Branche kompakt | Indonesien | Medizintechnik

Modernisierung des Gesundheitswesens eröffnet Chancen

Der Bedarf steigt in einem noch unterversorgten Markt. Der Staat beschafft Ausrüstung und auch die privaten Investitionen legen zu.  

Oliver Döhne

Von Oliver Döhne | Jakarta

Ausblick der Medizintechnik in Indonesien

Bewertung:

 

  • Viel Marktpotenzial mit großer Bevölkerung, steigenden Einkommen, zunehmenden Krankheiten und umfassender staatlicher Gesundheitsversicherung.
  • Regierung führt landesweites Upgrade der Krankenhausausstattung durch, auch Privatkliniken expandieren.
  • Öffentliche Beschaffung zentral und digital, aber weiter Pflichtanteil lokaler Wertschöpfung.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Juli 2026

  • Volksgesundheit ist eine Priorität der indonesischen Regierung. Krankenhäuser werden aufgerüstet und Präventionsmaßnahmen erhöht.  

    Indonesien ist für die Medizintechnik ein aufstrebender Absatzmarkt, nicht zuletzt wegen seiner großen und wachsenden Bevölkerung einerseits und der noch unzureichenden Ausstattung der Gesundheitsinstitutionen andererseits. Ernährungsgewohnheiten, Umweltbelastungen und der starke Einsatz von  chemischen Geschmacksverstärkern tragen zur Zunahme von Zivilisationskrankheiten bei

    Die umfassende Motorisierung des Alltags hat zudem körperliche Aktivitäten minimiert und gleichzeitig die Luft der Städte kontaminiert. Sport treibt nur eine Minderheit. Rauchen ist zumindest bei Männern weit verbreitet. Krankheiten wie Krebs, Tuberkulose, Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Probleme haben starke Zuwachsraten. Rund 650.000 Personen sterben pro Jahr an kardiovaskulären Krankheiten. 

    Private Anbieter wollen sich die zahlungskräftige obere Mittel- und Oberschicht als Kundschaft erschließen, die sich momentan noch im Ausland versorgen lässt. Finanzanalyst Ismael Fakhri Suweleh vom Finanzinvestor BRI Danareksa Sekuritas sagt dazu:

    "Die Profitabilität der Krankenhäuser nimmt zu, in einem Markt, der weiterhin unterversorgt ist."

    Nachholbedarf bei Diagnosegeräten 

    Das Beratungsunternehmen BMI/Fitch erwartet für die Medizintechnik in Indonesien bis 2030 ein jährliches Umsatzwachstum von 5,7 Prozent. Das Marktvolumen liegt bei schätzungsweise rund 1,7 Milliarden US-Dollar (US$), wenn man zugrunde legt, dass laut Gesundheitsministerium 62.097 der derzeit zugelassenen Produkte aus dem Ausland und nur 19.622 aus Indonesien kommen. Das ergibt einen Auslandsanteil von 76 Prozent. Der wertmäßige Import lag 2025 bei 1,3 Milliarden US$. 

    Der umfangreichste Bedarf besteht bei Bilddiagnosegeräten, deren Absatz BMI mit rund 320 Millionen US$ beziffert und ein jährliches Wachstum von 4,6 Prozent bis 2030 prognostiziert. Driver ist der Plan der Regierung, neue moderne Geräte über das Land zu verteilen. Besonders gefragt sind Röntgen-, Ultraschall und MRI-Geräte sowie CT-Scanner. 40 Prozent des Imports kommen aus China, ein Drittel aus der EU. Hier laufen Initiativen der Regierung zur Lokalisierung der Produktion, oft als Partnerschaften zwischen ausländischen und lokalen Firmen. 

    Es folgen Einwegprodukte (Consumables) mit einem Umsatz von 248 Millionen US$ und einem künftigen Durchschnittswachstum von 5,4 Prozent, besonders Spritzen, Nadeln und Katheter, aber auch Verbandszeug und medizinisches Nähmaterial. Bei Verbandsmaterial ist Deutschland zweitgrößter Lieferant hinter China. Bei Einwegprodukten sind auch viele lokale Produzenten aktiv. 

    Bei Orthopädie, Prothesen und Zahnmedizin besteht zwar wachsender Bedarf, allerdings noch eher auf niedrigem Niveau. Hier wird sich das ganze Marktpotenzial angesichts der jungen Bevölkerung erst mittelfristig eröffnen. 

    76 %

    ist der (geschätzte) Anteil der Importe am Branchenumsatz.

    Anreize für lokale Produktion

    Fortgeschrittene Produkte kommen meist aus dem Ausland. Die lokale Herstellung beschränkt sich in der Regel auf einfachere Produkte und Komponenten. Dies ändert sich schrittweise, gefördert durch die staatlichen Auflagen an einen Mindestanteil lokaler Wertschöpfung (TKDN), der nötig ist, um an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen und von Anreizen zu profitieren, zum Beispiel in Sonderwirtschaftszonen. 

    Öffentliche und private Investitionen modernisieren Technik

    Eines der Hauptanliegen von Präsident Prabowo für seine Amtszeit bis 2029 ist die Verbesserung der Volksgesundheit. Er strebt an, den allgemeinen, landesweiten Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Behandlung und Medizintechnik zu verbessern. In Krankenhäusern und Kliniken soll ein möglichst einheitlicher Qualitätsstandard bei Behandlung und Ausrüstung gewährleistet sein. Gleichzeitig investieren private Anbieter, um Patienten eine schnellere und komfortablere Versorgung zu bieten. 

    Regierung will Upgrade der Ausrüstung 

    Wichtiger Markttreiber sind die zunehmenden staatlichen Leistungen im Rahmen der allgemeinen Krankenversicherung (JKN), über die das breite indonesische Volk Zugang zu medizinischen Behandlungen gegen sehr geringe monatliche Beiträge hat. In der Praxis sind die Standards je nach Landesteil noch sehr unterschiedlich. Ein weiterer Schwerpunkt der Gesundheitspolitik ist Prävention. Jede indonesische Person hat künftig Anrecht auf regelmäßige kostenlose Gesundheitschecks in einem kommunalen Gesundheitszentrum.

    Die kommunalen Gesundheitszentren (Puskesmas), die in den meisten Fällen erste Anlaufstation für erkrankte Personen sind, verfügen bislang über wenig technisches Equipment. Abseits der Großstädte der Insel Java sind auch die Krankenhäuser oft veraltet. Nach Überweisung an Spezialisten kann es zu langen Wartezeiten kommen, oder erkrankte Personen müssen längere Reisen antreten.

    Private Anbieter setzen auf Premiumsegment

    Nachfrage kommt parallel von privaten Kliniken, die zwar auch für das öffentliche Gesundheitssystem tätig werden, aber freier in ihrer Beschaffung sind und sich einfacher für Importe entscheiden können. Diese zielen zudem verstärkt auf das Premiumsegment außerhalb der öffentlichen Krankenversicherung. Viele Wohlhabende fliegen nach Singapur oder Malaysia, sogar für einfache Check-Ups. Im öffentlichen Bereich will die Regierung dem abhelfen, indem über steuerliche und andere Anreize "Health Tourism-Clusters" in der Form von Sonderwirtschaftszonen in Indonesien entstehen, zum Beispiel im Singapur-nahen Batam oder im balinesischen Sanur (Schwerpunkt Schönheits-OPs). 

    Nachfrage nach deutschen Produkten besteht insbesondere bei Hightech-Ausrüstung, meist in direkter Konkurrenz mit anderen europäischen Herstellern oder Firmen aus den USA, China, Japan oder Korea. Dazu zählen Diagnosegeräte wie Ultraschall, Röntgen, CT, Magnetresonanz, EKG sowie Laborausrüstung. Auch bei Behandlungsausrüstung zur Sterilisation, Operation und Zahnbehandlung besteht laut Marktkennern Bedarf. 

    Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in IndonesienInvestitionssumme in Millionen US-Dollar
    Akteur/ProjektInvestitionssummeProjektstandAnmerkungen
    Upgrade von 66 öffentlichen Krankenhäusern/Quick Win-Programm (Program Hasil Terbaik Cepat, PHTC)

    620 

    22 fertig, 20 weitere im restlichen Jahr 2026, weitere 24 im Jahr 2027Ausstattung mit CT-Scannern, Cath Labs, Mammografie, Intensive Care, OPs, außerhalb von Java, entlegene Regionen
    Erweiterung Hermina Hospital Pekalongan, Zentraljava, und Hermina Nusantara Hospital IKN

    k.A.

    IKN: Ende 2024 eröffnet, Pekalongan: Ende März 2025 eröffnet, Erweiterung geplantZusätzliche Gebäude geplant, IKN hängt von Freigabe neuer Mittel für die neue Hauptstadt ab
    Sonderwirtschaftszone Tourismus und Gesundheit Batam

    k.A.

    Mayapada Apollo Batam International Hospital soll Ende 2027 fertig seinAI-basierte präventive Behandlung, digitales Patientenmanagement, internationale Telemedizin-Kooperationen, Klinische Entscheidungshilfemodelle, fortgeschrittene Diagnose
    Siloam: vier neue Krankenhäuser darunter Srondol/Semarang 

    k.A.

    Bis Ende 2026Fokus Premiumsegment
    Sonderwirtschaftszone Gesundheit Sanur (Bali)

    k.A.

    In Bau und Planung, teilweise operativSchwerpunkt Zelltherapie und Schönheitsoperationen, Deutsche Alster Lake Clinik und mehrere deutsche Ärzte bereits aktiv
    Quelle: Presse, Unternehmensmeldungen 2026

    Oliver Döhne

    Von Oliver Döhne | Jakarta

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  • Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist ein wichtiges Anliegen der Regierung, auch private Institutionen engagieren sich. Die Vereinheitlichung der Datenbasis kommt voran. 

    Laut Regierung ist Digital Health ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsplanung, auch wenn sie dafür kein genau beziffertes Budget bekannt gibt. Im Gesundheitsministerium ist eine Task Force (Health Technology Transformation and Digitalization Team) dabei, den Gesundheitssektor anhand folgender Achsen zu modernisieren: 

    • Aufbau eines einheitlichen und standardisierten Ökosystems für Gesundheitsdaten, um Kliniken, Krankenhäuser und Labore im Land zu integrieren
    • Schaffung regulatorischer Sandboxes, um Innovationen prioritärer Felder zu testen
    • Einführung von Genomdatenplattformen zur Entwicklung von Präzisionsmedizin
    • Geografische Inklusion abgelegener Landesteile mithilfe von Digital Health-Anwendungen 

    Weiterentwicklung bei elektronischen Gesundheitsakten und zentraler Datenplattform

    Fortschritte sind bei der Einführung der elektronischen Patientenakte EMR (Electronic Medical Record) zu verzeichnen. Mit einiger Verzögerung sind mittlerweile die meisten Krankenhäuser im Stande, ihre EMR in die einheitliche Plattform Satusehat ("eine Gesundheit") zu integrieren. Anfang 2026 waren schätzungsweise 95 Prozent der Gesundheitsinstitutionen an Satusehat angeschlossen, auch wenn bei der Datenmigration und Interoperabilität offenbar noch immer Herausforderungen bestehen und die technische Infrastruktur oft noch ein Flaschenhals ist. Die Integration der EMR ist nur ein Teil des weiterreichenden Projekts einer einheitlichen Gesundheitsplattform. Viele Puskesmas führen zurzeit digitale Managementsysteme ein (ePuskemsas). 

    Durch den starken Ausbau von Datenzentren steigt die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems, besonders Huawei ist hier aktiv. KI-Anwendungen befinden sich in der Regulierungsphase, dazu trat Indonesien auch dem Global Regulation Network von HealthAI bei. Laut BMI/Fitch besteht beim KI-Einsatz in der indonesischen Gesundheitswirtschaft ein Risiko der Fragmentierung und sie könnte beim Einsatz vorerst beschränkt auf private Anbieter bleiben. Philips arbeitet mit der Siloam-Krankenhauskette am Einsatz von KI in Radiologie, Pathologie, Kardiologie und klinischen Operationen. 

    Private Plattform-Projekte in Expansion

    Telemedizin und Fernbehandlung zeichnen sich in Indonesien perspektivisch als interessante Betätigungsfelder ab. Bis 2026 hat die Regierung telemedizinische Dienstleistungen auf über 20 Millionen Personen in ländlichen Regionen und entfernteren Inseln ausgeweitet. Eine Internetdurchdringungsrate von mittlerweile etwa 81 Prozent ermöglicht es Dienstleistern, Telemedizin-Plattform-Services anzubieten, überfüllte Krankenhäuser zu entlasten und auch Patienten in abgelegeneren Landesteilen zu behandeln. Diese Entwicklung hat zu einer ansteigenden Nachfrage nach telemedizin-kompatiblen Geräten geführt, wie zum Beispiel tragbaren Diagnose-Tools und Fernüberwachungssystemen.

    Über Apps haben Menschen in Indonesien mittlerweile einen stark vereinfachten Zugang zu staatlichen und privaten Versorgungsstellen. Für das öffentliche System ist die App Satusehat Mobile das Hauptportal. Erfolgreiche private Digital Health-Plattform-Anbieter sind Halodoc, Alo Dokter und Good Doktor, die Patienten und Ärzte unter anderem für Termine und Telekonsultationen verbinden. Klinik Pintar ("Schlaue Klinik") hilft Kliniken bei der Digitalisierung. Lifepack ist ein digitales Apothekenökosystem, das in Zusammenarbeit mit Gesundheitsdienstleistern einen verbesserten Zugang zu Medikamenten und Gesundheitsdienstleistungen verspricht. Zi.Care bietet eine Software-as-a-Service-basierte Plattform für elektronische Gesundheitsakten, die in Zusammenarbeit mit Gesundheitseinrichtungen die administrativen Abläufe und klinischen Prozesse effizienter gestaltet und die Qualität erhöht. Weiter aufstrebende Digital Health-Firmen sind Prixa (Corporate Health), Sirka (Ernährung) und Rey (Versicherung). 

    Multinationale Konzerne unterstützen Krankenhäuser bei Digital Health 

    Besonders die privaten Krankenhäuser zeigen Interesse an technischer Unterstützung beim digitalen Übergang. So kooperiert Siemens Healthineers unter anderem mit den Krankenhausketten Siloam (Onkologie) und Hermina Hospital Group (Managed Equipment Service) und anderen beim Thema Smart Hospital Infrastructure. 

    GE kooperiert, neben privaten Partnerschaften für mehr e-Health, im Projekt National Imaging Data Respository (NIDR) auch mit der Regierung zusammen, um über ein cloudbasiertes Datawarehouse Patienten in abgelegeneren Landesteilen betreuen zu können. Philips unterhält Partnerschaften mit zahlreichen Krankenhäusern, um Telehealth-Lösungen und Fernüberwachungssysteme zu implementieren, unter anderem mit der Siloam Hospitals Group. Diese Kooperation zielt auf KI-gesteuerte Anwendungen ab.

    Chancen für neue Anbieter bestehen unter anderem in der Krankenhaus-IT, Cybersecurity, Interoperabilität, Cloud Infrastruktur und Medical Imaging Software. 

    Marktzugang für Ausländer einfacher

    Digital-Health-Lösungen müssen in Indonesien mit den umfangreichen örtlichen Regularien abgestimmt sein und sind an entsprechende Genehmigungen durch das Gesundheitsministerium und andere einschlägige Behörden gebunden. Das gilt sowohl für die eingesetzten medizintechnischen Geräte als auch für die verwendete Software. Indonesien besitzt außerdem recht strenge Regularien bezüglich Datenschutz und -sicherheit. Ausländische Firmen sollten besonders darauf achten, dass ihre Digital-Health-Lösungen den Regeln entsprechen, besonders was die Behandlungen und Speicherung von Patientendaten betrifft. Dazu kommt die übliche Bevorzugung lokaler Geräte, beziehungsweise Auflagen an einen lokalen Mindestanteil. Bestimmte Digital-Health-Lösungen erfordern womöglich eine Spezialgenehmigung. Das voraussichtlich im 1. Quartal 2027 in Kraft tretende Freihandelsabkommen sieht unter anderem Vereinfachungen im grenzüberschreitenden Datenfluss vor. 

    Oliver Döhne

    Von Oliver Döhne | Jakarta

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  • Der Staat ist ein wichtiger Abnehmer, aber auch private Anbieter expandieren. Ausländische Technik dominiert. Kooperationen lokaler und ausländischer Firmen nehmen zu. 

    Wichtige finale Abnehmer sind öffentliche und private Krankenhäuser sowie Spezialkliniken, Labore, Praxen, Gesundheitszentren und andere Erstanlaufstellen, Homecare-Dienstleister und auch die Haushalte selbst, zum Beispiel bei präventiver Medizintechnik. Zwischengeschaltet sind breit aufgestellt Distributoren, Einzelhandel und Beschaffungsstellen. 

    Größter Markt sind die Ballungsräume Jakarta, Surabaya und Bandung auf Java, der Insel, auf der rund 56 Prozent der Bevölkerung leben. Aber auch in abgelegeneren Regionen gibt es viel Bedarf, dort eher im öffentlichen Sektor. 

    Öffentliche Krankenversicherung bietet breites Angebot

    Über die staatliche Gesundheitsversicherung JKN haben alle Personen in Indonesien Zugang zu medizinischer Versorgung. In diese zahlt der Arbeitgeber üblicherweise 4 Prozent des Monatslohns ein und der Arbeitnehmer 1 Prozent. Das JKN wird durch die Behörde BPJS Kesehatan verwaltet und deckt schrittweise mehr Untersuchungen, Behandlungen und Therapien ab. Mitte 2026 waren rund 98 Prozent der Bevölkerung, über 270 Millionen Personen, im System angemeldet. Das Gesundheitsbudget stieg 2026 deutlich an. Fraglich ist, ob dies auch in den kommenden Jahren beibehalten werden kann.

    Strukturen und ihre technische Ausstattung

    Erstversorgung, Diagnose und der kürzlich eingeführte kostenlose Gesundheitscheck finden meist in kommunalen Gesundheitszentren (Puskesmas) statt. Mitte 2026 gab es davon landesweit 10.292, bei weitem nicht alle technisch gut ausgestattet. Von 3.066 Krankenhäusern sind 1.191 staatlich. Betreiber sind unterschiedliche föderale Ebenen, Armee, Polizei und Staatsunternehmen. 

    1.875 Krankenhäuser sind Privatbetriebe, zum Teil von Non-Profit-Organisationen, aber auch ansteigend von kommerziellen Anbietern, fast ausschließlich einheimisch, aber mit steigender ausländischer Kapitalbeteiligung. Zu den größeren Ketten gehören Siloam Hospitals (32 Krankenhäuser), Mitra Keluarga (30), Primaya (17), Ciputra (10), EMC (8), Mayapada (7) sowie Pondok Indah, Omni und Eka. Zu den wichtigsten privaten Laboren gehören Prodia, Kimia Farma, Pramita, CITO, BioMedika und Parahita. 

    Das durchschnittliche Alter der Medizintechnik ist in den öffentlichen Krankenhäusern meist höher als in den privaten Krankenhäusern und Laboren, oft mehr als 10 Jahre. Das liegt auch an Auflagen bei der Beschaffung. Private Kliniken sind frei in der Beschaffung und fragen meist Highend-Produkte nach. 

    Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Indonesien 2025

    Indikator

    Wert

    Einwohnerzahl (in Mio.)

    285,7

    Bevölkerungswachstum (% p.a.)

    0,8

    Altersstruktur der Bevölkerung

     

      Anteil der unter 14-Jährigen (in %)

    24,2

      Anteil der über 65-Jährigen (in %)

    7,5

    Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (in Jahren)

    72,7

    Durchschnittseinkommen (in US$)

    5.082

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (2023 in US$)

    137,5

    Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2023 in %)

    2,7

    Ärzte/100.000 Einwohner (2023)

    80

    Zahnärzte/100.000 Einwohner (2023)

    11

    Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2023), davon

    160

      privat

    k.A.

      öffentlich

    k.A.

    Quelle: BPS Statistics & Ministry of Health

    Lokale Produktion (noch) auf einfache Produkte ausgerichtet

    Die Zahl der lokalen Hersteller von Medizintechnik lag Mitte 2026 laut Gesundheitsministerium bei 1.017. Zu den produzierten Gütern zählen Einmal-OP-Handschuhe, Kittel, Masken, orthopädische Hilfsmittel, einfache chirurgische Instrumente, einfache Diagnosegeräte, Krankenbetten, Rollstühle oder Stethoskope, aber auch kleinere elektronische Waren wie Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte. 

    Importe ausgewählter Medizinprodukte nach Indonesien und Anteil aus DeutschlandIn Millionen US-Dollar, Anteil in Prozent
    SITC Import (2025)

    Anteil Import aus Deutschland 2025 (in %)

    774.1Elektrodiagnoseapparate und -geräte

    131,1

    3,5

    774.2Röntgenapparate etc.

    189,1

    12,1

    741.83 Sterilisierapparate

    14,1

    0,7

    872.1Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g.

    13,9

    16,1

    872.21Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc.

    136,8

    3,5

    872.25Ophthalmologische Instrumente

    46,0

    10,7

    872.29Andere Instrumente, Apparate und Geräte

    410,9

    15,5

    872.3Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc.

    132,3

    13,2

    872.4Medizinmöbel etc.

    27,6

    7,5

    899.6Orthopädietechnik, Prothesen etc.

    71,8

    6,0

    Quelle: UN Comtrade

    Erste Projekte für mehr Wertschöpfung im Land

    Innovationen einheimischer Medizintechnikhersteller sind selten. Ein Beispiel ist die Firma Oneject, ein Entwickler von Injektionssicherheitsprodukten und mittlerweile einer der Medizintechnik-Champions des Landes. Einige Unternehmen produzieren im Rahmen von internationalen Joint Ventures ausgewählte höherwertige elektronische Geräte für den Weltmarkt - zum Beispiel Panasonic, das in Bekasi unter anderem Monitore, Inkubatoren und Dentalkameras herstellt und exportiert. 

    Um die Auflagen für lokale Wertschöpfung bei öffentlichen Ausschreibungen zu erfüllen, kooperieren zahlreiche multinationale Unternehmen mit lokalen Herstellern. So produziert GE über die indonesische Firma Kalbe in Bogor Computertomografen. Die italienischen Firmen BMI und Tecnoideal lokalisieren, ebenfalls mit Kalbe, die Produktion mobiler Röntgengeräte und Dialysestationen. Auch Hämodialysegeräte und Endoskope will Kalbe im Auftrag ausländischer Firmen herstellen. Die lokale Graha Tecnomedika produziert für die chinesische Mindray Beatmungs- und Anästhesiegeräte (offenbar inklusive Knowhowtransfer). 

    Wichtige lokale Branchenunternehmen in Indonesien *)Nach Spezialisierung

    Unternehmen

    Produktionsschwerpunkt

    PT Jayamas Medica Industri (OneMed)Spritzen, Mullverband, med. Einmalprodukte
    PT DikamedKrankenhausmöbel, Infusionsstative, Lichtkästen
    PT KalbeMobile Röntgengeräte (in Kooperation mit BMI), Chirurgisches Nahtmaterial, CT-Scanner (mit GE), Dialyseanlagen (mit Tecnoideal), In Vitro-Diagnose-Ausrüstung
    PT Andini SaranaZahnarztstühle, Krankenhausbetten, OP-Tische, Vertrieb von Röntgengeräten u.a.
    PT PHCBlood Glucose Meter, Bio Medical Freezer, Bio Medical Incubator und mediz. Ausrüstung, EMS
    PT OnejectAuto Disable-Spritzen und Safety Boxes für medizinische Abfälle, Blutbeutel, Infusionsprodukte
    PT NiproSpritzen, Katheter, Einmalprodukte
    PT MAK (Mega Andalan Kalasan)OP-Tische, Krankenbetten, Rollstühle
    *) Umsatzzahlen nicht verfügbarQuelle: Unternehmensangaben (2026)

    Einige deutsche Investitionen

    Mehrere der überschaubaren deutschen Investitionen in Indonesien erfolgten im Medizintechniksektor, unter anderem durch B.Braun, Beurer und Dräger. Eine Hemmschwelle bleiben die Auflagen an eine lokale Mindestwertschöpfung, die wohl auch nach Inkrafttreten des Freihandelsabkommens mit der EU weiterbestehen. Verhandlungen für einen weitergehenden Marktzugang sind nach fünf Jahren geplant. 

    Es kann sich anbieten, ein lokales Unternehmen als Auftragsfertiger zu engagieren. Viele der einheimischen Branchenfirmen sind neben der eigenen Produktion auch als Vertriebspartner für ausländische Hersteller aktiv. 

    Lokale Vertriebspartner (Auswahl)
    FirmaBeschreibung
    PT Sekarguna MedikaDistributeur von Krankenhaus- und Home Care-Ausrüstung (u.a. Abbott)
    PT THC TawadaDistributeur, After Sales von Diagnosegeräte, Laborausrüstung
    PT Segen Medical NasionalDistributeur von Radiologie, RIS-PACS, Teleradiologie, DICOM workstation for CR, CT, MRI
    PT Oriontama JayaDistrubuteur von Hämodialysekathetern, Orthopädie u.a.
    PT Medquest JayaDistributeur von Diagnose Imaging, surgical instruments, patient monitoring
    PT Murti Indah SentosaDistributeur von Imaging, Radiotherapie, Kardio
    PT Global Jaya Medica (Bersaudara Group)Distributeur von Krankenhaus- und Laborequipment
    PT Cipta MedikaDistributeur von Krankenhausequipment
    PT Enseval Medika Prima (EMP)Hersteller und Distributeur von Krankenhausausrüstung und Einmalprodukten
    PT MAK (Mega Andalan Kalasan)Hersteller und Distributeur von OP-Tischen, Krankenbetten, Rollstühlen u.a.
    Quelle: GTAI-Recherche

    Oliver Döhne

    Von Oliver Döhne | Jakarta

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  • Unternehmen müssen sich mit den Vorgaben für den Mindestanteil lokaler Wertschöpfung arrangieren. Dabei helfen Partnerschaften mit einheimischen Firmen. 

    Grundsätzlich haben sich die Rahmenbedingungen für ausländische Hersteller und Dienstleister im Gesundheitsbereich schrittweise verbessert. So dürfen Ausländer mittlerweile eine 100-prozentige indonesische Tochtergesellschaft besitzen. Zudem wurden Genehmigungsprozesse vereinfacht und das zulässige Betätigungsfeld für ausländische Ärzte und Krankenhausbesitzer vergrößert. Bestehen bleiben die Local Content-Auflagen als Voraussetzung um an den Staat zu verkaufen. 

    Statt einer eigenen Niederlassung im Land setzen viele ausländische Medizintechnikfirmen, zumindest anfangs, auf lokale Vertriebspartner, auch weil die Einfuhr- und Registrierungsvorschriften kompliziert sind. In diesem Fall beantragen und halten diese lokalen Partner die Produktregistrierung, weshalb für einen späteren möglichen Wechsel des Vertriebspartners diesbezüglich vorab Vereinbarungen getroffen werden sollten. 

    Zulassungen elektronisch

    Voraussetzung für das Inverkehrbringen medizintechnischer Produkte ist für das vertreibende Unternehmen, also beispielsweise den indonesischen Vertriebspartner, die Vertriebserlaubnis für Medizintechnik (IDAK) sowie das Zertifikat über Good Distribution Guidelines (CDAKB), erteilt durch das Gesundheitsministerium. Hierfür sind unter anderem Nachweise über Qualitäts- und Sicherheitsstandards in Vertrieb und Lagerung erforderlich. 

    Die Zulassung (Registrierung und Vertriebserlaubnis) der einzelnen Medizintechnikprodukte (NIE, Nomor Izin Edar) erfolgt über die Onlineplattform Regalkes des Gesundheitsministeriums. Die nötigen Dokumenten variieren je nach ASEAN-Risikoklasse (A,B,C,D) und umfassen unter anderem Unternehmensdokumente wie Zulassung und Good Manufacturing Practice-Zertifikat, detaillierte technische und erklärende Dokumente zum Produkt, Risikoanalysen, Iso-Zertifikate, klinische Daten und Sicherheitsstudien. Nach Prüfung durch das Gesundheitsministerium, die je nach Produktklasse zwischen 45 und 120 Tagen betragen kann, erfolgt die Vertriebserlaubnis. 

    Nach der Registrierung sind Anforderungen für das Inverkehrbringen zu beachten, ebenso wie neuerdings eine Überprüfung der Produktsicherheit, die alle zwei Jahre durchzuführenden ist. Unterstützung bei der Registrierung erhalten Firmen bei Dienstleistern wie Product Registration Indonesia oder auch über die Deutsch-Indonesische Industrie- und Handelskammer. 

    Beschaffung: E-Katalog ist Hauptkanal

    Nach Registrierung/Zulassung können Anbieter Produktangebote in den e-Katalog des nationalen Beschaffungsportals (Inaproc) einstellen, dem Hauptbeschaffungskanal der staatlichen Krankenhäuser und Kliniken mit genehmigten Produkten. In der Regel ist hier ein Mindestanteil lokaler Produktion nachzuweisen (siehe unten). Die Plattform enthält eine öffentlich zugängliche Datenbank und ein Bestellsystem für alle gelisteten Medizinprodukte sowie deren aktuelle Listenpreise. Im e-Katalog können Unternehmen ihre Preise selber bestimmen und müssen sie nicht mehr vorab mit der Regierung verhandeln. Eine Nachverhandlung kann in einem späteren Stadium unter konkurrierenden Anbietern dennoch passieren. 

    Ausschreibungen finden im öffentlichen Bereich mittlerweile nur noch in besonderen Fällen statt, zum Beispiel für schlüsselfertige, integrierte Anlagen und Großbestellungen. Informationsquelle dafür ist die Website des Gesundheitsministeriums

    Mindestanteil lokaler Wertschöpfung bleibt Hindernis

    Um mehr Produktion im Land aufzubauen, gelten in der öffentlichen Beschaffung Mindestanforderungen an die lokale Wertschöpfung (TKDN), üblicherweise mindestens 40 Prozent. Von den insgesamt 78.787 registrierten medizintechnischen Produkten waren Mitte 2026 lediglich 2.718 TKDN-zertifiziert und somit berechtigt, sich im e-Katalog des öffentlichen Beschaffungssystems listen zu lassen. Laut Regulierung 31/2022 des Gesundheitsministeriums werden bezüglich lokaler Wertschöpfung in der Medizintechnik Rohmaterial, Vorprodukte und Verpackungen mit 80 Prozent gewichtet und Entwicklungsaspekte wie Labor- und Fabrikoverheadkosten mit 20 Prozent. Branchenkenner halten diese Auflage angesichts der Knappheit qualitativ hochwertiger lokaler Vorprodukte für kaum erfüllbar. 

    Bislang hatten ausländische Unternehmen die Möglichkeit, mit der Regierung zu verhandeln und eine kleine Zahl von Produkten im Land herzustellen. Im Gegenzug war sie dann auch für importierte Waren pauschal zu öffentlichen Ausschreibungen zugelassen. Mittlerweile gilt die Local-Content-Vorgabe jedoch offenbar für jedes einzelne Produkt, was nicht ausschließt, dass Verhandlungen dennoch weiter Praxis sind. Sobald es geeignete Firmen vor Ort gibt, sollten importierende Unternehmen erwägen, zumindest einen Teil der Produktion über diese zu organisieren. Das bevorstehende Freihandelsabkommen mit der EU verbessert diesbezüglich den Schutz geistigen Eigentums. 

    Der Einfuhrzollsatz auf Medizintechnik lag Mitte 2026 für die meisten Produkte bei 5 oder 10 Prozent, dazu kommt eine 10-prozentige Mehrwertsteuer auf eingeführte Medizintechnik. Mit Inkrafttreten des Freihandelsabkommens mit der EU werden die meisten Zölle für Medizintechnik auf Null sinken. Einige Ausnahmen bestehen: Einwegspritzen bleiben dauerhaft bei 25 Prozent, ein fünfjähriges Phase-Out gilt unter anderem für Katheter, Elektrokardiographen, Ultraschall- und Magnetresonanzgeräten sowie Szintigraphen. 

    Eine Halal-Zertifizierungspflicht gilt für importierte Medizintechnik schrittweise nach Produktklassen jeweils ab dem 17. Oktober: für die Klasse A 2026, für die Klasse B 2029, für die Klasse C 2034 und für die Klasse D 2039. 

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Oliver Döhne

    Von Oliver Döhne | Jakarta

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  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Indonesien („Ekonid“)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Product Registration IndonesiaHilfe bei der Produktzulassung (kommerziell)
    Exportinitiative GesundheitswirtschaftDie Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft

    Ministry of Health

    Gesundheitsministerium

    Persi

    Krankenhausvereinigung

    Gakeslab

    Verband der Medizin- und Labortechnikimporteure

    ASPAKI

    Verband der Hersteller von Medizinprodukten
    ARSSIVerband der privaten Krankenhäuser

    Ikatan Laboratorium Kesehatan Indonesia (ILKI)

    Vereinigung der Gesundheitslabore
    Indo Health Care ExpoJährliche Messe für Medizintechnik und Arzneimittel; jährlich Anfang August im JIEXPO Messezentrum Jakarta
    Indonesia Hospital ExpoJährliche Messen für Krankenhaus- und Laborausrüstungen; nächster Termin: 7.-10.10.2026 in BSD City bei Jakarta