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Israel bleibt wichtiger Importmarkt für Agrartechnik

Die israelische Landwirtschaft investiert in Maschinen und Ausrüstungen. Deutsche Anbieter sind bei Landmaschinen und in der Agrarchemie präsent.

Von Wladimir Struminski | Israel

Ausblick der Landwirtschaft in Israel

 

  • Eigenerzeugung wird politisch gefördert.
  • Starke Importabhängigkeit bei Agrarprodukten und Agrartechnik.
  • Unterschiedlicher Technologieeinsatz in den Branchensegmenten.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: August 2026.

  • Israels Landwirtschaft will ihre Produktion ausweiten. Davon profitieren Anbieter von Agrartechnik und Zulieferkomponenten.

    Eine vielfältige heimische Agrarproduktion gilt in Israel als wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit in Krisen- und Kriegszeiten. Gleichzeitig ist das Land auf Importe angewiesen, darunter Nahrungsmittel, Agrarmaschinen und Agrartechnik sowie zahlreiche Komponenten für landwirtschaftliche Anlagen, die in Israel selbst gefertigt werden. 

    11,0 Milliarden US$

    Umsatz der israelischen Landwirtschaft 2024

    Agrarproduktion soll bis 2050 deutlich wachsen

    Um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, plant Israel einen deutlichen Ausbau der landwirtschaftlichen Produktion. Dafür sind zusätzliche Investitionen in Technik und Bewässerung erforderlich.

    Die israelische Landwirtschaft verfügt nicht über ausreichende Ressourcen für eine weitgehende landwirtschaftliche Selbstversorgung. Dennoch soll die inländische Produktion einen möglichst großen Teil des Grundbedarfs decken. Dazu zählt auch der Anbau wasserintensiver Feldfrüchte wie Weizen, Mais und Hirse zur Versorgung der Milchwirtschaft. Zum Teil gilt das auch für den Obstanbau. 

    Die landwirtschaftliche Wertschöpfung stagnierte über Jahre und war zuletzt leicht rückläufig. Im Jahr 2025 lag sie um 0,7 Prozent unter dem Niveau von 2015. Ihr Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt belief sich 2025 auf 1,2 Prozent. Der nationale Ausbauplan setzt erhebliche Produktivitätssteigerungen und zusätzliche Investitionen voraus.

    Das Bevölkerungswachstum von rund 1 Prozent jährlich erhöht den Druck, die landwirtschaftliche Produktion auszubauen. Laut dem nationalen Plan zur Nahrungsmittelsicherheit 2025 soll die Erzeugung von Ackerbauprodukten bis 2050 gegenüber dem Referenzjahr 2022 um 65 Prozent zunehmen. Die Produktion der Milchwirtschaft soll im selben Zeitraum um 52 Prozent und das Gesamtgewicht der einheimischen Nahrungsmittelerzeugung ebenfalls um 65 Prozent wachsen.

    Israel bleibt Nettoimporteur von Nahrungsmitteln

    Im Jahr 2025 führte Israel lebende Tiere und Waren tierischen Ursprungs sowie Fette und Öle (Waren der HS-Abschnitte I bis III) im Wert von 6,4 Milliarden US-Dollar (US$) ein. Das waren 56 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Die Ausfuhr von Waren dieser Abschnitte betrug 2025 rund 1,7 Milliarden US$. Mit Abstand wichtigste Exportposition ist Obst.

    Deutschland ist für Israel kein bedeutender Lieferant von Agrarerzeugnissen. Im Jahr 2025 beliefen sich die einschlägigen Einfuhren aus Deutschland auf 52 Millionen US$. Davon entfielen 93 Prozent auf Waren pflanzlichen Ursprungs. Als Lieferant von Agrartechnik ist Deutschland dagegen deutlich stärker positioniert.

    Agrartechnik: Hightech-Komponenten gewinnen an Bedeutung

    Israelische Landwirtschaftsbetriebe sind auf Anlagen und Ausrüstungen angewiesen, die an das Klima und die begrenzten Anbauflächen angepasst sind. Die meisten spezialisierten Agrarsysteme werden von inländischen Herstellern entwickelt. Während Entwicklung und Software überwiegend im Inland erfolgen, kommt ein erheblicher Teil der Hardware aus dem Ausland.

    Mit zunehmender Automatisierung landwirtschaftlicher Prozesse wächst der Bedarf an intelligenten Erntemaschinen und KI-gestützter Agrarrobotik einschließlich Erntedrohnen. Gefragt sind unter anderem Servoantriebe und Mikroaktuatoren, Robotermotorik sowie industrielle LiDAR- und 3D-Kamerasysteme. Der Markt für diese Technologien steckt bislang noch in den Anfängen, dürfte jedoch deutlich an Bedeutung gewinnen.

    Deutschen Lieferanten von Agrartechnik bieten sich vielfältige Geschäftsmöglichkeiten. Im Jahr 2025 investierte die israelische Landwirtschaft umgerechnet 435 Millionen US$ in Maschinen und Ausrüstungen, davon 103 Millionen US$ in importierte Fabrikate. Die Einfuhr von Landmaschinen (SITC 721 und 722) belief sich im selben Jahr auf 175 Millionen US$, davon rund 37 Millionen US$ aus Deutschland. Beide Zahlen sind nur bedingt vergleichbar. Die Importstatistik umfasst auch Maschinen und Ersatzteile für andere Einsatzbereiche, etwa Traktoren oder Geräte für die Pflege von Parks und Sportanlagen. Andererseits beinhaltet die Investitionsstatistik weitere technische Ausrüstungen wie Steuerungs-, Bewässerungs-, Kühl- und Belüftungssysteme. Dennoch verdeutlichen beide Kennzahlen den Importbedarf der israelischen Landwirtschaft. 

    Der Importbedarf zeigt sich auch bei führenden israelischen Agrartechnikunternehmen. Adama Agricultural Solutions, Teil des chinesischen Sinochem-Konzerns, ist Israels größter Agrartechnikanbieter. Das Unternehmen stellt in Israel Wirkstoffe und Endprodukte her und benötigt Ausrüstungen für Prozess-, Anlagen- und Automatisierungstechnik. Wichtige Hersteller im Land sind außerdem die Bewässerungstechnikanbieter Netafim, Rivulis Irrigation und Amiad Water Systems sowie der Milchtechnikhersteller Afimilk. Sie importieren unter anderem Sensorik, Steuerungen, Ventile und Pumpentechnik.

    Deutsche Pflanzenschutzmittel gut im Markt vertreten

    Neben Agrartechnik bietet auch die Agrarchemie Absatzchancen. Pflanzenschutzmittel aus Deutschland spielen dabei eine wichtige Rolle: Israel importierte im Jahr 2025 Pflanzenschutzmittel im Wert von 21 Millionen US$ aus Deutschland. Damit erreichten deutsche Lieferanten einen Importmarktanteil von 13,5 Prozent und belegten Rang zwei der Lieferländer. Zu den weiteren wichtigen Anbietern zählen Ungarn, Spanien, Frankreich, China und die USA.  

    Die starke Marktposition deutscher Hersteller kann für weitere Anbieter den Zugang zu lokalen Vertriebspartnern und Kunden erleichtern. Besonders günstige Absatzperspektiven bietet der israelische Markt für Produkte, die auf die Anforderungen des intensiven Obst-, Gemüse- und Gewächshausanbaus zugeschnitten sind.

    Von Wladimir Struminski | Jerusalem

  • Obstbau, Geflügel- und Milchwirtschaft prägen Israels Agrarsektor. Besonders technisierte Sparten sorgen für Nachfrage nach Agrartechnik.

    Die Produktionsstruktur bestimmt sowohl den heutigen Technikbedarf als auch die Modernisierungspotenziale der israelischen Landwirtschaft. Die größten Segmente sind der Obstanbau sowie die Geflügel- und die Milchwirtschaft. Der Staat beeinflusst die Branchenstruktur durch die Zuteilung von Ressourcen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums erzielte die Landwirtschaft 2024 einen Umsatz von umgerechnet 11 Milliarden US-Dollar (US$). Davon entfielen 56 Prozent auf Ackerbau und 44 Prozent auf Tierzucht.

    Im Pflanzenbau dominiert der Obstanbau. Ohne Zitrusfrüchte erwirtschaftete er 2024 insgesamt 45 Prozent des Umsatzes im Ackerbau. Einschließlich Zitrusfrüchten waren es 52 Prozent. Auf Gemüse, Kartoffeln und Melonen entfielen weitere 32 Prozent. Der übrige Umsatz verteilte sich auf Feldfrüchte, Gartenbau, Saatgutwirtschaft und Forstwirtschaft.

    In der Tierzucht erwirtschaftete die Geflügelwirtschaft 50 Prozent des Umsatzes gefolgt von der Milchwirtschaft mit 28 Prozent. Die Rindfleischerzeugung kam auf 11 Prozent. Der übrige Umsatz verteilte sich auf Kleinviehwirtschaft, Fischerei und andere Sparten.

    Eckdaten zur Landwirtschaft in Israel
    Kennziffer

    2024

    Einwohner (in Mio., Jahresende)

    10,0

    Ackerfläche (in qkm)

    2.640

    Anteil der Landwirtschaft an der Entstehung des BIP (in %) 

    1,2

    Exporte Agrargüter in Mrd. US-Dollar (SITC 0)

    2,4

    Exporte Agrargüter in Mrd. US-Dollar (HS I-III)

    1,6

    Quelle: Zentralamt für Statistik (Central Bureau of Statistics) 2026

    Technologieintensive Sparten bieten Lieferchancen

    Besonders technisierte Bereiche bieten deutschen Herstellern von Maschinen, Systemen und Komponenten gute Lieferchancen. Gefragt sind vor allem Stalltechnik, Sensorik, Klima- und Bewässerungstechnik. Neben Direktlieferungen kommen auch Kooperationen mit israelischen Herstellern und Integratoren in Frage.

    Die Milchwirtschaft zählt zu den am stärksten automatisierten Bereichen der israelischen Landwirtschaft. Kuhställe arbeiten nahezu vollständig automatisiert. Ziel sind höhere Erträge und eine Verringerung des Hitzestresses. Nachgefragt werden unter anderem Melkroboter, Halsbänder mit Aktivitäts- und Wiederkäusensoren sowie sensorgesteuerte Ventilatoren und Sprinkleranlagen.

    In der Geflügelwirtschaft kommen vollklimatisierte Ställe, digital gesteuerte Fütterungs- und Entmistungsanlagen sowie optische und akustische Sensoren zur Früherkennung von Krankheiten zum Einsatz. In Legehennenbetrieben gehören Anlagen zum Sammeln, Sortieren, Prüfen und Verpacken von Eiern weitgehend zum Standard.

     

    Produktion ausgewählter Agrarerzeugnisse in Israelin Milliarden US$; Veränderung gegenüber dem Vorjahr und Anteil am Gesamtumsatz in Prozent

    Sparte

    2024

    Veränderung 2024/2023

    Anteil am Gesamtumsatz

    Obsthaine inklusive Zitrusfrüchte

    3,2

    6,6

    29

    Geflügel

    2,5

    4,2

    23

    Gemüse, Kartoffeln und Melonen

    2,0

    25,0

    18

    Milchvieh

    1,1

    10,0

    10

    Fleischvieh

    0,6

    0,0

    5

    Feldfrüchte

    0,6

    0,6

    5

    Andere

    1,1

    20,0

    10

    Abweichungen durch Rundung.Quelle: Israelisches Ministerium für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit 2026

    Moderne Agrartechnik konzentriert sich auf einzelne Kulturen

    Grundsorten von Gemüse wie Gurken, Tomaten und Paprika werden überwiegend ohne moderne Gewächshaustechnik angebaut. Der Anbau erfolgt vor allem in Plastiktunneln und Netzhäusern ohne moderne Klima- oder Beleuchtungstechnik. Tröpfchenbewässerung und Nährstoffzugabe sind jedoch auch dort Standard und wichtige Bestandteile der Präzisionslandwirtschaft.

    Hochwertige Sonderkulturen wie Medizinalcannabis, Beerenfrüchte, spezialisiertes Saatgut und Gemüse für den Export dagegen wachsen häufig in modernen Gewächshäusern aus Glas oder Polycarbonat. Dabei kommen computergestützte Klimasteuerungen, Zusatzbeleuchtung, CO₂-Düngung sowie Ernte- und Sortierroboter zum Einsatz. 

    Der Anbau von Obst, Zitrusfrüchten, Kartoffeln und Melonen ist bislang nur begrenzt technisiert. Die sensorgestützte Tröpfchenbewässerung gehört zum Standard, andere Elemente der Präzisionslandwirtschaft setzen sich aber nur langsam durch. Dazu zählen die Wachstumsüberwachung per Drohne und die Auswertung von Satellitendaten.

    Auch bei der Ernte zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Die Automatisierung der Obsternte scheitert bislang häufig am Entwicklungsstand der Technik und an den Kosten. Die Kartoffelernte ist weitgehend mechanisiert, der Automatisierungsgrad bleibt jedoch gering. Die Technisierung konzentriert sich auf einzelne Sparten und Kulturen, insbesondere die Milch- und Geflügelwirtschaft sowie einzelne Bereiche des Pflanzenbaus.

    Die geplante Ausweitung der Agrarproduktion dürfte erhebliche Modernisierungsinvestitionen auslösen. Dazu zählen die Mechanisierung und Automatisierung des vergleichsweise einfachen Gemüseanbaus in Folientunneln und netzüberdachten Anbauflächen. Eine Ausweitung der Produktion über zusätzliche Flächen ist wegen des begrenzten Agrarlands kaum möglich. Das Absatzpotenzial für ausländische Technikanbieter hängt maßgeblich von der künftigen Subventionspolitik ab.

    Zu den wichtigsten Nachfragern von Agrartechnik zählen große genossenschaftliche Holdings und spezialisierte Agrarunternehmen
    UnternehmenSparte/ProdukteOrganisationsform
    GranotObst, Feldfrüchte, Fischzuchtprodukte, FuttermittelRegionale Genossenschaftsholding
    MiluotGeflügelprodukte, Milchprodukte, Futtermittel, FeldfrüchteRegionale Genossenschaftsholding
    Zemach SheanFischzucht, Geflügelwirtschaft, FeldfrüchteRegionale Genossenschaftsholding
    Arava Export GrowersGemüse,  Spezialkulturen, GewächshausprodukteRegionale Genossenschaftsholding
    Mehadrin   Management von HainenUnternehmen
    Hasera SeedsSaatgutUnternehmen (Umsatz 2025: 232 Mio. US$*)
    * Binnenpreise, umgerechnet nach dem jahresdurchschnittlichen Wechselkurs von 3,69 Neue Schekel/US$.Quelle: Dun & Bradstreet Israel 2026, Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Genossenschaftliche Betriebe dominieren die Agrarproduktion

    Der größte Teil der landwirtschaftlichen Erzeugung in Israel stammt aus Kollektivsiedlungen (Kibbuzim) und genossenschaftlichen Siedlungen (Moshavim). Landesweit gibt es rund 260 Kibbuzim und etwa 450 Moshavim. Beide Siedlungsformen entstanden vor und nach der Staatsgründung Israels als landwirtschaftliche Gemeinschaften. Heute verfügen sie über eine breitere Wirtschaftsstruktur. Dennoch bleiben sie die wichtigste Basis des Agrarsektors. Zusammen bewirtschaften sie rund 80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche des Landes ohne Weideflächen. 

    Kibbuzim und Moshavim sind als genossenschaftliche Gesellschaften organisiert. Teilweise schließen sich mehrere Siedlungen zu größeren Einheiten zusammen oder gründen gemeinsame Unternehmen. Dadurch können sie größere Investitionsprojekte leichter umsetzen und Effizienzgewinne erzielen.

    Daneben bestehen private Landwirtschaftsbetriebe, insbesondere innerhalb der arabischen Bevölkerung. Diese stellt rund 17 Prozent der israelischen Staatsbürger. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bewirtschaften arabische Landwirte rund 16 Prozent der gesamten Agrarfläche Israels. Besonders stark vertreten sind sie in der Schaf- und Ziegenzucht sowie beim Anbau von Ölbäumen.

    Von Wladimir Struminski | Israel

  • Zölle, Einfuhrquoten und Genehmigungen prägen den israelischen Agrarmarkt. Zugleich wächst die Bedeutung von Agrartechnologien.

    Die israelische Landwirtschaft ist genossenschaftlich organisiert. Wegen der Ressourcenknappheit wird sie jedoch weitgehend von der Regierung gesteuert, die über die Wasserzuteilung und die Wasserpreise für die Landwirtschaft entscheidet. Zudem bestimmt sie über die Umwidmung von Agrarflächen für andere Zwecke.

    Natürliche Ressourcen begrenzen die Agrarproduktion

    Die klimatischen und geografischen Bedingungen setzen der israelischen Landwirtschaft enge Grenzen. Das schränkt die Produktpalette und die Erzeugungsmengen stark ein.

    Die für die Landwirtschaft verfügbare Fläche ist knapp und wird immer knapper. Im Jahr 2024 umfasste sie mit 2.640 Quadratkilometern rund 12 Prozent des Staatsgebiets. Zehn Jahre zuvor hatte der Anteil noch über 14 Prozent betragen. Die Landwirtschaft konkurriert vor allem mit dem Wohnungsbau um Flächen. Hinzu kommen andere Entwicklungsprojekte wie die Ausweitung von Gewerbezonen und der Bau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen.

    Das aride und semiaride Klima sowie die klimawandelbedingte Erwärmung begrenzen die Möglichkeiten des Freilandanbaus. Kulturpflanzen mit hohem Kältebedarf im Winter lassen sich in den meisten Landesteilen nicht wirtschaftlich anbauen. Zudem verhindert die Sommerhitze den Freilandanbau temperaturempfindlicher Gemüsearten.

    Die natürlichen Bedingungen Israels stellen auch die Rinderzucht und Milchviehhaltung vor große Herausforderungen.

    Landwirtschaft bleibt vor Importkonkurrenz geschützt 

    Steigende Nahrungsmittelimporte bedeuten nicht, dass Israel ein liberales Einfuhrregime verfolgt. Die Landwirtschaft genießt einen hohen Schutz vor Importen, die mit der einheimischen Produktion konkurrieren. Die meisten Sparten werden durch Zölle geschützt. Parallel dazu subventioniert das Landwirtschaftsministerium die Rinderzucht und die Fischwirtschaft direkt. 

    Für einzelne Produkte vergibt das Landwirtschaftsministerium in bestimmten Fällen Einfuhrquoten. Innerhalb dieser sind die Zollsätzen ermäßigt oder eine zollfreie Einfuhr ist möglich. Außerdem werden Sondereinfuhrgenehmigungen erteilt, wenn Ernteausfälle die einheimische Produktion verringern. Vor allem das Finanzministerium sowie Verbraucherschutzorganisationen drängen auf höhere zollfreie oder zollbegünstigte Importquoten. Damit sollen die Lebenshaltungskosten gesenkt werden.

    Bislang deutet nichts auf eine Abkehr von der restriktiven Einfuhrpolitik für konkurrierende Importe hin. Eine große Unbekannte bleibt das Versprechen der israelischen Regierung aus dem Jahr 2025, alle US-amerikanischen Waren von israelischen Zöllen freizustellen. Dies würde auch Agrarimporte einschließen. Zudem dürfte dies Forderungen der EU und anderer Freihandelspartner nach einer Gleichbehandlung mit den USA nach sich ziehen.

    Die Einfuhr von Agrargütern ist genehmigungspflichtig. Genehmigungen für Tierzuchtprodukte und lebende Tiere erteilt der Veterinärdienst (Veterinary Services) des Landwirtschaftsministeriums. Für Pflanzenerzeugnisse ist der Pflanzenschutzdienst (Plant Protection Service) zuständig. Beide Abteilungen überwachen auch die einheimische Erzeugung.

    Fleisch darf nach Israel nur eingeführt werden, wenn es koscher ist. Koscherzertifikate können von zahlreichen religiösen Organisationen in Israel und anderen Ländern ausgestellt werden. Voraussetzung ist die Anerkennung dieser Organisationen als zertifizierende Stellen durch das Oberrabbinat Israels.

    Technologie und Forschung eröffnen Kooperationschancen

    Der Agrarsektor bietet deutschen Unternehmen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zum Technologiezukauf. 

    Nach Angaben der Datenbank der gemeinnützigen israelischen Hightech-Organisation Start-up Nation Central waren im Juni 2026 in Israel rund 100 Hochtechnologieunternehmen in landwirtschaftsrelevanten Bereichen tätig. Dazu zählten unter anderem Klima- und Gewächshaustechnik, Bewässerungs-, Wasser- und Abwassertechnik, biologische Pflanzenschutzlösungen, Präzisionslandwirtschaft, landwirtschaftliche Software- und Managementsysteme, Tierhaltungstechnologien, Agrardrohnen, autonome Agrarsysteme sowie Ernte-, Nachernte- und Agrologistiklösungen.

    Ein weiteres Merkmal des Sektors ist die hoch entwickelte landwirtschaftliche Forschung und Entwicklung (F&E). Die wichtigste F&E-Einrichtung im Agrarbereich ist die staatliche Agricultural Research Organisation (ARO), auch Volcani-Institut genannt. Weitere bedeutende Forschungszentren sind die Agrarwissenschaftliche Fakultät der Hebräischen Universität Jerusalem sowie das Jacob-Blaustein-Institut für Wüstenforschung an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Be'er Sheva. Das Institut spezialisiert sich auf Landwirtschaft und Biotechnologie unter (semi)ariden Bedingungen und Wasseraufbereitung.

    Hochschulen stehen Kooperationen mit ausländischen Unternehmen offen gegenüber. Deutsche Unternehmen können mit akademischen Einrichtungen auch im Rahmen bilateraler staatlicher Programme zusammenarbeiten, wie der deutsch-israelischen Projektkooperation oder der German-Israeli Foundation for Scientific Research and Development.

    Das hohe Forschungsniveau und der ausgeprägte Organisationsgrad der Landwirtschaft machen Israel zu einem geeigneten Testfeld für Technologien mit internationalem Einsatzpotenzial. Daraus ergeben sich Kooperationsmöglichkeiten in der landwirtschaftlichen F&E, insbesondere bei der Entwicklung klimaresilienter Agrarsysteme.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Wladimir Struminski | Jerusalem

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Israel

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministry of Agriculture and Food SecurityLandwirtschaftsministerium
    Israel Agricultural Technology & Innovations HubBranchenplattform für Agrartechnik, Bewässerung, Gewächshaustechnik, Saatgut und Agritech-Unternehmen mit umfangreichem Firmenverzeichnis
    Israel Manufacturers' AssociationDachverband der verarbeitenden Industrie, u.a. mit den Segmenten Food Industries, Environmental Industries sowie Kibbutz Industry
    Israel Export InstitutePlattform, die israelischen Unternehmen internationale Geschäftspartner vermittelt
    ARO - Agricultural Research AssociationForschungsorganisation des Landwirtschaftsministeriums
    Israel Innovation AuthorityInnovationsbehörde, fördert Forschung und Entwicklung auch in der Landwirtschaft
    Israel Farmers Federation (nur hebräisch)Dachverband des Agrarsektors