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Kanada bleibt ein Wachstumsmarkt für Medizintechnik

Kanada investiert in digitale Versorgung und moderne Gesundheitsinfrastruktur. Importabhängigkeit und das Freihandelsabkommen CETA eröffnen Chancen für deutsche Anbieter.

Heiko Steinacher

Von Heiko Steinacher | Toronto

Ausblick der Medizintechnik in Kanada 

Bewertung:

  • Der kanadische Medizintechnikmarkt bleibt auf Wachstumskurs und soll bis 2028 knapp 13,5 Milliarden US-Dollar (US$) erreichen.
  • Die USA liefern weiterhin knapp 40 Prozent aller Medizintechnikimporte; Kanada bleibt ein importabhängiger Markt.
  • Allein Ontario investiert 1,3 Milliarden US$ in den Ausbau der Primärversorgung. Zahlreiche Klinikprojekte schaffen zusätzlichen Bedarf.
  • Digitalisierung, Interoperabilität und künstliche Intelligenz (KI) erhöhen die Nachfrage nach spezialisierten Lösungen und Systemintegration.

Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: August 2026

  • Kanadas Gesundheitssystem steht unter Reformdruck: Alterung, Fachkräftemangel und lange Wartezeiten treiben Investitionen in neue Versorgungsmodelle und Medizintechnik.

    Wachstumstreiber sind weniger zusätzliche Gesundheitsausgaben als die strukturellen Probleme des Gesundheitssystems. Die Bevölkerung altert, chronische Erkrankungen nehmen zu. Viele Provinzen kämpfen mit Personalmangel, langen Wartezeiten und ungleichem Zugang zu Haus- und Fachärzten. 

    Zugleich bleibt Kanada ein importabhängiger Markt für hochwertige Geräte. Nach Angaben der U.S. International Trade Administration war Kanada 2024 der achtgrößte Medizintechnikmarkt der Welt. Marktforscher erwarten, dass der Markt bis 2028 auf knapp 13,5 Milliarden US-Dollar (US$) wächst. Gute Chancen haben Anbieter, deren Produkte Wartezeiten verkürzen, Personal entlasten oder Versorgung außerhalb von Krankenhäusern ermöglichen.

    Kanadas Ausdehnung prägt die Nachfrage nach Medizintechnik. Außerhalb der Ballungsräume liegen Patienten, Kliniken und Fachärzte oft weit auseinander. In ländlichen Regionen, Nordkanada und indigenen Gemeinden bleibt der Zugang zur Versorgung schwierig. Technik, die Diagnostik, Überwachung oder Nachsorge näher an Patienten bringt, hat deshalb einen höheren Stellenwert als in dicht besiedelten Märkten.

    Gefragt sind integrierte Lösungen

    Chancen entstehen bei tragbaren Messgeräten, Remote Patient Monitoring, Point-of-Care-Diagnostik, mobiler Bildgebung, Sensorik und sicheren Datenflüssen. Für exportorientierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist wichtig: Gefragt sind selten isolierte Geräte, sondern robuste Lösungen, die sich in bestehende Versorgungsabläufe, Datenschutzanforderungen und IT-Systeme der Provinzen einfügen.

    Diesen Trend verstärkt die Gesundheitspolitik. Mit dem Gesetzentwurf Connected Care for Canadians Act will Ottawa digitale Gesundheitssysteme stärker auf gemeinsame Standards ausrichten und Hürden beim Datenaustausch abbauen. Für Medizintechnikhersteller steigen damit die Anforderungen: Geräte müssen nicht nur klinisch überzeugen, sondern Daten sicher, strukturiert und anschlussfähig bereitstellen.

    Versorgung rückt näher an den Patienten

    Die Provinzen suchen zugleich Wege, Versorgung aus überlasteten Krankenhäusern in ambulante, gemeindenahe und häusliche Strukturen zu verlagern. Ontario investiert umgerechnet 1,3 Milliarden US$ in seinen Ontario’s Primary Care Action Plan. Ziel ist es, 2 Millionen zusätzliche Menschen innerhalb von vier Jahren an einen Hausarzt oder ein Primärversorgungsteam anzubinden. Das schafft Nachfrage nach digital unterstützten Primärversorgungsmodellen, mobiler Diagnostik, Rehabilitations- und Home-Care-Lösungen für die häusliche Versorgung sowie Plattformen, die Patienten, Pflegekräfte und Ärzte verbinden.

    Auch Hospital-at-Home- und Virtual-Ward-Modelle, bei denen Krankenhausleistungen teilweise in das häusliche Umfeld verlagert werden, passen in diesen Trend. Benötigt werden dafür Monitoringgeräte, Tablets oder Portale, eine sichere Datenübertragung und klar geregelte Verantwortlichkeiten zwischen Klinik, Pflege und Patienten.

    Aging in Place öffnet neue Nischen

    Eng damit verbunden ist Aging in Place. Ältere Menschen sollen möglichst lange sicher in der eigenen Wohnung oder Gemeinde leben können. In Kanada ist das nicht nur sozialpolitisch gewünscht, sondern auch eine Antwort auf wachsenden Pflegebedarf und begrenzte Kapazitäten in stationären Pflegeeinrichtungen.

    Absatzchancen entstehen bei Sturzerkennung, vernetzter Überwachung, digitalen Notruf- und Assistenzsystemen, intelligenten Pflegebetten, Mobilitätshilfen, Prothesen, Reha-Technik und Software zur Koordination häuslicher Versorgung. Für deutsche Anbieter kann dieses Segment interessant sein, wenn sie Technik mit Service, Schulung und lokalen Partnerstrukturen verbinden.

    Kliniken bleiben Großabnehmer

    Trotz des Trends zur wohnortnahen Versorgung bleiben Krankenhäuser die wichtigsten Kunden für viele Anbieter von Medizintechnik. Viele Provinzen modernisieren Infrastruktur, bauen neue Kliniken oder erweitern bestehende Standorte. In Ontario zählen dazu große Vorhaben wie das neue Peter Gilgan Mississauga Hospital, das South Niagara Hospital, Erweiterungen des Royal Victoria Regional Health Centre in Barrie und ein neues Akutkrankenhaus in Windsor. Solche Projekte erzeugen über Jahre Bedarf an diagnostischer Bildgebung, OP- und Labortechnik, Sterilisation, Krankenhausbetten, Monitoring, Beatmungs- und Anästhesietechnik sowie digitaler Infrastruktur.

    Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in Kanada in Milliarden US-Dollar*)
    Akteur / ProjektInvestitionssummeProjektstandAnmerkungen
    Trillium Health Partners / Peter Gilgan Mississauga Hospital  

    9,9

    Frühe Bau-/Planungsphase / Fertigstellung 2033 geplantBau eines neuen Krankenhauses als Ersatz für bestehende Einrichtungen in Mississauga; geplant sind über 950 Betten, ausschließlich Einzelzimmer, eine erweiterte Notaufnahme sowie neue Kapazitäten für Bildgebung, Pharmazie und Labordiagnostik
    Government of Nova Scotia / QEII Halifax Infirmary

    5,2

    Frühe Bau-/Planungsphase / Fertigstellung 2030 geplantErweiterung der Halifax Infirmary um einen neuen Akutversorgungsflügel mit 216 Betten, 16 Operationssälen, Intensivstation und vergrößerter Notaufnahme
    Niagara Health / South Niagara Hospital

    2,6 

    im Bau / Fertigstellung 2028 geplant Bau eines neuen Krankenhauses mit mehr als 475 Patientenzimmern; das Haus soll die medizinischen Leistungen der Region bündeln und wird unter anderem mit zwei MRT-Geräten und drei CT-Scannern ausgestattet
    Fraser Health Authority / Surrey Hospital and B.C. Cancer Centre

    2,0

    im Bau / Fertigstellung 2029 geplantNeubau eines Krankenhauses und Krebszentrums mit 168 Betten, chirurgischem Zentrum mit fünf Operationssälen sowie Notaufnahme mit 55 Behandlungsplätzen
    The Ottawa Hospital / Ottawa Civic Hospital

    2,0 

    im Bau / Fertigstellung 2028 geplantBau eines neuen Krankenhauses mit 641 Einzelzimmern, modernem Traumazentrum und neurowissenschaftlichen Forschungseinrichtungen
    *) Umrechnung nach durchschnittlichem Wechselkurs von Juli 2026 (1 US$ = 1,411 kan$).Quelle: ReNew Canada 2026

    Onkologie zeigt den Weg zu Partnerschaften

    Besonders greifbar wird der Modernisierungsbedarf in der Onkologie. Ein Beispiel ist die 2025 gestartete, auf acht Jahre angelegte Partnerschaft Albertas mit Siemens Healthineers und der Alberta Cancer Foundation. Die Provinz investiert 560 Millionen US$; Siemens Healthineers will zusätzlich 125 Millionen US$ einbringen. Ziel sind der Ersatz bestehender Onkologie- und Bildgebungstechnik, kürzere Wartezeiten, bessere Früherkennung sowie Zentren für Ausbildung und KI.

    560 Millionen US-Dollar

    investiert Alberta über acht Jahre in die Modernisierung der Krebsversorgung – mit Siemens Healthineers als Partner.

    Solche Projekte zeigen, dass deutsche Anbieter in Kanada nicht nur Geräte verkaufen können. Gefragt sind zunehmend langfristige Modernisierungs- und Innovationspartnerschaften, die Technologie, Service, Datenkompetenz, Ausbildung und klinische Abläufe zusammendenken.

    KI muss Versorgungsengpässe lösen

    KI ist dabei kein Selbstzweck. Interessant wird sie dort, wo sie konkrete Engpässe adressiert: bei der Bildanalyse, der OP-Navigation, der Laborautomatisierung, der medizinischen Dokumentation, der Patientenpriorisierung (Triage) und der klinischen Entscheidungsunterstützung.

    Health Canada veröffentlichte im April 2026 eine Leitlinie zu den Zulassungsanforderungen für Machine-Learning-basierte Medizinprodukte. Für Hersteller gewinnen damit klinische Evidenz, Transparenz, Datenqualität und die Überwachung von KI-Systemen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg weiter an Bedeutung. Gute Chancen haben Anbieter, die regulatorische Anforderungen früh berücksichtigen, einen klaren Nutzen im Versorgungsalltag belegen und mit kanadischen Krankenhäusern, Forschungszentren oder Vertriebspartnern zusammenarbeiten.

    Heiko Steinacher

    Von Heiko Steinacher | Toronto

  • Kanada treibt die Vernetzung seines Gesundheitswesens voran. Gemeinsame Datenstandards, digitale Plattformen und KI sollen Versorgung und Abläufe effizienter machen.

    Kanada zählt zu den Vorreitern bei digitalen Gesundheitslösungen. Gleichzeitig kämpfen viele Einrichtungen noch mit einem grundlegenden Problem: Gesundheitsdaten können häufig nicht reibungslos zwischen Arztpraxen, Krankenhäusern, Laboren und anderen Einrichtungen ausgetauscht werden. Das liegt auch daran, dass die Gesundheitsversorgung weitgehend in der Verantwortung der Provinzen und Territorien liegt und sich über Jahre unterschiedliche IT-Systeme und Datenstandards entwickelt haben.

    Digitale Silos geraten unter Druck

    Die Bundesregierung und die Provinzen wollen diese Fragmentierung schrittweise überwinden. Der im Februar 2026 eingebrachte Gesetzentwurf Connected Care for Canadians Act soll die Interoperabilität digitaler Gesundheitssysteme verbessern und verhindern, dass Gesundheitsdaten in voneinander abgeschotteten IT-Systemen verbleiben. Für Anbieter von Medizintechnik und Gesundheitssoftware gewinnen offene Schnittstellen, standardisierte Datenformate und Cybersicherheit dadurch weiter an Bedeutung.

    Eine Schlüsselrolle spielt dabei Canada Health Infoway. Die öffentlich finanzierte Organisation entwickelt gemeinsam mit Provinzen und Territorien Standards und Konzepte für den sicheren Datenaustausch im Gesundheitswesen. Ziel ist ein stärker vernetztes Gesundheitssystem, in dem Patienten und Leistungserbringer Gesundheitsinformationen einfacher nutzen und austauschen können.

    Kanada arbeitet an gemeinsamen Standards für digitale Gesundheitsdaten. In der Praxis bestimmen jedoch weiterhin Provinzen, Territorien und Aufsichtsbehörden viele zentrale Vorgaben. Für Anbieter digitaler Gesundheitslösungen bedeutet das: Ein erfolgreicher Markteintritt in einer Provinz lässt sich nicht ohne Weiteres auf das gesamte Land übertragen.

    Plattformen statt Einzellösungen

    Mit der fortschreitenden Digitalisierung verschiebt sich die Nachfrage zunehmend von einzelnen Anwendungen hin zu integrierten Plattformen. Unternehmen wie Telus Health oder Well Health Technologies bauen ihre digitalen Gesundheitsökosysteme kontinuierlich aus und verbinden virtuelle Arztkontakte, Terminmanagement, elektronische Rezepte und Patientendaten in gemeinsamen Systemen.

    Für Anbieter entstehen Chancen vor allem bei Lösungen, die Daten aus unterschiedlichen Anwendungen und Medizingeräten zusammenführen. Gefragt sind Lösungen, die den Datenaustausch erleichtern und sich möglichst nahtlos in bestehende IT-Landschaften integrieren lassen.

    Kanada setzt auf KI im Gesundheitswesen

    Auch beim KI-Einsatz gehört Kanada zu den international sichtbaren Standorten. Die KI-Zentren in Toronto, Montréal und Edmonton zählen seit Jahren zu den wichtigsten Forschungsclustern weltweit. Im Gesundheitswesen konzentriert sich die Entwicklung vor allem auf Anwendungen in Diagnostik, Bildanalyse, klinischer Entscheidungsunterstützung und Dokumentation.

    Parallel arbeitet Health Canada an regulatorischen Leitlinien für KI-gestützte Medizinprodukte. Ziel ist es, Innovationen zu ermöglichen und gleichzeitig Anforderungen an Sicherheit, Wirksamkeit und Datenschutz zu gewährleisten. Für Hersteller von Medizintechnik gewinnen regulatorische Fragen damit weiter an Bedeutung.

    Staatliche Förderung unterstützt Innovationen

    Der kanadische Staat unterstützt die Entwicklung digitaler Gesundheitslösungen weiterhin aktiv. Zu den wichtigsten Förderinstrumenten zählt das Netzwerk Inovait, das mit Mitteln des Strategic Innovation Fund Projekte an der Schnittstelle von KI und bildgestützter Medizintechnik fördert. Unterstützt werden unter anderem Anwendungen für diagnostische Bildgebung, bildgeführte Therapien und KI-gestützte Analysesysteme.

    Heiko Steinacher

    Von Heiko Steinacher | Toronto

  • Kanadas Medizintechnikbranche wird von KMU geprägt, ist innovationsstark und in hohem Maße importabhängig. Zentren liegen in Ontario, Québec und British Columbia.

    Mehr als 1.500 Unternehmen sind im kanadischen Medizintechnikmarkt aktiv. Die Branche wird überwiegend von innovationsorientierten KMU geprägt. Viele von ihnen konzentrieren sich auf Forschung und Entwicklung (FuE), Spezialanwendungen oder Nischenmärkte. Daneben sind internationale Hersteller vor allem in technologieintensiven Segmenten wie Bildgebung, Diagnostik und Krankenhausausstattung stark vertreten.

    Branche konzentriert sich auf drei Provinzen

    Das Zentrum der Branche liegt in den drei großen Provinzen Ontario, Québec und British Columbia. Knapp 47 Prozent aller kanadischen Medizintechnikunternehmen haben ihren Sitz in Ontario, weitere 22 Prozent in Québec. Zu den wichtigsten Standorten zählen Toronto, Ottawa, Montréal, Québec City und Vancouver.

    Ontario gilt als Zentrum der Branche. Dort sind neben zahlreichen Start-ups und KMU auch internationale Unternehmen wie GE HealthCare, Philips, Siemens Healthineers oder Canon Medical vertreten. Die Aktivitäten reichen von diagnostischer Bildgebung und Labortechnik bis hin zu digitaler Gesundheit und KI-Anwendungen. Die räumliche Nähe zu Universitäten, Forschungszentren und großen Krankenhäusern erleichtert die Entwicklung und Erprobung neuer Technologien.

    Wichtige Branchenunternehmen in Kanada
    UnternehmenSparte
    Siemens Healthineers CanadaBildgebung, Labordiagnostik, digitale Gesundheitslösungen
    GE HealthCare CanadaBildgebung, Patientenmonitoring, Ultraschall, Anästhesie- und Beatmungstechnik
    Abbott Canada / Abbott Point of CarePoint-of-Care-Diagnostik, Diabetesversorgung, kardiovaskuläre Technologien
    Medtronic CanadaKardiovaskuläre Geräte, chirurgische Technologien, Diabetesversorgung, Neuromodulation
    Philips CanadaBildgebung, Patientenmonitoring, digitale und vernetzte Versorgungslösungen
    BD CanadaMedizinische Verbrauchsmaterialien, Infusionstechnik, Diagnostik
    Bausch + Lomb CanadaProdukte für Augenheilkunde und Augenchirurgie
    Stryker CanadaOrthopädische Implantate, chirurgische Technologien, Krankenhausausstattung
    Synaptive MedicalNeurochirurgische Navigations- und Planungssysteme, robotische Visualisierungslösungen sowie MRT-Technologien
    SouthmedicRespiratorische, chirurgische und Anästhesieprodukte
    Quelle: MedTech Canada, GTAI-Recherchen 2026

    Innovationsnetzwerke treiben die Entwicklung voran

    Kanada misst Forschung, Innovation und Technologietransfer im Gesundheitswesen traditionell große Bedeutung bei. Die Medizintechnikbranche ist eng mit Universitäten, Forschungszentren, Krankenhäusern und staatlichen Einrichtungen vernetzt. Diese Zusammenarbeit erleichtert die Entwicklung, Erprobung und Kommerzialisierung neuer Technologien.

    Eine wichtige Rolle spielt dabei das vom Bund geförderte CAN (Coordinated Accessible National) Health Network. Das Netzwerk bringt Medizintechnikunternehmen mit Krankenhäusern und Gesundheitsdienstleistern zusammen und unterstützt die Erprobung innovativer Lösungen unter realen Einsatzbedingungen. Ziel ist es, die Markteinführung neuer Technologien zu beschleunigen und kanadischen Unternehmen beim Wachstum zu helfen.

    Darüber hinaus unterstützen Einrichtungen wie die Canadian Institutes of Health Research (CIHR), der National Research Council of Canada (NRC) und der Natural Sciences and Engineering Research Council (NSERC) Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Gesundheitsbereich. Über das Industrial Research Assistance Program (IRAP) erhalten technologieorientierte Unternehmen zudem finanzielle und beratende Unterstützung bei der Entwicklung neuer Produkte.

    Die hohe Zahl forschungsorientierter KMU wird zusätzlich durch steuerliche Anreize für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten unterstützt. Dadurch bleibt Kanada ein attraktiver Standort für die Entwicklung neuer Medizintechnologien.

    Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Kanada

    Indikator

    Wert

    Einwohnerzahl (2025 in Mio.)

    40,1

    Bevölkerungswachstum (2025 in % p.a.)

    0,9

    Altersstruktur der Bevölkerung (2025)

     

      Anteil der unter 14-Jährigen (in %)

    15,0

      Anteil der über 65-Jährigen (in %)

    19,5

    Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2024 in Jahren)

    82,2

    Durchschnittseinkommen (2025 in US$ (Kaufkraftparität))

    67.901

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (2023 in US$ (Kaufkraftparität))

    7.505,9

    Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2023 in %)

    11,5

    Ärzte/1.000 Einwohner (2024)

    2,7

    Zahnärzte/1.000 Einwohner (2024)

    0,64

    Krankenhausbetten/1.000 Einwohner (2024), davon

    2,38

      privat

    2,37

      öffentlich

    0,02

    Quelle: Statistics Canada, OECD 2026

    Importe prägen den Wettbewerb

    Trotz seiner Forschungsstärke bleibt Kanada ein deutlich importabhängiger Medizintechnikmarkt. Der überwiegende Teil der in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen eingesetzten Geräte stammt aus dem Ausland. Die USA liefern weiterhin knapp 40 Prozent aller kanadischen Medizintechnikimporte und bleiben damit mit Abstand wichtigster Lieferant.

    Die starke Integration der nordamerikanischen Lieferketten zeigt sich auch darin, dass viele Produkte mehrere grenzüberschreitende Wertschöpfungsstufen durchlaufen. Branchenverbände auf beiden Seiten der Grenze haben deshalb wiederholt gefordert, medizinische Produkte von handelspolitischen Gegenmaßnahmen auszunehmen. Sie verweisen darauf, dass Krankenhäuser und Patienten in Kanada auf stabile Lieferketten angewiesen sind.

    Die Handelskonflikte zwischen Kanada und den USA haben zwar die Diskussion über resilientere und stärker diversifizierte Lieferketten verstärkt, eine grundlegende Verschiebung der Beschaffungsstrukturen ist bislang jedoch nicht erkennbar. Die Vereinigten Staaten bleiben damit sowohl wichtigster Lieferant als auch wichtigster Exportmarkt der kanadischen Medizintechnikbranche.

    Deutsche Anbieter konkurrieren vor allem mit US-Unternehmen

    Für deutsche Medizintechnikunternehmen bedeutet dies, dass sie in Kanada häufig auf etablierte US-Wettbewerber treffen. Gleichzeitig genießt deutsche Medizintechnik in vielen Segmenten einen guten Ruf, etwa bei diagnostischer Bildgebung, Labortechnik, Sterilisation, Automatisierung oder spezialisierten Krankenhauslösungen.

    Marktchancen ergeben sich vor allem in technologisch anspruchsvollen Nischen sowie bei Produkten, die Krankenhäusern helfen, die Effizienz zu steigern oder medizinische Abläufe zu digitalisieren. Aufgrund der hohen Importabhängigkeit des kanadischen Marktes und der engen Vernetzung von Forschungseinrichtungen, Kliniken und Unternehmen bleiben internationale Anbieter ein wichtiger Bestandteil der Branche.

    Für europäische Anbieter verbessert das EU-kanadische Freihandelsabkommen CETA die Rahmenbedingungen im Kanadageschäft. Es erleichtert den Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen und stärkt die Position europäischer Unternehmen bei Kooperationen mit kanadischen Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen und Technologiepartnern.

    Importe ausgewählter Medizinprodukte nach Kanada und Anteil aus Deutschland 2025in Millionen US-Dollar, Anteil in Prozent
    SITC 

    Import

    Anteil Import aus Deutschland

    774.1Elektrodiagnoseapparate und -geräte

    1.134,6

    8,8

    774.2Röntgenapparate etc.

    537,4

    18,8

    741.83Sterilisierapparate

    31,4

    3,5

    872.1Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g.

    348,3

    16,0

    872.21Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc.

    993,7

    1,1

    872.25Ophthalmologische Instrumente

    122,4

    7,7

    872.29Andere Instrumente, Apparate und Geräte

    1.997,4

    5,9

    872.3Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc.

    798,1

    1,5

    872.4Medizinmöbel etc.

    358,1

    4,0

    899.6Orthopädietechnik, Prothesen etc.

    1.938,0

    3,7

    Quelle: UN Comtrade Database 2026

    Heiko Steinacher

    Von Heiko Steinacher | Toronto

  • Kanadas Gesundheitswesen ist stark reguliert. Die Beschaffung erfolgt häufig über Einkaufsverbünde, während Health Canada den Marktzugang für Medizinprodukte kontrolliert.

    Ausrüstungsbedarfe kanadischer Krankenhäuser und anderer Leistungserbringer werden in der Regel ausgeschrieben. Für Medizintechnikunternehmen sind dabei häufig nicht einzelne Krankenhäuser die wichtigsten Ansprechpartner, sondern zentrale Einkaufsorganisationen, die für zahlreiche Einrichtungen gleichzeitig beschaffen.

    Eine wichtige Rolle spielen etwa HealthPRO Canada und die in Ontario ansässige Mohawk Medbuy Corporation (MMC). Solche Organisationen bündeln die Nachfrage vieler Krankenhäuser und verhandeln Rahmenverträge mit Herstellern und Lieferanten. Für kleinere Anbieter kann der Zugang zu diesen Beschaffungsstrukturen eine größere Herausforderung darstellen als die eigentliche Produktzulassung.

    Verbreitet sind zudem langfristige Ausrüstungsmodelle und sogenannte Managed Equipment Services (MES). Dabei beschaffen Krankenhäuser nicht nur einzelne Geräte, sondern schließen langfristige Verträge über komplette Geräteparks ab. Neben der Lieferung von Medizintechnik umfassen diese häufig auch Wartung, Schulungen, technische Unterstützung sowie die regelmäßige Modernisierung der Ausstattung. Für Anbieter gewinnen dadurch Servicequalität, langfristige Betreuung und Integrationsfähigkeit an Bedeutung.

    Öffentliche Ausschreibungen stehen europäischen Anbietern offen

    Im Rahmen von CETA hat sich Kanada verpflichtet, öffentliche Ausschreibungen auf Bundes-, Provinz- und Kommunalebene weitgehend für Unternehmen aus der EU zu öffnen. Dadurch erhalten europäische Anbieter Zugang zu einem Beschaffungsmarkt, der international als vergleichsweise offen gilt.

    Für Bundesbehörden erfolgt die Veröffentlichung öffentlicher Ausschreibungen über die Plattform CanadaBuys. Viele Provinzen und Kommunen nutzen daneben weiterhin eigene Ausschreibungs- und Beschaffungsportale. Für Unternehmen empfiehlt es sich daher, je nach Zielmarkt sowohl CanadaBuys als auch die jeweiligen regionalen Plattformen zu beobachten.

    Für europäische Anbieter verbessert CETA die Rahmenbedingungen im Kanadageschäft über die öffentliche Beschaffung hinaus. Das Abkommen erleichtert die Zusammenarbeit mit kanadischen Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen und Technologiepartnern und unterstützt damit langfristige Markt- und Kooperationsstrategien.

    Health Canada reguliert den Marktzugang

    Für die Einfuhr und den Vertrieb medizinischer Geräte ist eine Zulassung durch Health Canada erforderlich. Rechtsgrundlage bilden der Food and Drugs Act sowie die Medical Devices Regulations. Medizinprodukte werden in vier Risikoklassen (I bis IV) eingeteilt. Mit steigender Risikoklasse nehmen die Anforderungen an Nachweise, Dokumentation und Zulassungsverfahren zu.  

    Für Produkte der Klassen II bis IV ist in der Regel eine Medical Device Licence (MDL) erforderlich. Darüber hinaus müssen Hersteller am Medical Device Single Audit Program (MDSAP) teilnehmen. Das Auditprogramm ermöglicht die Erfüllung regulatorischer Anforderungen in mehreren wichtigen Medizintechnikmärkten und ist für den Vertrieb vieler Medizinprodukte in Kanada Voraussetzung. Technische Normen und Standards, die für eine Genehmigung vorausgesetzt werden, finden sich auf der Internetseite der kanadischen Regierung.

    Transparente Regulierung erleichtert den Markteintritt

    Das kanadische Regulierungssystem gilt im internationalen Vergleich als transparent und orientiert sich in vielen Bereichen an anerkannten internationalen Standards. Für europäische Unternehmen kann dies den Markteintritt erleichtern, insbesondere wenn bereits Erfahrungen in anderen regulierten Medizintechnikmärkten vorliegen. Gleichzeitig sollten Anbieter ausreichend Zeit für Zulassung, Zertifizierung und die Anforderungen der jeweiligen Beschaffungsorganisationen einplanen.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Heiko Steinacher

    Von Heiko Steinacher | Toronto

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Kanada

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative GesundheitswirtschaftDie Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft
    Health CanadaGesundheitsministerium
    Medical Devices Directorate

    Lizenzierungsstelle für medizintechnische Geräte

    Statistics CanadaStatistikbehörde
    Medtech CanadaNationaler Verband für Medizintechnik
    Canadian Institute for Health Information (CIHI)Statistiken zum Gesundheitssektor
    CAN Health NetworkMarktplatz für Medizintechnikunternehmen und Gesundheitseinrichtungen
    eHealth Konferenz und MesseJährliche Konferenz in Kanada 
    MedTech ConferenceJährliche Konferenz in Nordamerika