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Special | Ungarn | Seidenstraße

Ungarn setzt im Telekomsektor auf die digitale Seidenstraße

Die ungarische Regierung möchte chinesische Investitionen ins Land locken. Bislang halten sich die Aktivitäten chinesischer Firmen in Ungarn jedoch in Grenzen.


  • Huawei mit guten Karten bei 5G-Netzaufbau in Ungarn

    Chinas Telekommunikationsriese bereitet den Boden für eine Beteiligung an künftigen 5G-Investitionen in Ungarn. Die ungarische Regierung heißt das Unternehmen willkommen.

    Ungarns Regierung ist bestrebt, das Land zum Vorreiter bei Hightech und Innovationen im digitalen Sektor in Europa zu machen. Aktivitäten in Forschung und Entwicklung (F&E) werden verstärkt, leistungsfähige Kapazitäten für Informations- und Telekommunikationstechnik (IKT) sollen rasch geschaffen werden. Wichtige Elemente dieser Strategie sind ein schneller Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes, aber auch die Förderung von Aktivitäten beim autonomen Fahren und künstlicher Intelligenz.

    China ist willkommener Partner

    China und die chinesischen IKT-Konzerne werden dabei als wichtige Partner angesehen. Vorbehalte gegen Technologie und Ausrüstung aus dem Reich der Mitte gibt es seitens der ungarischen Regierung praktisch nicht - trotz gelegentlich deutlich vorgebrachter Kritik und Warnungen der US-Administration. Im Gegenteil: Budapest strebt mit China eine enge Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen an. „Die Regierung misst dem Aufbau wirtschaftlicher Beziehungen zu China große Bedeutung bei und möchte so viele chinesische Investoren wie möglich in Ungarn einsetzen“, bestätigt Péter Goreczky, China-Experte am Institute for Foreign Affairs and Trade in Budapest.

    Dazu gehören vor allem Investitionen in eines der bedeutendsten Zukunftsvorhaben – den Aufbau des neuen 5G-Mobilfunk- und Datennetzes. Die positive Haltung Ungarns gegenüber China lässt den Huawei-Konzern darauf hoffen, eine gute Startposition im Hinblick auf künftige Technologie- und Techniklieferungen einzunehmen.

    Tatsächlich scheint das Unternehmen bei der ungarischen Regierung bereits im Vorteil zu sein. Ungarns Außenminister Péter Szijjártó verkündete Ende 2019, Huawei werde das Netz der fünften Generation in Ungarn bauen - in Kooperation mit Vodafone und der Deutschen Telekom beziehungsweise ihrer ungarischen Tochter Magyar Telekom. Ungarn bewerte die Unternehmen dabei nicht danach, woher sie kommen, sondern danach, ob sie sich an ungarische Gesetze und Vorschriften hielten, so der Politiker.

    Ähnlich äußerte sich Innovationsminister László Palkovics. Bei der Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens zwischen Huawei und der ungarischen Regierung zur Modernisierung des Breitbandnetzes im November 2018 brachte er die Hoffnung zum Ausdruck, der chinesische Konzern werde in Kürze mit dem Aufbau des 5G-Netzes beginnen. Ungarn wolle dabei alle Techniklieferanten gleich behandeln.

    Techniklieferanten für 5G noch offen

    All das mag zunächst nur eine politische Geste gegenüber China sein. Denn es ist längst noch nicht entschieden, wer sich am 5G-Aufbau in Ungarn beteiligen wird. Die potenziellen künftigen Betreiber der 5G-Netze und Käufer der dafür benötigten Ausrüstungen halten sich noch immer bedeckt. Magyar Telekom teste zwar nach eigenem Bekunden auch die Huawei-Technik - doch eben nur „auch“ neben Ausrüstungen anderer Hersteller.

    Bei den bereits in Ungarn aufgebauten 5G-Testnetzen kam Huawei zwar tatsächlich schon zum Zuge. Doch auch die Konkurrenten Ericsson und ZTE sind in Ungarn aktiv. Bei der Teststrecke für autonome Fahrzeuge im westungarischen Zalaegerszeg (ZalaZone), einem Prestigeprojekt der ungarischen Regierung, wurde beispielsweise auch Ericsson-Technik verwendet. Für das Funktionieren der Anlage wird ein Hochleistungsnetz benötigt, weshalb dort das 5G-Netz zur Anwendung kommt. Im Mai 2019 haben dort Magyar Telekom, die IT-Gesellschaft T-Systems Hungary und Ericsson ein auf 5G-Basis kommunizierendes selbstfahrendes Fahrzeug vorgestellt.

    Huawei-Konkurrent ZTE kam bisher vor allem bei Telenor und Vodafone zum Einsatz. Telenor hat ZTE-Ausrüstungen beispielsweise in seinem Testnetz in Győr im Mai 2019 verwendet. ZTE, aber auch Huawei bekamen Aufträge im Zusammenhang mit dem Ausbau und der Modernisierung der Eisenbahnstrecke Belgrad – Budapest. Das Vorhaben wird mithilfe eines Kredits der chinesischen Eximbank kofinanziert.

    Chinesen locken mit günstigen Preisen

    Über Chinas Präsenz in der ungarischen Telekommunikationsinfrastruktur liegen nur Schätzungen vor. Bei den in optischen Netzen neuer Generation in Ungarn verwendeten Ausrüstungen entfallen aber circa 50 Prozent auf Huawei-Technik, glaubt China-Spezialist Goreczky. Das sei ein recht hoher Anteil. Den Hauptgrund dafür sieht er in dem günstigen Preis der Ausrüstungen. Deshalb sei es für andere Anbieter sehr schwer, mit dem chinesischen Unternehmen zu konkurrieren, so Goreczky.

    Bei der ungarischen Regierung scheint Huawei auch aufgrund seiner bisherigen Aktivitäten die Nase vorn zu haben. Nach Angaben von Cai Lingyu, Chef von Huawei Technologies Hungary, habe das Unternehmen seit 2005 bereits 1,5 Milliarden US-Dollar investiert und beschäftige rund 2.400 Personen in Ungarn. Allerdings ist bislang nur eine einzige Investition von Huawei in Ungarn öffentlich bekannt: das Logistikzentrum in Biatorbágy nahe Budapest. Es soll Huaweis größte Einrichtung dieser Art außerhalb Chinas sein.

    Huawei punktet mit Investition in F&E-Zentrum

    Huawei will jedoch auch in einem anderen Bereich bei der ungarischen Regierung punkten – bei Investitionen in F&E-Aktivitäten sowie bei der Kooperation mit ungarischen Universitäten. So kündigte der Konzern Mitte Oktober 2020 an, in Budapest ein F&E-Zentrum aufzubauen, in dem mindestens 100 ungarische Ingenieure beschäftigt werden sollen. Zu den Schwerpunkten werden künstliche Intelligenz, Bildverarbeitung, Streaming-Technologie und Signaltechnik gehören.

    Solche Projekte kommen in Budapest gut an und dürften Huawei auch beim 5G-Aufbau Vorteile verschaffen, denn Know-how-Transfer und Hightech-Entwicklung gehören zu den Schwerpunkten der ungarischen Wirtschaftspolitik.

    Von Waldemar Lichter | Budapest

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