Bericht Wirtschaftsumfeld
Investitionsförderung und -chancen
Lwiw bietet großes Investitionspotenzial: geringe Kriegsschäden, viele Projekte, eine hohe Finanzierungslücke und starke Nachfrage im Bausektor.
11.09.2025
US-Dollar betrug der Zufluss ausländischer Investitionen 2024.
Quelle: Ukrainische Zentralbank 2025
Die Oblast Lwiw benötigt 4,1 Milliarden US-Dollar (US$) für den Wiederaufbau, was knapp 1 Prozent des gesamten Wiederaufbaubedarfs der Ukraine ausmacht. Da die Region im Vergleich zu anderen Landesteilen nur geringfügig vom Kriegsgeschehen betroffen ist, besteht ein geringerer unmittelbarer Wiederherstellungsbedarf. Dennoch sind über 550 Wiederaufbauprojekte geplant, die das wirtschaftliche Potenzial der Region stärken sollen. Zusammen haben sie ein geschätztes Gesamtvolumen von fast 9 Milliarden US$. Bisher wurden jedoch nur 262 Millionen US$ davon gesichert. Damit weist Lwiw die größte Finanzierungslücke im ganzen Land auf und bietet somit eine große Chance für Investoren.
Investitionschancen im Bau- und Industriesektor
Der Bausektor zählt zu den vielversprechendsten Investitionsfeldern in der Oblast Lwiw: Er macht 5 Prozent der öffentlichen Beschaffungsausgaben aus. Dieser Wert liegt über dem Landesdurchschnitt und nimmt den siebthöchsten Rang unter allen ukrainischen Regionen ein. Lwiw belegt landesweit den fünften Platz beim Ausschreibungsvolumen, mit fast 500 aktiven Projekten im Wert von 46 Millionen Euro.
Über 1.000 Projekte warten auf Investoren
Bis Ende Juni 2025 sind in der Oblast Lwiw rund 630 Greenfield- und 450 Brownfield-Projekte investitionsbereit. Die Abteilung für Wirtschaftspolitik der regionalen Staatsverwaltung Lwiw koordiniert die Investorenansprache. Zusätzlich listet die Investitionskarte der Ukraine fünf gebündelte Projekte mit einem Gesamtvolumen von 100 Millionen Euro, die ebenfalls bereit für Investitionen sind.
Wichtige Ansprechpartner für Investoren in der Region Lwiw:
Zu den größten privaten Investitionen während des Krieges zählen der 29-Millionen-Euro-Komplex der Kokhavynska-Papierfabrik des lokalen Unternehmers Mykhailo Tytykalo sowie die 26-Millionen-Euro-Tabakfabrik von Philip Morris International.
Die bevorzugten Branchen kommerzieller Banken in der Region sind Industrie und Handel. Diese dominieren die Kreditvergabe mit jeweils knapp einem Drittel des gesamten Kreditvolumens.
Verwaltung und Innovationsinfrastruktur mit Nachholbedarf
Industrie- und Wissenschaftsparks existieren in der Oblast Lwiw bislang überwiegend nur auf dem Papier. Von 17 registrierten Industrieparks sind lediglich zwei teilweise in Betrieb. Im Rahmen staatlicher Förderprogramme können diese Parks jedoch erhebliche Zuschüsse für Infrastruktur- und Stromanschlusskosten erhalten. Teilnehmende Unternehmen profitieren zudem von einer zehnjährigen Körperschaftsteuerbefreiung in Schlüsselbranchen wie Produktion, Abfallwirtschaft sowie Forschung und Entwicklung.
Zwei Wissenschaftsparks – ursprünglich gegründet zur Steigerung der Innovationskraft und zur wirtschaftlichen Verwertung wissenschaftlicher Forschung – sind in bestehende Institute integriert. Sie verfolgen jedoch nur in begrenztem Maße wirtschaftliche Zielsetzungen. Für ihre Nutzer bestehen keine staatlichen Förderanreize. In der Region existieren rund zehn spezialisierte Forschungsinstitute, die jedoch überwiegend geisteswissenschaftlich ausgerichtet sind – ein Hinweis auf das geringe Vorhandensein technischer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten.
Trotz ihrer wirtschaftlichen Relevanz und strukturellen Herausforderungen verfügt die Oblast Lwiw nur über eine begrenzte Verwaltungskapazität. Zwar belegt sie landesweit den vierten Platz bei der Beschäftigung im öffentlichen Dienst, rangiert jedoch mit einem durchschnittlichen Fachkräftegehalt von 560 Euro monatlich lediglich auf Platz 12 von 24 Regionen.
Finanziell rangieren die Gemeinden (Hromadas) der Oblast auf Platz 10 von 24, wobei 62 Prozent als hoch oder optimal leistungsfähig eingestuft werden. Dies deutet auf eine starke administrative Präsenz, aber nur moderate institutionelle Leistungsfähigkeit hin.