Israels Landwirtschaft will ihre Produktion ausweiten. Davon profitieren Anbieter von Agrartechnik und Zulieferkomponenten.
Eine vielfältige heimische Agrarproduktion gilt in Israel als wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit in Krisen- und Kriegszeiten. Gleichzeitig ist das Land auf Importe angewiesen, darunter Nahrungsmittel, Agrarmaschinen und Agrartechnik sowie zahlreiche Komponenten für landwirtschaftliche Anlagen, die in Israel selbst gefertigt werden.
11,0
Milliarden US$
Umsatz der israelischen Landwirtschaft 2024
Agrarproduktion soll bis 2050 deutlich wachsen
Um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, plant Israel einen deutlichen Ausbau der landwirtschaftlichen Produktion. Dafür sind zusätzliche Investitionen in Technik und Bewässerung erforderlich.
Die israelische Landwirtschaft verfügt nicht über ausreichende Ressourcen für eine weitgehende landwirtschaftliche Selbstversorgung. Dennoch soll die inländische Produktion einen möglichst großen Teil des Grundbedarfs decken. Dazu zählt auch der Anbau wasserintensiver Feldfrüchte wie Weizen, Mais und Hirse zur Versorgung der Milchwirtschaft. Zum Teil gilt das auch für den Obstanbau.
Die landwirtschaftliche Wertschöpfung stagnierte über Jahre und war zuletzt leicht rückläufig. Im Jahr 2025 lag sie um 0,7 Prozent unter dem Niveau von 2015. Ihr Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt belief sich 2025 auf 1,2 Prozent. Der nationale Ausbauplan setzt erhebliche Produktivitätssteigerungen und zusätzliche Investitionen voraus.
Das Bevölkerungswachstum von rund 1 Prozent jährlich erhöht den Druck, die landwirtschaftliche Produktion auszubauen. Laut dem nationalen Plan zur Nahrungsmittelsicherheit 2025 soll die Erzeugung von Ackerbauprodukten bis 2050 gegenüber dem Referenzjahr 2022 um 65 Prozent zunehmen. Die Produktion der Milchwirtschaft soll im selben Zeitraum um 52 Prozent und das Gesamtgewicht der einheimischen Nahrungsmittelerzeugung ebenfalls um 65 Prozent wachsen.
Israel bleibt Nettoimporteur von Nahrungsmitteln
Im Jahr 2025 führte Israel lebende Tiere und Waren tierischen Ursprungs sowie Fette und Öle (Waren der HS-Abschnitte I bis III) im Wert von 6,4 Milliarden US-Dollar (US$) ein. Das waren 56 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Die Ausfuhr von Waren dieser Abschnitte betrug 2025 rund 1,7 Milliarden US$. Mit Abstand wichtigste Exportposition ist Obst.
Deutschland ist für Israel kein bedeutender Lieferant von Agrarerzeugnissen. Im Jahr 2025 beliefen sich die einschlägigen Einfuhren aus Deutschland auf 52 Millionen US$. Davon entfielen 93 Prozent auf Waren pflanzlichen Ursprungs. Als Lieferant von Agrartechnik ist Deutschland dagegen deutlich stärker positioniert.
Agrartechnik: Hightech-Komponenten gewinnen an Bedeutung
Israelische Landwirtschaftsbetriebe sind auf Anlagen und Ausrüstungen angewiesen, die an das Klima und die begrenzten Anbauflächen angepasst sind. Die meisten spezialisierten Agrarsysteme werden von inländischen Herstellern entwickelt. Während Entwicklung und Software überwiegend im Inland erfolgen, kommt ein erheblicher Teil der Hardware aus dem Ausland.
Mit zunehmender Automatisierung landwirtschaftlicher Prozesse wächst der Bedarf an intelligenten Erntemaschinen und KI-gestützter Agrarrobotik einschließlich Erntedrohnen. Gefragt sind unter anderem Servoantriebe und Mikroaktuatoren, Robotermotorik sowie industrielle LiDAR- und 3D-Kamerasysteme. Der Markt für diese Technologien steckt bislang noch in den Anfängen, dürfte jedoch deutlich an Bedeutung gewinnen.
Deutschen Lieferanten von Agrartechnik bieten sich vielfältige Geschäftsmöglichkeiten. Im Jahr 2025 investierte die israelische Landwirtschaft umgerechnet 435 Millionen US$ in Maschinen und Ausrüstungen, davon 103 Millionen US$ in importierte Fabrikate. Die Einfuhr von Landmaschinen (SITC 721 und 722) belief sich im selben Jahr auf 175 Millionen US$, davon rund 37 Millionen US$ aus Deutschland. Beide Zahlen sind nur bedingt vergleichbar. Die Importstatistik umfasst auch Maschinen und Ersatzteile für andere Einsatzbereiche, etwa Traktoren oder Geräte für die Pflege von Parks und Sportanlagen. Andererseits beinhaltet die Investitionsstatistik weitere technische Ausrüstungen wie Steuerungs-, Bewässerungs-, Kühl- und Belüftungssysteme. Dennoch verdeutlichen beide Kennzahlen den Importbedarf der israelischen Landwirtschaft.
Der Importbedarf zeigt sich auch bei führenden israelischen Agrartechnikunternehmen. Adama Agricultural Solutions, Teil des chinesischen Sinochem-Konzerns, ist Israels größter Agrartechnikanbieter. Das Unternehmen stellt in Israel Wirkstoffe und Endprodukte her und benötigt Ausrüstungen für Prozess-, Anlagen- und Automatisierungstechnik. Wichtige Hersteller im Land sind außerdem die Bewässerungstechnikanbieter Netafim, Rivulis Irrigation und Amiad Water Systems sowie der Milchtechnikhersteller Afimilk. Sie importieren unter anderem Sensorik, Steuerungen, Ventile und Pumpentechnik.
Deutsche Pflanzenschutzmittel gut im Markt vertreten
Neben Agrartechnik bietet auch die Agrarchemie Absatzchancen. Pflanzenschutzmittel aus Deutschland spielen dabei eine wichtige Rolle: Israel importierte im Jahr 2025 Pflanzenschutzmittel im Wert von 21 Millionen US$ aus Deutschland. Damit erreichten deutsche Lieferanten einen Importmarktanteil von 13,5 Prozent und belegten Rang zwei der Lieferländer. Zu den weiteren wichtigen Anbietern zählen Ungarn, Spanien, Frankreich, China und die USA.
Die starke Marktposition deutscher Hersteller kann für weitere Anbieter den Zugang zu lokalen Vertriebspartnern und Kunden erleichtern. Besonders günstige Absatzperspektiven bietet der israelische Markt für Produkte, die auf die Anforderungen des intensiven Obst-, Gemüse- und Gewächshausanbaus zugeschnitten sind.
Von Wladimir Struminski
|
Jerusalem