Markets Verteidigungswirtschaft
„Beim Exportgeschäft müssen wir den Mittelstand entlang der Wertschöpfungskette im Blick behalten“
Drei Fragen zum Angebot der Außenwirtschaftsförderung für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI) an Marc Lehnfeld, Senior Coordinator Security & Defence bei GTAI
26.10.2026
Die deutsche Industrie steht unter Transformationsdruck. Viele Unternehmen setzen bei der Diversifizierung auf die Verteidigungsbranche. Ist das realistisch?
Die Verteidigungsindustrie hat sich in kurzer Zeit zu einer der am schnellsten wachsenden Industriebranchen Europas entwickelt. Um das NATO-Ausgabenziel von 3,5 Prozent des BIP bis 2035 erreichen zu können, sind die europäischen NATO-Staaten gefordert, ihre jährlichen Verteidigungsausgaben um 320 Milliarden Euro zu steigern. Die Verteidigungsindustrie muss also in viel größerem Umfang als bisher und in hoher Qualität seriell produzieren.
Genau diese Kompetenzen bringen deutsche Unternehmen, zum Beispiel aus der Automobilindustrie, mit. Bei der globalen Markterschließung dürfen wir aber nicht nur an die großen Konzerne denken. Wir verzeichnen ein stark gestiegenes Interesse deutscher Mittelständler an den Maßnahmen der Außenwirtschaftsförderung.
Ganz konkret: Wie unterstützt GTAI deutsche Unternehmen, die an die internationale Sicherheits- und Verteidigungsindustrie verkaufen möchten?
Wir bieten für die Verteidigungsbranche das bewährte GTAI-Paket mit Erstinformationen zu nationalen Verteidigungsindustrien weltweit, aber auch zum Ausfuhrkontrollregime, vor allem bei Dual-Use-Gütern. Zudem bringen wir in über zehn Delegationsreisen pro Jahr mittelständische Branchenunternehmen direkt in die Auslandsmärkte – übrigens nicht nur nach Europa, sondern 2027 zum Beispiel auch nach Australien, in die USA und in die Türkei.
Wie gut ist die Außenwirtschaftsförderung auf die wachsende Kundschaft im Verteidigungssektor eingestellt?
Die bestehenden Instrumente der Bundesregierung wie die Auslandsmesseförderung, Exportkreditgarantien und das Beratungsportfolio der Auslandshandelskammern wurden in kürzester Zeit angepasst. GTAI organisiert die neue Exportinitiative Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Im nächsten Schritt gilt es, unsere Förderinstrumente an die besonderen Anforderungen dieser Branche anzupassen, zum Beispiel staatliche Beschaffungswege aufzuzeigen, Qualifizierungsanforderungen für Zulieferer transparent zu machen und deutsche Unternehmen früh in Großprojekten zu positionieren. Dafür gehen wir in den Dialog mit den Industrieverbänden und öffentlichen Fördereinrichtungen.