Deutschland zählt zu den wichtigsten Pharmalieferanten Israels. Gleichzeitig bietet die starke Forschungslandschaft vielfältige Ansätze für Kooperationen.
Seit Beginn des Krieges 2023 ist der finanzielle Spielraum für staatliche Gesundheitsausgaben geschrumpft. Das betrifft insbesondere die Budgets zur Aufnahme neuer oder besonders kostenintensiver Therapien. Damit dürfte das Wachstum hochpreisiger Marktsegmente nachlassen. BMI Fitch Solutions zufolge beliefen sich die Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel im Jahr 2025 auf 645 US$. Bis 2035 dürften die gesamten Ausgaben in Israel auf 8,1 Milliarden US$ steigen. Für den Zeitraum 2025 bis 2035 entspricht dies einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 2,8 Prozent. Ein wichtiger Treiber ist die alternde Bevölkerung. Laut amtlicher Prognose dürfte die Anzahl der Menschen über 64 Jahre von 1,3 Millionen im Jahr 2025 bis 2025 auf rund 1,7 Millionen steigen.
6,1
Milliarden US$
Ausgaben für Arzneimittel in 2025 nach BMI Fitch Solutions
Israel deckt den Großteil seines Arzneimittelbedarfs durch Einfuhren. Die Importe von Pharmaprodukten des HS-Kapitels 30 steigen seit Jahren. Die Pharmaimporte lagen 2025 in laufenden US-Dollarpreisen um 45 Prozent über dem Vorpandemieniveau von 2019. Den größten Teil der Einfuhren machen Fertigarzneimittel sowie immunologische und biotechnologisch hergestellte Erzeugnisse aus. Zusammen entfielen 2025 auf die HS-Positionen 3004 und 3002 mehr als 90 Prozent der israelischen Pharmaimporte.
Deutschland ist zweitwichtigstes Lieferland für Pharmaprodukte
Im Jahr 2025 belegte Deutschland mit Lieferungen im Wert von 623 Millionen US$ nach den USA Rang zwei der Lieferantenliste für pharmazeutische Produkte nach Israel.
Den größten Anteil an den deutschen Pharmaexporten nach Israel haben Großunternehmen. Daneben sind kleine und mittelgroße Unternehmen auf dem Markt vertreten. Sie liefern vor allem spezialisierte Produkte für eng abgegrenzte therapeutische Indikationen. Beispiele sind medac, G. Pohl-Boskamp, InfectoPharm Arzneimittel und Consilium und CHEPLAPHARM Arzneimittel.
Importe pharmazeutischer Produkte In Milliarden US-Dollar| | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|
| Gesamtimporte (SITC 54) | 3,7 | 3,7 | 3,6 | 3,7 | 4,1 |
| Davon aus Deutschland (Anteil in Prozent) | 7,6 | 7,7 | 15,1 | 9,1 | 15,1 |
Quelle: UN Comtrade Database
Israel setzt verstärkt auf biotechnologische Arzneimittel
Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel haben auf dem israelischen Markt bereits heute erhebliches Gewicht. Sie kommen vor allem bei hochpreisigen Spezialtherapien zum Einsatz, etwa in der Onkologie und bei Autoimmunerkrankungen. Nach Schätzungen von Reports Insights erreichte der Umsatz mit biotechnologischen Medikamenten im Jahr 2025 rund 1,1 Milliarden US$. Bis zum Jahr 2033 dürfte dieser Wert auf 2,1 Milliarden US$ steigen. Als besonders dynamisch gilt das Segment der Gentherapien.
Patentgeschützte Arzneimittel machten im Jahr 2025, nach Angaben von BMI Fitch Solutions vom September 2026, 55,3 Prozent des gesamten Arzneimittelumsatzes aus. Generika hatten einen Anteil von 28,4 Prozent, rezeptfreie Medikamente (OTC-Produkte) von 16,3 Prozent. Diese Struktur unterstreicht die hohe Relevanz innovativer und spezialisierter Arzneimittel auf dem israelischen Markt.
Forschungsfelder für deutsch-israelische Kooperationen
Israel bleibt ein attraktiver Standort für Unternehmen, die auf forschungsintensive Spezialprodukte und innovative Therapien setzen: Forschung und Technologietransfer werden staatlich gefördert. Die pharmazeutische Forschung im Land ist breit aufgestellt und stützt sich auf Universitäten, Forschungsinstitute, Krankenhäuser und zahlreiche junge Unternehmen.
Ein Schwerpunkt ist die Entwicklung neuer Medikamente. Dazu zählen die Suche nach neuen Wirkstoffen, die präklinische Forschung und frühe klinischen Studien. Viele Unternehmen verkaufen ihre Wirkstoffe anschließend oder vergeben Lizenzen an internationale Pharmakonzerne.
Digitale Verfahren gewinnen in der Arzneimittelentwicklung an Bedeutung. Künstliche Intelligenz wird unter anderem eingesetzt, um geeignete Zielmoleküle zu identifizieren, Wirkstoffe zu entwickeln und deren Wirkung vorherzusagen. Ein Beispiel ist das von AstraZeneca, Merck, Pfizer und Teva unterstützte Innovationslabor AION Labs. Dort entstehen junge Unternehmen, die KI-basierte Verfahren für die Medikamentenentwicklung erarbeiten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bio-Konvergenz. Laut der Innovationsbehörde waren 2025 auf diesem Gebiet 188 Unternehmen tätig, davon 95 in den Bereichen Medizin und Gesundheit. Der Staat fördert den Aufbau gemeinsamer FuE-Infrastrukturen und junge Unternehmen. Im Juli 2026 nahm ein Bio-Konvergenz-Konsortium unter Beteiligung von Teva, Nvidia, des Sheba-Medizinzentrums, Start-ups und Hochschulen seine Arbeit auf. Es soll KI-Modelle auf Basis biologischer Daten entwickeln, unter anderem für die Wirkstoffsuche.
Für deutsche Pharmaunternehmen, darunter auch kleine und mittelständische Betriebe, bietet Israel vor allem Chancen bei Forschungspartnerschaften, Lizenzvereinbarungen und dem Erwerb innovativer Technologien.
Das Unternehmen Secarna Pharmaceuticals aus Martinsried und das israelische Unternehmen Protalix BioTherapeutics vereinbarten im Dezember 2025 die gemeinsame Entwicklung genregulierender Wirkstoffe gegen seltene Nierenerkrankungen. Die Systasy Bioscience aus München und das LMU-Klinikum München arbeiten mit dem israelischen Unternehmen Evogene und dem Weizmann-Institut für Wissenschaften an neuen Therapien gegen entzündliche Erkrankungen.
Das privatwirtschaftliche Forschungsinstitut BioMed X Germany aus Heidelberg stellt gemeinsam mit dem israelischen AION Labs internationale Forschungsteams zusammen. Sie sollen die Gründung neuer Unternehmen für KI-gestützte Medikamentenentwicklung vorantreiben.
Israel ist zudem ein bedeutender Standort für klinische Studien. Ein wichtiger Vorteil ist die nahezu vollständige Digitalisierung der Patientenakten. Hinzu kommt das hohe Niveau der klinischen Forschung an den Krankenhäusern.
Nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums wurden 2025 insgesamt 1.767 Anträge auf kommerzielle Forschungsvereinbarungen mit israelischen medizinischen Einrichtungen gestellt. Laut der Vereinigung ausländischer Pharmaunternehmen Pharma Israel (Association of Research-based Pharmaceutical Companies) wird die Mehrheit der klinischen Studien von ausländischen Unternehmen durchgeführt.
Von Wladimir Struminski
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