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Maschinenbau: Noch hat die EU die Nase vorn

Der Abbau der Zölle stärkt die Wettbewerbsposition deutscher Maschinenhersteller. Allerdings gelten lange Übergangsfristen von bis zu 15 Jahren.

Gloria Rose

Von Gloria Rose | São Paulo

Maschinen und Anlagen sind das wichtigste Exportgut der EU in die Länder des Mercosur. Laut Angaben von Eurostat standen sie 2024 für 21,5 Prozent der gesamten EU-Exporte in die Region. Damit sind die Europäer die wichtigsten Maschinenlieferanten der Südamerikaner. Noch zumindest, denn China holt rasant auf.

Neue Chancen durch Zollabbau und Harmonisierung von Standards

Mit dem EU-Mercosur-Abkommen steigt die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Maschinenbauer. Das Abkommen sieht einen schrittweisen Abbau der Zölle auf die meisten Maschinen vor. Wichtig für die Hersteller ist aber auch die Harmonisierung von Standards. Selbst kleine Abweichungen können technische Handelshemmnisse darstellen und verhindern, dass die Produkte schnell und sicher in den Markt gebracht werden können. Gegebenenfalls müssen Maschinen extra für einzelne Märkte angepasst werden.

Um die südamerikanischen Märkte mit ihren relativ hohen Zugangsschranken für sich zu erschließen, haben mehr als 100 Maschinenbauer aus Deutschland eigene Produktionsniederlassungen vor Ort aufgebaut, zum Großteil im brasilianischen Bundesstaat São Paulo. Das Interesse an der Region wächst. "Nach der Unterzeichnung des Abkommens in Montevideo Ende 2024 haben die Anfragen europäischer Maschinenbauer aus allen Segmenten deutlich zugenommen", sagt Fabiane Wahlbrink, die den VDMA im Mercosur vertritt.

Was sieht das Abkommen im Bereich Maschinenbau vor?

Laut Angaben des VDMA ist im Abkommen ein Zollabbau für 95 Prozent aller Maschinenbauprodukte vorgesehen. Allerdings betragen die vereinbarten Zollabbauperioden zehn Jahre, und in einigen Fällen sogar bis zu 15 Jahre. Die positiven Auswirkungen des Abkommens dürften sich daher erst mittel- bis langfristig in den Exportzahlen niederschlagen.

Nur bei wenigen Produkten wird der Zollsatz direkt im ersten Jahr nach Inkrafttreten des Abkommens auf Null reduziert; dazu gehören:

  • Drehmaschinen für die Metallbearbeitung,
  • Maschinen für die Textilindustrie sowie
  • Maschinen für die Süßwarenindustrie

Dagegen ist für einige Maschinen gar kein Zollabbau vorgesehen. Betroffen sind beispielsweise Melkmaschinen, Stroh- und Futterpressen, Lebensmittelverarbeitungsmaschinen, aber auch Pumpen mit Messgeräten. 

Abkommen bietet mehr Vorhersehbarkeit als bisherige Vergünstigungen

Bislang fallen beim Import von Maschinen und Anlagen in die Staaten des Mercosur Zölle in Höhe von 12 bis 20 Prozent an. Der im Durchschnitt gezahlte Zollsatz liegt jedoch niedriger, zumindest in Brasilien. Dies liegt an dem Sonderregime Ex-Tarifário. Im Rahmen dieses Programms gewährt Brasilien Zollerleichterungen für Kapitalgüter und IT-Produkte, die im Land nicht oder nicht konkurrenzfähig hergestellt werden können. Dabei gilt ein reduzierter Zollsatz von 2 oder sogar 0 Prozent.

Allerdings müssen die Unternehmen die Ausnahmen alle ein bis zwei Jahre neu bei der brasilianischen Außenhandelskammer (CAMEX) beantragen. Zudem wurden Anträge einzelner Maschinenbauer zuletzt wider Erwarten abgelehnt. Auch das Sonderregime selbst ist zeitlich begrenzt. Im Juli 2025 wurde es bis Ende 2028 verlängert. Zur Verlängerung müssen alle Mercosur-Staaten zustimmen.

Wachstumsmotor für beide Seiten

Der deutsche Maschinenexport wird von dem Abkommen und der damit verbundenen Vorhersehbarkeit profitieren. Es komme aber auch den Tochterunternehmen zugute, die die Maschinenbauer in der Region aufgebaut hätten. Das sagt Ricardo Salgado Moura, der in dem EU-Mercosur-Abkommen einen Wachstumsmotor für beide Regionen sieht. Salgado Moura ist seit 2019 Lateinamerikachef der WIKA Group, einem weltweit führenden Hersteller in der Sensor- und Messtechnik.

Laut Salgado Moura werden die Handelserleichterungen die Positionierung von WIKA und anderen europäischen Unternehmen stärken, die mit Tochtergesellschaften in den Mercosur-Ländern vertreten sind. Das Abkommen ermögliche einen größeren Austausch von Fertig- und Halbfertigprodukten sowie von Dienstleistungen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Management und IT. Über ein Produktionszentrum im Mercosur ließen sich internationale Lieferketten ergänzen und dadurch Risiken und geopolitische Unsicherheiten reduzieren, bekräftigt Salgado Moura.

WIKA ist bereits seit 1981 mit einer eigenen Produktionsniederlassung in Brasilien tätig. Im März 2026 nahm das Unternehmen eine neue Produktionsstätte in Boituva, etwa 120 Kilometer westlich der Stadt São Paulo, in Betrieb, um den gesamten lateinamerikanischen Markt zu bedienen. Als mit Abstand größtes Land der Region biete Brasilien einen guten Zugang zum Mercosur und weitere strategische Standortvorteile, sagt Salgado Moura im Gespräch mit GTAI.

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