Volksgesundheit ist eine Priorität der indonesischen Regierung. Krankenhäuser werden aufgerüstet und Präventionsmaßnahmen erhöht.
Indonesien ist für die Medizintechnik ein aufstrebender Absatzmarkt, nicht zuletzt wegen seiner großen und wachsenden Bevölkerung einerseits und der noch unzureichenden Ausstattung der Gesundheitsinstitutionen andererseits. Ernährungsgewohnheiten, Umweltbelastungen und der starke Einsatz von chemischen Geschmacksverstärkern tragen zur Zunahme von Zivilisationskrankheiten bei.
Die umfassende Motorisierung des Alltags hat zudem körperliche Aktivitäten minimiert und gleichzeitig die Luft der Städte kontaminiert. Sport treibt nur eine Minderheit. Rauchen ist zumindest bei Männern weit verbreitet. Krankheiten wie Krebs, Tuberkulose, Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Probleme haben starke Zuwachsraten. Rund 650.000 Personen sterben pro Jahr an kardiovaskulären Krankheiten.
Private Anbieter wollen sich die zahlungskräftige obere Mittel- und Oberschicht als Kundschaft erschließen, die sich momentan noch im Ausland versorgen lässt. Finanzanalyst Ismael Fakhri Suweleh vom Finanzinvestor BRI Danareksa Sekuritas sagt dazu:
"Die Profitabilität der Krankenhäuser nimmt zu, in einem Markt, der weiterhin unterversorgt ist."
Nachholbedarf bei Diagnosegeräten
Das Beratungsunternehmen BMI/Fitch erwartet für die Medizintechnik in Indonesien bis 2030 ein jährliches Umsatzwachstum von 5,7 Prozent. Das Marktvolumen liegt bei schätzungsweise rund 1,7 Milliarden US-Dollar (US$), wenn man zugrunde legt, dass laut Gesundheitsministerium 62.097 der derzeit zugelassenen Produkte aus dem Ausland und nur 19.622 aus Indonesien kommen. Das ergibt einen Auslandsanteil von 76 Prozent. Der wertmäßige Import lag 2025 bei 1,3 Milliarden US$.
Der umfangreichste Bedarf besteht bei Bilddiagnosegeräten, deren Absatz BMI mit rund 320 Millionen US$ beziffert und ein jährliches Wachstum von 4,6 Prozent bis 2030 prognostiziert. Driver ist der Plan der Regierung, neue moderne Geräte über das Land zu verteilen. Besonders gefragt sind Röntgen-, Ultraschall und MRI-Geräte sowie CT-Scanner. 40 Prozent des Imports kommen aus China, ein Drittel aus der EU. Hier laufen Initiativen der Regierung zur Lokalisierung der Produktion, oft als Partnerschaften zwischen ausländischen und lokalen Firmen.
Es folgen Einwegprodukte (Consumables) mit einem Umsatz von 248 Millionen US$ und einem künftigen Durchschnittswachstum von 5,4 Prozent, besonders Spritzen, Nadeln und Katheter, aber auch Verbandszeug und medizinisches Nähmaterial. Bei Verbandsmaterial ist Deutschland zweitgrößter Lieferant hinter China. Bei Einwegprodukten sind auch viele lokale Produzenten aktiv.
Bei Orthopädie, Prothesen und Zahnmedizin besteht zwar wachsender Bedarf, allerdings noch eher auf niedrigem Niveau. Hier wird sich das ganze Marktpotenzial angesichts der jungen Bevölkerung erst mittelfristig eröffnen.
76
%
ist der (geschätzte) Anteil der Importe am Branchenumsatz.
Anreize für lokale Produktion
Fortgeschrittene Produkte kommen meist aus dem Ausland. Die lokale Herstellung beschränkt sich in der Regel auf einfachere Produkte und Komponenten. Dies ändert sich schrittweise, gefördert durch die staatlichen Auflagen an einen Mindestanteil lokaler Wertschöpfung (TKDN), der nötig ist, um an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen und von Anreizen zu profitieren, zum Beispiel in Sonderwirtschaftszonen.
Öffentliche und private Investitionen modernisieren Technik
Eines der Hauptanliegen von Präsident Prabowo für seine Amtszeit bis 2029 ist die Verbesserung der Volksgesundheit. Er strebt an, den allgemeinen, landesweiten Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Behandlung und Medizintechnik zu verbessern. In Krankenhäusern und Kliniken soll ein möglichst einheitlicher Qualitätsstandard bei Behandlung und Ausrüstung gewährleistet sein. Gleichzeitig investieren private Anbieter, um Patienten eine schnellere und komfortablere Versorgung zu bieten.
Regierung will Upgrade der Ausrüstung
Wichtiger Markttreiber sind die zunehmenden staatlichen Leistungen im Rahmen der allgemeinen Krankenversicherung (JKN), über die das breite indonesische Volk Zugang zu medizinischen Behandlungen gegen sehr geringe monatliche Beiträge hat. In der Praxis sind die Standards je nach Landesteil noch sehr unterschiedlich. Ein weiterer Schwerpunkt der Gesundheitspolitik ist Prävention. Jede indonesische Person hat künftig Anrecht auf regelmäßige kostenlose Gesundheitschecks in einem kommunalen Gesundheitszentrum.
Die kommunalen Gesundheitszentren (Puskesmas), die in den meisten Fällen erste Anlaufstation für erkrankte Personen sind, verfügen bislang über wenig technisches Equipment. Abseits der Großstädte der Insel Java sind auch die Krankenhäuser oft veraltet. Nach Überweisung an Spezialisten kann es zu langen Wartezeiten kommen, oder erkrankte Personen müssen längere Reisen antreten.
Private Anbieter setzen auf Premiumsegment
Nachfrage kommt parallel von privaten Kliniken, die zwar auch für das öffentliche Gesundheitssystem tätig werden, aber freier in ihrer Beschaffung sind und sich einfacher für Importe entscheiden können. Diese zielen zudem verstärkt auf das Premiumsegment außerhalb der öffentlichen Krankenversicherung. Viele Wohlhabende fliegen nach Singapur oder Malaysia, sogar für einfache Check-Ups. Im öffentlichen Bereich will die Regierung dem abhelfen, indem über steuerliche und andere Anreize "Health Tourism-Clusters" in der Form von Sonderwirtschaftszonen in Indonesien entstehen, zum Beispiel im Singapur-nahen Batam oder im balinesischen Sanur (Schwerpunkt Schönheits-OPs).
Nachfrage nach deutschen Produkten besteht insbesondere bei Hightech-Ausrüstung, meist in direkter Konkurrenz mit anderen europäischen Herstellern oder Firmen aus den USA, China, Japan oder Korea. Dazu zählen Diagnosegeräte wie Ultraschall, Röntgen, CT, Magnetresonanz, EKG sowie Laborausrüstung. Auch bei Behandlungsausrüstung zur Sterilisation, Operation und Zahnbehandlung besteht laut Marktkennern Bedarf.
Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in IndonesienInvestitionssumme in Millionen US-Dollar| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Upgrade von 66 öffentlichen Krankenhäusern/Quick Win-Programm (Program Hasil Terbaik Cepat, PHTC) | 620 | 22 fertig, 20 weitere im restlichen Jahr 2026, weitere 24 im Jahr 2027 | Ausstattung mit CT-Scannern, Cath Labs, Mammografie, Intensive Care, OPs, außerhalb von Java, entlegene Regionen |
| Erweiterung Hermina Hospital Pekalongan, Zentraljava, und Hermina Nusantara Hospital IKN | k.A. | IKN: Ende 2024 eröffnet, Pekalongan: Ende März 2025 eröffnet, Erweiterung geplant | Zusätzliche Gebäude geplant, IKN hängt von Freigabe neuer Mittel für die neue Hauptstadt ab |
| Sonderwirtschaftszone Tourismus und Gesundheit Batam | k.A. | Mayapada Apollo Batam International Hospital soll Ende 2027 fertig sein | AI-basierte präventive Behandlung, digitales Patientenmanagement, internationale Telemedizin-Kooperationen, Klinische Entscheidungshilfemodelle, fortgeschrittene Diagnose |
| Siloam: vier neue Krankenhäuser darunter Srondol/Semarang | k.A. | Bis Ende 2026 | Fokus Premiumsegment |
| Sonderwirtschaftszone Gesundheit Sanur (Bali) | k.A. | In Bau und Planung, teilweise operativ | Schwerpunkt Zelltherapie und Schönheitsoperationen, Deutsche Alster Lake Clinik und mehrere deutsche Ärzte bereits aktiv |
Quelle: Presse, Unternehmensmeldungen 2026
Von
Oliver Döhne
|
Jakarta