Mit Exportgarantien des Bundes im Rücken kann das Exportgeschäft nach Argentinien den entscheidenden Anschub bekommen. Denn viele Kunden wollen ein Komplettpaket mit Finanzierung.
"In Argentinien geht wieder etwas", sagt Bernd Kalbfell, Director Origination Solutions beim Hamburger Handelshaus Jebsen & Jessen Industrial Solutions. Die Wirtschaft des Landes wächst und Sektoren wie die Landwirtschaft, der Bergbau und die Öl- und Gaswirtschaft boomen.
Tatsächlich konnten deutsche Unternehmen ihre Exporte 2025 deutlich steigern: Die Ausfuhren in das südamerikanische Land wuchsen um 21,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Möglich wurde dies auch durch Liberalisierungen im Zahlungsverkehr. Seit Beginn 2026 hat die Dynamik jedoch nachgelassen. Der Bestellrückstau nach dem Krisenjahr 2024 scheint weitgehend aufgelöst. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck zu, allen voran aus Asien.
Finanzierung wird zum Verkaufsargument
Viele deutsche Anbieter spüren: Das Gütesiegel "Made in Germany" allein reicht nicht mehr. Mehrere Unternehmensvertreter beschrieben dies bei der Euler-Hermes-Veranstaltung "Finanzierung & Absicherung für erfolgreiche Exportgeschäfte" in der AHK Buenos Aires 2026 ähnlich: Die Kunden erwarten zunehmend ein Rundum-Paket, das heißt neben Qualität und Zusatzleistungen wie Service, Schulungen und verlässlicher Wartung auch die Finanzierung.
Eine Möglichkeit sind Exportkreditgarantien des Bundes, die sogenannten Hermesdeckungen. Im Jahr 2025 gingen die Hermesneudeckungen für Argentinien entgegen dem weltweiten Trend um fast 12 Prozent nach oben. Zusätzliche Impulse könnten sich ergeben, wenn die Zollvorteile aus dem Handelsteil des EU-Mercosur-Abkommens stärker greifen.
Wer ist Euler Hermes?
Die Euler Hermes AG bearbeitet als Mandatar die Exportkreditgarantien des Bundes. Dabei handelt sie im Auftrag und auf Rechnung der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft gehört zum Allianz-Konzern; eine Eigentümerbeziehung zum Bund besteht nicht.
Die Euler Hermes Gruppe bietet ihre privaten Kreditversicherungsleistungen seit März 2022 unter der Marke "Allianz Trade" an. Davon ausgenommen ist ausdrücklich das Bundesgeschäft: Die Exportkreditgarantien werden weiterhin unter dem etablierten Namen "Euler Hermes" geführt.
Hermesdeckungen sind im Argentiniengeschäft zunehmend gefragtAngaben in Millionen Euro, Veränderung in Prozent| | 2024 | 2025 | Veränderung 2025/24 |
|---|
| Gesamtbudget, darunter | 17.170 | 13.273 | -22,7 |
| Lateinamerika | 2.407 | 2.034 | -15,5 |
| Argentinien | 148 | 165 | +11,7 |
Quelle: www.exportkreditgarantien.de
Was Hermesdeckungen leisten können
Hermesdeckungen sichern deutsche Exporteure und finanzierende Banken gegen politische und wirtschaftliche Zahlungsausfälle ab. Der Bund übernimmt dabei je nach Projekt bis zu 95 Prozent des Risikos, bei grünen Projekten sogar bis zu 98 Prozent. Für den Lieferanten sinkt damit das Ausfallrisiko erheblich; für Banken verbessert sich die Möglichkeit, ausländischen Käufern langfristige Finanzierungen zu wettbewerbsfähigeren Konditionen anzubieten.
Im Kern lösen Hermesdeckungen einen Zielkonflikt: Der Exporteur möchte möglichst früh bezahlt werden, der Käufer im Ausland seine Rechnung dagegen möglichst spät begleichen – idealerweise erst dann, wenn die Maschine bereits Erträge erwirtschaftet.
Je nach Struktur kommen vor allem zwei Instrumente infrage:
Bei der Lieferantenkreditdeckung räumt der Exporteur seinem Kunden ein Zahlungsziel ein und lässt dieses Risiko absichern.
Bei der Finanzkreditdeckung schaltet sich eine Bank dazwischen; sie zahlt den Exporteur nach Lieferung aus und finanziert den Käufer langfristig.
Für Argentinien ist die Finanzierungsfrage besonders relevant. Lokale Kredite sind wegen des hohen Länderrisikos teuer, langfristige Finanzierungen schwer zu bekommen. Zugleich sind Geschäfte aus Sicht deutscher Exporteure risikobehaftet, weil der Devisenverkehr weiter eingeschränkt ist und Vorauskasse nach wie vor nicht möglich ist.
Weitere Finanzierungspartner
Fokus auf kleinere Exportfinanzierungen
FIB Frankfurt International Bank: Die FIB konzentriert sich auf kleinere Exportfinanzierungen. Im Februar 2025 war sie ihres Wissens nach das erste Bankhaus seit längerer Zeit, das für Argentinien eine Hermesdeckung beantragt hat. Dabei ging es um zwei Tiefbohrgeräte der Firma Bauer im Wert von rund 3,6 Millionen Euro. Nach Angaben von Vorstand Eckhard Creutzburg sind Finanzierungen bis circa 25 Millionen Euro möglich; kleine Kreditbeträge (unter 1 Million Euro) sind wegen der Bearbeitungskosten jedoch relativ teuer.
Spezialisierung auf Export- und Handelsfinanzierungen
AKA Bank: Die AKA Ausfuhrkredit-Gesellschaft ist auf Export- und Handelsfinanzierungen mit staatlicher Exportkreditabsicherung (ECA-Deckung) spezialisiert. Sie begleitet Exporteure mit Finanzierungslösungen für kleinere wie auch große Exportvorhaben. Für Auftragswerte zwischen 1 Million und 15 Millionen Euro oder US-Dollar, die speziell für Maschinenlieferungen interessant sind, bietet die AKA mit ihrer digitalen Plattform SmaTiX Exporteuren "einen einfachen Zugang zu kleineren Bestellerkrediten - weniger Aufwand, schnellere Umsetzung und eine unkomplizierte Abwicklung", verspricht Sabine Vigneron, Director ECA (Export Credit Agency) Relationship Desk bei der AKA.
Größere Projekte
Die KfW IPEX-Bank begleitet vor allem größere, komplexe und langfristige Finanzierungen. Im Fokus stehen unter anderem Energie, Umwelt- und Klimaschutz, Mobilität, Rohstoffe, Industrieanlagen, Digitalisierung und Infrastruktur. Argentinien gilt als Markt mit Potenzial, bleibt aber abhängig von Reformstabilität und verlässlichen Investitionsbedingungen.
Hermes – kompliziert und teuer?
Unternehmen kritisieren immer wieder, Hermesdeckungen seien teuer und die Antragstellung kompliziert sowie zeitaufwendig. Das trifft jedoch nur teilweise zu. Die Belastung fällt umso stärker ins Gewicht, je niedriger die Deckungssumme ist. Eine Prüfung ist jedoch unverzichtbar.
Dennoch ist ein Hermes-gedeckter Käuferkredit nach den Erfahrungen von Sabine Vigneron, Director ECA Relationship Desk bei der AKA, für den Käufer attraktiver als ein Akkreditiv. Er ermöglicht deutlich längere Zahlungsfristen. Zudem sind die formalen Anforderungen an die Auszahlungsdokumente weniger streng.
"Klar, wir sind nicht immer die günstigste Option, aber wir sind eine sehr sichere – und deshalb machen wir Geschäfte oft erst möglich, die sonst vielleicht gar nicht zustande gekommen wären", weiß Dörthe Arend, Repräsentantin für Lateinamerika bei Euler Hermes. Gerade für Argentinien mit seinem hohen Länderrisiko spielt der Sicherheitsaspekt eine herausragende Rolle. Nicht grundlos lag Argentinien 2025 bei den Außenständen des Bundes aus Umschuldungsabkommen und politischen Schäden unter den Top-10-Ländern auf Rang 4 nach Russland, Venezuela und Nordkorea.
Das hohe Länderrisiko macht Fremdkapital für argentinische Firmen extrem teuer - gegenwärtig liegen die Kreditzinsen bei rund 40 Prozent. Langfristige Kredite sind so gut wie gar nicht zu bekommen. An dieser Situation haben auch die jüngsten Höherstufungen der internationalen Ratingagenturen bislang wenig geändert.
Umgekehrt sind aus Sicht des Exporteurs Geschäfte mit Argentinien mit erheblichen Risiken verbunden – insbesondere bei bislang unbekannten Abnehmern. In solchen Fällen ist Hermes eine Option. Umgekehrt sei gerade für argentinische kleine und mittlere Unternehmen die Hermes-gedeckte Finanzierung im Vergleich zu den hohen lokalen Zinsen attraktiv - ein Argument, welches deutsche Unternehmen in ihren Verkaufsgesprächen nutzen sollten, meint Arend.
Wann eine Hermesdeckung infrage kommt
Der Exporteur muss seinen Sitz in Deutschland haben.
Der deutsche Lieferanteil muss mindestens 51 Prozent des Auftragswerts betragen; bei "grünen" Projekten 30 Prozent; neu ist: weist ein Unternehmen einen genügend großen "deutschen Fußabdruck" nach, entfällt die Überprüfung des deutschen Anteils (flex&cover).
Der Importeur muss belastbare Jahresabschlüsse vorlegen können.
Für Lieferanten- und Finanzkreditdeckungen ist eine Anzahlung von 15 Prozent erforderlich.
Das Projekt muss wirtschaftlich tragfähig sein und langfristig Deviseneinnahmen beziehungsweise Rückzahlungsfähigkeit erwarten lassen.
Eine kostenlose Voranfrage kann helfen, die grundsätzliche Eignung früh zu klären.
Typische Stolpersteine generell und speziell in Argentinien
hoher Dokumentationsaufwand für unerfahrene Kreditnehmer
Bearbeitungszeiten verlängern sich, wenn Unterlagen fehlen oder Rückfragen offenbleiben
hohes Länderrisiko und entsprechend hohe Absicherungskosten
teure lokale Kredite und kaum langfristige Finanzierungsmöglichkeiten
eingeschränkter Devisenverkehr, keine Vorauskasse
Von
Stefanie Schmitt
|
Santiago de Chile