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Wirtschaftsumfeld | Frankreich | Industriepolitik

Frankreich sucht den Weg aus der Krise

Energiekrise, Klimawandel und Zulieferprobleme belasten auch Frankreichs Unternehmen. Die Regierung will die Reindustrialisierung vorantreiben und winkt mit Investitionsanreizen. 

Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris

Frankreichs Unternehmen versuchen sich in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zu behaupten. Bei Regierung und Unternehmen des Landes rückt, nicht zuletzt aufgrund der langanhaltenden Hitze- und Dürreperiode des Sommers 2022, das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Klimaschutzes in den Fokus. Auch die Reindustrialisierung des Landes steht auf der Agenda der Regierung, nicht zuletzt, um die Abhängigkeit von Zulieferungen aus dem Ausland zu verringern. Für deutsche Unternehmen eröffnen sich aufgrund umfänglicher Fördermaßnahmen der Regierung unter anderem im Rahmen des Programms "France 2030" Geschäftschancen.

26.10.2021 Wirtschaftsumfeld | Frankreich | Industriepolitik
Milliarden für disruptive Technologien und mehr Industrie

Das neue Investitionsprogramm "France 2030" soll Innovationen im Land befeuern und die Industrie stärken. Das Programm schließt an das Konjunkurpaket "France Relance" an.

  

Unsicherheiten dämpfen die Aussichten für 2023

Die Wirtschaftslage Frankreichs ist zumindest 2022 noch stabil. Die Banque de France prognostiziert für das Gesamtjahr ein Wachstum von 2,6 Prozent. Allerdings machen Krieg, Energiekrise und das volatile weltwirtschaftliche Klima Frankreich zu schaffen. Die Banque de France hält 2023 ein Wachstum von bis zu 0,8 Prozent für möglich. Sie kann aber auch nicht ausschließen, das das Land in eine Rezession rutscht. Die Unternehmen verlieren angesichts der politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten an Zuversicht. Das Geschäftsklima in der herstellenden Industrie sank im September 2022 den dritten Monat in Folge. 

Ausbau erneuerbarer Energien gewinnt an Schwung

Wie auch in Deutschland kämpfen französische Unternehmen mit steigenden Energiekosten und Energieknappheit. Unternehmen investieren in mehr Energieeffizienz und Lösungen, um den Stromverbrauch langfristig abzusenken. Die Regierung reagiert auf den drohenden Ausfall russischer Gaslieferungen mit einem Programm zur Energieeinsparung (sobriété energétique). Um zehn Prozent soll bis 2024 der landesweite Stromverbrauch sinken. Mit dem Ausbau der Atomenergie, aber auch der erneuerbaren Energien will Frankreich sowohl die Abhängigkeit von importiertem Gas verringern als auch die Klimabilanz des Landes verbessern.

Bei den erneuerbaren Energien liegt Frankreich im europäischen Vergleich allerdings noch zurück. 2020 betrug deren Anteil am Bruttoenergieverbrauch lediglich 19 Prozent. Damit bleibt das Land hinter den EU-Vorgaben, wonach Frankreich bereits einen Anteil von 23 Prozent hätte erreichen sollen. Allerdings ist die Regierung dabei, den Ausbau anzuschieben. Bis zu 50 Offshore-Windparks sollen bis 2050 entstehen. Im Oktober wird ein entsprechender Gesetzesentwurf ins Parlament eingebracht werden. Der erste Offshore-Windpark des Landes wurde im September 2022 in St. Nazaire eingeweiht. Im Mai 2023 soll der Park mit einer Gesamtkapazität von 480 MW ans Netz gehen. Drei weitere Offshore-Parks sind im Bau und sollen 2024 fertiggestellt werden, sieben andere Windparks stehen noch in der Planungsphase. 

Bekämpfung des Klimawandels rückt in den Fokus

Frankreich hat im Sommer 2022 wie auch andere Teile Europas unter einer Rekorddürre und massiven Hitzewellen gelitten. Der Klimawandel ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der ökologische Umbau und die Dekarbonisierung von Wirtschaft und Gesellschaft ist eines der Hauptthemen der Regierung. Allerdings ist hier noch einiges zu tun. Sollen die Klimaziele der Regierung und vor allem die Verpflichtungen Frankreichs aus EU-Vorgaben und Klimaschutzvereinbarungen eingehalten werden, müssen sämtliche Industriebereiche des Landes, hier vor allem der Agrar- und Chemiesektor sowie der Transport- und Baubereich, in den kommenden Jahren massive Emissionseinsparungen vornehmen. Premierministerin Borne hat angekündigt, ein Programm (Fonds vert) in Höhe von 1,5 Milliarden Euro aufzulegen. Zielgruppe für Programme wie die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude oder die Begrünung von Städten sind insbesondere Kommunen.  

Gerade energieintensive Unternehmen investieren in die Dekarbonisierung ihrer Produktion und Produkte, auch um ihre langfristige internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Im Oktober 2022 hat Ciments Calcia, eine französische Tochter von Heidelberg Zement, mit dem Aufbau einer neuen klimagasoptimierten und energieeffizienten  Produktionslinie begonnen. 2025 soll "Airvault 2025", eine Investition in Höhe von 285 Millionen Euro, in den Betrieb gehen. Veolia und das belgische Chemieunternehmen Solvay kooperieren beim Bau einer mit Ersatzbrennstoffen befeuerten Ofenanlage für die Natriumcarbonatproduktion in Dombasle, eine Investition in Höhe von 225 Millionen Euro.  

Reindustrialisierung soll wirtschaftliche Unabhängigkeit sichern

Die Regierung will die Reindustrialisierung der französischen Wirtschaft gerade in Schlüsselindustrien wie dem Gesundheitsbereich, der Luftfahrtindustrie oder Umwelttechnologien anschieben. 2019 trug die herstellende Industrie lediglich 10,1 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Damit fällt Frankreich weit hinter den europäischen Durchschnitt von 16 Prozent zurück. Eine Folge ist die verstärkte Abhängigkeit von Importen, was auf die Handelsbilanz durchschlägt. Das Handelsdefizit Frankreichs hatte im Monat August 2022 mit einem Minus von gut 15 Milliarden Euro Rekordhöhe erreicht, wenngleich dies auch zum Teil den steigenden Kosten für die Einfuhr von Öl und Gas geschuldet war. Zudem leiden weite Industriesektoren, insbesondere die Automobilindustrie, unter der Abhängigkeit von Zulieferungen aus dem Ausland. Ziel der Regierung ist daher, Investitionen der lokalen Wirtschaft in Frankreich anzuschieben und französische Produktionen aus dem Ausland wieder verstärkt ins Land zurückzuholen. Angestrebt ist zudem eine Steigerung ausländischer Investitionen in die Produktion in Frankreich. Auch deutsche Unternehmen wie Vorwerk (Thermomix) und KSB (Pumpen und Armaturen für die Lebensmittel- und Getränkeproduktion) haben im Juli 2022 Investitionen in ihre Produktion in Frankreich angekündigt.

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