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Modernisierungsoffensive für Israels Logistiksektor
In Israel entstehen neue Logistikzentren. Mehrere Großprojekte benötigen modernste Logistiktechnik für Lagerung, Umschlag und Distribution von Waren.
11.09.2026
Israels Logistiksektor investiert verstärkt in die Modernisierung und in den Bau neuer Logistikzentren. Ältere Anlagen werden automatisiert oder aus Rentabilitätsgründen ausgemustert. Einer der Gründe sind die erhöhten Anforderungen durch E-Commerce, die eine schnelle Distribution erfordern. Zudem hat die seit 2023 anhaltende Kriegssituation Unternehmen veranlasst, größere Warenbestände für den Krisenfall zu halten. Damit steigt der Bedarf an moderner Lager-, Förder-, Automatisierungs- und Steuerungstechnik. Für deutsche Unternehmen, einschließlich spezialisierter Mittelständler, ergeben sich daraus zusätzliche Liefer- und Projektchancen.
Deutsche Logistiktechnik ist in Israel gefragt
Besonders gefragt sind automatische Regal- und Hochregalsysteme, Förderbänder und Rollenbahnen, Regalbediengeräte, Krane und Hebezeuge, Gabelstapler sowie fahrerlose Transportsysteme und autonome mobile Roboter.
Darüber hinaus werden Antriebs- und Steuerungstechnik, Sensorik, Identifikations- und Trackingsysteme sowie Software für Lagerverwaltung und Materialflusssteuerung benötigt. Weitere Einsatzfelder sind Kühl- und Klimatechnik, Brandschutz, energieeffiziente Gebäudetechnik sowie Mess- und Prüftechnik für hochautomatisierte Lager.
Deutsche Unternehmen sind bereits mit unterschiedlichen Lösungen auf dem israelischen Markt präsent. So plant und errichtet die Firma BEEWEN GmbH & Co. KG aus Siegen über BEEWEN Ltd. automatische Lagersysteme mit Regalbediengeräten sowie Förder-, Sortier- und Robotertechnik. Zum Angebot gehört auch die zugehörige Lagerverwaltungssoftware.
Die Dressel GmbH aus Unna liefert unter anderem Regalbediengeräte, Paletten- und Behälterfördertechnik, Kommissioniersysteme sowie Steuerungs- und Materialflusssoftware. Das Unternehmen führt Lager- und Transportsysteme in Israel unter seinen internationalen Referenzprojekten. Miebach Consulting GmbH aus Frankfurt am Main ist über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem israelischen Logistikdienstleister Orian Ltd. in Israel vertreten. Der Hersteller automatischer Vertikallagersysteme Hänel GmbH & Co. KG aus Bad Friedrichshall vertreibt seine Produkte in Israel über AVBA Hi Tech Services Ltd.
Logistikzentren investieren in Bahn-Straße-Schnittstellen
Mehrere neue Logistikstandorte sollen direkt an das Schienennetz angeschlossen werden. Dadurch steigt der Bedarf an Technik für den Güterumschlag zwischen Schiene und Straße. Gefragt sind unter anderem Container- und Güterumschlagsanlagen, Krane und weitere Hebetechnik, Lade- und Entladeeinrichtungen sowie Rangier- und Sicherungstechnik. Hinzu kommen Systeme zur Identifikation, Ortung und Steuerung von Gütern und Ladeeinheiten. Daneben gewinnen Software für den Terminalbetrieb, die Verkehrssteuerung sowie die Koordination von Bahn- und Lkw-Verkehren an Bedeutung.
Aber auch bestehende Logistikzentren bieten weiterhin Zulieferchancen. Das hohe Innovationstempo bei Automatisierung und Digitalisierung führt zu einem kontinuierlichen Nachrüstungsbedarf. Investiert wird unter anderem in zusätzliche Roboter und fahrerlose Transportsysteme, neue Sensoren und Kameras sowie leistungsfähigere Steuerungs- und Lagerverwaltungssoftware. Außerdem investieren Betreiber in Lösungen zur Optimierung der Warenströme. Weitere Anschaffungen können in den Bereichen Energieeffizienz, Ladeinfrastruktur, Cybersicherheit und der Vernetzung bislang isolierter Anlagen erforderlich werden.
Wichtige Logistikprojekte
Zu den wichtigsten geplanten Vorhaben gehört der Logistikpark Bnei Shimon in der Negev-Wüste, südöstlich von Beer Sheva. Das Planungsgebiet umfasst rund 2,4 Millionen Quadratmeter. Vorgesehen sind Lager-, Sortier- und Distributionszentren sowie Kühl- und Verpackungsanlagen. Zu dem Projekt gehören auch ein Anschluss an die Bahnstrecke Beer Sheva–Dimona und ein Güterterminal.
Bei Kedma, nahe Kiryat Malachi, rund 50 Kilometer südlich von Tel Aviv, ist ein Logistikzentrum mit Bahnanschluss vorgesehen. Eine Hauptfunktion soll der Umschlag von Baustoffen sein. Diese sollen per Bahn aus Steinbrüchen im nordöstlichen Negev angeliefert und anschließend per Lkw weitertransportiert werden. Daneben sind ein Containerterminal und Anlagen für den Umschlag allgemeiner Import- und Exportfracht geplant.
Auf dem Gewerbeentwicklungsgebiet Terminal 6 zwischen Tel Aviv und Jerusalem ist auf einem insgesamt rund 1,5 Millionen Quadratmeter großen Entwicklungsareal unter anderem ein Logistikzentrum mit Bahnanschluss vorgesehen. Der Standort liegt zwischen den Autobahnen 1 und 6 und damit an einem der wichtigsten Verkehrsknoten des Landes.
Im Bau befindet sich ein Netz aus drei Großlogistikzentren, welches Shapir Engineering and Industry Ltd. für die israelischen Streitkräfte errichtet. Shapir und das Logistikunternehmen Orian Ltd. sollen die Zentren 25 Jahre lang betreiben. Mit insgesamt rund 210.000 Quadratmetern Logistiknutzfläche handelt es sich um das größte Logistikprojekt des Landes. Die Anlagen werden mit automatisierten Lagersystemen, Systemen zum Zusammenstellen einzelner Bestellungen, Robotik sowie moderner Bestandssteuerungs- und Informationstechnik ausgestattet. Damit gehören sie auch technologisch zu den anspruchsvollsten Logistikvorhaben Israels. Während der langjährigen Betriebsphase dürfte die technische Ausstattung wiederholt modernisiert und erweitert werden müssen.
| Bezeichnung | Projektstand/Beschreibung | Projektträger | Investitionssumme |
|---|---|---|---|
| Bnei Shimon, südöstlich von Beer Sheva | Logistikpark mit Güterterminal und Bahnanschluss, Planungsphase; rund 1,3 Millionen Quadratmeter Logistikfläche | Israel Land Authority (Bodenbehörde), Regionalrat Bnei Shimon auf Hebräisch) | k.A. |
| Kedma, nahe Kiryat Malachi | Güter- und Logistikzentrum mit Bahnanschluss, Planungsphase, Abschluss der ersten Bauphase bis 2030 vorgesehen | Israel Railways (staatliche Eisenbahngesellschaft), Verkehrsministerium | k.A. |
| Terminal 6, Raum Ramla/Gezer | Gewerbe- und Logistikgebiet mit Bahnanschluss, Planungsphase | Stadt Ramla (auf Hebräisch und Arabisch), Regionalräte Gezer (auf Hebräisch) und Hevel Modi'in, Israel Land Authority | rund 250 Millionen US$ finanzieller Umfang des Gesamtprojekts |
| Netz von Logistikzentren der Streitkräfte | Drei Großlogistikzentren im Süden, Zentrum und Norden; Süden: Bauarbeiten abgeschlossen, Zentrum: letzte Bauphase, Norden: erster Bauabschnitt fertiggestellt, zweiter Bauabschnitt begonnen | Shapir Engineering (Bau- und Infrastrukturkonzern), Orian (Logistikunternehmen), Verteidigungsministerium | rund 1,8 Milliarden US$ vertragliche Betriebszahlungen, rund 414 Millionen US$ staatlicher Baukostenzuschuss |
| Trockenhäfen im Landesinneren | Trockenhäfen mit Bahn- und Straßenanbindung, erste Standort-, Verkehrs- und Durchführbarkeitsprüfung von der Regierung angeordnet | Israel Ports Company (staatliche Hafenentwicklungsgesellschaft), Verkehrsministerium | k.A. |
| Hafenhinterland Ashdod | Hafennahe Logistikflächen, Ausschreibungsphase; ausgeschriebene Grundstücke zusammen rund 23.700 Quadratmeter | Israel Ports Company | k.A. |
| Hafenhinterland Haifa Bay Port | Hafennahe Logistikflächen, Ausschreibungsphase; rund 18.000 Quadratmeter | Israel Ports Company | k.A. |
| Hafen Ashdod, Ausbauprogramm | Ausbau von Kais, Containerflächen sowie Umschlag- und Energieinfrastruktur, Bauphase | Ashdod Port Company (Hafenbetreiber) | rund 500 Millionen US$ |
| HoneyLog, Ashdod | Vollautomatisches Hochregallager, Bauphase; Teilinbetriebnahme 2027 vorgesehen | HoneyLog (Logistikdienstleister), Clal Insurance & Finance (Versicherungs- und Finanzkonzern), Aspen Group und Ewave Nadlan (Immobilienentwickler) | rund 400 Millionen US$ |
| G. Willi-Food, Yavne | Automatisiertes Kühl- und Tiefkühllager, fortgeschrittene Bauphase | G. Willi-Food International (Lebensmittelimporteur und -händler) | rund 40 Millionen US$ |
| Strauss Group, Bror Hayil | Logistikzentrum für Lebensmittelproduktion und Distribution, Bauphase | Strauss Group (Lebensmittelhersteller) | k.A. |
| Rafael Advanced Defense Systems, Raum Akko | Großlogistikzentrum zur Bündelung bestehender Lageraktivitäten, Grundstück gesichert und saniert; rund 40.000 Quadratmeter geplante Logistikfläche | Tidhar/Harel und Delek Group (Immobilieninvestoren und -entwickler) | k.A. |
| Güterterminal Beit Shemesh | Abgeschlossen: Schienengüterterminal, 2025 nach Modernisierung erstmals seit 30 Jahren wieder in Betrieb genommen, direkte Verbindung zwischen Industriestandorten im Landesinneren und den Seehäfen | Israel Railways | k.A. |
| Bahnanschlüsse Bay Port und Israel Shipyards Port, Haifa | Abgeschlossen: Direkte Hafengleisanschlüsse, 2025 fertiggestellt, bessere Anbindung der Häfen an Güterterminals und Logistikstandorte im Landesinneren | Israel Railways, Bay Port (Hafenbetreiber) | k.A. |
| DSV, Yoav Park/Masmia | Abgeschlossen: Lager- und Distributionszentrum, Anfang 2026 eröffnet, Standort an der Nord-Süd-Autobahn 6 mit Anbindung an den Hafen Ashdod und das Landesinnere; rund 12.000 Quadratmeter Gesamtfläche | DSV Israel (Speditions- und Logistikkonzern) | k.A. |
| Bezeichnung | Beschreibung |
| Ministry of Transport and Road Safety | Zuständiges Ministerium für die Verkehrspolitik, einschließlich des Straßen-, Schienen- und Güterverkehrs |
| Israel Railways | Staatliche Eisenbahngesellschaft; zuständig für den Personen- und Güterverkehr sowie den Ausbau der Bahninfrastruktur |
| Israel Ports Company | Staatliche Hafenentwicklungsgesellschaft |
| Israeli Purchasing and Logistics Management Association | Fachverband für Lieferkettenmanagement |
| Israel Road Transport Council | Interessenvertretung von Unternehmen des Straßengüterverkehrs sowie weiterer gewerblicher Verkehrsunternehmen. |
| Manufacturers’ Association of Israel – Logistics Committee | Logistikausschuss der Industriellenvereinigung |