Bericht Wirtschaftsumfeld
Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt in der Oblast Lwiw zeigt sich trotz des Krieges stabil und ist geprägt durch eine wachsende Bevölkerung und gut ausgebildete Fachkräfte.
11.09.2025
Die Oblast Lwiw ist mit rund 2,3 Millionen Einwohnern oder knapp 8 Prozent der ukrainischen Gesamtbevölkerung die drittbevölkerungsreichste Region des Landes. Zwischen 2019 und 2024 wuchs die Einwohnerzahl um fast 44.000 Personen. Eine zweiprozentige Zunahme steht im drastischen Gegensatz zur landesweiten Entwicklung: Das Land hat im gleichen Zeitraum knapp 17 Prozent seiner Bevölkerung, hauptsächlich wegen der kriegsbedingten Emigration, verloren. Teilweise lässt sich dies durch die Binnenmigration aus stärker vom Krieg betroffenen Regionen erklären. Trotz des Bevölkerungsanstiegs blieben die Mietpreise für Wohnraum in den letzten 18 Monaten nahezu stabil.
Starke Erwerbsbasis und stabile Arbeitsmarktdaten
Die Oblast Lwiw hat fast 203.000 Binnenvertriebene aufgenommen. Sie ist damit nach der Stadt und der Oblast Kyjiw die zweitgrößte Aufnahmeregion außerhalb der Frontgebiete. Dieser Zustrom hat die Abwanderung ins Ausland teilweise kompensiert. Bereits vor dem Krieg lebten rund 61 Prozent der Bevölkerung in städtischen Gebieten. Dieser Anteil nahm stetig zu, während die ländlichen Bezirke kontinuierlich Einwohner verloren.
Etwa 29 Prozent der Bevölkerung (rund 671.000 Personen) sind offiziell erwerbstätig, mehr als die Hälfte davon in Großunternehmen. Damit belegt die Region landesweit den dritten Platz bei der Größe der formellen Erwerbsbevölkerung und beheimatet knapp 8 Prozent aller Erwerbstätigen des Landes. Beim durchschnittlichen Gehalt liegt Lwiw mit etwa 494 Euro auf dem zweiten Platz hinter der Hauptstadt Kyjiw. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 444 Euro.
Der Arbeitsmarkt in Lwiw wurde durch den Angriffskrieg und die Binnenmigration weniger stark getroffen als in anderen Regionen. Zwar sank die Zahl offener Stellen vorübergehend, doch das Verhältnis von Arbeitssuchenden pro Stelle erreichte mit 10 nur einen vergleichsweise moderaten Höchstwert – im Landesdurchschnitt waren es zeitweise fast doppelt so viele. Innerhalb von sieben Monaten normalisierte sich die Lage: Das Verhältnis kehrte auf das Vorkriegsniveau von 3 zurück und sank ab April 2023 weiter auf einen stabilen Durchschnitt von unter 2. Trotz dieser Erholung bleibt die Zahl offener Stellen hoch. Lwiw belegt landesweit den zweiten Platz unter den regionalen Zentren. Dies deutet auf ein strukturelles Missverhältnis zwischen Qualifikationen und Gehaltserwartungen hin.
Lwiw bietet breiten Pool an Talenten
Lwiw verfügt über ein breites Angebot an gut ausgebildeten Talenten. Vor dem Krieg zählte die Region zu den fünf ukrainischen Spitzenreitern mit dem höchsten Anteil an Hochschulabsolventen. Heute bietet sie qualifizierte Fachkräfte zu einem im Vergleich mit Kyjiw niedrigeren Gehaltsniveau. Die meisten Hochschulen der Oblast befinden sich in der Stadt Lwiw, einige wenige im südlich gelegenen Bezirk Drohobytsch. Rund 82.000 Studierende sind in Vollzeit eingeschrieben. Besonders gefragt sind Studiengänge in Informatik, Management und Rechtswissenschaften.
Im Jahr 2024 nahmen 13 staatliche und 10 private Hochschulen neue Studierende auf, darunter vier Universitäten, die zu den 20 beliebtesten des Landes zählen: die Lwiwer Nationale Medizinische Universität, die Iwan-Franko-Universität Lwiw, die Lwiwer Polytechnische Nationale Universität sowie die Lwiwer Nationale Kunstakademie. Darüber hinaus beherbergt die Region zwei der größten privaten Hochschulen der Ukraine: die Ukrainische Katholische Universität und die Lwiwer Universität für Handel und Wirtschaft.