Wirtschaftsausblick | Indien
Indiens Wirtschaft wächst weiterhin robust
Das indische Wirtschaftswachstum ist stärker als das anderer großer Volkswirtschaften. Das Land zeigt sich gegenüber geopolitischen Risiken bislang robust.
05.11.2026
Wirtschaftsentwicklung: Wachstumsdynamik bleibt weiterhin intakt
Die positiven Impulse aus den ersten beiden Quartalen des Finanzjahres 2026/2027 (1. April bis 31. März) haben dafür gesorgt, dass Banken und internationale Geber ihre Wachstumsprognosen für das gesamte Finanzjahr nach oben korrigiert haben. Das indische Bruttoinlandsprodukt legte im 1. Quartal 2026/2027 real um 7,8 Prozent zu. Im 2. Quartal 2026/2027 wurden schätzungsweise 7,3 Prozent erreicht. Die Prognosen für das Wirtschaftswachstum im gesamten Finanzjahr 2026/2027 liegen nun überwiegend bei 7,1 Prozent.
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Hoher Ölpreis hat Folgen für Indien
Indien importiert fast 90 Prozent seines Rohölbedarfs. Ölimporte stehen für rund ein Viertel der Gesamteinfuhren des Landes und bilden wertmäßig das wichtigste Importgut. Durch den Konflikt am Persischen Golf sind die Preise für Rohöl, aber auch für Gas stark gestiegen. Das treibt die Inflation nach oben. Die Reserve Bank of India (RBI) geht mit Stand Oktober 2026 von einer Teuerungsrate von 5,2 Prozent für das laufende Finanzjahr aus.
Auch El Niño befeuert die Inflation. Das Klimaphänomen hat für einen unterdurchschnittlichen Monsun gesorgt. Von den daraus resultierenden schlechteren Ernten ist zum Beispiel der Reisanbau betroffen. Um die Inflation zu dämpfen, hat die Zentralbank RBI im Oktober 2026 mit einem Zinserhöhungszyklus begonnen. Der Leitzins (Repo Rate) steigt erstmals seit Februar 2023 von 5,25 Prozent auf 5,5 Prozent. Weitere Zinsschritte sind wahrscheinlich. Volkswirte der Deutschen Bank gehen davon aus, dass die Leitzinsen bis zum Ende des 1. Halbjahres 2027 auf 6,25 Prozent angehoben werden.
Der hohe Ölpreis ist zudem einer der Gründe für Indiens Handelsbilanzdefizit. Selbst die boomenden indischen Elektronikexporte können die hohen Importkosten des Öls nicht vollständig kompensieren. Auch die positive Dienstleistungsbilanz reicht nicht aus, um das Defizit auszugleichen. Das Leistungsbilanzdefizit wird im laufenden Finanzjahr größer als im Vorjahr ausfallen. Das ist einer der Gründe, warum der Abwertungsdruck auf die indische Rupie vorerst weiter bestehen bleibt. Die RBI hatte bereits wiederholt zur Stützung der Währung interveniert.
Top-Thema: Private Investitionen im Aufschwung
Die öffentliche Hand investiert seit Jahren stark in Indien, vor allem in Infrastruktur. Auch infrastrukturnahe Branchen wie beispielsweise die Stahlindustrie erweitern ihre Kapazitäten kräftig. Andere Unternehmen investieren ebenfalls, bislang allerdings unterhalb ihrer Möglichkeiten. Nun gibt es Anzeichen, dass die privaten Investitionen in der Breite stärker wachsen könnten. Die Kreditvergabe an die Industrie stieg im Juli 2026 um den Rekordwert von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat an. Der Index of Industrial Production bestätigt das positive Momentum. Von April bis September 2026 legte der Index für den Teilbereich der Kapitalgüterproduktion um 15,1 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode zu.
Die Investitionstätigkeit hat bereits in der Energiebranche sowie im Bereich der digitalen Infrastruktur inklusive Rechenzentren deutlich zugenommen. Ein verstärkter Investitionszyklus dürfte eine deutlich höhere Nachfrage nach Industrie- und Anlagegütern zur Folge haben.
Deutsche Perspektive: Gute Stimmung und wachsender Handel mit Indien
Deutsche Unternehmen schauen optimistisch auf Indien. Das belegt eine im Oktober 2026 veröffentlichte Umfrage des VDMA unter Mitgliedsunternehmen mit Auslandstöchtern in Brasilien, China, Indien und den USA. Die Stimmung in Indien ist deutlich besser als in den Vergleichsmärkten. Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage als gut und schauen positiv in die Zukunft. So erwarten 57 Prozent in den kommenden sechs Monaten eine Verbesserung der Geschäftslage. Nur 2 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.
Indien lockt auch durch seine wirtschaftliche Öffnung. Im Januar 2026 einigten sich Indien und die EU auf den Abschluss eines Freihandelsabkommens. Das Abkommen wird voraussichtlich im 1. Halbjahr 2027 in Kraft treten. Informationen zum zukünftigen Zolltarif für konkrete Waren können bei den Zollexperten von Germany Trade & Invest angefragt werden. Zudem hat die EU-Kommission Details zu zukünftigen Zolltarifen veröffentlicht. Vor allem exportstarke Branchen in Deutschland wie der Maschinenbau werden von dem neuen Freihandelsabkommen profitieren.
Bereits vor Inkrafttreten des Abkommens boomt der bilaterale Handel. Von Januar bis einschließlich August 2026 legten die deutschen Exporte nach Indien um 15,5 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode zu. Sie erreichten 13,5 Milliarden US-Dollar (US$). Für das Gesamtjahr ist hochgerechnet ein neuer Rekordwert von 19,8 Milliarden US$ wahrscheinlich. Die Importe aus Indien legten ebenfalls zu. Von Jahresbeginn bis August 2026 wuchsen sie um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr wird vermutlich ebenfalls ein neuer Höchstwert von etwa 17,4 Milliarden US$ erreicht.
Die Außenwirtschaftsförderung erweitert ihr Indienangebot. Der Exportguide von Germany Trade & Invest und der KI-gestützte Förderlotse Wachstumsmärkte helfen, die passende Unterstützungsmaßnahme zu finden.
Alle Informationen zu Indien finden Sie auf der GTAI-Länderseite.