Panoramic landscape of Lefkada island coast in Greece with green woods, blue sky and electrical support line. Summer travel
Panoramic view from Lefkada island in Greece | © Kathrine Andi - stock.adobe.com

Special | Welt | Konnektivität

Transnationale Stromnetze ebnen Weg zur Klimaneutralität

Weltweit laufen Großprojekte, um länderübergreifende Stromverbindungen aufzubauen. Energiewende und Geopolitik treiben den Ausbau an. Germany Trade & Invest stellt die Projekte vor.

Die Energiewende erfordert Stromnetze, die komplexer sind als in der Ära der fossilen Energien, denn Wind- und Solarkraft produzieren nicht immer zuverlässig die gleichen Strommengen. Je nach Wetter kommt es zu Strommangel oder -überschuss. Ohne den Ausgleich durch Netzverbindungen drohen Ausfälle.

Ein wichtiger Schritt zu mehr Netzstabilität besteht im Ausbau von Stromnetzen. Je mehr Kraftwerke miteinander verbunden sind, desto besser und sicherer können der Mangel oder Überschuss an Strom ausgeglichen werden. Daher werden immer mehr grenzüberschreitende Verbindungen gebaut, zwischen Kontinenten sind sogar Unterseekabel geplant. Der Ausbau von Interkonnektoren, also von transnationalen Stromleitungen, bringt strategische Veränderungen. Zugleich bieten sich Chancen für deutsche Unternehmen.

  • Die Andenländer planen den Bau neuer Interkonnektoren. Ziele sind mehr grüner Strom und Energiesicherheit. Die EU stellt einen Teil der Investitionssumme bereit. (10.02.2025)

    Die Andenländer stehen vor Herausforderungen bei der Energieversorgung. Die Stromproduktion in Ecuador und Kolumbien hängt stark von der Wasserkraft ab. Beide Länder litten 2024 unter einer langanhaltenden Dürre. In der Folge hatten Haushalte und Industrie in Ecuador bis zu 14 Stunden pro Tag keinen Strom. In Kolumbien überstiegen die Strompreise auf dem Spotmarkt erstmals die Marke von 1.000 Pesos (rund 0,23 US-Dollar, US$) pro Kilowattstunde. Auch in Peru drohen Versorgungsengpässe, weil der Ausbau der Stromnetze nicht schnell genug vorangeht.

    Abhilfe schaffen sollen das geplante gemeinsame Stromnetz SINEA und der gemeinsame Strommarkt MAERCP. Mitte 2024 unterzeichneten Kolumbien, Ecuador und Peru eine entsprechende Vereinbarung. Ziel des Vorhabens ist ein besserer Stromaustausch zwischen den Ländern. Dies soll die Energiesicherheit erhöhen und die Bedingungen für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren schaffen. Die Infrastrukturinitiative der Europäischen Union, Global Gateway, hilft bei der Finanzierung.

    Was sind SINEA und MAERCP?

    Das Sistema de Interconexión Eléctrica Andina (SINEA) ist ein geplantes Stromverbundsystem in der Andenregion. Teilnehmende Länder sind die Staaten der Andengemeinschaft (Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien) sowie Chile als Partner. Der Aufbau des gemeinsamen Stromnetzes erfordert Investitionen von etwa 1,5 Milliarden US-Dollar.

    Zwischen Kolumbien und Ecuador besteht bereits eine Verbindungsleitung, zwischen Ecuador und Peru gibt es eine limitierte Leitung. Um das Vorhaben zu ermöglichen, muss ein regionaler Strommarkt für die Anden geschaffen werden, der Mercado Andino Eléctrico Regional de Corto Plazo (MAERCP). Der Strommarkt soll bis spätestens 1. Juli 2026 in Kraft treten.

    Global Gateway unterstützt Interkonnektor in den Anden

    Herzstück des regionalen Stromverbunds ist ein Interkonnektor zwischen Peru und Ecuador, der Teil der Global-Gateway-Initiative ist. Ein großer Teil des Geldes für den Bau kommt von der Europäischen Investitionsbank (EIB), 133 Millionen US$ für die peruanische Seite und 125 Millionen US$ für die ecuadorianische. Insgesamt belaufen sich die Projektkosten nach Angaben der EIB auf 544 Millionen US$. 

    Inzwischen ist das Projekt in vollem Gange. Auf peruanischer Seite laufen die technischen Studien für das Teilstück zwischen Piura Nueva und Frontera. Die Umweltstudie wurde Anfang Februar 2025 eingereicht. Bereits 2023 war der Abschnitt an den Projektentwickler Celeo aus Spanien vergeben worden. Der Abschnitt La Niña – Piura ist im Bau und soll im 1. Quartal 2025 abgeschlossen werden. 

    Der Auftrag zum Bau der Leitung auf ecuadorianischer Seite soll im 2. Quartal 2025 vergeben werden. Die Inbetriebnahme der Leitung ist für August 2027 vorgesehen. Die Ausschreibung weckte das Interesse von verschiedenen Unternehmen, fast ausschließlich aus China:

    1. Xian Electric Engineering Co. Ltd. (China)
    2. Shanghai Electric Power Transmission & Distribution Engineering Co. Ltd. (China)
    3. Hei-Hengtong Joint Venture/Harbin Electric International Co. Ltd. (China)
    4. Kalpataru Projects International Limited (Indien)
    5. Konsortium aus JSPDI und JEPCC1 (China)

    Interkonnektoren ermöglichen Ausbau der Erneuerbaren

    Die geplante Leitung zwischen Peru und Ecuador soll dafür sorgen, dass sich die Energie aus Wasserkraft der beiden Länder ergänzt. Gleichzeitig schafft sie Voraussetzungen für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren, da sie hilft, die Schwankungen in der Produktion von Wind- und Solarkraft auszugleichen. Besonders in Peru steigen die Investitionen in Wind- und Solarprojekte. Das Land ist ein attraktiver Standort für erneuerbare Energien.

    Netzausbau in Peru kommt nur langsam voran

    Allerdings besteht bei den Stromnetzen in Peru ein erheblicher Investitionsstau. Der Ausbau der Leitungen des nationalen Verbundnetzes (SEIN) liegt deutlich hinter den Zeitplänen zurück, meldet der Ausschuss für den wirtschaftlichen Betrieb des nationalen Verbundsystems (COES). Grund seien langwierige Verfahren, vor allem beim Ministerium für Wirtschaft und Finanzen (MEF). 

    Gleichzeitig wächst der Strombedarf in Peru weiter, Prognosen zufolge um 3 Prozent jährlich bis 2034. César Butrón, Präsident des COES, warnte daher gegenüber Medien, dass Verzögerungen beim Ausbau des Übertragungsnetzes dazu führen, dass der künftige Energiebedarf in vielen Gebieten im Landesinneren nicht gedeckt werden könnte. Engpässe bei der Stromversorgung könnten auftreten. Deswegen investiert Peru landesweit in Stromleitungen. Bis 2034 sind 1,3 Milliarden US-Dollar vorgesehen.

    Weitere Interkonnektoren in den Anden geplant

    Neben dem Interkonnektor mit Ecuador gibt es Pläne für eine Übertragungsleitung zwischen Peru und Chile. Das Projekt wurde 2025 von der EU als Flagship-Projekt von Global Gateway ausgewählt. Erste Studien zur Umsetzung sollen im 4. Quartal 2025 beginnen. Laut Recherchen von Germany Trade & Invest waren Vertreter der EU-Kommission wegen des Projekts im November 2024 in Chile. Dabei fanden Gespräche mit dem chilenischen Energieminister statt.

    Sowohl die EU als auch Chile unterstützen das Vorhaben, aber Peru sieht bislang noch keine Priorität. Sowohl die chilenische Seite als auch die Vertreter der EU-Delegation in Peru versuchen derzeit, die peruanische Seite umzustimmen. Zudem ist das chilenische Energieministerium in Gesprächen mit der Andengemeinschaft, um den regulatorischen Rahmen für eine Beteiligung Chiles am MAERCP anzupassen. Unterdessen prüft die EIB die Finanzierung von Übertragungsleitungen in Lateinamerika.

    Hunderte Millionen US-Dollar für StromnetzausbauGeplante Interkonnektoren in den Anden
    Länder

    Peru - Ecuador

    Peru - Chile

    Kolumbien - Panama

    Spannung (in Kilovolt)

    500

    220

    500

    Länge (in Kilometern)

    544

    57

    600

    Kosten (in Mio. US$)

    544

    131

    800

    Quelle: BNamericas 2025; EIB 2025

    Lang geplantes Projekt bekommt Schub

    Außerhalb des Verbundnetzes SINEA treibt Kolumbien ein Interkonnektor-Projekt mit Panama voran. Die Leitung ist seit langem geplant. Im Dezember 2024 einigten sich Vertreter beider Staaten darauf, die Pläne zu beschleunigen, damit das Projekt 2028 in Betrieb gehen kann. Die Umweltverträglichkeitsstudien befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Auch der kolumbianische Projektbetreiber ISA InterColombia ist zuversichtlich. Er rechnet mit einer Inbetriebnahme in den nächsten vier bis fünf Jahren.

    Janosch Siepen

    Von Janosch Siepen | Bogotá

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  • Der Stromhandel zwischen den südasiatischen Staaten wird wachsen. Dafür sind neue Trassen geplant. Indien will künftig Strom bis nach Singapur exportieren. (Stand: Oktober 2023)

    Indien, Bangladesch, Nepal und Bhutan wollen ihre Elektrizitätsnetze stärker integrieren und den grenzüberschreitenden Stromtransport in der Region erleichtern. Was auf bilateraler Ebene schon seit vielen Jahren zur Stabilisierung der Energieversorgung beiträgt, soll künftig auch im Verbund über mehr als zwei Staaten möglich sein. Dadurch lassen sich die regional und saisonal unterschiedlichen Spitzen beim Strombedarf in den Ländern besser glätten. 

    Die Länder haben umfassende Investitionen in ihre Elektrizitätsnetze angekündigt. Die Projekte bieten gute Geschäftschancen im Bereich Stromübertragungs- und -verteilungstechnik sowie für Smart-Grid-Lösungen.

    Bangladesch bezieht künftig Strom aus Nepal

    Im August 2023 wurde ein erstes Drei-Länder-Vorhaben unter Beteiligung von Indien, Nepal und Bangladesch vorgestellt. Dabei soll Nepal Wasserkraftkapazitäten von bis zu 500 Megawatt für die Stromversorgung Bangladeschs bereitstellen. Da die zwei Länder keine gemeinsame Grenze haben, erfolgt der Transport über das indische Übertragungsnetz. Bangladesch wird damit einen Teil seines Stroms künftig aus dem "Upper Karnali Hydropower Project" im Westen Nepals beziehen. Das Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 900 Megawatt befindet sich zurzeit im Bau. Investor ist der indische Infrastrukturkonzern GMR.

    Nach dem für 2024 geplanten Start des "Upper Karnali"-Projekts erhält Bangladesch zunächst 50 Megawatt über die 200 Kilometer lange Baharampur-Bheramara-Stromleitung. Baharampur liegt in Indien, Bheramara in Bangladesch. Hierüber wurde im Juli 2023 einen Stromabnahmevertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren unterzeichnet. 

    Bau eines Stromkorridors durch Indien geplant

    Um bis zu 500 Megawatt aus dem nepalesischen Kraftwerk zu beziehen, will Bangladesch einen separaten Stromkorridor durch Indien errichten. Dieser soll von Anarmari in Nepal nach Panchagarh oder Thakurgaon auf bangladeschischer Seite verlaufen. Die Transitstrecke durch Indien wäre entweder 24 oder 33 Kilometer lang. Bis 2040 will Bangladesch sogar bis zu 9.000 Megawatt Strom aus Nepal beziehen.

    Der grenzüberschreitende Stromverkehr zwischen Indien, Bangladesch, Nepal und Bhutan sowie in geringem Umfang mit Myanmar ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Lag er im indischen Finanzjahr 2013/2014 (1. April bis 31. März) bei 7,8 Terawattstunden, waren es 2020/2021 bereits 18,7 Terawattstunden, so die Daten der Stromnetzbehörde Grid Controller of India Limited (Grid-India). Zwar ging der Handel in der Folgeperiode um 11 Prozent zurück, und auch 2022/2023 dürfte vorläufigen Schätzungen zufolge etwas weniger Strom über die Grenzen geflossen sein. Mittel- bis langfristig erwartet Grid-India aber einen wachsenden Austausch.

    Indisches Kraftwerk liefert Strom nach Bangladesch

    So nahm der indische Mischkonzern Adani im Sommer 2023 den ersten von zwei 800-Megawatt-Blöcken seines Kohlekraftwerks in Godda im Bundesstaat Jharkhand in Betrieb. Gut 90 Prozent der Erzeugungskapazitäten sind dabei für die Stromversorgung Bangladeschs vorgesehen. Pressemeldungen zufolge hat Adani der bangladeschischen Regierung weitere 1.600 Megawatt an Kapazitäten – allerdings aus Wasserkraft und Solarenergie – angeboten.

    Nepals Erlöse aus Stromexporten wachsen

    Auch Nepal will seine Stromexporte in die Nachbarländer in den kommenden Jahren weiter steigern. Bislang führt das Land Strom aus zehn Wasserkraftwerken mit einer Leistung von insgesamt 450 Megawatt nach Indien aus. Im September 2023 wurde ein Liefervertrag über weitere 180 Megawatt geschlossen. Gemäß einem Abkommen zwischen den beiden Ländern könnten die Kapazitäten bis 2032 auf bis zu 10.000 Megawatt angehoben werden. Ein lukratives Geschäft für den Himalaya-Staat: Für das Finanzjahr 2023/2024 (16. Juli bis 15. Juli) erwartet die Regierung Exporterlöse von 122 Millionen US-Dollar – ein Plus von 25 Prozent gegenüber der Vorperiode.

    Um den wachsenden Stromaustausch in der Region zu bewältigen, müssen in den nächsten Jahren weitere Konnektoren zwischen Indien und Nepal gebaut werden. Eines der wichtigsten Projekte ist die 120 Kilometer lange "Butwal-Gorakhapur Transnational Transmission Line", die 2025 in Betrieb genommen werden soll. Im Februar 2023 haben beide Länder beschlossen, bis 2029 zwei weitere grenzüberschreitende Stromleitungen zu bauen. Damit gäbe es dann fünf Höchstspannungstrassen mit je 400 Kilovolt zwischen Indien und Nepal.

    Indische Strombörse als regionale Handelsplattform

    Damit der Strom künftig noch reibungsloser zwischen den südasiatischen Ländern fließt, hat sich die indische Strombörse im August 2023 für die Nachbarländer weiter geöffnet. Seit 2021 konnten diese den Strom im Day-Ahead-Market (DAM) mit einem Tag Verzögerung über die Indian Energy Exchange (IEX)-Plattform handeln. Inzwischen ist auch ein An- und Verkauf in Echtzeit möglich. Seit dem Start des DAM-Handels wurden 4,4 Gigawattstunden über die IEX-Börse gehandelt, vor allem zwischen Indien, Nepal und Bhutan.

    Indien will den regionalen Stromhandel in den nächsten Jahren auf weitere Länder ausweiten. Neben den südlichen Nachbarn Sri Lanka und Malediven führt der Subkontinent auch Gespräche mit Singapur, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Voraussetzung ist, dass die Länder an das indische Stromnetz angeschlossen werden. Singapur hat signalisiert, dass es künftig Strom aus erneuerbaren Energien aus Indien beziehen könnte. Dazu müsste aber zunächst ein Unterseestromkabel zwischen den beiden Ländern verlegt werden.

    Boris Alex

    Von Boris Alex | New Delhi

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