Foto aufgenommen in Vietnam, H Noi Vietnam: Hanoi | © GettyImages/Vu Long / EyeEm

Wirtschaftsumfeld | Vietnam | Stadtentwicklung

Vietnamesische Metropolen im Baufieber

Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi und Danang wollen zu den modernen Megastädten in Asien aufschließen. Ihre Großprojekte bieten auch deutschen Unternehmen zahlreiche Chancen.

Von Peter Buerstedde | Hanoi

Durch Vietnams Großstädte rollt eine Welle an Großprojekten. Hanoi will die Ufer des Roten Flusses bebauen und mit Prestigebauten glänzen. Ho-Chi-Minh-Stadt erhält einen neuen Flughafen und mehrere Projekte sollen die Verkehrsverbindungen der Metropole verbessern. Das kleinere Danang baut Infrastruktur und Hotels aus, um noch mehr Touristen aufnehmen zu können. Die Stadt in Zentralvietnam will auch zu einem internationalen Finanzzentrum und High-Tech-Standort werden. 

Die Vorhaben eröffnen Chancen für deutsche Planungs- und Technikanbieter. Für Gebäude und Infrastruktur wird hochwertige Technik benötigt, die importiert werden muss. Dies gilt vor allem für prestigeträchtige Bauprojekte sowie für komplexe Bahn- und Hafeninfrastruktur.

  • Um ihre Rolle als Wirtschaftsmotor des Landes wiederzugewinnen, setzt die südliche Metropole Vietnams auf gigantische Bauvorhaben. Deutsche Firmen sind als Auftragnehmer dabei.

    Ho-Chi-Minh-Stadt und ihr Umland sind die wichtigste Wirtschaftsregion Vietnams. Sie erzielte 2025 rund ein Viertel des gesamten vietnamesischen Bruttoinlandsprodukts. Und mit einer Erweiterung des Stadtgebietes um zwei angrenzende Provinzen wurde die Fläche der Stadt verdreifacht und die Zahl der Einwohner von Ho-Chi-Minh-Stadt legte zum 1. Juli 2025 von 10 Millionen auf 14 Millionen zu. 

    Gebietsreform schafft diversifizierte Wirtschaftsmetropole

    Mit einer landesweiten Gebietsreform nahm Ho-Chi-Minh-Stadt zwei angrenzende Provinzen auf: Die Provinz Bin Duong, die wichtigste Industrieregionen des Landes, und Ba Ria Vung Tau mit seinen großen Häfen und Schiffswerften. Die weiterhin selbständige, östlich der Stadt gelegene Provinz Dong Nai ist ebenfalls stark industrialisiert und beherbergt etliche Fabriken deutscher Firmen und den neuen Hauptstadtflughafen Long Thanh.

    Neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung gilt die Metropole am Fluss Saigon als offener für neue Produkte und Dienstleistungen als der traditionellere Norden. Ho-Chi-Minh-Stadt ist auch deshalb der wichtigste Startup-Hub und Messestandort Vietnams. Ausländische Unternehmen sind ebenfalls hauptsächlich im Süden zu finden. Nach Angaben der AHK Vietnam waren 2025 von den 576 deutschen Niederlassungen in Vietnam über die Hälfte in Ho-Chi-Minh-Stadt ansässig. 

    Die Stadt leidet unter Infrastrukturengpässen

    Nach Aussagen ausländischer Unternehmer büßte der Großraum Ho-Chi-Minh-Stadt in den letzten Jahren an Attraktivität ein. Neue deutsche Fabriken wurden in den letzten Jahren eher im Norden und Zentrum des Landes errichtet, etwa von Tesa in Haiphong oder von Kärcher in Chu Lai. Während die deutschen Unternehmen im Süden ihre Fabriken höchstens erweiterten. 

    Die Zugangswege zu den Industriezonen und zum Stadthafen Cat Lai und zum Port Cai Mep an der Küste sind völlig überlastet. Gleiches gilt für den Flughafen Ton Son Nhat im innerstädtischen Gebiet.

    „Die Industrie ist viel schneller gewachsen als die Infrastruktur",
     

    sagt Carsten Marius Schwenke vom deutschen Logistikunternehmen Rhenus in Ho-Chi-Minh-Stadt

    Industrieparks sind ausgelastet und älter als im Norden. Da Industrieparks in Vietnam in der Regel mit Landnutzungsrechten für 50 Jahre an den Start gehen, haben die aus den 1990er Jahren nur noch Restlaufzeiten von 10 bis 20 Jahren und ihr weiteres Bestehen ist vielerorts unklar. Für Investoren ist das zu unsicher. Korruptionsskandale bremsten in den letzten Jahren zudem dringliche Infrastruktur- und Immobilienprojekte aus. 

    Das soll anders werden und die Zeichen dafür stehen gut. Der 2025 ernannte Bürgermeister steht dem Partei-Generalsekretär To Lam nahe, dem mächtigsten Politiker im Staat. Der Bürgermeister strebt 2026 bis 2030 ein Wirtschaftswachstum für Ho-Chi-Minh-Stadt von 10 bis 11 Prozent pro Jahr an und hat dafür mehr Befugnisse bekommen.

    Autobahnen eröffnen neue Entwicklungsmöglichkeiten

    Mehrere Bauprojekte sollen das 2025 erweiterte Stadtgebiet zusammenschweißen und abgelegene Gebiete besser anbinden. Einige Großprojekte werden noch 2026 fertiggestellt, darunter die Ringstraße 3 sowie wichtige Autobahnkreuze. Die chronisch verstopften Zufahrtswege zum Hafen Cat Lai werden damit entlastet. 

    Eine neue Autobahn parallel zur überfüllten Autobahn 51 zur Küste ist ebenfalls fast fertiggestellt und wird den Zugang zum aufstrebenden Tiefseehafen Cai Mep erleichtern. An der Autobahn wird fieberhaft gearbeitet, weil sie auch den rund 40 km östlich des Stadtzentrums gelegenen Großflughafen Long Thanh anbindet. Die neuen Industrieparks rund um den Flughafen müssen ebenfalls an die Verkehrswege angeschlossen werden, denn im Juni 2026 sollen vom Long Thanh Airport die ersten Flüge starten.

    Eine Metrolinie, die den Flughafen Long Thanh mit der Innenstadt verbindet, wird geplant. Ho-Chi-Minh-Stadt will das Metronetz sogar auf 27 Linien erweitern. Noch 2026 soll der Bau von fünf Metrostrecken beginnen. 

    Die vietnamesische Firma Thaco, die Kfz-Teile herstellt und Modelle von BMW montiert, begann im Januar 2026 mit dem Bau der Linie 2. Die Stadtverwaltung entschied sich 2025, auf die ursprüngliche Geberfinanzierung der Linie 2 zu verzichten und bezahlt das Vorhaben aus eigenen Haushaltsmitteln. Das Vorgehen gilt als Testfall für weitere Vorhaben, denn der Metroausbau kam in den letzten Jahren nur schleppend voran. 

    Auch höhere Entschädigungen bei Enteignungen dürften künftige Projekte beschleunigen. Diese orientieren sich seit 2025 an Marktpreisen und das erleichtert die Enteignung und Räumung von Grund und Boden. Seit 2024 sind auch die Infrastrukturvorhaben leichter möglich, die von Privatfirmen finanziert und umgesetzt werden. Diese erhalten dafür im Gegenzug attraktive Grundstücke.

    Hochgeschwindigkeitsstrecke mit deutscher Technik

    Eine neue 54 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke wird von Ho-Chi-Minh-Stadt in den Küstenbezirk Can Gio führen. Baustart war Ende 2025. Investor und ausführendes Unternehmen des Projektes ist Vinspeed, eine Tochter der Vingroup dem größten Konzern des Landes. Vinspeed vereinbarte im Dezember 2025 mit Siemens eine Kooperation. Demnach soll Siemens den Zug Velaro Novo und die Signaltechnik für Vietnams erste Hochgeschwindigkeitsbahn liefern.

    Dieses Bahnprojekt hat ein geschätztes Investitionsvolumen von 4 Milliarden US-Dollar und zielt darauf ab, die Verbindungen und Entwicklung in der Region Can Gio zu fördern. Dort baut die Vingroup ein Neubauviertel für 228.000 Einwohner. 

    Vingroup plant für 3,6 Milliarden US-Dollar auch eine 14 Kilometer Schnellstraße mit Seebrücke und Tunnel von Can Gio nach Vung Tau auf der anderen Seite der Bucht Ganh Rai. Dort wird das Hafencluster Cai Mep in den kommenden Jahren um den Hafen Cai Mep Ha erweitert. Gegenüber ist außerdem ein Container-Umschlaghafen geplant, der dem Hafen Singapur und anderen südostasiatischen Umschlaghäfen Konkurrenz machen soll.

    Thu Thiem zieht Großprojekte an

    Neue Hochbauten konzentrieren sich auf den künftigen Finanzdistrikt Thu Thiem, der auf einer Halbinsel am Ufer des Saigon-Flusses liegt. Zu den geplanten Projekten zählen neben vielen Bürogebäuden ein Trump-Tower sowie eine neue Oper nach einem Entwurf des deutschen Architektenbüros gmp. Anfang 2026 begann der Konzern Sun Group bereits mit dem Bau des Rach Chiec National Sports Complex, einer gigantischen Wohnsiedlung sowie eines Sportstadions für 70.000 Zuschauer. 

    Metropole baut in alle RichtungenGroßprojekte in Ho-Chi-Minh-Stadt
    VorhabenInvestitionen (in Milliarden US$)Status, Investor
    Hochgeschwindigkeitszugstrecke (HGZ) von Hanoi nach Ho-Chi-Minh-Stadt

    ca. 70

    Machbarkeitsstudie in Ausarbeitung durch Ineco, Artelia
    Flughafen Long Thanh

    16,0

    Geplante Eröffnung im Juni 2026 nach Phase 1 (25 Mio. Passagiere, 1,2 t Cargo, 5,4 Mrd. US$), Phase 2: 50 Mio. Passagiere, Phase 3: 100 Mio. Passagiere
    Green Paradise, Can Gio

    10,0

    Im Bau, Wohnbauviertel auf 2.900 Hektar; Vingroup
    Rach Chiec National Sports Complex

    5,5

    Stadion, weitere Sportstätten und Wohnviertel, Baustart im Januar 2026; Sungroup
    Umschlaghafen Can Gio

    4,8

    In Planung, 4,8 Mio. TEU bis 2030; Saigon Port, MSC
    Hochgeschwindigkeitszugstrecke (HGZ) Ho-Chi-Minh-Stadt nach Can Gio

    4,0

    In Umsetzung seit Ende 2025 für Inbetriebnahme Ende 2028, 54 km; Vinspeed, Siemens
    Metrolinie 2

    2,0

    11,3 km, geplante Inbetriebnahme Ende 2030; Thaco (wahrscheinlich mit koreanischen Partnern)
    Hafen Cai Mep Ha

    2,0

    Bis 2045 in drei Phasen 10,8 Mio. TEU im Jahr; Geleximco Group, ITT
    Trump Tower, Thu Thiem

    1,0

    Bau soll 2026 beginnen; Kinh Bac City, Trump Organization
    Thu Thiem Theater (neues Operngebäude)

    0,8

    In Planung; Entwurf von GMP
    Quelle: GTAI-Recherchen 2026


     

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • Hanoi steht im Schatten der imposanten Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt. Großprojekte sollen die Hauptstadt in neuem Licht erstrahlen lassen.

    Hanoi hat Anfang 2026 einen neuen Masterplan für die Stadtentwicklung präsentiert, der sich an Shanghai als Vorbild orientiert. Der Plan sieht eine komplette Transformation vor. Gebiete am Roten Fluss sollen erschlossen werden und dieser "Red River Scenic Boulevard" dürfte das Gesicht der Stadt völlig verändern. Auch Innovationscluster sollen geschaffen werden. Und außerhalb ist eine imposante Olympische Stadt geplant. 

    Roter Fluss als neue Entwicklungsachse

    Hanoi leidet wie viele schnell wachsende Metropolen in Schwellenländern unter Wohnungsnot, Umweltverschmutzung und Verkehrschaos. Um das übervölkerte Zentrum Hanois zu entlasten, sah ein Generalplan 2011 neue Satellitenstädte vor. Aber die Rechnung ging nicht auf. Die Trabantenstädte waren schlecht angebunden, Schulen und Krankenhäuser fehlten. Sie waren wenig attraktiv und das Zentrum zog weiterhin neue Einwohner an. 

    Künftig sollen 860.000 Einwohner aus der Innenstadt ins Umland umziehen. Dazu dient auch das Schwemmland an den Ufern des Roten Flusses, der das Stadtzentrum im Norden und Osten umschließt. Derzeit werden in den Flussniederungen vor allem Bananen angebaut und Baustoffe verladen. Erst wenige Siedlungen entstanden jenseits der Deichstraßen.

    Ab dem Jahr 2026 sollen nun beide Seiten des Roten Flusses "harmonisch" auf einer Länge von 40 Kilometern urbanisiert werden. Die Details sind noch nicht öffentlich, aber Büro- und Wohntürme, Parks und Metrolinien gehören zur künftigen Bebauung. Dafür müssen zunächst etwa 200.000 Einwohner umgesiedelt werden. 

    Spektakuläre Infrastrukturbauten 

    Zur besseren Anbindung der künftigen Bebauungsgebiete werden bis 2035 neun weitere Brücken über den Roten Fluss errichtet. Drei Brücken sind seit 2025 im Bau, darunter die Tu-Lien-Brücke, die als spektakuläre Hängebrücke die Blicke auf sich ziehen wird. Sie wird vom Stadtzentrum nach Osten zum neuen Messegelände führen. 

    Hanoi hat seit August 2025 ein modernes Messezentrum und dürfte gegenüber dem Messestandort Ho-Chi-Minh-Stadt an Bedeutung gewinnen. In einer Art Tauschgeschäft hatte die Vingroup, der größte Konzern des Landes, in nur acht Monaten ein gigantisches Messezentrum aus dem Boden gestampft und erhielt dafür im Gegenzug das alte Messegelände, wo nun neue Wohnungen entstehen werden. Um das neue Messegelände entsteht wiederum ein riesiges Wohnviertel namens Vinhomes Global Gate. 

    Das Konzept für die Messe hatten ursprünglich das Architektenbüro gmp und die Ingenieursfirma Inros Lackner aus Deutschland entworfen. Schließlich hat Vingroup das Vorhaben aber anders umgesetzt. Inros Lackner ist aber Generalplaner für den ersten Biotechnologiepark des Landes im Westen der Stadt. Auf 199 Hektar werden in den kommenden Jahren Büros und Labore entstehen. Der Westen von Hanoi soll so eine Innovationsschneise bilden, die von dem Neubaugebiet Starlake über den Biotechnologiepark bis zum Hightech-Park in Hoa Lac 40 Kilometer westlich der Stadt reicht. 

    In das Großvorhaben Starlake, das sich seit dem Projektstart im Jahr 2006 nur langsam entwickelt hatte, kommt nun Bewegung. Ministerien und staatliche Stellen sollen in dieses Neubaugebiet am West Lake, dem größten See der Stadt, umsiedeln und so die Innenstadt entlasten. Im Stadtgebiet Starlake steht seit Ende 2022 bereits ein Forschungszentrum von Samsung, ein weiteres der Softwarefirma CMC ist im Bau. Mehrere Bürotürme und ein Einkaufszentrum des japanischen Betreibers Takashimaya werden seit 2025 ebenfalls gebaut.

    Neuer Schwung in der Peripherie

    Hoa Lac im Westen von Hanoi ist die einzige Satellitenstadt, die sich in den letzten Jahren zaghaft entwickelte. Hier wurde 2023 ein Nationales Innovationszentrum eröffnet und die vietnamesische Softwarefirma FPT hat einen großen Campus errichtet. Trotz Steuervergünstigungen ließen sich bisher aber nur wenige ausländische Tech-Firmen vor die Tore der Stadt locken. Sie fürchten, dass sie für entlegene Standorte nur schwer Mitarbeiter gewinnen. 

    Satellitenstädte sollen besser erreichbar sein. Ab 2030 soll die Metrolinie 5 den Hightech-Park Hoa Lac an die Stadt anbinden. Der Bau der Metrolinien 5 und 2 begann im Dezember 2025 und der Bau von weiteren Metrolinien soll beschleunigt werden. Bis 2035 sind Verlängerungen der Linien 2A und 3 sowie Linien 1, 4, 6, 7 und 8 vorgesehen. 

    Eine Olympische Stadt für Sportevents

    Ende 2025 hat Vingroup südlich von Hanoi das größte Immobilienprojekt des Landes lanciert. Der Konzern will auf 16.000 Hektar eine neue Stadt für 1,2 Millionen Einwohner errichten und ein Stadion für 135.000 Zuschauer. Es wird das größte der Welt sein. 

    Damit will sich das Land künftig für große Wettbewerbe wie die Asienspiele oder die Olympischen Spiele bewerben. Die fast fertige Ringautobahn 4 verbindet die Olympische Stadt mit dem Großraum Hanoi. Hier soll auch der Kopfbahnhof für die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Hanoi nach Ho-Chi-Minh-Stadt liegen. 

    Südlich der Olympischen Stadt ist ein weiterer Hauptstadtflughafen mit einer Jahreskapazität für 50 Millionen Passagiere geplant. Aber dessen Schicksal ist ungewiss, weil seit 2025 in der Nachbarprovinz Hung Yen (der Heimat des Generalsekretärs To Lam) ein neuer Großflughafen gebaut wird. In der Provinz Hung Yen ist zudem ein Trump Golf Hotel sowie ein Stadion für 60.000 Zuschauer geplant.

    Zentrale Projekte wieder in Gang gesetzt

    In der ganzen Stadt werden überfällige Bauvorhaben wieder aufgenommen. Die Stadtverwaltung drängt säumige Entwickler, entweder die Projekte umzusetzen, zu verkaufen oder das Land zurückzugeben. Im Umkreis des internationalen Flughafens Noi Bai war beispielsweise eine Flughafenstadt mit zahlreichen Wohn- und Bürokomplexen geplant. Die North Hanoi Smart City der Firmen Sumitomo aus Japan und der BRG Group aus Vietnam wurde im Jahr 2025 nun wieder aufgenommen. Auf 272 Hektar sollen CO2-neutrale Wohnsiedlungen und ein Finanztower entstehen. Er wird das höchste Gebäude des Landes mit 108 Stockwerken. 

    Im Stadtviertel Tay Ho nördlich der Innenstadt startete der große Immobilienentwickler Sungroup 2025 mit dem Bau der seit 2017 geplanten Perlen-Oper nach Entwürfen von Renzo Piano. Zum Leidwesen vieler westlicher Expats, die in diesem Viertel leben, musste dafür Anfang 2026 ein beliebtes Viertel mit Restaurants und Cafés der Zugangsstraße zur Oper weichen. 

    Mehr als 100 Milliarden US-Dollar für Großprojekte Auswahl an Projekten in Hanoi
    Vorhaben 

    Investitionssumme (in Milliarden  US$)

    ProjektstandAnmerkungen/Entwickler
    Metroausbau, 10 Linien bis 2035

    37,1

    Planungshorizont: 2024 bis 2030 - 96,8 km (Linien 2, 3, 5); 2031 bis 2035 - 301 km (Linien 1, 4, 6, 7, 8)Verschiedene Finanzierungen inklusive Kredite der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
    Vinhomes Olympic (Olympische Stadt, Wohn-, Bürogebäude)

    35,2

    Baubeginn Ende 2025, Fertigstellung Stadion 2028, Sportanlagen 2030, Wohnsiedlungen 2035Vingroup
    Red River Scenic Boulevard (Wohn- und Bürogebäude, Parks, Metrolinie entlang beider Ufer des Roten Flusses)

    32,5

    Baubeginn Ende 2025, Fertigstellung 2030

    Dai Quang Minh Real Estate Investment, Van Phu Invest, Thaco, T&T Group, Hoa Phat

     

    Flughafen Gia Binh, Provinz Hung Yen

    8,0

    Baubeginn 2025, Fertigstellung Phase 1: 2030, Phase 2: 2050Phase 1: 30 Mio. Passagiere im Jahr, Phase 2: 50 Mio. Passagiere; Masterise Group
    North Hanoi Smart City

    4,2

    Baubeginn 2025, Fertigstellung Ende 2032Finanztower, Wohnungen, Einkaufszentrum, 270 ha; BRG Group (Vietnam), Sumitomo Group (Japan)
    Ringstraße 4 (113,5 km)

    3,6

    Fertigstellung 2027Staatliche Finanzierung
    Trump International Hung Yen (Golfhotel)

    1,5

    In PlanungKinh Bac Corporation
    Starlake (Neue Ministerien, Wohnungen, Einkaufszentren, 186 ha)

    1,4

    Teilprojekte werden gebautTHT Development (Südkorea)
    Vinhomes Global Gate (Messegelände, Wohnungen, Villen, Einkaufszentren, 265 ha)

    1,4

    Einweihung Messegelände August 2025Vinhomes (Vietnam)
    Perlenoper

    0,5

    Baustart 2025, Fertigstellung Operngebäude 2027, Kulturpark 2029Nach Entwurf von Renzo Piano; Sungroup
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026


     

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • Die Stadt in Zentralvietnam lockt Hightech- und Finanzinvestoren und möchte mit zusätzlicher Infrastruktur auch für den Tourismus attraktiv bleiben. 

    Im Jahr 2019 endete in Danang ein Boom im Hotelbau. Die Regierung nahm im Rahmen einer Antikorruptionskampagne Projekte näher unter die Lupe und die darauf folgende Abschottung des Landes während der Coronakrise 2020 bis 2022 bremste den Bauboom völlig aus. Davon zeugen heute viele unfertige Bauten. 

    Wie in Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi werden seit 2024 alte Großprojekte aber wieder in Angriff genommen und neue kommen dazu. Die Stadtverwaltung hat rechtliche Hindernisse für die Weiterführung von Bauvorhaben aus dem Weg geräumt. 

    Markante Großprojekte

    Am Han-Fluss, der durch die Stadt fließt, will die Sungroup, der zweitgrößte Immobilienentwickler des Landes, einen in die Jahre gekommenen Vergnügungspark zu einem Büro-, Wohn- und Vergnügungsviertel ausbauen. Ein Hochhaus mit 69 Stockwerken wird dort die Blicke auf sich ziehen. Daneben errichtet die Telekomfirma Viettel zwei imposante Bürotürme nach einem Entwurf des deutschen Architekturbüros gmp. Die Sungroup baut auf der anderen Seite des Han Flusses außerdem für das alljährliche Feuerwerksfestival eine Arena mit modernen Zuschauerrängen und Hotels.

    Die Touristenzahlen lagen 2025 wieder deutlich über dem Niveau von 2019 und der Sektor möchte expandieren. Touristen können von Danang nach Hoi An künftig per Boot reisen. Dafür soll ein versandeter Flusslauf zwischen beiden Städten ausgebaggert werden. Zunächst wird der Flussverkehr auf dem zugänglichen Teil des Han-Flusses mit neuen Anlegestellen versehen. 

    Die Touristenhotels und -resorts liegen in Danang überwiegend an einem 30 Kilometer langen Strand, der vom Süden der Stadt bis nach Hoi An reicht. Für Neubauvorhaben sind hier keine Grundstücke verfügbar, da sie entweder schon vergeben oder bebaut sind. Eine weniger erschlossene Küste in einer Bucht im Norden von Danang ist außerdem vor allem für Wohnungen vorgesehen. Die Stadtregierung möchte in dieser Bucht deshalb fünf Inseln aufschütten und diese mit Hotels und Büros bebauen lassen. 

    Schwung für den Industriestandort

    Gleichzeitig nimmt die Stadt einen neuen Anlauf, um die Wirtschaftsstruktur zu diversifizieren. Der Hafen liegt auf einer Halbinsel in der Mitte der Stadt. Lkw müssen sich dorthin durch den Stadtverkehr quälen. Am Westrand der Bucht von Danang entsteht deshalb ein neuer Hafen, der Industrie und Fremdenverkehr neue Impulse geben soll. Die Basisinfrastruktur des neuen Hafens steht bereits. Er kann auch Kreuzfahrtschiffe und Yachten aufnehmen. Derzeit wird ein Investor für einen Containerterminal ausgewählt. 

    Hinter dem Hafen soll an der Nord-Süd-Autobahn eine Freihandelszone eingerichtet werden. Dazu gehört die 2010 gegründete Danang High-Tech-Zone, die attraktive Investitionsanreize bietet. Diese besonderen Hi-Tech-Parks gibt es sonst nur noch in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Während der in Ho-Chi-Minh-Stadt gut gefüllt ist, hat die Zone in Danang nur wenige Investoren anziehen können. 

    Die Auswahlkriterien gelten als strikt und die Region verfügt weder über eine Zulieferindustrie noch über viele qualifizierte Arbeitskräfte. Industrieunternehmen gehen bisher lieber südlich von Danang nach Tam Ky oder Chu Lai, wo die Grundstücksmieten niedriger sind und es einfacher ist, Mitarbeiter zu finden. Weniger Bürokratie und der Status als Freihandelszone können künftig aber mehr Investoren nach Danang locken.

    Mit der Gebietsreform von 2025 wurde Danang um die südlich angrenzende Provinz Quang Nam erweitert. Die Bevölkerung stieg auf fast 3 Millionen. Hinzugekommen sind mit der Stadt Hoi An ein Touristenmagnet und mit Chu Lai ein starker Industriestandort. Hier erweitert der deutsche Hersteller Kärcher derzeit sein Werk für Reinigungsgeräte und Thaco aus Vietnam montiert hier fünf Modelle von BMW.

    IT-Dienstleister und Halbleiterdesign schon da

    Im Software-Bereich ist die Ansiedlungspolitik erfolgreicher. Ein geplanter IT-Park neben dem High-Tech-Park wurde zwar nie gebaut, aber im Stadtzentrum ist der Software-Park 1 voll besetzt und Softwareentwickler wie Ubisoft aus Frankreich entwerfen hier Computerspiele. 

    Ebenfalls im Stadtkern wurde Anfang 2025 ein größerer Software-Park 2 eröffnet, der neben Softwareentwicklern auch Firmen für Halbleiterdesign beherbergen soll. Das Gros der Softwareentwicklung in Danang erfolgt durch vietnamesische Firmen wie dem IT-Dienstleistungskonzern FPT. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet FPT rund 70 Prozent seiner Software-Exporteinnahmen am Standort Danang. Die Firma unterhält dort eine eigene Universität und bildet IT-Kräfte aus.

    FPT baut in Danang auch ein Halbleiterentwicklungszentrum. Derzeit sind 14 Firmen für Halbleiterdesign in Danang ansässig. Sie beschäftigen etwa 600 Ingenieure. Durch Kooperationen mit ausländischen Universitäten sollen es bis 2030 etwa 5.000 sein, davon 2.000 im Chip-Design und 3.000 im Bereich Verpackung und Testen. Für letzteres gibt es noch keine Betriebe in der Region. Die Stadt will bis 2030 aber mindestens ein Ansiedlungsprojekt in der Halbleiterfertigung anwerben. 

    Die vietnamesische Regierung vergab Ende 2025 per Dekret an Danang und Ho-Chi-Minh-Stadt den Status als internationale Finanzzentren. Danang soll sich vor allem auf nachhaltige Finanzierungen und Fintech-Anwendungen konzentrieren. Unklar ist, wie attraktiv die Anreize und der regulatorische Rahmen für internationale Finanzinstitute sein werden. Ein 22-stöckiger Büroturm auf dem Gelände des Software-Park 2 soll ein erster Anlaufpunkt sein und ist schon im Bau.

    Gebietsreform stößt Infrastrukturprojekte an

    Die Erweiterung von Danang um die Provinz Quang Nam im Juli 2025 vereinfacht auch Infrastrukturvorhaben. Künftig soll eine Straßenbahnlinie vom Flughafen Richtung Strandpromenade führen und eine erste Metrolinie von Danang nach Hoi An. Sie dienen als Pilotprojekte für einen künftigen Netzausbau. Wenn in Zukunft die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt Danang ansteuert, soll die Metro auch den aus dem Zentrum verlegten Bahnhof ansteuern. 

    Die Passagierterminals des überlasteten Flughafens in Danang werden auf eine Jahreskapazität für 20 Millionen Passagiere erweitert, gegenüber etwa 15 Millionen im Jahr 2025. Hinzu kommt ein Terminal für 100.000 Tonnen Fracht im Jahr. Aber auch der großflächige, aber kaum genutzte Flughafen Chu Lai soll ausgebaut werden, mit Büros, Wohnungen und Industrieparks auf dem Areal.

     

    Danang plant markante ProjekteAuswahl großer Vorhaben
    Vorhaben 

    Investitionssumme (in Milliarden US$)

    ProjektstandAnmerkungen/Entwickler
    Künstliche Inseln in der Bucht von Danang

    8,0

    PlanungLandgewinnung von 1.428 Hektar für Hotels, Büros und Wohnungen
    Chu Lai Flughafenstadt

    6,7

    PlanungWohn- und Büroimmobilien, Industrieparks auf ehemaliger US-Airbase
    Metro- und Straßenbahnausbau

    5,0 (erste Phase)

    PlanungGenauer Umfang noch unklar; Pilotphase: Straßenbahn vom Flughafen und Metro von Danang nach Hoi An bis 2030; mögliche Investoren Deo Ca Group und Thaco Group
    Ausbau Flughafen Chu Lai

    3,3

    PlanungAusbau auf 10 Mio. Passagiere (derzeit 1,2 Mio.) und 1,5 Mio. Tonnen Fracht bis 2030
    Da Nang Down Town

    3,2

    Im BauHotels, Wohnungen, Vergnügungspark; Sungroup
    Lien Chieu Hafen

    1,8

    Im Bau8 Terminals in 3 Phasen für 5,7 Mio. TEU, 2 Terminals bis 2030; Hateco, APM Terminals
    Vinhomes Hai Van Bay

    1,7

    Im BauVinhomes (Vingroup)
    Ausbau Danang Flughafen

    1,2

    UmsetzungAusbau Terminal 1, neuer Frachtterminal, Sanierung Landebahnen; Airports Corporation of Vietnam (ACV)
    Da Nang Fireworks Festival Complex

    0,4

    PlanungHotels und Ausgehviertel auf 210 ha
    Inland Waterway Tourism Project

    0,4

    PlanungSchiffbarmachung der Flüsse Co Co und Han zwischen Danang und Hoi An für Ausflugsboote, bis 2030 zunächst 7 bis 8 Anlegestellen auf schiffbarem Teil; Sungroup
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

     

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

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