RF_Getty_681987632_RZ_1340x754 RF_Getty_681987632_RZ_1340x754 | © Seoul Südkorea |© Getty Images/LeoPatrizi

Special Südkorea Coronavirus

Südkorea stemmt sich gegen das Coronavirus

Südkorea wehrt sich bisher erfolgreich gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Das verarbeitende Gewerbe hält sich ziemlich gut. Dennoch muss die Regierung die Märkte stützen.



  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Südkorea konnte die Neuinfektionen mit Covid-19 stark reduzieren. Viele Unternehmen sind wirtschaftlich betroffen. Deutsche Firmen hoffen auf eine Erholung ab 2021. (Stand: 9. Juli 2020)

    Südkorea wurde früh von der Pandemie getroffen. Eine Zeit lang hatte das Land wegen der massiven Verbreitung des Virus in Daegu und Umgebung nicht nur die höchsten Infektionszahlen nach China, sondern auch pro Kopf deutlich mehr als die Volksrepublik. Danach konnte Südkorea die landesweiten Neuinfektionen von 909 pro Tag Ende Februar auf circa 10 pro Tag Anfang Mai eindämmen. Trotz eines erneuten Anstiegs der Infektionen im Mai und im Juni auf circa 50 pro Tag Anfang Juli, ist das Land insgesamt erfolgreich bei der Bekämpfung des Virus.

    Aktuelle Informationen in englischer Sprache zur Verbreitung des Virus in Südkorea veröffentlicht regelmäßig das südkoreanische Gesundheitsministerium.

    Bewegungsfreiheit nach wie vor gegeben

    In Südkorea gibt es keine größeren Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit. Ausnahmen gelten selbstverständlich für mit dem Coronavirus infizierte Personen und für Einreisende aus dem Ausland, die für zwei Wochen in Quarantäne müssen. Wurden bis Mai 2020 die meisten Messen abgesagt oder verschoben, so finden seit Juni 2020 bereits wieder erste "physische" Messen statt.

    Immer seltener treten befristete Produktionsstopps oder Ladenschließungen auf, weil ein Mitarbeiter oder Kunde am Coronavirus erkrankt ist. Dafür gab es im April und im Mai mehr Produktionsstopps, weil Nachfrage oder Zulieferungen fehlen. Betroffen ist neben Hotels und dem Einzelhandel etwa die Kfz-Industrie. Da südkoreanische Firmen auch eine große Fertigung im Ausland haben, treffen die dortigen Werksschließungen (etwa in China, den USA oder Europa) auch indirekt die Wirtschaft.

    Viele Firmen haben einen Teil ihrer Mitarbeiter von zu Hause arbeiten lassen, seit April/Mai kehren sie aber zunehmend zur Büroarbeit zurück. Der Beginn des neuen Schuljahres (normalerweise im März) wurde wegen des Virus mehrfach verschoben. Am 9. April 2020 begannen die Schulen mit Online-Unterricht. Seit Mai findet wieder Präsenzunterricht in den Schulen statt. Am 20. Mai 2020 starteten die Abschlussklassen, die jüngeren Jahrgänge folgten im Juni.

    Die Wirtschaft leidet, die Industrie hält sich aber relativ gut

    Die Wirtschaft ist vom Virus stark getroffen. Die Bank of Korea senkte Ende Mai 2020 die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts auf real -0,2 Prozent. Die Produktion des verarbeitenden Gewerbes sank im 1. Quartal 2020 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 0,1 Prozent. Deutlich stärker als die Industrie sind Fluglinien, Hotels und Restaurants betroffen.

    Im April und im Mai fiel die Produktion im verarbeitenden Gewerbe um 5,1 Prozent beziehungsweise 9,8 Prozent gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres. Das war im Mai nunmehr schlechter als das Minus von 4 Prozent im Dienstleistungssektor.

    Die Außenhandelszahlen waren angesichts der schwierigen Situation im 1. Quartal 2020 mit jeweils einem Minus von 1,4 Prozent bei den Ein- und Ausfuhren noch relativ gut. Wegen Shut- und Lockdowns in wichtigen Abnehmermärkten, fielen im April und im Mai 2020 die Exporte gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres um 25 beziehungsweise 23 Prozent, die Importe schrumpften entsprechend im April um 16 Prozent und im Mai um 21 Prozent. Im Juni gingen die Werte angesichts der Öffnungen in wichtigen Partnerländern nur noch um jeweils 11 Prozent bei Ex- und Importen zurück.

    Zahlreiche Firmen sind von Einnahmeausfällen und Liquiditätsengpässen betroffen. Dadurch entsteht das Risiko von Zahlungsunfähigkeiten. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert sich ebenfalls. Eine Mitte Februar durchgeführte Umfrage des Korea Economic Research Institute zeigte, dass lediglich 5,6 Prozent der großen Firmen in Südkorea im 1. Halbjahr 2020 mehr Mitarbeiter als im Vorjahr einstellen wollten. Insbesondere die Fluglinien stellen Mitarbeiter zumindest vorübergehend frei.

    Deutsche Firmen in Südkorea rechnen mit Erholung ab 2021

    Nach einer Umfrage der AHK Korea unter ihren Mitgliedern vom Juni 2020 erwartet ein knappes Drittel der befragten Firmen für das Jahr 2020 einen Rückgang des Umsatzes um zwischen 10 Prozent und 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr; 12,2 Prozent der Firmen rechnen mit einem höheren Umsatz im laufenden Jahr.

    Die deutschen Firmen in Südkorea leiden demnach vor allem unter den Reisebeschränkungen (73,5 Prozent), geringerer Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen (61,2 Prozent) gefolgt von der Stornierung von Aufträgen (42,9 Prozent), dem Wegfall von Messen und Veranstaltungen (38,8 Prozent), der Verschiebung oder dem Wegfall von Investitionen (38,8 Prozent) und Problemen in der Lieferkette beziehungsweise in der Logistik (34,7 Prozent). Nur 6,1 Prozent der Firmen, die an der Umfrage teilnahmen, gaben Verluste in der Produktion oder erkrankte Mitarbeiter als Problem an.

    Die Investitionen und wahrscheinlich auch die Beschäftigung dürften demnach im Vergleich zur Situation vor der Coronakrise sinken. Eine Mehrheit der Befragten (56,3 Prozent) erwartet eine Erholung der Wirtschaft im Jahr 2021, eine große Minderheit (39,6 Prozent) allerdings erst später.

    Die Ergebnisse der Umfrage können auf der Sonderseite der AHK Korea zum Coronavirus eingesehen werden.

    Weitere Informationen zur Struktur der südkoreanischen Wirtschaft finden sich im Beitrag "Südkorea im Umbruch".

    Zur aktuellen konjunkturellen Lage informieren die Publikationen „Südkoreas Wirtschaft dürfte 2020 stagnieren“ und „Meiste Branchen leiden unter Folgen des Coronavirus“.

    Von Frank Robaschik | Seoul

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Einreisende nach Südkorea müssen für zwei Wochen in Quarantäne. Im Inland gelten keine Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. (Stand: 9. Juli 2020)

    Innerhalb Südkoreas gibt es - außer in der Quarantäne - keine Einschränkungen bei der Bewegung im Land. Dennoch sind alle aufgerufen, zur Eindämmung des Virus eine angemessene Distanz zu wahren, Hygieneregeln einzuhalten und beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln Atemschutzmasken zu tragen. Im Mai 2020 sind neue Coronainfektionen aufgetreten, nachdem das Land schon glaubte, das Virus eingedämmt zu haben. Daher wurden die Vorgaben verschärft: Nunmehr sind alle dazu verpflichtet, in U-Bahn, Bussen und Taxis Masken aufzusetzen.

    Seit dem 13. April 2020 ist die visafreie Einreise für Deutsche ausgesetzt, im Gegenzug zu den Einreisebeschränkungen für Südkoreaner in Deutschland. Seit 1. April 2020 müssen sich alle nach Südkorea einreisenden Personen nach der Einreise in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne begeben. Beim Boarding für einen Flug nach Südkorea muss die Körpertemperatur unter 37,5 Grad liegen, sonst wird die Mitnahme verweigert. Alle nach Südkorea einreisenden Personen müssen bei Ankunft einen Coronavirustest absolvieren. Zudem müssen seit 1. Juni 2020 in Südkorea lebende Ausländer in der Regel vor der Ausreise aus Südkorea eine Wiedereinreiseerlaubnis beantragen und bei der Einreise ein aktuelles von einem Arzt unterschriebenes medizinisches Zeugnis in englischer oder koreanischer Sprache vorlegen.

    Quarantäne und ärztliches Zeugnis können in Ausnahmefällen für Inhaber eines "Isolation Exemption Certificate" entfallen. Ein solches kann vor Reiseantritt von der südkoreanischen Botschaft im Herkunftsland für Personen ausgestellt werden, die aus einem wichtigen geschäftlichen, humanitären oder akademischen Grund Südkorea kurzzeitig besuchen. Weitere Details zur Einreise nach Südkorea bieten die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts.

    Vereinfachte Reisemöglichkeiten mit China

    Südkorea und China haben vereinfachte Einreisemöglichkeiten für Geschäftsleute des jeweilig anderen Landes vereinbart. Diese gelten seit 1. Mai 2020 für zehn Städte und Regionen in China (darunter Shanghai und Tianjin) beziehungsweise ganz Südkorea. Details finden sich beim südkoreanischen Außenministerium.

    Von Frank Robaschik | Seoul

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Südkorea stabilisiert seine Wirtschaft vor allem über die Eindämmung des Virus, Liquiditätshilfen, die Stützung der Devisenmärkte und die Förderung bestimmter Branchen. (Stand: 11. August 2020)

    Maßnahmen zur unmittelbaren Bewältigung der Krise

    Südkoreas Regierung machte bereits früh deutlich, dass sie bereit ist, die Wirtschaft mit finanziellen Mitteln zu stützen. Im Februar/März 2020 setzte ein starker Abfluss ausländischen Kapitals aus Südkorea ein; US-Dollar (US$) wurden trotz hoher Devisenreserven knapp. Die Spannung an den Devisenmärkten ließ erst nach, nachdem Südkorea am 19. März 2020 einen Währungs-Swap mit den USA über 60 Milliarden US$ vereinbarte.

    Die Financial Services Commission teilte am 24. März 2020 mit, dass Südkorea Liquidität von mehr als 85 Milliarden US$ bereitstellt, darunter 50 Milliarden für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie in Einzelfällen für große Firmen, 27 Milliarden zur Stabilisierung des Anleihen- und rund 9 Milliarden zur Stabilisierung des Aktienmarkts. Das Paket enthält laut dem Ministry of Economy and Finance (MOEF) auch 17 Milliarden US$ an zusätzlichen Mitteln, um Exporteure und südkoreanische Firmen im Ausland mit Liquidität zu unterstützen. Danach folgten weitere Liquiditätshilfen, unter anderem für Airlines, Reedereien, Raffinerien und den Schiffbau.

    Die Zentralbank Bank of Korea senkte am 16. März 2020 den Leitzins um 50 Basispunkte auf 0,75 Prozent und ließ Anleihen von Banken als Sicherheit für ihre Offenmarktoperationen zu. Am 26. März versprach sie unbegrenzte Liquidität für Finanzinstitute für die drei Monate April, Mai und Juni 2020. Am 28. Mai 2020 senkte sie den Leitzins nochmal um 25 Basispunkte auf 0,5 Prozent.

    Für Firmen, die Mitarbeiter nicht entlassen, sondern bezahlten Urlaub gewähren, sind von April bis September 2020 im Falle von KMU-Beschäftigten Zuschüsse von bis zu 90 Prozent der Löhne möglich; im Falle von Beschäftigten großer Firmen sind es bis zu zwei Drittel. Bereits zuvor galten seit Februar 2020 für die Betroffenen günstigere Konditionen als vor der Coronakrise. Die Zuschüsse sind an einige formale Voraussetzungen gebunden und greifen nicht bei Arbeitszeitverkürzung.

    Maßnahmen zur wirtschaftlichen Wiederbelebung

    Von März 2020 bis Juli 2020 legte die Regierung drei Nachtragshaushalte von zusammen rund 50 Milliarden US$ auf. Ein Schwerpunkt ist die Minderung sozialer Härten, darunter Hilfen für die am Anfang der Pandemie besonders betroffenen Regionen Daegu und Nord-Gyeongsang und die - vornehmlich auf die Verwendung in kleineren Geschäften begrenzten - Corona-Hilfen von bis zu 850 US$ pro Haushalt.

    Das größte staatliche Wohnungsbauunternehmen will sein Projektvolumen 2020 auf circa 17 Milliarden US$ nahezu verdoppeln.

    Von März bis Juni 2020 senkte die Regierung die Verbrauchsteuer beim Erwerb von Autos von 5 auf 1,5 Prozent. Im Unterschied zu früheren Steuersenkungen war sie in Ihrer Höhe zusammen mit anderen damit verbundenen Abgaben auf maximal 1.225 Dollar pro Fahrzeug beschränkt. Von Juli bis Dezember 2020 gilt ebenfalls eine reduzierte Steuer von nunmehr 3,5 Prozent.

    Am 15. Juni 2020 kündigte das MOEF mehr als 12 Milliarden US$ an Krediten, Garantien, Fonds und Versicherungen zur Unterstützung südkoreanischer Firmen bei Bauprojekten im Ausland und die Auflage eines Fonds in Höhe von circa 1 Milliarde US$ zur Förderung des Exports von Waren und Dienstleistungen des Gesundheitssektors an.

    Der am 3. Juli 2020 vom Parlament genehmigte dritte Nachtragshaushalt über circa 30 Milliarden US$ dient primär zur Finanzierung des New Deal mit Schwerpunkten auf der Digitalisierung und mehr Umweltfreundlichkeit. Die Stadt Seoul will im Rahmen eines Green New Deal mehr als 2 Milliarden US$ bis 2022 aufwenden.

    Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen

    Das Ministry of Science and ICT brachte die Telekommunikationsgesellschaften über die Bereitstellung von Finanzierungen dazu, die Investitionen in 5G-Netze im 1. Halbjahr 2020 auf 3,4 Milliarden Dollar anheben zu wollen. Am 15. Juli 2020 verkündete das Ministerium, dass die drei großen Mobilfunkanbieter und SK Broadband ab diesem Datum bis 2022 insgesamt 21 Milliarden bis 22 Milliarden US$ in den Ausbau der mobilen 5G-Netze investieren werden.

    Das staatliche Budget für Infrastrukturausgaben für 2020 war bereits vor der Coronakrise um 12,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht und die Umsetzung von etwa 60 Prozent der Ausgaben ins 1. Halbjahr von 2020 gelegt worden.

    Im Rahmen des Digital New Deal soll unter anderem Künstliche Intelligenz stärker genutzt werden. Dazu kommt im Rahmen der Industriepolitik die Förderung weiterer Zukunftsbranchen wie Biopharmazeutika, Halbleiter, autonomes Fahren, Elektroautos, Wasserstoffwirtschaft, Robotik, Batterien und Drohnen.

    Zugang zu Fördermitteln für deutsche Firmen

    Am interessantesten für deutsche Firmen ist die Steuersenkung beim Kauf von Autos. Auch dank dieser konnten deutsche Anbieter im 1. Halbjahr 2020 mehr Autos als im Vorjahr verkaufen. In Einzelfällen nutzten deutsche Unternehmen laut einer Umfrage der AHK Korea das Programm für Zuschüsse für Mitarbeiter in bezahltem Urlaub. Zum Teil können sie Hilfsprogramme nicht nutzen, da sich diese an KMU richten und bei der Unternehmensgrößenbewertung der Niederlassungen in Südkorea auch die Zentralen in Deutschland mitgezählt werden. Bei anderen Programmen antworteten die Firmen, dass das Design der Programme nicht auf den Unternehmensalltag in den Firmen passt.

    Öffentliche Verschuldung

    Südkoreas Regierung war 2019 dem Internationalen Währungsfonds und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zufolge mit rund 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes nicht überdurchschnittlich hoch verschuldet. Damit können die geplanten Programme finanziert werden. Allerdings ist die Geschwindigkeit der Schuldenzunahme im Jahr 2020 sehr hoch, die Bevölkerung des Landes altert rapide und dürfte bald abnehmen, was die Tragbarkeit der Verschuldung erschweren wird.

    Informationen zu weiteren Maßnahmen der südkoreanischen Regierung zur Stützung der Wirtschaft finden sich auf einer Sonderseite der AHK Korea und beim MOEF.

    Von Frank Robaschik | Seoul

  • Südkorea: Coronavirus und Verträge

    Südkorea: Coronavirus und Verträge

    Das Coronavirus stellt Unternehmen im deutsch-südkoreanischen Geschäftsverkehr vor Herausforderungen: Was passiert, wenn vertragliche Verpflichtungen nicht erfüllt werden können? (Stand: 06.04.2020)

    Einleitung

    Auch Südkorea ist vom Coronavirus stark betroffen. Die Ausrufung der höchsten Alarmstufe erfolgte, viele behördliche Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung wurden ergriffen.

    Fraglich ist, ob sich betroffene Unternehmen in der gegenwärtigen Situation auf „höhere Gewalt“ berufen können und so eventuell im Falle der Unmöglichkeit der Erfüllung ihrer vertraglichen Verpflichtungen (z.B. Warenlieferung) nicht dafür haften.

    Bei bestehenden grenzüberschreitenden Verträgen wäre zunächst im Einzelfall zu prüfen, welchem Recht sie unterliegen, ob etwa eventuell das UN-Kaufrecht zur Anwendung kommt oder ob die Parteien ein bestimmtes nationales Recht vereinbart haben - vielleicht ein anderes als das deutsche oder südkoreanische.

    Welche Regelungen trifft das südkoreanische Recht zur „höheren Gewalt“?

    Eine Generalklausel dazu existiert nicht, die „höhere Gewalt“ (불가항력/不可抗力; force majeure) findet sich vielmehr in Bestimmungen verschiedener Gesetze. Beschränkungen der möglichen Ereignisse höherer Gewalt gibt es nicht.

    Rechtsfolgen können die Befreiung von Leistungs- und Schadensersatzpflichten oder die Verlängerung der Verjährungsfrist sein.

    Gemäß Art. 390 Zivilgesetzbuch (Civil Act; CA) macht sich der Schuldner grundsätzlich gegenüber dem Gläubiger schadensersatzpflichtig, wenn er seine vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt. Dies gilt jedoch nicht, wenn die Erfüllung der Leistungspflicht unmöglich geworden ist und diese Unmöglichkeit nicht auf Vorsatz oder Fahrlässigkeit des Schuldners beruht (also kein Verschulden vorliegt). In dem Fall wäre der Schuldner von der Haftung befreit.

    Höchstrichterliche Entscheidungen verdeutlichen, dass hierfür der vertragsbrüchigen Partei die Versäumnis nicht vorwerfbar sein darf, etwa weil sie trotz ausreichend Zeit und Mitteln nicht die Folgen des Ereignisses höherer Gewalt gemindert hat; oder dass das Ereignis tatsächlich nicht doch im Machtbereich der Partei liegen darf. Somit können trotz Vorliegens höherer Gewalt unter Umständen Schadensersatzansprüche entstehen.

    Nach dem CA bleibt es in Sonderfällen bei der Haftung auf Schadensersatz (vgl. Art. 308, 336 CA).

    Auch das Handelsgesetzbuch (Commercial Act) behandelt die höhere Gewalt: So hat nach Art. 709 Abs. 1 der Versicherer eine Entschädigung zu leisten, wurde die versicherte Ladung während der Reise wegen höherer Gewalt verkauft. Ein Beförderer im Seehandel ist von der Haftung befreit, kann er Vorliegen von force majeure und Kausalität beweisen (Art. 796 Nr. 2). Es sei denn, er hat nicht die gebotene Sorgfalt angewendet, durch die der Schaden hätte verhindert werden können. Artikel 796 Nr. 5 nennt Quarantäne- und andere behördliche Einschränkungen. Nach Art. 810 Abs. 1 Nr. 4 stellt der Untergang der Fracht durch force majeure einen Kündigungsgrund dar. Jede Partei kann gemäß Art. 811 Abs. 1 den Vertrag kündigen, wenn dessen Zweck aufgrund höherer Gewalt nicht erreicht werden kann. Art. 823 greift, wenn ein auf See zu befördernder Passagier infolge des Eintritts höherer Gewalt wie Tod oder Krankheit die Reise nicht antreten kann oder solch ein Grund nach Abreise eintritt; der Beförderer kann den Fahrpreis teilweise ersetzt verlangen. Weitere Bestimmungen (wie Art. 748, 806, 812 zum Seehandel, Art. 913, 931 zum Luftfrachtgeschäft) erwähnen force majeure.

    Artikel 182 CA sieht zur Verjährung eines Anspruchs vor, dass diese, wenn eine Unterbrechung aufgrund einer Naturkatastrophe oder „eines anderen Unfalls“ unmöglich ist, nicht endgültig ist, bis ein Monat ab dem Zeitpunkt, zu dem das Hindernis nicht mehr besteht, vergangen ist.

    Das Wechselgesetz (Bills of Exchange and Promissory Notes Act; WG) bestimmt in Art. 54 Abs. 1, dass die Frist verlängert wird, ist es aufgrund eines unüberwindlichen Hindernisses (gesetzliche Verbote durch Acts oder untergeordnete Rechtsakte oder andere Fälle von vis major) schwierig, innerhalb der vorgeschriebenen Frist einen Wechsel vorzulegen. Gleiches gilt für Schuldscheine, Art. 77 Abs. 1 Nr. 4 WG. Rein persönliche Tatsachen des Inhabers können kein Ereignis höherer Gewalt begründen, Art. 54 Abs. 6 WG. Auch nach Art. 47 Abs. 1 Check Act kommt es zur Fristverlängerung, verhindert vis major die fristgerechte Scheckvorlage.

    Was versteht die Rechtsprechung unter höherer Gewalt?

    Das Oberste Gericht (Korean Supreme Court) bejaht höhere Gewalt grundsätzlich äußerst restriktiv. Nach seiner Definition meint „höhere Gewalt“ ein „Ereignis außerhalb des eigenen Machtbereichs (über das man also keinerlei Kontrolle hat), das nicht vorhergesehen oder verhindert werden konnte, obwohl man die gebotene Sorgfalt voll ausgeübt hat“. Entscheidend sind aber stets die Gesamtumstände des Einzelfalls.

    In der Rechtsprechung gab es im Zusammenhang mit höherer Gewalt bislang wenige Entscheidungen, bezogen etwa auf Überschwemmungen. Hinsichtlich des Ausbruchs einer Virus-Epidemie oder gar des Coronavirus existieren noch keine „Präzedenzfälle“. Wie die Gerichte die Situation im einzelnen Fall bewerten werden, bleibt abzuwarten.

    Was haben die Parteien vertraglich vereinbart?

    Meist werden die Parteien in ihren Vertrag eine Force Majeure-Klausel aufgenommen haben, die dann vorrangig zur Anwendung kommt. Sie sollte als Erstes untersucht werden: Was wird dort unter „höherer Gewalt“ verstanden? Welche Ereignisse sind aufgeführt, z.B. Epidemien? Ist die Klausel offen formuliert oder nennt sie die Ereignisse etwa abschließend?

    Auch die vereinbarten Rechtsfolgen von Ereignissen höherer Gewalt sind zu prüfen: So kann etwa nicht die vollständige Haftungsbefreiung bzw. Möglichkeit der Lösung vom Vertrag vorgesehen sein, sondern nur eine vorübergehende Aussetzung.

    Ausblick

    Insbesondere den Vertragspartner früh und schriftlich in Kenntnis zu setzen sowie Dokumente zu sammeln, die ggf. später als Nachweis dienen mögen, sollte erwogen werden.


    GTAI-Themenspecial Coronavirus: Über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf Auslandsmärkte sowie damit verbundene rechtliche und zollrechtliche Fragestellungen berichten wir in unserem Themenspecial.

    Von Julia Merle | Bonn

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Außenhandel, Logistik und Zoll funktionieren. Der Handel mit Deutschland wächst sogar. (Stand: 9. Juli 2020)

    Die Logistik in Südkorea läuft nach wie vor gut. Häfen und Flughäfen sind weiterhin geöffnet. Allerdings gab es Verspätungen von Schiffen. Dadurch dauerten Warentransporte zum Teil länger. Da Linienflüge weggefallen sind, steht weniger Volumen für Luftfracht zur Verfügung, und die Preise sind gestiegen. Fluggesellschaften wie Korean Air und Jin Air funktionierten daher teilweise Passagierflugzeuge zu Frachtmaschinen um. Inzwischen nehmen die Airlines zunehmend Verbindungen wieder in den Flugplan auf.

    Außenhandel mit Einbruch im April und im Mai

    Im 1. Quartal 2020 schrumpfte Südkoreas Außenhandel sowohl bei den Ex- als auch bei den Importen mit einem Minus von jeweils 1,4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das war angesichts der schwierigen Situation ein relativ moderater Rückgang. Im April und im Mai machten sich dann aber die Lock- und Shutdowns in wichtigen Abnehmermärkten deutlich bemerkbar: Die Ausfuhren sanken um 25 Prozent im April und 23 Prozent im Mai, bei den Einfuhren wurden ein Minus von 16 Prozent im April und 21 Prozent im Mai gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres verzeichnet. Im Juni fielen die Zahlen mit jeweils circa -11 Prozent bei den Exporten und den Importen besser aus.

    Einzelne Produkte erwischte es noch deutlich heftiger im 2. Quartal 2020, so etwa die Ausfuhren von Kfz-Teilen (-54 Prozent gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres), Kfz (-42 Prozent), Displays (-28 Prozent) und die zusätzlich vom niedrigeren Ölpreis beeinflussten Mineralölprodukte (-60 Prozent) und petrochemischen Erzeugnisse (-27 Prozent). Signifikantes Exportwachstum gibt es vor allem bei SSD-Laufwerken und Gesundheitsprodukten. Die Ausfuhren von Halbleitern - des wichtigsten Exportprodukts des Landes - erreichten im 1. Halbjahr 2020 fast das Niveau des Vorjahres.

    Wichtige Warengruppen der Exporte im 1. Halbjahr 2020 (in Millionen US$; Veränderung in Prozent) 1)
    1) vorläufige Angaben, Abgrenzung der Warengruppen laut MOTIE; 2) im Vergleich zum VorjahreszeitraumQuelle: Ministry of Trade; Industry and Energy (MOTIE) 2020; Berechnungen von Germany Trade & Invest 2020

    Warengruppe

    Wert

    Veränderung 2)

    Halbleiter

    46.846

    -1,3

    Displays

    7.333

    -24,5

      OLED-Displays

    4.030

    -0,5

    Computer, -teile  (vor allem SSD)

    6.657

    80,8

    Handys, -teile

    5.805

    -12,4

    Maschinenbau

    23.830

    -9,7

    Petrochemie

    17.333

    -20,1

    Mineralölerzeugnisse

    12.620

    -37,0

    Kfz

    15.755

    -27,3

      Elektroautos

    2.113

    51,1

    Kfz-Teile

    8.090

    -28,4

    Stahlerzeugnisse

    12.905

    -19,0

    Schiffe

    9.728

    -11,9

    Gesundheitsprodukte

    6.025

    37,5

    Textilien

    5.363

    -18,9

    Akkus

    3.474

    -5,0

    Kosmetika

    3.450

    9,8

    Stiegen im 1. Quartal noch die Importe aus den USA, den Ländern der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) und der Europäischen Union (EU), so fielen im April die Einfuhren aus allen wichtigen Regionen mit Ausnahme von Indien. Im gesamten 2. Quartal gab es immerhin ein Plus bei den Einfuhren aus der EU.

    Importe nach Lieferregionen im 1. Halbjahr 2020 (in Millionen US$; Veränderung in Prozent) 1)
    1) vorläufige Angaben; 2) im Vergleich zum VorjahreszeitraumQuelle: MOTIE 2020; Berechnungen von Germany Trade & Invest 2020

    Region

    Wert

    Veränderung 2)

    Importe insgesamt

    229.996

    -8,9

      China

    51.440

    -5,0

      USA

    30.292

    -0,5

      EU

    28.408

    3,9

      ASEAN

    26.933

    -2,9

        Vietnam

    10.034

    0,6

      Naher Osten

    24.288

    -36,2

      Japan

    21.994

    -9,9

      Mittel- und Südamerika

    9.875

    -1,9

      GUS

    6.859

    -15,0

      Indien

    2.593

    -5,4

    Exporte in alle Regionen gehen zurück

    Bei den Exporten gibt es ein ähnliches Bild. Dem noch im 1. Quartal verzeichneten Plus bei den Ausfuhren in die USA, die ASEAN-Staaten, die GUS-Länder und nach Japan folgte im April und im Mai auch für diese Länder ein starkes Minus. Lediglich die Einfuhren aus China erreichten im Mai mit einem Minus von 2,8 Prozent fast wieder das Niveau des gleichen Monats des Vorjahres. Im Juni besserten sich die Zahlen für alle Regionen, die Einfuhren aus China legten sogar um 9,5 Prozent gegenüber dem Juni des Vorjahres zu.

    Exporte nach Abnehmerregionen im 1. Halbjahr 2020 (in Millionen US$; Veränderung in Prozent) 1)
    1) vorläufige Angaben; 2) im Vergleich zum VorjahreszeitraumQuelle: MOTIE 2020; Berechnungen von Germany Trade & Invest 2020

    Region

    Wert

    Veränderung 2)

    Exporte insgesamt

    240.891

    -11,1

      China

    61.454

    -6,4

      ASEAN

    42.250

    -10,5

        Vietnam

    21.155

    -8,4

      USA

    34.583

    -6,2

      EU

    24.006

    -11,8

      Japan

    12.827

    -9,9

      Mittel- und Südamerika

    8.945

    -36,6

      Naher Osten

    7.562

    -11,6

      GUS

    5.811

    -12,7

      Indien

    5.355

    -33,2

    Handel mit Deutschland steigt

    Die Importe Südkoreas aus Deutschland stiegen nach ersten Angaben für die ersten knapp sechs Monate von 2020 (1. Januar bis 25. Juni) gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 9,8 Prozent. Hauptgrund dürften höhere Einfuhren von Pkw "made in Germany" sein. Diese wuchsen in den ersten fünf Monaten von 2020 um 55 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres auf 2,4 Milliarden US-Dollar. Die Ausfuhren Südkoreas nach Deutschland sanken in den ersten knapp sechs Monaten von 2020 um 0,8 Prozent. Das war deutlich besser als das Ergebnis für die gesamten südkoreanischen Exporte weltweit von -10,5 Prozent.

    Ausgewählte Warengruppen der Importe vom 1. Januar bis 25. Juni 2020 (in Millionen US$; Veränderung in Prozent) 1)
    1) vorläufige Angaben, Abgrenzung der Warengruppen laut MOTIE; 2) im Vergleich zum VorjahreszeitraumQuelle: MOTIE 2020, Berechnungen von Germany Trade & Invest 2020

    Warengruppe

    Wert

    Veränderung 2)

    Rohstoffe

    56.944

    -20,4

      Rohöl

    23.881

    -31,9

      Flüssiggas

    9.554

    -7,8

      Metallerze

    8.488

    3,9

    Elektrotechnik/Elektronik

    55.944

    -2,1

      Halbleiter

    22.650

    -1,8

    Erzeugnisse der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

    18.131

    -1,8

    Eisen und Stahl, Nichteisenmetalle

    15.509

    -18,4

    Präzisionsmaschinen

    9.341

    39,2

    Textilien, Textilerzeugnisse

    7.123

    -6,5

    Pkw

    4.946

    7,9

    Von Frank Robaschik | Seoul

  • Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Südkoreas Wirtschaft war vom zwangsweisen Stillstand erst in China und später in anderen Ländern betroffen. Dennoch funktionieren die Lieferketten weitgehend. (Stand: 9. Juli 2020)

    In einigen Branchen wie beispielsweise Kfz oder Elektro waren Firmen von ausbleibenden Lieferungen etwa aus China betroffen. Bisher klappt die Versorgung mit Vorprodukten jedoch insgesamt gut, zum Teil stellten die Firmen auf Zulieferer aus Südkorea oder aus Südostasien um. Teilweise haben südkoreanische Firmen Vorprodukte einfliegen lassen. Der südkoreanische Zoll unterstützt die Firmen so weit wie möglich mit schneller Abfertigung.

    Nach den anfänglichen Risiken in China stiegen die Risiken für die deutschen Firmen in Südkorea mit der Ausbreitung des  Coronavirus in der Europäischen Union, in den USA und in Südostasien. Eine Umfrage der AHK Korea ergab für 34,7 Prozent der teilnehmenden deutschen Firmen Probleme in der Lieferkette beziehungsweise in der Logistik. Das war mehr als die Ergebnisse einer bis Anfang April laufenden Umfrage der AHK, wonach ein Fünftel der befragten Firmen Unterbrechungen in der Lieferkette befürchtete. Dennoch planten 90 Prozent der Firmen im Juni 2020 keine Standortverlagerungen. Die Ergebnisse der Umfragen können auf der Sonderseite der AHK Korea zum Coronavirus eingesehen werden.

    Bisher kann Südkorea weiterhin Zulieferungen an das Ausland leisten. Südkorea war 2019 der viertgrößte Abnehmer deutscher Waren außerhalb Europas. Bei den Lieferungen nach Deutschland lag es unter den außereuropäischen Ländern ebenfalls auf Rang vier. Hinzu kommen Produkte aus Werken südkoreanischer Firmen in Drittländern wie beispielsweise Samsung-Handys aus Vietnam.

    Zu weiteren Informationen zur Abhängigkeit Südkoreas von Vorprodukten aus China und von China als Absatzmarkt siehe den Beitrag "Coronavirus könnte Südkoreas Wachstum bremsen".

    Von Frank Robaschik | Seoul

  • Covid-19: Gesundheitswesen in Südkorea

    Covid-19: Gesundheitswesen in Südkorea

    Südkorea verfügt über ein sehr gutes Gesundheitswesen, das bisher insgesamt gut mit den Herausforderungen durch das Coronavirus zurechtkommt. (Stand: 9. Juli 2020)

    Südkorea verfügt über ein sehr gutes Gesundheitssystem, das zu vergleichsweise niedrigen Kosten ein hohes Niveau an medizinischer Versorgung bietet. Die Zahl der Ärzte pro Kopf ist im Vergleich der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) zwar relativ gering, sie sind aber darauf eingerichtet, viele Patienten zu behandeln. Dafür ist die Zahl der Krankenhausbetten pro Einwohner nach Angaben der OECD um 50 Prozent höher als der Vergleichswert für das in diesem Bereich ebenfalls gut aufgestellte Deutschland. Dennoch kam es bei dem massiven Ausbruch des Virus in Daegu zu Knappheiten bei Krankenhausbetten. Die Region erhielt darüber hinaus zusätzliches medizinisches Personal aus anderen Landesteilen und vom Militär.

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Südkorea
    *) Angaben für 2018Quelle: Statistics Korea; Ministry of Health and Welfare; United Nations

    Indikator

    2019

    Bevölkerungsgröße (in Millionen)

    51,2

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre (in Prozent)

    15,1

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner

    3,0

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner

    13,6 *)

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (in US$)

    2.537 *)


    Südkorea bekämpft die Ausbreitung des Coronavirus über ein System von massiven Tests. Bei positiven Tests kommt dazu die möglichst genaue Rückverfolgung der Infektionskette. Auch unter Nutzung von Handy- und Kreditkartendaten sowie Überwachungskameras wird dann verfolgt, wer möglicherweise noch angesteckt wurde; bei diesen Personen wird erneut getestet.

    Hinzu kommen der Appell und mittlerweile in vielen Bereichen die Pflicht, im öffentlichen Raum, insbesondere in öffentlichen Verkehrsmitteln, Atemschutzmasken zu tragen. Da sich die meisten Personen daran halten, entsteht ein gewisser Schutz und die Ausbreitung des Virus konnte verlangsamt werden.

    Staat übernimmt Verteilung von Atemschutzmasken

    Dennoch wurden in der aktuellen Krise kurzzeitig vor allem Atemschutzmasken und zum Teil Desinfektionsmittel knapp. Daraufhin übernahm der Staat die Verteilung der Masken. Das führte zu Anfang zu langen Schlangen. Danach kopierte Südkorea ein System aus Taiwan, wonach die Verteilung an bestimmten Daten in den Apotheken erfolgt. Jedes Mitglied in der nationalen Krankenversicherung konnte seitdem zwei Masken pro Woche kaufen. Eine App zeigt Apotheken an, wo Masken verfügbar sind. Die Zahl der Masken, die pro Woche gekauft werden konnte, wurde sukzessive bis auf zehn pro Person und Woche erhöht. Am 11. Juli 2020 soll die Rationierung abgeschafft werden.

    Hinzu kamen verschiedene Maßnahmen zum Ausbau der Fertigung von Masken im Inland und bereits sehr frühzeitig ein Verbot des Exports von Atemschutzmasken. Insgesamt ist damit eine Grundversorgung mit Atemschutzmasken sichergestellt. Inzwischen ist die Ausfuhr von Atemschutzmasken nicht mehr vollständig verboten, und Südkorea exportiert bereits seit längerem Coronavirus-Testkits.

    Die Verbreitung des Coronavirus führt dazu, dass viele Menschen nicht unbedingt notwendige Arztbesuche unterlassen. Dies kann dazu führen, dass bestimmte Arztpraxen und Krankenhäuser zum Teil weniger Patienten haben. Seit dem 24. Februar 2020 ist in Südkorea zum Schutz vor dem Coronavirus befristet bis zum Ende der Pandemie Telemedizin zugelassen, und Ärzte können telefonisch Medikamente verschreiben.

    Weitere Informationen zum Gesundheitswesen in Südkorea finden sich in der "Branche kompakt Medizintechnik Südkorea".

    Von Frank Robaschik | Seoul

  • Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Die Stimmung ist trotz inzwischen leichter Besserung über fast alle wichtigen Branchen hinweg schlecht. Auch die Konsumenten geben immer noch weniger Geld als im Vorjahr aus. (Stand 9. Juli 2020)

    Große Unterschiede nach Branchen

    Die Auswirkungen der Pandemie auf einzelne Branchen sind sehr unterschiedlich. Wirtschaftlich leiden vor allem Fluggesellschaften, Reisebüros, Hotels und Restaurants. So verzeichneten die Flughäfen im Februar 2020 einen Einbruch der Passagierzahlen um 44,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im März sanken die Zahlen um 82,8 Prozent und im April sogar um 86,7 Prozent. Beim Transport von Fracht gab es im März ein Minus von knapp 30 Prozent und im April von mehr als 34 Prozent. Im Mai besserten sich beide Werte minimal auf -80,3 Prozent und -32,6 Prozent.

    Da die Menschen weniger nach draußen gehen und Menschenansammlungen meiden, verzeichneten generell Freizeiteinrichtungen wie etwa Kinos oder Fitnessstudios weniger Besucher. Der Einzelhandel verlagerte sich noch mehr in Richtung E-Commerce und Lieferdienste. Wegbleibende ausländische Touristen tun ein Übriges dazu. Dadurch dass die Zahl der Neuinfektionen in den Griff bekommen wurde, stabilisiert sich auch die Stimmung in den binnenorientierten Branchen. Anfang Mai flogen - angesichts durch Quarantänevorschriften unattraktiver Auslandsreisen - sogar viele Touristen auf die Ferieninsel Jeju. Gerade Camping erfreut sich steigender Beliebtheit.

    Dagegen verschlechterte sich mit den Shut- und Lockdowns in wichtigen Absatzmärkten wie Europa, USA und Südostasien im April und im Mai die Stimmung in exportorientierten Branchen wie etwa der Kfz-Industrie. Im Juni besserte sie sich etwas im Zuge der Öffnungen etwa in Europa. Am besten ist die Stimmung in der Pharmaindustrie und im Nahrungsmittelsektor.

    Stimmung in der südkoreanischen Wirtschaft nach Branchen (Indexwert für jeweiligen Monat; Veränderung der Erwartungen zur Stimmung im gleichen Monat des Vorjahres in Prozent) 1)
    1) bei einem Wert unter 100 übersteigt die Anzahl pessimistischer Antworten die der optimistischen; 2) Erwartungen für Juli 2020Quelle: Bank of Korea 2020; Berechnungen von Germany Trade & Invest 2020

    Branche

    Januar 2020

    März

    April

    Mai

    Juni

    Juli 2)

    Veränderung Juni 2020 zu Juni 2019

    Alle Branchen

    75

    54

    51

    53

    56

    55

    -24,7

    Pharma

    100

    84

    66

    89

    85

    94

    3,3

    Nahrungsmittel

    78

    72

    67

    72

    77

    75

    -2,6

    Elektronik

    89

    68

    65

    62

    69

    68

    -18,1

    Chemie

    79

    63

    64

    54

    58

    60

    -27,7

    Schiffbau

    86

    66

    63

    44

    49

    38

    -51,9

    Maschinenbau

    74

    52

    47

    47

    46

    46

    -29,2

    Raffinerien

    61

    32

    54

    42

    25

    25

    -68,4

    Verkehr

    84

    53

    46

    60

    52

    55

    -32,1

    Handel

    72

    45

    45

    52

    56

    57

    -14,9

    Kultur, Sport, Freizeit

    79

    25

    41

    57

    71

    60

    -28,9

    Kfz-Industrie

    74

    41

    31

    20

    25

    30

    -55,9

    Hotels

    67

    11

    12

    10

    18

    22

    -69,9

    Exportorientierte Branchen

    85

    63

    55

    53

    59

    60

    -28,6

    Binnenorientierte Branchen

    71

    51

    51

    47

    47

    46

    -30,3

    Informationen zu den Exporten Südkoreas in den ersten fünf Monaten von 2020 nach wichtigen Produktgruppen finden sich im Fragment Außenhandel - Logistik - Zoll.

    Einzelhandel wächst im April und im Mai wieder

    Die Einzelhandelsumsätze stiegen im Mai 2020 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 2 Prozent nach einem Plus von 6,6 Prozent im Januar; 9,1 Prozent im Februar; einem Minus von 3,3 Prozent im März und einer Zunahme um 3,9 Prozent im April. Rückgängen im stationären Handel um 6,1 Prozent stand im Mai eine Zunahme des Online-Handels um 13,5 Prozent gegenüber. Während die Umsätze in Kaufhäusern, bei Discountern und in großen Supermärkten um 7,4 Prozent; 9,7 Prozent beziehungsweise 12,4 Prozent schrumpften, stiegen diese in den Convenience Stores um 0,8 Prozent. Auch der Verkauf von Luxusgütern läuft vergleichsweise gut.

    Einen Überblick über die Struktur des südkoreanischen Einzelhandels liefert der Beitrag "Einkauf per Handy boomt".

    Konsumenten planen geringere Ausgaben

    Die privaten Haushalte erwarten eine schwierige konjunkturelle Lage, steigende Arbeitslosigkeit und daher geringere Einkommen. Deshalb haben sie ihre Ausgabenpläne gegenüber der Situation vor der Coronaviruspandemie reduziert. Wenig überraschend geben sie weniger für Reisen, Unterhaltung und Kultur sowie Essen in Restaurants aus, als vor einem Jahr. Hoch bleiben die Ausgaben für Wohnen, Gesundheit und Bildung.

    Der Index der Konsumentenstimmung stieg im Mai und im Juni 2020, nach drei Monaten des Rückgangs. Dazu trägt bei, dass Aktivitäten außerhalb der eigenen Wohnung üblicher werden. Dabei verbesserten sich alle Teilindizes oder blieben zumindest unverändert, auch diejenigen über künftige Einkommen oder die künftige Verschuldung. Die höchsten relativen Zuwächse in der Stimmung der Konsumenten gab es in der Summe von Mai und Juni 2020 bei Ausgaben für Reisen, für Essen in Restaurants und Gaststätten und für Bekleidung.

    Stimmung der Konsumenten (Indexwerte für April, Mai und Juni 2020; Veränderung im Vergleich zur Stimmung im gleichen Monat des Vorjahres)
    *) bei einem Wert unter 100 übersteigt die Anzahl pessimistischer Antworten die der optimistischenQuelle: Bank of Korea 2020; Berechnungen von Germany Trade & Invest 2020

    Indikator

    April 2020 *)

    Mai 2020 *)

    Juni 2020 *)

    Veränderung

    Insgesamt

    71

    78

    82

    -16,2

    Gegenwärtiger Lebensstandard

    77

    79

    84

    -7,7

    Erwartungen für das Lohnniveau

    102

    104

    105

    -10,3

    Erwartungen für das Haushaltseinkommen

    83

    87

    88

    -9,3

    Erwartungen für die Beschäftigungssituation

    58

    63

    65

    -17,7

    Erwartungen für die Konjunktur

    59

    67

    70

    -6,7

    Ausgabenpläne

    87

    91

    93

    -13,9

      Wohnen

    99

    99

    101

    -1,0

      Gesundheit

    107

    107

    108

    -3,6

      Bildung

    92

    94

    95

    -5,9

      Bekleidung

    82

    86

    87

    -9,4

      Essen in Restaurants, Gaststätten etc.

    75

    80

    82

    -8,9

      Verkehr und Telekommunikation

    97

    99

    100

    -8,3

      langlebige Güter

    81

    83

    84

    -10,6

      Unterhaltung und Kultur

    74

    76

    77

    -16,3

      Reisen

    59

    64

    64

    -30,4

    Weitere aktuelle Informationen zur konjunkturellen Lage in wichtigen Branchen Südkoreas liefert die Publikationen „Meiste Branchen leiden unter den Folgen des Coronavirus“. Kaufkraft und Konsumverhalten beschreibt der Beitrag „Kauffreudige Konsumenten mit hohen Ansprüchen“.

    Von Frank Robaschik | Seoul

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