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Special | Brasilien | Seidenstraße

Brasiliens digitale Infrastruktur ist stark westlich geprägt

Für den 5G-Ausbau setzen die brasilianischen Telekomkonzerne jedoch auch auf chinesische Technologie.

Von Gloria Rose | São Paulo

Erstes Seekabel zwischen Südamerika und Asien

Am 26. Januar 2021 unterzeichneten Argentinien und Chile ein Abkommen für ein transpazifisches Seekabel ausgehend von Valparaíso (Chile). Das Projekt Puerta Digital Asia Sudamérica wäre die erste direkte Glasfaser-Verbindung zwischen Südamerika und Asien. Angaben zur Finanzierung wurden noch nicht veröffentlicht. 

Auch Angola Cables will den Datenverkehr zwischen den beiden Kontinenten beschleunigen und investiert dazu bereits in das Projekt South Atlantic Cable System (SACS), das das erste Hochgeschwindigkeits-Seekabel zwischen Südamerika und Afrika vorsieht.

Bislang zeichnen sich keine chinesischen Beteiligungen an den Projekten ab. Als wichtiger Schritt zur Vorbereitung auf das 5G-Netz in Südamerika gilt die Datenautobahn nach Europa über EllaLink.

Huawei dürfte beim Aufbau des 5G-Netzes dabei bleiben

Brasilien will die Frequenzen für den Ausbau des 5G-Netzes noch im 1. Halbjahr 2021 vergeben. Um den Ausbau zu beschleunigen, setzten sich Brasiliens Telekomanbieter vehement gegen den Ausschluss des chinesischen Ausrüsters Huawei ein. Die Regulierungsbehörde Anatel entschied am 25. Februar für eine Zulassung aller Ausrüster. Den Regeln der Frequenzauktion zufolge verpflichten sich die Telekomkonzerne dazu, bis August 2022 5G-Standalone-Netze in den Hauptstädten der 26 Bundesstaaten in Betrieb zu nehmen. Parallel zur kommerziellen Infrastruktur soll ein regierungseigenes Netzes ohne Huawei-Technologie errichtet werden.

Seit der dritten Mobilfunkgeneration ist Huawei einer der wichtigsten Ausrüster im Land. Der chinesische Großkonzern errichtete mehr als zwei Drittel der mehr als 100.000 GSM-Basisstationen. Der Kostenvorteil zu Hauptkonkurrent Ericsson sowie zu Nokia ließ jedoch nach. Um sich auch bei 5G ganz vorne zu positionieren, errichtete Huawei zusammen mit  dem chinesischen Telekomanbieter Vivo ein Testlabor im Technologiepark Brasília und bildet in zwölf Weiterbildungszentren 600 Fachkräfte aus. Huawei ist beteiligt am Glasfaserprojekt Amazônia Conectada und investiert zusammen mit Telekomanbieter Claro in ein Smart-Farming-Projekt im Bundesstaat Goiás.

Auf dem Smartphone-Markt konnte sich Huawei bislang nicht durchsetzen. Konkurrent Xiaomi hingegen erzielte 2020 mit einem Marktanteil von 7,1 Prozent den vierten Rang. Nun will auch realme den Markt für sich erobern, der bislang von Samsung, Motorola, Apple und LG dominiert wurde. Bei anderen Endgeräten wie Modems und Router liegen chinesische Hersteller hingegen weit vorne. Im Segment Ausrüstung für Internet-Provider weisen Fiberhome und ZTE einen Marktanteil von 50 Prozent bzw. 25 Prozent auf.

Ausgewählte Investitionen in Brasilien

Projektbezeichnung

Investitionssumme (Mio. US$)

Projektstand

Chinesische Beteiligung

Fabrik für Smartphones und Tablets im Bundesstaat São Paulo

800

Angekündigt im August 2019 / abhängig von der Vergabe der 5G-Frequenzen

Huawei

Fabrik für Modems und Router in Extrema (Minas Gerais)

1

Baubeginn Oktober 2019

ZTE investiert in Partnerschaft mit dem brasilianischen Elektronikhersteller Multilaser Pro

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, 2021

Bei Rechenzentren und Cloud-Computing dominieren US-Konzerne

Im Jahr 2019 stieg als erster chinesische Anbieter Alibaba in den brasilianischen Markt für Cloud-Computing ein. Alibaba kooperiert mit dem brasilianischen Webhosting-Anbieter UOL Diveo. Huawei Cloud folgte Ende 2019 und eröffnete im Januar 2021 die zweite Verfügbarkeitszone.

Dominiert wird der brasilianische Cloud-Markt jedoch von den US-Giganten IBM, AWS, Google, Oracle und Azure, die auch zunehmend in eigene Datenzentren vor Ort investieren. Equinix erwarb 2014 den brasilianischen Dienstleister Alog. 2020 errichtete der US-Konzern sein siebtes Rechenzentrum in Brasilien.

Ascenty, Marktführer mit fünfzehn Datenzentren in Betrieb und drei weiteren in Bau, wurde 2018 von der US-Betreibergesellschaft Digital Reality übernommen. Auch die US-Gruppe Digital Colony, größter Investor in digitale Infrastruktur in Lateinamerika, verstärkt die Präsenz in Brasilien. US-Unternehmen CyrosOne beteiligte sich an dem brasilianischen Rechenzentren-Betreiber ODATA.

Bislang keine chinesische Beteiligung an nationalen Telekomanbietern

Durch den Konkurs von Telekomanbieter Oi geriet Bewegung in den Sektor. Die Aktiva weckten auch das Interesse des Telekomkonzerns China Mobile Communications Corporation (CMCC), der 2017 eine Niederlassung in Brasilien eröffnet hatte. Doch das Mobilfunkgeschäft von Oi, das einen Marktanteil von rund 16 Prozent aufweist, ging an das Konsortium der drei Hauptkonkurrenten. Claro, TIM der Telecom Italia und Vivo der spanischen Telefônica (nicht mit der chinesischen Vivo Communication Technology zu verwechseln) teilen sich den brasilianischen Markt zukünftig zu dritt. Den Mobilfunknetzbetrieb übernahm Highline der US-Gruppe Digital Colony. Glasfasernetz und Satelliten-TV werden im 1. Quartal 2021 versteigert.

Neben den drei großen Telekomkonzernen bieten in Brasilien über 10.000 lokale Anbieter Internet an. Bei Breitbandanschlüssen übernahmen die kleinen Provider 2019 die Marktführung vor Claro, Vivo und Oi und konnten den Vorsprung in der Pandemie ausbauen. Angetrieben durch hohes Wachstum setzte die Konsolidierung des Sektors ein. Auch hier zeichnet sich bislang kein chinesisches Engagement ab.

Kommunikationssatelliten mit westlicher Technik

Über das China-Brazil Earth Resources Satellite Program (CBERS), das bereits 1988 ins Leben gerufen wurde, brachten die Länder gemeinsam sechs Forschungssatelliten ins All. Der letzte Satellit CBERS 4A wurde Ende 2019 vom Kosmodrom Taiyuan gestartet. Neue Initiativen der binationalen Partnerschaft sind nicht bekannt. Am 28. Februar 2021 wird der erste rein brasilianische Erdbeobachtungssatellit Amazônia-1 von Indien aus gestartet. Der Raketenstartplatz in Alcântara (Maranhão) soll zukünftig einen Start aus Brasilien ermöglichen. 

Die Fernmelde-Satelliten von Embratel Star One der Gruppe Claro und von Hispamar, Joint Venture zwischen Telekomkonzern Oi und dem spanischen Satellitenbetreiber Hispasat, sowie der erste Militärsatellit SDGC verwenden westliche Technologien und Standards. Darüber hinaus nutzen die brasilianischen Kommunikationsnetze die Dienste der europäischen Satellitenbetreiber SES, Eutelsat und Intelsat sowie des kanadischen Betreibers Telesat. Ohne ein eigenes Navigationssatellitensystem greift Brasilien traditionell auf das US-amerikanische GPS zurück. 

Aktive chinesische Firmen im Telekommunikationssektor

Sektor

Firmenname

Tätigkeitsfeld

Telekommunikation

Huawei

Netzwerk- und Telekommunikationsausrüstung, Cloud-Computing

Telekommunikation

ZTE

Netzwerklösungen und Endgeräte (Router, Modems)

Telekommunikation

Fiberhome

Endgeräte (Router, Modems)

Technologie

Alibaba Cloud/Alibaba

Cloud-Computing

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, 2021

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