Branche kompakt | Israel | Landwirtschaft
Branchenstruktur
Obstbau, Geflügel- und Milchwirtschaft prägen Israels Agrarsektor. Besonders technisierte Sparten sorgen für Nachfrage nach Agrartechnik.
24.08.2026
Die Produktionsstruktur bestimmt sowohl den heutigen Technikbedarf als auch die Modernisierungspotenziale der israelischen Landwirtschaft. Die größten Segmente sind der Obstanbau sowie die Geflügel- und die Milchwirtschaft. Der Staat beeinflusst die Branchenstruktur durch die Zuteilung von Ressourcen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums erzielte die Landwirtschaft 2024 einen Umsatz von umgerechnet 11 Milliarden US-Dollar (US$). Davon entfielen 56 Prozent auf Ackerbau und 44 Prozent auf Tierzucht.
Im Pflanzenbau dominiert der Obstanbau. Ohne Zitrusfrüchte erwirtschaftete er 2024 insgesamt 45 Prozent des Umsatzes im Ackerbau. Einschließlich Zitrusfrüchten waren es 52 Prozent. Auf Gemüse, Kartoffeln und Melonen entfielen weitere 32 Prozent. Der übrige Umsatz verteilte sich auf Feldfrüchte, Gartenbau, Saatgutwirtschaft und Forstwirtschaft.
In der Tierzucht erwirtschaftete die Geflügelwirtschaft 50 Prozent des Umsatzes gefolgt von der Milchwirtschaft mit 28 Prozent. Die Rindfleischerzeugung kam auf 11 Prozent. Der übrige Umsatz verteilte sich auf Kleinviehwirtschaft, Fischerei und andere Sparten.
| Kennziffer | 2024 |
|---|---|
| Einwohner (in Mio., Jahresende) | 10,0 |
| Ackerfläche (in qkm) | 2.640 |
| Anteil der Landwirtschaft an der Entstehung des BIP (in %) | 1,2 |
| Exporte Agrargüter in Mrd. US-Dollar (SITC 0) | 2,4 |
| Exporte Agrargüter in Mrd. US-Dollar (HS I-III) | 1,6 |
Technologieintensive Sparten bieten Lieferchancen
Besonders technisierte Bereiche bieten deutschen Herstellern von Maschinen, Systemen und Komponenten gute Lieferchancen. Gefragt sind vor allem Stalltechnik, Sensorik, Klima- und Bewässerungstechnik. Neben Direktlieferungen kommen auch Kooperationen mit israelischen Herstellern und Integratoren in Frage.
Die Milchwirtschaft zählt zu den am stärksten automatisierten Bereichen der israelischen Landwirtschaft. Kuhställe arbeiten nahezu vollständig automatisiert. Ziel sind höhere Erträge und eine Verringerung des Hitzestresses. Nachgefragt werden unter anderem Melkroboter, Halsbänder mit Aktivitäts- und Wiederkäusensoren sowie sensorgesteuerte Ventilatoren und Sprinkleranlagen.
In der Geflügelwirtschaft kommen vollklimatisierte Ställe, digital gesteuerte Fütterungs- und Entmistungsanlagen sowie optische und akustische Sensoren zur Früherkennung von Krankheiten zum Einsatz. In Legehennenbetrieben gehören Anlagen zum Sammeln, Sortieren, Prüfen und Verpacken von Eiern weitgehend zum Standard.
Sparte | 2024 | Veränderung 2024/2023 | Anteil am Gesamtumsatz |
|---|---|---|---|
| Obsthaine inklusive Zitrusfrüchte | 3,2 | 6,6 | 29 |
| Geflügel | 2,5 | 4,2 | 23 |
| Gemüse, Kartoffeln und Melonen | 2,0 | 25,0 | 18 |
Milchvieh | 1,1 | 10,0 | 10 |
| Fleischvieh | 0,6 | 0,0 | 5 |
| Feldfrüchte | 0,6 | 0,6 | 5 |
| Andere | 1,1 | 20,0 | 10 |
Moderne Agrartechnik konzentriert sich auf einzelne Kulturen
Grundsorten von Gemüse wie Gurken, Tomaten und Paprika werden überwiegend ohne moderne Gewächshaustechnik angebaut. Der Anbau erfolgt vor allem in Plastiktunneln und Netzhäusern ohne moderne Klima- oder Beleuchtungstechnik. Tröpfchenbewässerung und Nährstoffzugabe sind jedoch auch dort Standard und wichtige Bestandteile der Präzisionslandwirtschaft.
Hochwertige Sonderkulturen wie Medizinalcannabis, Beerenfrüchte, spezialisiertes Saatgut und Gemüse für den Export dagegen wachsen häufig in modernen Gewächshäusern aus Glas oder Polycarbonat. Dabei kommen computergestützte Klimasteuerungen, Zusatzbeleuchtung, CO₂-Düngung sowie Ernte- und Sortierroboter zum Einsatz.
Der Anbau von Obst, Zitrusfrüchten, Kartoffeln und Melonen ist bislang nur begrenzt technisiert. Die sensorgestützte Tröpfchenbewässerung gehört zum Standard, andere Elemente der Präzisionslandwirtschaft setzen sich aber nur langsam durch. Dazu zählen die Wachstumsüberwachung per Drohne und die Auswertung von Satellitendaten.
Auch bei der Ernte zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Die Automatisierung der Obsternte scheitert bislang häufig am Entwicklungsstand der Technik und an den Kosten. Die Kartoffelernte ist weitgehend mechanisiert, der Automatisierungsgrad bleibt jedoch gering. Die Technisierung konzentriert sich auf einzelne Sparten und Kulturen, insbesondere die Milch- und Geflügelwirtschaft sowie einzelne Bereiche des Pflanzenbaus.
Die geplante Ausweitung der Agrarproduktion dürfte erhebliche Modernisierungsinvestitionen auslösen. Dazu zählen die Mechanisierung und Automatisierung des vergleichsweise einfachen Gemüseanbaus in Folientunneln und netzüberdachten Anbauflächen. Eine Ausweitung der Produktion über zusätzliche Flächen ist wegen des begrenzten Agrarlands kaum möglich. Das Absatzpotenzial für ausländische Technikanbieter hängt maßgeblich von der künftigen Subventionspolitik ab.
| Unternehmen | Sparte/Produkte | Organisationsform |
|---|---|---|
| Granot | Obst, Feldfrüchte, Fischzuchtprodukte, Futtermittel | Regionale Genossenschaftsholding |
| Miluot | Geflügelprodukte, Milchprodukte, Futtermittel, Feldfrüchte | Regionale Genossenschaftsholding |
| Zemach Shean | Fischzucht, Geflügelwirtschaft, Feldfrüchte | Regionale Genossenschaftsholding |
| Arava Export Growers | Gemüse, Spezialkulturen, Gewächshausprodukte | Regionale Genossenschaftsholding |
| Mehadrin | Management von Hainen | Unternehmen |
| Hasera Seeds | Saatgut | Unternehmen (Umsatz 2025: 232 Mio. US$*) |
Genossenschaftliche Betriebe dominieren die Agrarproduktion
Der größte Teil der landwirtschaftlichen Erzeugung in Israel stammt aus Kollektivsiedlungen (Kibbuzim) und genossenschaftlichen Siedlungen (Moshavim). Landesweit gibt es rund 260 Kibbuzim und etwa 450 Moshavim. Beide Siedlungsformen entstanden vor und nach der Staatsgründung Israels als landwirtschaftliche Gemeinschaften. Heute verfügen sie über eine breitere Wirtschaftsstruktur. Dennoch bleiben sie die wichtigste Basis des Agrarsektors. Zusammen bewirtschaften sie rund 80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche des Landes ohne Weideflächen.
Kibbuzim und Moshavim sind als genossenschaftliche Gesellschaften organisiert. Teilweise schließen sich mehrere Siedlungen zu größeren Einheiten zusammen oder gründen gemeinsame Unternehmen. Dadurch können sie größere Investitionsprojekte leichter umsetzen und Effizienzgewinne erzielen.
Daneben bestehen private Landwirtschaftsbetriebe, insbesondere innerhalb der arabischen Bevölkerung. Diese stellt rund 17 Prozent der israelischen Staatsbürger. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bewirtschaften arabische Landwirte rund 16 Prozent der gesamten Agrarfläche Israels. Besonders stark vertreten sind sie in der Schaf- und Ziegenzucht sowie beim Anbau von Ölbäumen.