Branchen | Indien | Druck-, Verlagserzeugnisse

Pandemie und Digitalisierung fordern Druckbranche heraus

Für Indiens Verlage und Druckereien zeichnet sich ein Ende der Krise ab. Die Digitalisierung des Medienkonsums stellt die Branche aber vor weitere Problemstellungen.

Von Boris Alex | New Delhi


  • Druckgewerbe

    Die Aussichten für die Druckindustrie haben sich wieder aufgehellt. Wachstumsmotor bleibt der Verpackungsdruck, aber auch andere Segmente zeigen erste Anzeichen einer Erholung.

    Markttrends: Umsatz soll 2021 wieder leicht steigen

    Die indische Druckindustrie hofft für das 2. Halbjahr 2021 wieder auf eine Belebung ihres Geschäfts. Seit dem Beginn der Coronapandemie im Frühjahr 2020 ist die Nachfrage nach Druckerzeugnissen und -diensten in fast allen Segmenten zurückgegangen. Gemessen am Produktionsindex der indischen Statistikbehörde lag der Ausstoß der Druckindustrie im Finanzjahr 2020/21 (1. April bis 31. März) 25 Punkte unter der Vorperiode.

    Daten von Statista besagen, dass der Umsatz im Jahr 2020 um 18 Prozent auf 5,6 Milliarden US-Dollar (US$) gesunken sei. Darin sind allerdings nur die Betriebe im organisierten Sektor erfasst. Rechnet man die vielen Klein- und Kleinstbetriebe hinzu, die sich im informellen Bereich bewegen, dürften die Erlöse im Druckgewerbe vor der Coronakrise bei 12 Milliarden US$ gelegen haben, so die All India Federation of Master Printer (AIFMP).

    Die Kleindruckereien sind nach Einschätzung des Verbands am stärksten von der Krise betroffen. Viele Betriebe mussten durch die Pandemie schließen. Obwohl sich die Nachfrage nach Druckerzeugnissen zum Jahresbeginn 2021 wieder etwas erholt hatte, mussten viele Unternehmen während der zweiten Coronawelle im April und Mai 2021 erneut die Produktion vorübergehend herunterfahren. Die Auslastung in den kleineren Druckereien ging zum Teil auf 20 bis 30 Prozent zurück. Die Branche hofft, dass mit der Wiedereröffnung der Schulen zum 1. September 2021 und weiteren Lockerungen bei der Bürotätigkeit auch der Bedarf in den Segmenten Buch-, Geschäfts- und Formulardruck wieder anzieht. 

    Einer Prognose aus dem Frühjahr 2021 zufolge soll der Branchenumsatz im Jahr 2021 um knapp 5 Prozent auf 5,8 Milliarden US$ steigen und bis 2024 weiter auf 7,4 Milliarden US$ zulegen. Wie schon in den vergangenen Jahren werde vor allem der Verpackungsdruck das Wachstum in der Branchen vorantreiben.

    Zeitungen/Zeitschriften: Zeitungsauflage geht um ein Drittel zurück

    Auch der Umsatz mit Printmedien ist 2020 eingebrochen. Bei den Zeitungen habe er im Vergleich zur Vorjahresperiode 40 Prozent verloren und sei auf 2,5 Milliarden US$ zurückgegangen, bei Zeitschriften habe er sich sogar gegenüber dem Vorjahr auf 70 Millionen US$ halbiert, so die Zahlen der Federation of Indian Chambers of Commerce & Industry (FICCI). Die Prognosen sind auch für die Zeit nach der Coronapandemie verhalten.

    Die Digitalisierung beim Medienkonsum hat sich im Jahr 2020 beschleunigt. Die Branche geht davon aus, dass 20 bis 25 Prozent der Leserschaft, die vor der Krise Printprodukte gekauft hat, dauerhaft verloren sind. Bis 2023 dürfte der Umsatz bei Zeitschriften nur marginal auf 82 Millionen US$ zulegen und damit weit unter seinem Vorkrisenniveau bleiben. Bei den Zeitungen rechnet der Verband bis dahin aber wieder mit einem Erlös von knapp 3,5 Milliarden US$.

    Der ohnehin seit Jahren rückläufige Zeitungsdruck brach im Finanzjahr 2020/21 um ein Drittel auf 4,7 Milliarden Exemplare ein. Für 2021/22 erwarten die Druckereien nur eine leichte Erholung. Im März 2021 erreichten die Auflagen weiterhin nur etwa 60 Prozent ihres Vorkrisenniveaus. Es gibt aber noch weitere Indikatoren für die aktuell schwierige Situation in der Branche. So lag der Verbrauch von Druckfarbe im März 2021 um 50 Prozent unter dem Niveau von 2019. Auch die Großdruckereien seien im Frühjahr nur zu 40 bis 50 Prozent ausgelastet gewesen, so die Einschätzung der AIFMP.

    Werbedruck/Geschäftsdruck/Formulardruck: Papierloses Büro inzwischen Alltag

    In Indien gelten seit dem Ausbruch der Coronapandemie zum Teil strenge Auflagen bezüglich der Auslastung von Büroräumen. Unternehmen, Banken und die öffentliche Verwaltung haben seitdem immer mehr Geschäftsabläufe digitalisiert. Der Bedarf an Geschäfts- und Formulardrucksachen ist dadurch stark zurückgegangen. Das papierlose Büro wird auch nach Corona bestehen bleiben. Zudem will die Regierung im Rahmen ihrer Digital India-Strategie immer mehr Dienstleistungen elektronisch anbieten. Auch deshalb dürfte die Nachfrage in diesem Segment kaum wachsen.

    Etwas besser sind die Aussichten für den Werbedruck. Zwar finden weiterhin so gut wie keine Messen oder Veranstaltungen statt, bei denen Werbebroschüren und -materialien ausgelegt werden könnten. Dies dürfte sich aber mit dem Ende der Pandemie wieder ändern. Da viele Materialien wie Kalender inzwischen veraltet sind, erwarten die Druckereien in diesem Segment Nachholbedarf - insbesondere, wenn das Messegeschäft wieder anläuft.

    Bücher: Lehrbuchdruck soll nach Schulöffnungen wieder anziehen

    Gut 90 Prozent des Buchmarktes entfällt auf Lehrbücher, der Großteil davon sind Schulbücher für die rund 250 Millionen Schülerinnen und Schüler. Da die Schulen Ende März 2020 geschlossen wurden, gingen auch die staatlichen Aufträge an die Druckereien in diesem Segment im letzten Jahr um etwa ein Viertel zurück. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach Unterrichtsmaterialien bei Eltern, die ihre Kinder zu Hause beschulen mussten, stark an.

    Seit dem 1. September 2021 können die Bildungseinrichtungen in manchen Bundesstaaten wieder in den Präsenzunterricht starten, wodurch die Nachfrage bei Lehrbüchern anziehen dürfte. Branchenmeldungen zufolge haben bereits einige Bundesstaaten wieder größere Druckaufträge für Schulbücher abgesetzt. Zusätzlichen Schub erhoffen sich die Druckereien von der im Jahr 2020 beschlossenen Bildungsreform, die neue Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien vorsieht.

    Verpackungsdruck und Etiketten: Unternehmen investieren in neue Maschinen

    Der Verpackungsdruck konnte sich als einziges Segment der Branche auch während der Coronapandemie behaupten. Dank der stark gestiegenen Nachfrage nach verpackten Lebensmitteln und dem Boom im E-Commerce seien die Kapazitäten der Druckereien zu 80 bis 90 Prozent ausgelastet, schätzt der Branchenverband Indian Printing Packaging and Allied Machinery Manufacturers Association (IPAMA).

    Der Verpackungsmarkt soll bis zum Jahr 2025 auf rund 200 Milliarden US$ zulegen, prognostiziert die Packaging Industry Association of India. Die Beratungsfirma EY beziffert das Umsatzvolumen für 2020 auf knapp 73 Milliarden US$. Wachstumstreiber sind neben der Nahrungsmittelindustrie vor allem die Pharmabranche sowie die Hygiene- und Kosmetikhersteller.

    Entsprechend positiv sind die Aussichten für den Verpackungsdruck. Im Unterschied zu den meisten anderen Drucksparten haben die Unternehmen hier im Finanzjahr 2020/21 sogar in neue Anlagen investiert. Die Fachzeitschrift "Packaging South Asia" schätzt, dass indienweit zwischen 50 und 60 Tiefdruckmaschinen für den Verpackungsdruck installiert wurden. Einer der führenden Anbieter in diesem Segment, Uflex, hat in den ersten sechs Monaten des Finanzjahres 2020/21 allein fünf neue Maschinen in Betrieb genommen, so Pressemeldungen.

    Der Etikettendruck entwickelt sich ebenfalls positiv. Der Markt belief sich 2016 auf umgerechnet 450 Millionen US$, und soll seitdem um durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr gewachsen sein. Im Finanzjahr 2019/20 wurden rund 100 Etikettendruckmaschinen installiert, berichtet "Packaging South Asia". Der US-amerikanische Label-Produzent Flexcon will künftig mit dem indischen Anbieter SMI Coated Products bei der Herstellung kooperieren.

    Branchenstruktur/Wettbewerb: Import von Druckmaschinen rückläufig

    Die Zahl der aktiven Druckereien bezifferte die Statistikbehörde Ministry of Statistics and Programme Implementation (MoSPI) für 2017/18 auf 3.520 Betriebe. Diese beschäftigten rund 160.000 Personen. Die tatsächliche Zahl der Unternehmen dürfte jedoch wesentlich höher liegen, da die meisten Kleinbetriebe statistisch nicht erfasst sind.

    So schätzt der Verband AIFMP die Anzahl auf ungefähr 250.000 Unternehmen mit 1,5 Millionen Beschäftigten. Die Digitalisierung und Automatisierung in der indischen Druckindustrie hat sich im Zuge der Coronakrise weiter beschleunigt. Viele Großdruckereien und Verlagshäuser dürften in den kommenden Jahren in neue Maschinen und digitale Verfahren investieren.

    Durch die Covid-19-Pandemie sind die indischen Einfuhren von Druckmaschinen (ZT-Position 8443) laut UN-Comtrade im Jahr 2020 um ein Drittel auf 918 Millionen US$ zurückgegangen. Die Bezüge aus Deutschland verzeichneten ein Minus von 30 Prozent auf knapp 48 Millionen US$. Deutsche Hersteller zählen zu den Hauptlieferanten von Druckmaschinen und belegen in der Importstatistik nach China, Singapur und Japan Rang vier.

    Stand September 2021

    Von Boris Alex | New Delhi

  • Verlagsgewerbe

    Sinkende Auflagenzahlen und der wachsende digitale Medienkonsum machen den Verlagen zu schaffen. Dennoch soll der Branchenumsatz bis 2024 auf knapp 11 Millionen US-Dollar zulegen.

    Markttrends: Branche hofft auf neuen Schub durch Bildungsreform

    Indische Verlage leiden weiter unter den Auswirkungen der Coronapandemie. Vor allem die seit März 2020 bis auf wenige Ausnahmen geschlossenen Bildungseinrichtungen belasten die Branche. Lehrbücher für die rund 250 Millionen Schülerinnen und Schüler und 35 Millionen Studierenden machen gut 90 Prozent des Gesamtumsatzes im Verlagsgewerbe aus, schätzt das Marktforschungsinstitut Nielsen.

    Der Umsatz lag 2019 bei 6,7 Milliarden US-Dollar (US$), so eine Studie des Verbands Association of Publishers in India (API) und der Unternehmensberatung EY-Parthenon. Vor der Coronakrise gingen die Analysten von Nielsen noch davon aus, dass die Erlöse im Jahr 2020 auf 7 Milliarden US$ steigen würden, doch Branchenschätzungen zufolge dürften diese im letzten Jahr um 30 bis 40 Prozent geschrumpft sein.

    Trotz der aktuell schwierigen Lage erwartet API in den nächsten Jahren einen Wachstumsschub für die Branche. So soll der Umsatz bis 2024 auf 10,7 Milliarden US$ steigen. Im traditionellen Verlagsgeschäft erwartet der Verband neuen Schub durch die im Juli 2020 von der indischen Regierung beschlossenen Bildungsreform National Education Policy. Im Rahmen dieser werden auch die Lehrpläne und die Unterrichtsmittel für die Klassen 1 bis 12 modernisiert.

    Zudem soll die Zahl der Studierenden an den Hochschulen bis zum Jahr 2035 auf 70 Millionen verdoppelt werden. Von dieser Entwicklung profitieren vor allem Lehrbuchverlage wie S. Chand Group, Laxmi Publications oder Nirali Prakashan, die hier führend sind. Das Segment ist zwischen den Finanzjahren 2014/15 und 2019/20 um durchschnittlich 20 Prozent per annum gewachsen, so Nielsen.

    Das Verlagsgewerbe muss sich in den nächsten Jahren den Herausforderungen der Digitalisierung beim Medienkonsum stellen. Wie in den meisten Ländern hat auch in Indien die Coronapandemie diesen Trend beschleunigt. Im Zeitungen- und Zeitschriftensegment sind viele Leser während des Lockdowns auf Onlinepublikationen umgeschwenkt, und die Verlage mussten Magazintitel und Zeitungsausgaben zum Teil ganz einstellen oder die Seitenzahl reduzieren.

    Schon vor Covid-19 sanken die Printauflagenzahlen. Im Finanzjahr 2019/20 gingen sie bei Tageszeitungen gegenüber der Vorperiode um 11,2 Prozent auf knapp 260 Millionen Printpublikationen und bei Magazinen um fast 22 Prozent auf 191 Millionen Exemplare zurück, so die Daten des Office of the Registrar of Newspapers for India. Im Gegensatz dazu gewinnen digitale Zeitungs- und Zeitschriftenplattformen wie Magzter in Indien weiter an Bedeutung.

    Für die Buchverlage ist Digitalisierung ebenfalls ein Thema. Da aber vor allem Schulbücher auch in Zukunft überwiegend in gedruckter Form veröffentlicht werden, hinkt Indien der Digitalisierung noch hinterher. Laut API liegt der Anteil von E-Books am Gesamtmarkt bei 8 bis 10 Prozent. Vor allem die großen internationalen Verlage wie Penguin Random House oder Harper Collins haben ihr Onlineangebot in den letzten eineinhalb Jahren ausgebaut und kooperieren beim Vertrieb unter anderem mit Amazon und Google. Harper Collins konnte eigenen Angaben zufolge seinen E-Book-Umsatz im Jahr 2020 um 75 Prozent steigern.

    Branchenstruktur/Wettbewerb: Verlage haben Umsatzverluste wegen Corona

    Das Verlagsgewerbe gilt als sehr stark fragmentiert. Nielsen beziffert in seiner Studie aus dem Jahr 2015 die Zahl der Verlage auf 9.000 Stück. Die Branche hat laut API 1,2 Millionen Beschäftigte. Im internationalen Vergleich ist Indien nach China der zweitgrößte Markt für Verlagserzeugnisse und -dienste, der sechstgrößte Büchermarkt und belegt bei englischsprachigen Publikationsauflagen nach den USA Rang zwei. Allerdings werden von 90 Prozent der in Indien veröffentlichten Titel nicht einmal 2.000 Exemplare verkauft. Bei weniger als einem Prozent gehen mehr als 10.000 Bücher über die Verkaufstheke.

    Börsennotierte Unternehmen im indischen Verlagsgewerbe (Umsatz in Millionen US-Dollar; Veränderung zwischen Finanzjahren in Prozent)

    Unternehmen

    Umsatz 2019/20 *)

    Umsatz 2020/21 *)

    Veränderung

    Dainik Bhaskar

    299,6

    203,1

    -32,2

    Jagran Prakashan

    238,8

    152,7

    -36,1

    Navneet

    194,2

    108,2

    -44,3

    Hindustan Media

    107,2

    73,5

    -31,4

    HT Media

    167,5

    71,1

    -57,6

    MPS

    25,3

    37,6

    48,6

    S. Chand Group

    20,4

    19,3

    -5,4

    Repro India

    35,2

    14,1

    -59,9

    *) Finanzjahr 1. April bis 31. MärzQuelle: Moneycontro, Bombay Stock Exchange, 2021

    Im Finanzjahr 2020/21 sind die Umsätze der börsennotierten Verlagshäuser zum Teil massiv eingebrochen. Während des zweimonatigen Lockdowns im Frühjahr 2020 standen die meisten Druckmaschinen vorübergehend still, weil Zeitungen und Zeitschriften nicht mehr ausgeliefert werden konnten. Zudem ging nicht nur die Nachfrage nach Lehrbüchern, sondern auch nach Belletristik und Sachbüchern zurück, da die Buchhandlungen schließen mussten und die Konsumenten verstärkt auf digitale Alternativen umgestiegen sind. Große Verlagshäuser wie Dainik Bhaskar, Jagran Prakashan, Navneet oder HT Media verzeichneten im Finanzjahr 2020/21 Umsatzrückgänge zwischen 30 und 60 Prozent gegenüber der Vorperiode.

    Verlagsgewerbe (Veränderung zwischen den Finanzjahren in Prozent)

    2018/191)

    2019/201)

    Veränderung

    Magazintitel2)

    102.978

    123.102

    19,5

      Auflage (in Millionen Stück)

    230,8

    180,9

    -21,6

    Zeitungstitel2)

    17.917

    20.321

    13,4

      Auflage (in Millionen Stück)

    291,5

    258,9

    -11,2

    1) Finanzjahr 1. April bis 31. März; 2) Anstieg bedingt durch erstmalige elektronische Erfassung aller TitelQuelle: Office of the Registrar of Newspapers for India, 2021


    Stand September 2021

    Von Boris Alex | New Delhi

  • Werbung

    Nach einem starken Rückgang im Jahr 2020 dürften die Werbeausgaben dieses Jahr wieder anziehen. Die Onlinewerbung hat Print als zweitwichtigsten Werbeträger abgelöst.

    Markttrends: Marketingausgaben steigen 2021 wieder

    Auch für die Werbebranche war 2020 ein schwieriges Jahr. Die meisten Unternehmen mussten wegen der Coronakrise ihre Werbebudgets herunterfahren. Gegenüber 2019 gingen die Werbeausgaben um ein Drittel auf umgerechnet 8,3 Milliarden US-Dollar (US$) zurück, so eine Studie des indischen Verbands Federation of Indian Chambers of Commerce & Industry (FICCI) und der Unternehmensberatung EY.

    Der Printbereich verzeichnete mit 44 Prozent Ausgabenrückgang auf 1,6 Milliarden US$ den stärksten Einbruch unter den drei größten Werbeträgern Fernsehen, Online sowie Zeitungen und Zeitschriften. Nur die seit Jahren boomende Onlinewerbung konnte sich mit einem marginalen Ausgabenminus von 6 Prozent auf 2,6 Milliarden US$ behaupten. Gemessen an den Werbeausgaben rangierte sie 2020 damit erstmals vor dem Printsegment auf Platz zwei.

    Mit der Erholung der Wirtschaft dürften auch die Werbeausgaben wieder anziehen. FICCI und EY erwarten für 2021 einen Anstieg um 28 Prozent auf 10,7 Milliarden US$. Trotz dieser positiven Entwicklung bleiben fast alle Werbeträger unter ihrem Vorkrisenniveau. Nur die Onlinesparte dürfte mit einem Plus von 23 Prozent auf 3,2 Milliarden US$ einen neuen Rekord aufstellen. Die Werbebranche wird auch in den nächsten Jahren weiter wachsen. Bis 2025 sollen die indischen Werbeausgaben um durchschnittlich 13 Prozent pro Jahr zulegen, so die Prognose des Marktforschungsinstituts Media Partners Asia (MPA). Das wäre ein mehr als doppelt so starkes Wachstum wie in China und Südostasien.

    Der Trend der Onlinewerbung wird sich weiter fortsetzen. Ihr Anteil an den Gesamtausgaben hat sich innerhalb von nur fünf Jahren auf 30 Prozent verdoppelt. In spätestens drei bis vier Jahren dürfte das Segment das Fernsehen als wichtigsten Werbeträger ablösen. Die Bedeutung von Printwerbung werde im Gegenzug weiter sinken, so die Einschätzung von MPA.

    Werbeausgaben (in Millionen US-Dollar)

    Werbeträger

    2019

    2020

    20211)

    Veränderung 2020 zu 2019 (in %)

    Marktanteil 2020 (in % nach Werbeausgaben)

    Fernsehen

    4.579

    3.384

    4.106

    -26,1

    40,4

    Online

    2.747

    2.575

    3.160

    -6,3

    30,7

    Zeitungen und Zeitschriften

    2.945

    1.645

    2.053

    -44,1

    19,6

    Außenwerbung

    559

    216

    297

    -61,4

    2,6

    Rundfunk

    444

    189

    311

    -57,4

    2,3

    Sonstige2)

    1.303

    389

    783

    -70,1

    4,6

    Insgesamt

    12.577

    8.398

    10.710

    -33,2

    -

    1) Prognose; 2) Eventmarketing, KinowerbungQuelle: Federation of Indian Chambers of Commerce & Industry (FICCI), EY, 2021


    Branchenstruktur/Wettbewerb: Große Agenturen beherrschen den Markt

    Die Werbebranche wird von großen einheimischen Agenturen wie DDB Mudra Group, FC-Bulka oder Madison World und internationalen Werbekonzernen wie Dentsu, Ogilvy & Mather, McCann oder GroupM dominiert. Laut dem Verband Advertising Agencies Association of India (AAAI) decken ihre rund 100 Mitglieder 80 Prozent des Branchenumsatzes ab. Daneben gibt es tausende kleiner und mittelständischer Agenturen, die meist nur den regionalen Markt bearbeiten. In Folge der Coronakrise haben viele der kleinen Unternehmen aufgegeben, und die Konsolidierung in der Branche dürfte sich 2021 weiter fortsetzen.

    Rahmenbedingungen: App-Verbote schlecht für Werbebranche

    In Indien gilt eine Reihe von gesetzlichen Auflagen für die Werbebranche, beispielsweise das Verbot von Tabakwerbung. Daneben fungiert das Aufsichtsgremium Advertising Standards Council of India (ASCI) als selbstregulierende Institution für die Industrie. Das Land hat 2020 eine Reihe von Applikationen verboten, darunter auch die chinesische Video-Plattform TikTok. Dadurch ist eine wichtige App für Marketingkampagnen mit Online-Influencern weggefallen. Strengere Auflagen für soziale Medien wie Twitter und Facebook engen zunehmend die Spielräume für digitale Werbung ein.

    Stand September 2021

    Von Boris Alex | New Delhi

  • Kontaktadressen

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Screen Printers' Association of India (SPAI)

    Verband für die Druckindustrie

    Indian Printing Packaging and Allied Machinery Manufacturers Association (IPAMA)

    Verband für die Druck- und Verpackungsindustrie

    Offset Printers Association (OPA)

    Verband für den Offsetdruck

    Label Manufacturers Association of India (LMAI)

    Verband der Labelproduzenten

    Association of Publishers in India (API)

    Verband für das Verlagswesen

    Printweek

    Fachmagazin für die Druckwirtschaft

    Indian Printer and Publisher

    Fachmagazin für die Druckwirtschaft

    Screenprint India

    Fachmagazin für die Druckwirtschaft

    Printing Review

    Fachmagazin für die Druckwirtschaft

    Advertising Agencies Association of India (AAAI)

    Verband für die Werbebranche

    Packplus

    Messe für Verpackungs- und Drucktechnik (09. bis 11. Dezember 2021, Greater Noida/Delhi)

    Media Expo

    Messe für Außenwerbung und Werbedruck (18. November bis 20. November 2021, New Delhi)

    Printexpo

    Messe für die Druckindustrie (2022, Chennai)

    Pamex

    Messe für die Druckindustrie (23. März bis 26. März 2022, Mumbai)

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