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Branchen | Griechenland | Sicherheit und Verteidigung

30 Milliarden Euro für Griechenlands Rüstungsindustrie

Griechenland treibt den Ausbau seiner Verteidigungsindustrie voran. Das bietet attraktive Möglichkeiten für Kooperationen. Lokale Präsenz und Partnerschaften sind dafür zentral.

Von Michaela Balis | Athen

Das griechische Verteidigungsministerium will bis 2036 etwa 30 Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung seiner militärischen Fähigkeiten investieren. Die Pläne umfassen unter anderem das sogenannte "Achilles-Schild“, ein integriertes Luftverteidigungssystem, Fregatten, U- sowie Patrouillenboote, Kampfflugzeuge und innovative Militärtechnologien. Großaufträge werden auf höchster politischer Ebene verhandelt. Zu den wichtigsten Lieferländern gehören die USA, Frankreich, Israel und Deutschland.

Griechenlands Militärausgaben betrugen 2024 laut North Atlantic Treaty Organization (NATO) 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit liegt das Land im Bündnisvergleich auf Rang 5. Bis zum Jahr 2035 muss der Anteil nach NATO‑Vorgaben auf 3,5 Prozent steigen.

Für die Umsetzung seiner Vorhaben greift Griechenland auf verschiedene nationale und internationale Programme zurück. Dazu zählen das EU‑Programm SAFE, das "Military Mobility"-Programm sowie die F&E-Initiative des Europäischen Verteidigungsfonds. Ergänzend nutzt das Land Mittel aus dem EU‑Partnerschaftsprogramm 2021 bis 2027 für die Verteidigungsindustrie, bevor ab Ende 2026 voraussichtlich Restmittel aus dem EU‑Aufbaufonds hinzukommen. Eine zusätzliche Rolle übernimmt die Europäische Investitionsbank, die Projekte in der Sicherheitsbranche ermöglicht.

Europäische und nationale Finanzierungsinstrumente
ProgrammträgerBeschreibung
Europäischer Verteidigungsfonds (EDF)Für Forschung und Entwicklung in der Verteidigungsbranche stehen im Zeitraum 2021-2027 rund 7,3 Milliarden Euro aus dem Europäischen Verteidigungsfonds zur Verfügung. In Griechenland richten Unternehmen ihre Vorschläge an das Griechische Zentrum für Verteidigungsinnovation ELKAK.
EU-Partnerschaftsprogramm / EU-AufbaufondsDas griechische Wirtschafts- und Finanzministerium plant, 2,6 Milliarden Euro aus dem EU-Partnerschaftsprogramm 2023-2027 teilweise auf Verteidigungsprojekte umzuschichten. Dies gilt auch für nicht genutzte Mittel aus dem EU-Aufbaufonds ab Ende 2026. Vorrang haben Dual-Use-Projekte. Darunter sind Infrastrukturvorhaben gemeint, die sowohl für die zivile als auch militärische Nutzung vorgesehen sind.
EU-Programm "Military Mobility"Das Programm zielt in Kooperation mit der NATO auch auf die Dual-Use-Modernisierung griechischer Infrastruktur. Dazu zählen unter anderem Straßen, Brücken und Häfen sowie die Vereinfachung bürokratischer Verfahren an Grenzübergängen. Griechenland will im Jahr 2026 neue Vorschläge einreichen. Bis 2027 stehen weitere rund 800 Millionen Euro aus dem EU-Programm CEF (Connecting Europe Facility for Transport) bereit.
EU-Programm SAFE (Security Action for Europe)Griechenland erhält daraus rund 787 Millionen Euro als Niedrigzinskredite für Projekte, an denen mindestens zwei Mitgliedstaaten in einem Rüstungsprojekt zusammenarbeiten.
Europäische Investitionsbank (EIB)Die Europäische Investitionsbank stellt gemeinsam mit der griechischen Piraeus Bank 100 Millionen Euro für Projekte von KMU aus den Branchen Sicherheit und Verteidigung bereit. Zusätzlich sollen 200 Millionen Euro an privatem Kapital mobilisiert werden.
SonderabschreibungenUm die Verteidigungsindustrie zu unterstützen, stehen gemäß Artikel 13 des Gesetzes 5246/2025 rund 150 Millionen Euro in Form von Sonderabschreibungen zur Verfügung. Die Förderung betrifft Projekte unter anderem zur Herstellung von Waffen, Munition, Kraftfahrzeugen und deren Zubehör, Militärkampffahrzeugen sowie Drohnen. Förderfähig sind Unternehmen mit Sitz oder Niederlassung in Griechenland, unabhängig von ihrer Größe.
Quelle: Recherche Germany Trade and Invest 2026

Griechenland will Mehrwert im Land erwirtschaften

Die griechische Regierung verfolgt das Ziel, dass Anschaffungen in der Rüstungsindustrie einen inländischen Wertschöpfungsanteil von mindestens 25 Prozent aufweisen. Dieser Zielwert kann durch den Einsatz inländischer Technologien, Know-how-Transfer oder den Aufbau neuer Produktionskapazitäten im Inland erreicht werden.

"Dies eröffnet griechischen Unternehmen die Chance sich auf strategische Produkte zu fokussieren, die in Lieferketten internationaler Anbieter integriert werden können“, sagt Dimitris Skalaios, Executive Director – Chief Restructuring Officer bei der Hellenic Aerospace Industry.

Diese Perspektiven werden durch die strukturellen Stärken der griechischen Verteidigungsindustrie untermauert. Anastasios Rozolis, Präsident des Verbands griechischer Hersteller militärischer Ausrüstung (SEKPY), erklärt, die Industrie sei technologisch sehr fortgeschritten und decke viele Bereiche ab – von Kontrollsystemen und elektrooptischen Sensorik bis hin zu Minisatelliten und Drohnenabwehr.

 Darüber hinaus steht in Griechenland ein Pool qualifizierter, zertifizierter Fachkräfte mit militärischem Hintergrund zur Verfügung.

Auf großes Interesse auf internationaler Ebene stoßen griechische Datenanalyse-Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Reduzierung von Kraftstoffverbrauch und CO₂‑Emissionen, betont Christos Giordamlis, geschäftsführender Vorstand bei Prisma Electronics.

Erfolg durch Kooperationen und lokale Präsenz

Die deutschgriechische Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie variiert schon heute von gemeinsamer Forschung und Entwicklung, industrielle Kooperationen, Lieferkettenintegration bis hin zu Instandhaltung, Ausbildung und Digitalisierung. In diesem Kontext hebt Roland Haag, Geschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Sicherheits und Verteidigungsindustrie, hervor: 

"Deutschland und Griechenland verfügen über komplementäre Stärken in der Verteidigungsindustrie: technologische Exzellenz, innovative mittelständische Unternehmen und umfangreiche operative Erfahrung.“ 

Haag erläutert, deutsch‑griechische Partnerschaften könnten dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn beide Seiten ihre Stärken bündelten, gemeinsame Interessen klar definierten und den politischen sowie industriellen Dialog vertieften. Auf dieser Grundlage könnten sich die Kooperationen zu BestPracticeBeispielen in Europa entwickeln.

Christian Hadjiminas, Präsident der EFA Group, unterstreicht zudem, dass deutsche Unternehmen beim Markteintritt auf lokale Partner angewiesen sind. Trotz sprachlicher oder kultureller Unterschiede zeigten seine Erfahrungen, dass deutschgriechische Kooperationen besonders erfolgreich verlaufen können.

Lokale Ansiedlungen und industrielle Kooperationen als Markttreiber

Diese Einschätzung beruht auf eigener praktischer Erfahrung der EFA Group: Das griechische Rüstungsunternehmen Theon der Unternehmensgruppe gründete im Juni 2022 ein Joint Venture mit dem deutschen Rüstungskonzern Hensoldt. Gemeinsam beliefern die Partner die europäische Organisation OCCAR (Organisation Conjointe de Coopération en Matière d'Armement) sowie die Bundeswehr mit Nachtsichtgeräten. "In unserer Zusammenarbeit mit Hensoldt, aber auch mit Rheinmetall, ergänzen sich die Produktportfolios“, so Hadjiminas. Ein internationaler Erfolgsfaktor von Theon sei die konsequente Ausrichtung auf maßgeschneiderte Produkte, die exakt auf die Anforderungen der Kunden abgestimmt sind.

Bei Geschäftsaktivitäten in Griechenland sollten deutsche Unternehmen frühzeitig und proaktiv nach Produktions- und Technologiepartnern vor Ort suchen, betont Paris Kokorotsikos, Präsident und geschäftsführender Vorstand der Beratungsgesellschaft European Innovation Solutions. Zudem gelten lokale Firmengründungen laut Marktexperten als wichtiger Schlüssel für Aufträge und Kooperationen. So gründete der französische Schiffbaukonzern Naval Group, eine Tochtergesellschaft vor Ort und schloss mit dem griechischen Unternehmen Akmon einen Vertrag über die Produktion elektronischer Komponenten für Fregatten.

Wichtige deutsch-griechische Kooperationen

  • Theon International kooperiert mit Rheinmetall Electronics und Hensoldt und hat mehrere deutsche Unternehmen übernommen, darunter Kappa Optronics, 60 Prozent der Harder Digital Group sowie eine 10-prozentige Minderheitsbeteiligung an Andres Industries.
  • KNDS Hellas, die griechische Tochter des deutsch-französischen Unternehmens KNDS, produziert unter anderem Klimaanlagen und gepanzerte Schränke für Militärfahrzeuge in Griechenland. Etwa 90 Prozent der Produktion gehen nach Deutschland.
  • METLEN Energy and Metals kooperiert mit KNDS Deutschland unter anderem bei der Lieferung von Komponenten für Kampfpanzer.

Forschung & Entwicklung bieten Potenzial für bilaterale Zusammenarbeit

Petros Alexiadis, Brigadegeneral a. D. und Geschäftsführer von Innoflow, spricht sich für eine deutsch-griechische Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung im Rahmen des EDF aus. Zwar engagieren sich beide Länder intensiv im EDF, doch die bilaterale Kooperation könne deutlich vertieft werden.

Eine weitere Option sieht Kokorotsikos darin, die bestehende gemeinsame Zusammenarbeit bei Forschungsprojekten – etwa zwischen der Fraunhofer-Gesellschaft und dem griechischen Centre for Research and Technology Hellas – gezielt auf die Bereiche Verteidigung und Sicherheit auszuweiten.

Globale Vernetzung auf der DEFEA in Athen

Alle zwei Jahre finden sich Vertreter der Verteidigungsindustrie und verwandter Branchen in Athen zusammen. Die Defence Exhibition Athens (DEFEA) bietet mit über 430 Ausstellern und mehr als 30.000 Besucher aus 92 Ländern eine Möglichkeit sich mit Stakeholdern zu vernetzen. Der nächste Termin findet vom 18. bis 20. Mai 2027 statt.

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