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Special Island Wege aus der Coronakrise

Konjunktur und wichtigste Branchen

Nach dem pandemiebedingten Einbruch im Jahr 2020 erholt sich die isländische Wirtschaft seit Anfang 2021 zunehmend. (Stand: 23. November 2021) 

Von Martin Schulte | Bonn

Nach Schätzungen des Statistikamtes, Statistics Iceland, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Islands im 2. Quartal 2021 im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um real 7,3 Prozent gestiegen. Grund dafür waren vor allem die Ausgaben der privaten Haushalte sowie der Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen.

Der pandemiebedingte Rückgang des BIP im Jahr 2020 wurde dadurch aber noch nicht wieder ausgeglichen. Im 2. Quartal 2021 lag die Wirtschaftsleistung noch 4 Prozent unter dem Vorkrisenniveau des 2. Quartals 2019. Im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum wuchs die Wirtschaft in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 um schätzungsweise 3,5 Prozent. Für das Gesamtjahr 2021 prognostiziert das Statistikamt ein Wachstum von 2,6 Prozent. Im Jahr 2020 war die Wirtschaftsleistung nach vorläufigen Berechnungen des isländischen Statistikamtes um real 6,5 Prozent gesunken.

Investitionen nehmen wieder zu

Die Bruttoanlageinvestitionen stiegen nach vorläufigen Angaben von Statistics Iceland im 2. Quartal 2021 um real 25,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2021 prognostizieren das Statistikamt und die isländische Zentralbank einen Anstieg um real 5 beziehungsweise 4,5 Prozent.

Weniger günstig sind die Aussichten im Segment der Wohnungsbauinvestitionen. Sie sanken im 1. Halbjahr 2021 um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zentralbank vermutet, dass sich die Unternehmen zurzeit darauf konzentrieren, laufende Projekte fertigzustellen und neue Vorhaben langsamer anzugehen. Für das Gesamtjahr erwartet sie einen Rückgang der Wohnungsbauinvestitionen um 8 Prozent.

Die Ausgaben der privaten Haushalte stiegen im 1. Halbjahr 2021 im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 4,7 Prozent. Im 2. Quartal lag der Anstieg sogar bei 8,5 Prozent. Die Käufe von privaten Fahrzeugen, die im 2. Quartal 2020 noch um 35 Prozent gesunken waren, nahmen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 72 Prozent zu. Nach Prognosen des isländischen Statistikamtes soll der private Konsum im Gesamtjahr 2021 um 2,3 Prozent steigen.

Etwas gebremst werden dürfte der Konsum durch die Zahl der Arbeitslosen. Im 4. Quartal 2020 erreichte die Arbeitslosenquote mit 8,4 Prozent ihren Höhepunkt in der Coronakrise. Seitdem ist sie deutlich gesunken. Im Juli 2021 lag sie jedoch immer noch auf dem für isländische Verhältnisse vergleichsweise hohen Niveau von 5,2 Prozent. Nach einer Umfrage der Gallup Organization im Sommer dieses Jahres unter den 400 größten isländischen Unternehmen, denken 39 Prozent der Firmen inzwischen daran, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu erhöhen. Lediglich 8 Prozent wollen Mitarbeiter entlassen.

Tourismus erholt sich nur langsam

Die Einnahmen aus dem Besuch ausländischer Touristen in Island brachen 2020 um 75 Prozent gegenüber 2019 ein. Im Frühsommer 2021 gingen Branchenfachleute allerdings davon aus, dass sich der für das Land so wichtige Tourismus relativ rasch erholen würde. Der erneute und unerwartete Anstieg der Infektionszahlen im Juli 2021 dämpfte jedoch die Erwartungen.

Im 1. Halbjahr 2021 besuchten rund 52 Prozent weniger ausländische Gäste die Insel als im gleichen Zeitraum 2020. Ein gewisser Aufwärtstrend ist inzwischen erkennbar: Im Juli 2021 stieg die Zahl der Übernachtungen um 26 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat. Sie lagen jedoch noch 30 Prozent unter dem Niveau vom Juli 2019. Eine vollständige Erholung der Branche ist nicht in Sicht.

Jóhannes Þór Skúlason, Geschäftsführer des Verbandes der isländischen Reiseindustrie, bremst die Erwartungen. "Bis zu einer vollständigen Erholung des isländischen Tourismus wird es wahrscheinlich drei oder vier Jahre dauern", erklärte Skúlason. Das Wiederaufleben des Tourismus hänge nicht allein davon ab, wann man wieder reisen dürfe. Vielen Leuten werde wahrscheinlich aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise zunächst auch noch das Geld fehlen, um Urlaubsreisen zu unternehmen.

Einfuhren steigen

Die Importe stiegen im 2. Quartal 2021 um 32,8 Prozent. Die Exporte erhöhten sich um 27,9 Prozent. Im Juli 2021 stiegen die Einfuhren im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres um 15,2  Prozent. Bei Transportausrüstungen betrug der Zuwachs 77,2 Prozent, bei Zulieferungen für die Industrie 18,8 Prozent.

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