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Branchen | Griechenland | Schiffbau

Neustart für griechische Werften

Elefsina plant einen neuen Handelshafen. Zugleich eröffnen sich Perspektiven für deutsch-griechische Kooperationen, von der zivilen Schifffahrt bis hin zur Verteidigungsindustrie.

Von Michaela Balis | Athen

Nach der Übernahme der insolventen Werft von Elefsina (Elefsis Shipyards) hat die griechische Regierung dem US-amerikanischen Schiffbauunternehmen ONEX Shipyards & Technology zusätzlich eine rund 500.000 Quadratmeter große Fläche zur Nutzung übertragen. ONEX plant, diesen angrenzenden Bereich zur Erweiterung der Werft zu nutzen und dort eine Hafenanlage mit Flüssiggasspeicher zu errichten. Die Anlage soll von Massengutfrachtern und Flüssiggastankern angelaufen werden; über den neuen Hafen ist vorrangig der Import von Flüssiggas aus den USA vorgesehen. Die US-amerikanische Entwicklungsbank DFC (U.S. International Development Finance Corporation) hat ihre finanzielle Unterstützung für das Projekt zugesagt.

Die Ausbauprojekte eröffnen Liefer-, Kooperations- und Technologiechancen für deutsche Anbieter von Hafen-, LNG- und Schiffbautechnik, für Zulieferer sowie für Logistikunternehmen. Der erweiterte Hafen soll als Alternative zum Hafen von Piräus dienen, dessen Betriebsgesellschaft zu 67 Prozent der chinesischen Reederei COSCO Shipping gehört.

Logistik und Infrastruktur in der neu erblühten Werft Elefsina

Die griechische Betriebsgesellschaft THEK des derzeit entstehenden Logistikzentrums "Thriasio" beabsichtigt, den neuen Hafen für multimodale Transporte einzusetzen. ONEX plant eine Bahnverbindung zwischen dem Hafen Elefsina und dem Logistikzentrum. Bereits in der Kooperationsvereinbarung von 2023 einigten sich beide Unternehmen auf eine Zusammenarbeit für die Schaffung eines integrierten Logistik-, Schiffsreparatur- und Transporthubs auf der Fläche der Werft. Laut Marktexperten wird das Logistikzentrum voraussichtlich bis 2029 fertiggestellt.

Mehr als zehn Jahre lagen die größten Werften Griechenlands in Elefsina und Skaramangas brach. Im Jahr 2019 übernahm die US-amerikanische Gesellschaft ONEX Shipyards & Technology die insolvente Werft von Elefsina, die im Norden des gleichnamigen Golfs von Elefsina liegt. Bereits 2018 hatte ONEX die Werft Neorio auf Syros für 111 Millionen Euro übernommen. Seitdem haben die beiden ONEX-Werften rund 800 Schiffe gewartet.

Seit März 2023 ist die Schiffswerft Skaramangas im Besitz des griechischen Reeders Georgios Prokopiou, der sie für insgesamt 77 Millionen Euro erwarb. Hinzu kommt die Salamis-Werft. Laut griechischen Pressemeldungen unterzeichnete das Familienunternehmen im Jahr 2024 einen Rahmenvertrag über sechs Jahre mit der französischen Naval Group.

Deutsch-griechische Kooperationen im Schiffbau

Im Juli 2025 vereinbarte der deutsche Systemanbieter für Marineschiffe und -technologien TKMS mit der Skaramangas Shipyards die Umsetzung eines Modernisierungsprogramms (Mid-Life-Upgrade; MLU) für vier griechische U-Boote. Das Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit macht auch Fred Thomas Keupp, Chief Sales Officer von TKMS, in seiner Einschätzung deutlich: "Die enge Partnerschaft mit Skaramangas Shipyards bei dem Mid-Life-Upgrade für die U-Boote der Klasse 214 schafft eine hervorragende Grundlage für die weitere Zusammenarbeit, einschließlich neuer Bauprojekte sowohl im Über- als auch Unterwasserbereich für Griechenland und möglicherweise auch für andere Kunden."

Daneben setzt auch Schottel auf die griechische Werftenoffensive: Das deutsche Unternehmen sicherte sich einen Auftrag über 20 Millionen Euro für die Lieferung von Azimut-Antrieben für 20 Schlepper an Elefsis Shipyards. Vassilis Korkidis, Präsident der Industrie- und Handelskammer von Piräus, unterstreicht, wie wichtig Kooperationen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas sind:

"Deutsch-griechische Kooperation in der Schiffbauindustrie stärkt die europäische Präsenz auch auf den asiatischen Märkten, wo der Wettbewerb, insbesondere im Rahmen des "grünen Übergangs" in der Schifffahrt, intensiv ist."

So profitieren deutsche Unternehmen von den Werftprojekten:

  1. Lieferchancen: LNG-Technik, Hafen- und Werftausrüstung, Antriebe, Retrofit-Lösungen.
  2. Kooperation: Beteiligung an Modernisierungsprogrammen, Technologietransfer.
  3. Logistik: Integration in multimodale Ketten über Thriasio.
  4. Marktzugang: Zusammenarbeit mit ONEX, Skaramangas, Elefsis und Salamis.


Verteidigungsmarkt: Milliardeninvestitionen bis 2036

Das griechische Verteidigungsministerium plant, bis 2036 rund 25 Milliarden Euro in die Modernisierung der Streitkräfte zu investieren. Die Marine profitiert davon. Die Regierung verfolgt das Ziel, bei Beschaffungen in der Verteidigungs- und Sicherheitsbranche einen inländischen Wertschöpfungsanteil von 25 Prozent zu erreichen. Dieser Anteil kann durch den Einsatz inländischer Technologien, den Know-how-Transfer oder den Aufbau neuer Produktionsanlagen – auch durch ausländische Partner – erreicht werden. In der Marine sind insbesondere der Schiffbau und der Einsatz innovativer griechischer Technologien von Bedeutung.

Beim Bau von Schiffen für militärische Zwecke wollen Unternehmen aus Griechenland kooperieren. Die Union griechischer Werften strebten eine Beteiligung am EU-Programm "SAFE" an. Ein vorab eingereichter Vorschlag wurde jedoch nicht berücksichtigt. Griechenland erhält aus dem Programm rund 790 Millionen Euro in Form von Niedrigzinskrediten.

Deutsche Unternehmen aus der Schiffbauindustrie haben bei der griechischen Schifffahrtsmesse Posidonia die Gelegenheit, griechische und internationale Branchenvertreter zu treffen. Die Messe findet vom 1. bis zum 5. Juni 2026 statt. Deutschland nimmt mit gleich zwei nationalen Messeständen an der Messe teil.

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