projektstart im Jahr 2006 nur langsam entwickelt hatte, kommt nun Bewegung. Ministerien und staatliche Stellen sollen in dieses Neubaugebiet am West Lake, dem größten See der Stadt, umsiedeln und so die Innenstadt entlasten. Im Stadtgebiet Starlake steht seit Ende 2022 bereits ein Forschungszentrum von Samsung, ein weiteres der Softwarefirma CMC ist im Bau. Mehrere Bürotürme und ein Einkaufszentrum des japanischen Betreibers Takashimaya werden seit 2025 ebenfalls gebaut.
Neuer Schwung in der Peripherie
Hoa Lac im Westen von Hanoi ist die einzige Satellitenstadt, die sich in den letzten Jahren zaghaft entwickelte. Hier wurde 2023 ein Nationales Innovationszentrum eröffnet und die vietnamesische Softwarefirma FPT hat einen großen Campus errichtet. Trotz Steuervergünstigungen ließen sich bisher aber nur wenige ausländische Tech-Firmen vor die Tore der Stadt locken. Sie fürchten, dass sie für entlegene Standorte nur schwer Mitarbeiter gewinnen.
Satellitenstädte sollen besser erreichbar sein. Ab 2030 soll die Metrolinie 5 den Hightech-Park Hoa Lac an die Stadt anbinden. Der Bau der Metrolinien 5 und 2 begann im Dezember 2025 und der Bau von weiteren Metrolinien soll beschleunigt werden. Bis 2035 sind Verlängerungen der Linien 2A und 3 sowie Linien 1, 4, 6, 7 und 8 vorgesehen.
Eine Olympische Stadt für Sportevents
Ende 2025 hat Vingroup südlich von Hanoi das größte Immobilienprojekt des Landes lanciert. Der Konzern will auf 16.000 Hektar eine neue Stadt für 1,2 Millionen Einwohner errichten und ein Stadion für 135.000 Zuschauer. Es wird das größte der Welt sein.
Damit will sich das Land künftig für große Wettbewerbe wie die Asienspiele oder die Olympischen Spiele bewerben. Die fast fertige Ringautobahn 4 verbindet die Olympische Stadt mit dem Großraum Hanoi. Hier soll auch der Kopfbahnhof für die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Hanoi nach Ho-Chi-Minh-Stadt liegen.
Südlich der Olympischen Stadt ist ein weiterer Hauptstadtflughafen mit einer Jahreskapazität für 50 Millionen Passagiere geplant. Aber dessen Schicksal ist ungewiss, weil seit 2025 in der Nachbarprovinz Hung Yen (der Heimat des Generalsekretärs To Lam) ein neuer Großflughafen gebaut wird. In der Provinz Hung Yen ist zudem ein Trump Golf Hotel sowie ein Stadion für 60.000 Zuschauer geplant.
Zentrale Projekte wieder in Gang gesetzt
In der ganzen Stadt werden überfällige Bauvorhaben wieder aufgenommen. Die Stadtverwaltung drängt säumige Entwickler, entweder die Projekte umzusetzen, zu verkaufen oder das Land zurückzugeben. Im Umkreis des internationalen Flughafens Noi Bai war beispielsweise eine Flughafenstadt mit zahlreichen Wohn- und Bürokomplexen geplant. Die North Hanoi Smart City der Firmen Sumitomo aus Japan und der BRG Group aus Vietnam wurde im Jahr 2025 nun wieder aufgenommen. Auf 272 Hektar sollen CO2-neutrale Wohnsiedlungen und ein Finanztower entstehen. Er wird das höchste Gebäude des Landes mit 108 Stockwerken.
Im Stadtviertel Tay Ho nördlich der Innenstadt startete der große Immobilienentwickler Sungroup 2025 mit dem Bau der seit 2017 geplanten Perlen-Oper nach Entwürfen von Renzo Piano. Zum Leidwesen vieler westlicher Expats, die in diesem Viertel leben, musste dafür Anfang 2026 ein beliebtes Viertel mit Restaurants und Cafés der Zugangsstraße zur Oper weichen.
Mehr als 100 Milliarden US-Dollar für Großprojekte Auswahl an Projekten in Hanoi| Vorhaben | Investitionssumme (in Milliarden US$) | Projektstand | Anmerkungen/Entwickler |
|---|
| Metroausbau, 10 Linien bis 2035 | 37,1 | Planungshorizont: 2024 bis 2030 - 96,8 km (Linien 2, 3, 5); 2031 bis 2035 - 301 km (Linien 1, 4, 6, 7, 8) | Verschiedene Finanzierungen inklusive Kredite der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) |
| Vinhomes Olympic (Olympische Stadt, Wohn-, Bürogebäude) | 35,2 | Baubeginn Ende 2025, Fertigstellung Stadion 2028, Sportanlagen 2030, Wohnsiedlungen 2035 | Vingroup |
| Red River Scenic Boulevard (Wohn- und Bürogebäude, Parks, Metrolinie entlang beider Ufer des Roten Flusses) | 32,5 | Baubeginn Ende 2025, Fertigstellung 2030 | Dai Quang Minh Real Estate Investment, Van Phu Invest, Thaco, T&T Group, Hoa Phat |
| Flughafen Gia Binh, Provinz Hung Yen | 8,0 | Baubeginn 2025, Fertigstellung Phase 1: 2030, Phase 2: 2050 | Phase 1: 30 Mio. Passagiere im Jahr, Phase 2: 50 Mio. Passagiere; Masterise Group |
| North Hanoi Smart City | 4,2 | Baubeginn 2025, Fertigstellung Ende 2032 | Finanztower, Wohnungen, Einkaufszentrum, 270 ha; BRG Group (Vietnam), Sumitomo Group (Japan) |
| Ringstraße 4 (113,5 km) | 3,6 | Fertigstellung 2027 | Staatliche Finanzierung |
| Trump International Hung Yen (Golfhotel) | 1,5 | In Planung | Kinh Bac Corporation |
| Starlake (Neue Ministerien, Wohnungen, Einkaufszentren, 186 ha) | 1,4 | Teilprojekte werden gebaut | THT Development (Südkorea) |
| Vinhomes Global Gate (Messegelände, Wohnungen, Villen, Einkaufszentren, 265 ha) | 1,4 | Einweihung Messegelände August 2025 | Vinhomes (Vietnam) |
| Perlenoper | 0,5 | Baustart 2025, Fertigstellung Operngebäude 2027, Kulturpark 2029 | Nach Entwurf von Renzo Piano; Sungroup |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Von Peter Buerstedde
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