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Modernisierungsoffensive für Israels Logistiksektor

In Israel entstehen neue Logistikzentren. Mehrere Großprojekte benötigen modernste Logistiktechnik für Lagerung, Umschlag und Distribution von Waren.

Von Wladimir Struminski | Israel

Israels Logistiksektor investiert verstärkt in die Modernisierung und in den Bau neuer Logistikzentren. Ältere Anlagen werden automatisiert oder aus Rentabilitätsgründen ausgemustert. Einer der Gründe sind die erhöhten Anforderungen durch E-Commerce, die eine schnelle Distribution erfordern. Zudem hat die seit 2023 anhaltende Kriegssituation Unternehmen veranlasst, größere Warenbestände für den Krisenfall zu halten. Damit steigt der Bedarf an moderner Lager-, Förder-, Automatisierungs- und Steuerungstechnik. Für deutsche Unternehmen, einschließlich spezialisierter Mittelständler, ergeben sich daraus zusätzliche Liefer- und Projektchancen.

20.03.2026 Special | Israel | Krieg in Nahost
Der Krieg belastet die Logistik in Israel

Israels Logistik arbeitet im Kriegsmodus: Kapazitäten sinken, Kosten steigen, Verzögerungen nehmen zu. Priorisierte Güter werden jedoch bevorzugt abgefertigt.

Deutsche Logistiktechnik ist in Israel gefragt

Besonders gefragt sind automatische Regal- und Hochregalsysteme, Förderbänder und Rollenbahnen, Regalbediengeräte, Krane und Hebezeuge, Gabelstapler sowie fahrerlose Transportsysteme und autonome mobile Roboter.

Darüber hinaus werden Antriebs- und Steuerungstechnik, Sensorik, Identifikations- und Trackingsysteme sowie Software für Lagerverwaltung und Materialflusssteuerung benötigt. Weitere Einsatzfelder sind Kühl- und Klimatechnik, Brandschutz, energieeffiziente Gebäudetechnik sowie Mess- und Prüftechnik für hochautomatisierte Lager.

Deutsche Unternehmen sind bereits mit unterschiedlichen Lösungen auf dem israelischen Markt präsent. So plant und errichtet die Firma BEEWEN GmbH & Co. KG aus Siegen über BEEWEN Ltd. automatische Lagersysteme mit Regalbediengeräten sowie Förder-, Sortier- und Robotertechnik. Zum Angebot gehört auch die zugehörige Lagerverwaltungssoftware.

Die Dressel GmbH aus Unna liefert unter anderem Regalbediengeräte, Paletten- und Behälterfördertechnik, Kommissioniersysteme sowie Steuerungs- und Materialflusssoftware. Das Unternehmen führt Lager- und Transportsysteme in Israel unter seinen internationalen Referenzprojekten. Miebach Consulting GmbH aus Frankfurt am Main ist über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem israelischen Logistikdienstleister Orian Ltd. in Israel vertreten. Der Hersteller automatischer Vertikallagersysteme Hänel GmbH & Co. KG aus Bad Friedrichshall vertreibt seine Produkte in Israel über AVBA Hi Tech Services Ltd.

Logistikzentren investieren in Bahn-Straße-Schnittstellen

Mehrere neue Logistikstandorte sollen direkt an das Schienennetz angeschlossen werden. Dadurch steigt der Bedarf an Technik für den Güterumschlag zwischen Schiene und Straße. Gefragt sind unter anderem Container- und Güterumschlagsanlagen, Krane und weitere Hebetechnik, Lade- und Entladeeinrichtungen sowie Rangier- und Sicherungstechnik. Hinzu kommen Systeme zur Identifikation, Ortung und Steuerung von Gütern und Ladeeinheiten. Daneben gewinnen Software für den Terminalbetrieb, die Verkehrssteuerung sowie die Koordination von Bahn- und Lkw-Verkehren an Bedeutung.

Aber auch bestehende Logistikzentren bieten weiterhin Zulieferchancen. Das hohe Innovationstempo bei Automatisierung und Digitalisierung führt zu einem kontinuierlichen Nachrüstungsbedarf. Investiert wird unter anderem in zusätzliche Roboter und fahrerlose Transportsysteme, neue Sensoren und Kameras sowie leistungsfähigere Steuerungs- und Lagerverwaltungssoftware. Außerdem investieren Betreiber in Lösungen zur Optimierung der Warenströme. Weitere Anschaffungen können in den Bereichen Energieeffizienz, Ladeinfrastruktur, Cybersicherheit und der Vernetzung bislang isolierter Anlagen erforderlich werden.

Wichtige Logistikprojekte

Zu den wichtigsten geplanten Vorhaben gehört der Logistikpark Bnei Shimon in der Negev-Wüste, südöstlich von Beer Sheva. Das Planungsgebiet umfasst rund 2,4 Millionen Quadratmeter. Vorgesehen sind Lager-, Sortier- und Distributionszentren sowie Kühl- und Verpackungsanlagen. Zu dem Projekt gehören auch ein Anschluss an die Bahnstrecke Beer Sheva–Dimona und ein Güterterminal.

Bei Kedma, nahe Kiryat Malachi, rund 50 Kilometer südlich von Tel Aviv, ist ein Logistikzentrum mit Bahnanschluss vorgesehen. Eine Hauptfunktion soll der Umschlag von Baustoffen sein. Diese sollen per Bahn aus Steinbrüchen im nordöstlichen Negev angeliefert und anschließend per Lkw weitertransportiert werden. Daneben sind ein Containerterminal und Anlagen für den Umschlag allgemeiner Import- und Exportfracht geplant. 

Auf dem Gewerbeentwicklungsgebiet Terminal 6 zwischen Tel Aviv und Jerusalem ist auf einem insgesamt rund 1,5 Millionen Quadratmeter großen Entwicklungsareal unter anderem ein Logistikzentrum mit Bahnanschluss vorgesehen. Der Standort liegt zwischen den Autobahnen 1 und 6 und damit an einem der wichtigsten Verkehrsknoten des Landes.

Im Bau befindet sich ein Netz aus drei Großlogistikzentren, welches Shapir Engineering and Industry Ltd. für die israelischen Streitkräfte errichtet. Shapir und das Logistikunternehmen Orian Ltd. sollen die Zentren 25 Jahre lang betreiben. Mit insgesamt rund 210.000 Quadratmetern Logistiknutzfläche handelt es sich um das größte Logistikprojekt des Landes. Die Anlagen werden mit automatisierten Lagersystemen, Systemen zum Zusammenstellen einzelner Bestellungen, Robotik sowie moderner Bestandssteuerungs- und Informationstechnik ausgestattet. Damit gehören sie auch technologisch zu den anspruchsvollsten Logistikvorhaben Israels. Während der langjährigen Betriebsphase dürfte die technische Ausstattung wiederholt modernisiert und erweitert werden müssen.

Ausgewählte Logistikprojekte in Israel im Überblick
BezeichnungProjektstand/BeschreibungProjektträgerInvestitionssumme
Bnei Shimon, südöstlich von Beer ShevaLogistikpark mit Güterterminal und Bahnanschluss, Planungsphase; rund 1,3 Millionen Quadratmeter LogistikflächeIsrael Land Authority (Bodenbehörde), Regionalrat Bnei Shimon auf Hebräisch)k.A.
Kedma, nahe Kiryat MalachiGüter- und Logistikzentrum mit Bahnanschluss, Planungsphase, Abschluss der ersten Bauphase bis 2030 vorgesehenIsrael Railways (staatliche Eisenbahngesellschaft), Verkehrsministeriumk.A.
Terminal 6, Raum Ramla/GezerGewerbe- und Logistikgebiet mit Bahnanschluss, PlanungsphaseStadt Ramla (auf Hebräisch und Arabisch), Regionalräte Gezer  (auf Hebräisch) und Hevel Modi'in, Israel Land Authorityrund 250 Millionen US$ finanzieller Umfang des Gesamtprojekts
Netz von Logistikzentren der Streitkräfte Drei Großlogistikzentren im Süden, Zentrum und Norden; Süden: Bauarbeiten abgeschlossen, Zentrum: letzte Bauphase, Norden: erster Bauabschnitt fertiggestellt, zweiter Bauabschnitt begonnenShapir Engineering (Bau- und Infrastrukturkonzern), Orian (Logistikunternehmen), Verteidigungsministeriumrund 1,8 Milliarden US$ vertragliche Betriebszahlungen, rund 414 Millionen US$ staatlicher Baukostenzuschuss  
Trockenhäfen im LandesinnerenTrockenhäfen mit Bahn- und Straßenanbindung, erste Standort-, Verkehrs- und Durchführbarkeitsprüfung von der Regierung angeordnetIsrael Ports Company (staatliche Hafenentwicklungsgesellschaft), Verkehrsministeriumk.A.
Hafenhinterland AshdodHafennahe Logistikflächen, Ausschreibungsphase; ausgeschriebene Grundstücke zusammen rund 23.700 QuadratmeterIsrael Ports Company k.A.
Hafenhinterland Haifa Bay PortHafennahe Logistikflächen, Ausschreibungsphase;  rund 18.000 QuadratmeterIsrael Ports Company k.A.
Hafen Ashdod, AusbauprogrammAusbau von Kais, Containerflächen sowie Umschlag- und Energieinfrastruktur, BauphaseAshdod Port Company (Hafenbetreiber)rund 500 Millionen US$
HoneyLog, AshdodVollautomatisches Hochregallager, Bauphase; Teilinbetriebnahme 2027 vorgesehenHoneyLog (Logistikdienstleister), Clal Insurance & Finance (Versicherungs- und Finanzkonzern), Aspen Group und Ewave Nadlan (Immobilienentwickler)rund 400 Millionen US$
G. Willi-Food, YavneAutomatisiertes Kühl- und Tiefkühllager, fortgeschrittene BauphaseG. Willi-Food International (Lebensmittelimporteur und -händler)rund 40 Millionen US$
Strauss Group, Bror HayilLogistikzentrum für Lebensmittelproduktion und Distribution, BauphaseStrauss Group (Lebensmittelhersteller)k.A.
Rafael Advanced Defense Systems, Raum AkkoGroßlogistikzentrum zur Bündelung bestehender Lageraktivitäten, Grundstück gesichert und saniert; rund 40.000 Quadratmeter geplante LogistikflächeTidhar/Harel und Delek Group (Immobilieninvestoren und -entwickler)k.A.
Güterterminal Beit ShemeshAbgeschlossen: Schienengüterterminal, 2025 nach Modernisierung erstmals seit 30 Jahren wieder in Betrieb genommen, direkte Verbindung zwischen Industriestandorten im Landesinneren und den SeehäfenIsrael Railwaysk.A.
Bahnanschlüsse Bay Port und Israel Shipyards Port, HaifaAbgeschlossen: Direkte Hafengleisanschlüsse, 2025 fertiggestellt, bessere Anbindung der Häfen an Güterterminals und Logistikstandorte im LandesinnerenIsrael Railways, Bay Port (Hafenbetreiber)k.A.
DSV, Yoav Park/Masmia Abgeschlossen: Lager- und Distributionszentrum, Anfang 2026 eröffnet, Standort an der Nord-Süd-Autobahn 6 mit Anbindung an den Hafen Ashdod und das Landesinnere; rund 12.000 Quadratmeter GesamtflächeDSV Israel (Speditions- und Logistikkonzern)k.A.
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Kontaktadressen
BezeichnungBeschreibung
Ministry of Transport and Road SafetyZuständiges Ministerium für die Verkehrspolitik, einschließlich des Straßen-, Schienen- und Güterverkehrs
Israel RailwaysStaatliche Eisenbahngesellschaft; zuständig für den Personen- und Güterverkehr sowie den Ausbau der Bahninfrastruktur
Israel Ports CompanyStaatliche Hafenentwicklungsgesellschaft 
Israeli Purchasing and Logistics Management AssociationFachverband für Lieferkettenmanagement
Israel Road Transport CouncilInteressenvertretung von Unternehmen des Straßengüterverkehrs sowie weiterer gewerblicher Verkehrsunternehmen.
Manufacturers’ Association of Israel – Logistics CommitteeLogistikausschuss der Industriellenvereinigung 
Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest