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Neue Fernbahnkorridore verbinden Industriezentren und Häfen

Vietnam will kurzfristig zwei große Bahnprojekte starten. Ausländische Anbieter und einige einheimische Konglomerate sehen Geschäftschancen.

Peter Buerstedde

Von Peter Buerstedde | Hanoi

Vietnams Eisenbahnnetz wurde über Jahrzehnte vernachlässigt. Die meisten Strecken sind eingleisig und nutzen die veraltete Meterspur aus der französischen Kolonialzeit. Erst mit einer neuen Parteispitze 2024 folgte die Wende. Seitdem wird der Bau mehrerer strategischer Bahnstrecken gleichzeitig vorangetrieben. Zudem modernisiert sie bestehende Strecken umfassend.

Die Projektpipeline umfasst rund 3.100 Streckenkilometer und ein Investitionsvolumen von 115 Milliarden US-Dollar (US$). Darin enthalten sind Vorhaben, die sich bereits im Bau befinden oder deren Umsetzung bis 2030 als wahrscheinlich gilt. Einige Großaufträge zeigen, dass der massive Ausbau gute Geschäftschancen für deutsche Unternehmen bietet.

Erste Großprojekte bereits im Bau

Drei Vorhaben sind bereits im Bau. Dazu zählen der strategisch wichtige Güterkorridor von der Hafenstadt Haiphong zur chinesischen Grenze im Norden Vietnams sowie Hochgeschwindigkeitsstrecken von Hanoi und von Ho-Chi-Minh-Stadt.

Wichtigste Bahnbauvorhaben in VietnamInvestitionsvolumen in Milliarden US$
Projekt

Investitionsvolumen  

Planung
Hanoi – Ho-Chi-Minh-Stadt

67,3

Baustart Ende 2027, Inbetriebnahme bis 2035; 1.541 Kilometer zweispurig mit Standardspurweite und 23 Passagier- und fünf Güterbahnhöfen; Geschwindigkeit bis zu 350 km/h
Ho-Chi-Minh-Stadt – Can Tho – Ca Mau

11,2

Verlängerung der Strecke Hanoi – Ho-Chi-Minh-Stadt, Baustart 2027, Inbetriebnahme 2035; 320 Kilometer zweispurig
Lao Cai – Hanoi – Haiphong

11,1

Seit Dezember 2025 im Bau für Inbetriebnahme 2030; 426 Kilometer überwiegend einspurig; 30 Bahnhöfe; 160 km/h
Hanoi – Ha Long – Cai Lan

5,5

Seit April 2026 im Bau für Inbetriebnahme 2028; 121 Kilometer, vier Stationen; Siemens Mobility liefert Züge und Bahntechnik
Ho-Chi-Minh-Stadt – Can Gio

4,2

Seit Dezember 2025 im Bau für Inbetriebnahme 2028; 54 Kilometer, zwei Stationen; Siemens Mobility liefert Züge und Bahntechnik
Haiphong – Halong – Mong Cai

7,0

Baustart bis 2030; 187 Kilometer zweispurig
Hanoi – Dong Dang/Lang Son

6,0

Baustart bis 2030; 156 Kilometer zweispurig
Bien Hoa – Vung Tau

5,0

Baustart bis 2030 für Inbetriebnahme 2035; 132 Kilometer zweispurig
Vung An – Mu Gia

1,8

Baustart bis 2030; 105 Kilometer einspurig; Anbindung an Laos
Ho-Chi-Minh-Stadt –  Moc Bai

k. A.

Baustart nach 2030; Anbindung an Kambodscha
Quelle: Recherchen von Germany Trade and Invest 2026

Der Bahnkorridor Lao Cai – Hanoi – Haiphong steht wirtschaftlich im Vordergrund. Die veraltete Meterspurstrecke wird mit einer modernen elektrifizierten Strecke ersetzt. Diese führt von der chinesischen Grenze in Lao Cai bis an die Tiefseehäfen von Haiphong. China hat die Planung finanziert. Zudem sind chinesische Unternehmen und Banken eng in die Umsetzung involviert. Derzeit laufen die Enteignungen für den Streckenverlauf, die bis Februar 2027 abgeschlossen sein sollen. 

In Branchenkreisen gilt es als wahrscheinlich, dass chinesische Bahnbauunternehmen wie China Railway Construction Corporation, China Railway Group oder PowerChina den Bau übernehmen werden. Betreiben wird die Strecke Vietnam Railways. China finanziert auch die Planung von zwei zusätzlichen Strecken, die an die chinesische Grenze führen (Dong Dang und Mong Cai).

Siemens erhält Großauftrag

Parallel dazu treibt die Vingroup-Tochter VinSpeed zwei Hochgeschwindigkeitsstrecken für den Personenverkehr voran: Eine Verbindung von Hanoi in die Provinz Quang Ninh (Halong-Bucht) über einen neuen Hauptstadtflughafen (Gia Binh). Die andere ist eine Trasse im Süden von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Can Gio. VinSpeed hat für beide Strecken im September 2026 einen Großauftrag mit Siemens Mobility abgeschlossen über die Lieferung von zehn Velaro-Novo-Hochgeschwindigkeitszügen sowie modernster Signaltechnik (ETCS Level 2). Auch weitere deutsche Firmen sind an den Ausbauplänen von VinSpeed beteiligt.

Bau der Nord-Süd-Hochgeschwindigkeitsbahn soll Ende 2027 beginnen

Technisch komplexe Vorhaben sind weniger fortgeschritten. Dazu gehört das mit Abstand größte Vorhaben einer neuen Nord-Süd-Hochgeschwindigkeitsstrecke. Die 1.541 Kilometer lange Verbindung soll das Rückgrat des künftigen Personenverkehrs bilden und Reisezeiten zwischen den beiden Metropolen von heute rund 30 auf etwa fünf Stunden verkürzen. 

Vorläufige Planungen sehen eine Umsetzung in Etappen vor. Demnach würden erst Strecken von Hanoi bis Vinh und von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Nha Trang gebaut, um später zusammengeführt zu werden. Der Baustart war ursprünglich Ende 2026 vorgesehen, wurde inzwischen jedoch auf Ende 2027 verschoben. Trotz der hohen politischen Priorität sind wesentliche Fragen zur Finanzierung, Organisation und Umsetzung weiterhin offen.

Neue Korridore sollen Vietnam besser vernetzen

Vietnam plant auch weitere nationale Bahnkorridore. Dazu zählen Verbindungen von Ho-Chi-Minh-Stadt in das Mekong-Delta sowie zum Hafenkomplex Cai Mep-Thi Vai und grenzüberschreitende Eisenbahnverbindungen nach Laos und Kambodscha. Die meisten dieser Vorhaben befinden sich jedoch noch in frühen Planungsphasen oder liegen lediglich als Vorschläge privater Firmen vor.

Neben den großen Neubauprojekten investiert Vietnam auch in die Modernisierung bestehender Eisenbahnstrecken. Zudem sind neue Bahnhöfe und Verknüpfungen zwischen Fernbahn- und Stadtverkehrssystemen in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt geplant, damit ein integriertes nationales Bahnnetz entsteht. 

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