Niedrige Mechanisierung und Digitalisierung belasten Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Für deutsche Zulieferer bestehen dank der EU-Fördermittel gute Chancen.
Der Konflikt im Nahen Osten sorgt aktuell für Unsicherheit in Griechenlands Agrarsektor. Steigende Strom- und Dieselpreise sowie höhere Kosten für Tierfutter, Pflanzenschutz- und Düngemittel belasten die Betriebe.
Unruhe unter griechischen Landwirten
Zugleich wächst das Risiko instabiler Lieferketten zu. Sorgen bereitet zudem, dass die Fördermittel im Rahmen der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP 2028 bis 2034) geringer ausfallen könnten.
Zusätzlichen Druck erzeugen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Veruntreuung von EU‑Agrarfördermitteln bei der zuständigen Behörde OPEKEPE. Im Fokus stehen systematische Falschangaben zu Weideland und Viehbestand. Zwar trifft dies einzelne Landwirte nicht unmittelbar, doch setzt der Verdacht möglicher Verstrickungen von Abgeordneten und Ministern die Regierung politisch unter Zugzwang.
Strukturelle Schwächen prägen das Geschehen
Der griechische Agrarsektor ist stark kleinteilig. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt zwischen 5 und 6 Hektar, gegenüber etwa 17 Hektar im EU‑Durchschnitt. Rund 75 Prozent der Betriebe bewirtschaften im Jahr 2020 laut Eurostat höchstens 5 Hektar.
Knapp die Hälfte der eingesetzten Traktoren ist älter als 25 Jahre, so der griechische Verband der Maschinenimporteure und -vertreter SEAM. Dies würde grundsätzlich für neue Anschaffungen sprechen. Die geringe Größe der Betriebe steht jedoch Investitionen und Anschaffungen entgegen, da sich Banken bei der Gewährung von Krediten zurückhalten.
Rund ein Drittel der Betriebe wird von Landwirten über 65 Jahren geführt. Sie stützen sich überwiegend auf Erfahrung und stehen technischen Neuerungen häufig skeptisch gegenüber. Offen für digitale Lösungen und Ansätze für Präzisionslandwirtschaft zeigt sich vor allem die jüngere Generation. Allerdings verfügen nur etwa 5 Prozent der Landwirte über eine fachliche Grundausbildung.
EU-Fördermittel und Synergien sollen Modernisierung fördern
Um die Herausforderungen im Agrarsektor zu bewältigen, müssen Synergien zwischen den landwirtschaftlichen Betrieben etwa in Form von Clustern, Produzentengruppen oder Agrargenossenschaften gefördert werden. Der EU-Aufbaufonds und das EU-Partnerschaftsprogramm 2021 bis 2027 stellen dafür Mittel bereit. Diese Kooperationen erleichtern den Zugang zur Finanzierung für Neuanschaffungen und stärken die Verhandlungsposition der Landwirte gegenüber den Einzelhändlern, so die griechische Denkfabrik Dianeosis. Landwirte erhalten nur einen Bruchteil des Einzelhandelspreises. Marktexperten zufolge verdreifachen sich beispielsweise die Preise für Obst und Gemüse auf dem Weg von der Farm in die Regale des Einzelhandels. Rund 520 Millionen Euro aus dem EU-Aufbaufonds sind seit 2021 bereits teilweise in den griechischen Agrar- und Lebensmittelsektor sowie in die ökologische Verarbeitung geflossen.
Bislang ist der Einsatz digitaler Lösungen kaum verbreitet. Gleichwohl besteht ein hoher Bedarf, die erforderlichen Ausgaben effizienter und damit kostengünstiger zu gestalten. Besonders interessant für einen Rückgriff auf digitale Anwendungen sind der Einsatz von Dünger oder Pflanzenschutzmitteln sowie die künstliche Bewässerung. Knapp 85 Prozent des Wasserverbrauchs in Griechenland entfallen auf die Landwirtschaft. Etwa 200 Millionen Euro kommen dem Bau und der Modernisierung von Bewässerungsnetzen, Dämmen und Wassertanks zugute.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis und der Umfang des After-Sales-Services sind für Anschaffungen ausschlaggebend. Deutsche Produkte genießen einen guten Ruf, sind jedoch oft teurer als italienische oder chinesische Technik.
Ausländische Direktinvestitionen in die griechische Landwirtschaft bleiben selten. Perspektiven bieten Modelle der Vertragslandwirtschaft, bei denen Produzenten und Abnehmer Mengen, Qualität, Preise und Liefertermine vertraglich festlegen. Ein erfolgreiches Beispiel ist das in der griechischen Olivenverarbeitung tätige Unternehmen GAEA Products, das mehrheitlich zur Hamburger Zertus GmbH gehört. Mit deutscher Unterstützung ist es für griechische Betriebe einfacher, gezielt in die Modernisierung ihrer Produktion zu investieren.
Neue Anbaumethoden wie Hydro- oder Aeroponik, bei denen Pflanzen statt in Erde in einer nährstoffreichen Wasserlösung kultiviert werden, haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Es bestehen gute Chancen für deutsch-griechische Kooperationen und Know-How-Transfer.
Deutsche Landmaschinenexporte rutschen auf Platz 3 ab
Die deutschen Lieferungen von Landmaschinen gaben im Jahr 2025 um knapp 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nach. Zwischenzeitlich hatten sie um fast 60 Prozent zulegen können, da der Bedarf nach der Coronapandemie und insbesondere nach einer verheerenden Flutkatastrophe 2023 in Zentralgriechenland kurzfristig nach oben geschnellt war.
Deutschland war 2025 drittgrößter Lieferant von Agrartechnik, hinter Italien und China. Bis 2024 hatten deutsche Lieferungen zuvor entweder Platz 1 oder Platz 2 belegt. Chinesische Produkte werden dank der stetigen Verbesserung ihrer Qualität und ihres wettbewerbsfähigen Preisniveaus zunehmend attraktiver. Aus Deutschland importiert Griechenland vorrangig Melk- und Molkereitechnik sowie Ernte- und Dreschmaschinen.
Griechenlands Einfuhren von Landmaschinen im Jahr 2025Importwerte in Millionen Euro; Anteile und Veränderung in Prozent| Wichtige Importländer | Landmaschinen *) | Anteile | Veränderung 2025/2024 |
|---|
| Italien | 49,9 | 26,4 | 1,5 |
| China | 32,2 | 17,0 | 12,6 |
| Deutschland | 28,0 | 14,8 | -39,5 |
| Frankreich | 10,2 | 5,5 | 0,6 |
| Niederlande | 9,3 | 5,2 | -14,1 |
| Importe insgesamt | 188,9 | 100 | -6,2 |
* SITC 721Quelle: Eurostat 2026
Bei Traktoren gingen die Importe aus Deutschland 2025 um 15 Prozent zurück. Die Gesamtimporte verringerten sich sogar um mehr als ein Drittel. Der starke Rückgang hat mit der nachlassenden Wirkung von Unterstützungsmaßnahmen der EU zu tun. Diese hatten den Technikimporten insbesondere zwischen 2020 und 2024 zu einer Sonderkonjunktur verholfen.
Daten des Verbandes SEAM zufolge lagen die Verkaufszahlen für Traktoren 2025 um knapp 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt erwarben griechische Landwirte 2.426 Traktoren.
Griechenlands Einfuhren von Traktoren im Jahr 2025Importwerte in Millionen Euro; Anteile und Veränderung in Prozent| Wichtige Importländer | Traktoren *) | Anteile | Veränderung 2025/2024 |
|---|
| Italien | 31,8 | 38,0 | -50,0 |
| Deutschland | 20,5 | 24,5 | -15,3 |
| Frankreich | 5,9 | 7,5 | -39,6 |
| Belgien | 4,6 | 5,5 | -32,9 |
| Japan | 4,1 | 4,9 | 1,5 |
| Importe insgesamt | 83,7 | 100 | -35,9 |
* SITC 722Quelle: Eurostat 2026
Von Michaela Balis
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Athen