Branchen | Israel | Infrastruktur

Israel investiert Milliarden in seine Infrastruktur

Trotz angespannter Haushaltslage setzt Israel auf umfangreiche Investitionen in seine Infrastruktur. Verkehr und Energie stehen dabei besonders im Fokus.

Von Wladimir Struminski | Jerusalem

Zum Jahreswechsel 2025/26 veröffentlichte die israelische Regierung eine Übersicht von 226 Infrastrukturprojekten, die im Rahmen staatlicher Programme bereits umgesetzt werden oder sich in Planung befinden. Das kumulierte Investitionsvolumen dieser Vorhaben beläuft sich auf rund 138 Milliarden US-Dollar (US$) – mit Fokus auf Verkehrs- und Energieprojekten. 

In der Projektliste bleiben rein privatwirtschaftliche Vorhaben unberücksichtigt, darunter gewerbliche Rechenzentren, die nicht in staatliche Programme eingebunden sind. Zum anderen erfasst die Übersicht ausschließlich Projekte mit einem Mindestvolumen von umgerechnet 32 Millionen US$. 

Der tatsächliche Umfang der geplanten Infrastrukturinvestitionen liegt damit über den ausgewiesenen 138 Milliarden US$. Für deutsche Unternehmen ergeben sich gute Zulieferchancen.  

Finanzierungsmöglichkeiten trotz angespannter Haushaltslage

Trotz der Belastungen durch den Gazakrieg bleiben Infrastrukturinvestitionen in Israel finanzierbar. Zwar stieg die Staatsverschuldung von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Ende 2022 auf 68,5 Prozent Ende 2025, das Niveau ist im internationalen Vergleich jedoch moderat und lässt Investitionsspielraum.  

Zudem werden viele Vorhaben außerhalb des Staatshaushalts realisiert: Neue Kraftwerke errichten in erster Linie private unabhängige Stromerzeuger, Meerwasserentsalzungsanlagen entstehen als öffentlich-private Partnerschaften, und staatliche Infrastrukturunternehmen wie Israel Railways oder die Israel Electric Corporation finanzieren Projekte über eigene Anleihen. Für ausländische Zulieferer erhöht dies die Zahl potenzieller Auftraggeber und Finanzierungswege. 

Investitionsdynamik und mögliche Ansatzpunkte

Zwar ist die Umsetzung von Großprojekten häufig Großunternehmen, darunter auch ausländischen, als Generalunternehmer vorbehalten. Jedoch ergeben sich entlang der Lieferkette zahlreiche Zuliefermöglichkeiten für mittelständische Unternehmen, die spezialisierte Technik, Komponenten oder Dienstleistungen anbieten. In Israel gibt es keine zentrale Ausschreibungsplattform. 

Die Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer unterstützt Unternehmen begleitend und beratend bei allen ausschreibungsrelevanten Fragen.

Ausgewählte Infrastrukturprojekte und -programme in IsraelInvestitionssummen in Milliarden US-Dollar

Projekt/Programm 

Stadium 

Projektträger 

Geschätzte Investitionssumme in Mrd. US$ 

Metronetz im Großraum Tel Aviv Ballungsraum  

Vorbereitung, Fertigstellung stufenweise bis 2040 geplant 

NTA – Metropolitan Mass Transit System 

40 - 50 

Neuer internationaler Flughafen in der Region Negev (Jahreskapazität: 10 Millionen Passagiere)

Im Februar 2026 von der Regierung angekündigt 

Israel Airport Authority 

k.A.

Ausbau des Stromtransportnetzes 

Durchführung, geplanter Abschluss 2031 

NOGA Independent System Operator 

7 

Straßenbahnstrecke "Green Line" in Tel Aviv 

Planung, Inbetriebnahme für 2030 geplant 

NTA – Metropolitan Mass Transit System 

5,6 

Kapazitätsverdopplung der Bahnteilstrecke Shfaim-Tel Aviv 

Planung 

Israel Railways 

5,0 

Straßenbahnstrecke "Purple Line" in Tel Aviv 

Planung, Inbetriebnahme für 2029 geplant 

NTA – Metropolitan Mass Transit System 

3,9 

Ausbau des Erdgasfeldes Leviathan 

Endgültige Investitionsentscheidung im Januar 2026 getroffen 

Chevron, NewMed Energy und Ratio Energies  

2,4 

Verlängerung der Eisenbahnstrecke innerhalb Jerusalems von der Stadteinfahrt bis zur gegenwärtig stillliegenden Station Khan 

Planung 

Israel Railways 

1,5 

Ausbau und Aufwertung der Abwasserwirtschaft im Großraum Tel Aviv 

Durchführung, Langfristprogramm bis Ende des nächsten Jahrzehnts 

Israel Water Authority 

1,1 

Bau eines neuen Krankenhauses in Beer Sheva 

Regierungsbeschluss 

Krankenkassen Meuhedet und Leumit  

1,0 

* Schätzung von GTAI.Quelle: Tashtiot le-Tzmicha (Infrastrukturen für Wachstum), 2026; Prime Minister’s Office, Dezember 2025; Recherchen von GTAI

Ausbau der Verkehrsinfrastruktur hat Priorität 

Die Verkehrsdichte im Land ist hoch, besonders im Großraum Tel Aviv, wo mehr als 40 Prozent der Bevölkerung auf engem Raum leben. Das Straßennetz stößt seit Jahren an seine Kapazitätsgrenzen. Die Regierung reagiert darauf mit einem Ausbauprogramm, das den öffentlichen Personenverkehr deutlich stärken soll. Allein im Haushalt 2026 sind im Etat des Verkehrsministeriums mehr als 3,2 Milliarden US$ für entsprechende Investitionen vorgesehen. 

Mittelfristig stehen der Ausbau der Metro Tel Aviv, der Ausbau des Eisenbahnnetzes sowie neue Straßenbahnlinien im Fokus. Darüber hinaus plant das Ministerium, im Jahr 2026 die Vorarbeiten für eine Hochbahnstrecke voranzutreiben – ein Projekt, aus dem sich in den kommenden Jahren weiteres Investitionspotenzial ergeben dürfte. 

Im Februar 2026 beschloss die Regierung den Bau eines neuen Flughafens in Ziklag in der Negev-Region. Der bereits seit längerem geplante weitere Flughafen in Ramat David im Norden Israels soll weiter "vorangetrieben" werden. 

Für ausländische Anbieter eröffnen sich damit Chancen insbesondere in Bereichen wie Bahntechnik, Digitalisierung von Verkehrssystemen, Elektrifizierung, Leitstellen-IT, Signaltechnik sowie spezialisierten Ingenieurleistungen. Konkrete Lieferchancen für mittelständische Zulieferer sind jedoch nur begrenzt sichtbar: Öffentliche Ausschreibungen richten sich in der Regel an Generalunternehmer oder Konsortien, während einzelne Zulieferleistungen meist nicht separat veröffentlicht werden. 

Die zunehmende Digitalisierung – darunter der starke Ausbau von Rechenzentren – lässt den Strombedarf schneller ansteigen als bisher angenommen. Gleichzeitig wächst die Elektromobilität, und macht zusätzliche Netz- und Erzeugungskapazitäten erforderlich. 

Ein wichtiges Vorhaben betrifft das größte israelische Offshore-Erdgasfeld Leviathan. Die Konzessionäre des Feldes, Chevron, NewMed Energy und Ratio Energies, haben Anfang 2026 beschlossen, für rund 2,4 Milliarden US$ in die Ausweitung der Gasförderung und -aufbereitung zu investieren. Die jährliche Fördermenge soll ab 2029 von 12 Milliarden auf 21 Milliarden Kubikmeter steigen.

Auch die Wasserwirtschaft soll weiter ausgebaut werden. Das herausragende Projekt ist dabei die geplante Großanlage zur Meerwasserentsalzung mit einer Jahreskapazität von 400 Millionen Kubikmetern.

Orientierung für deutsche Unternehmen

Der israelische Markt bietet ausländischen Zulieferern langfristig attraktive Perspektiven. Deutsche Unternehmen genießen dabei einen sehr guten Ruf. Ihre technologische Kompetenz verschafft ihnen insbesondere bei komplexen und anspruchsvollen Infrastrukturprojekten einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber Niedriglohnanbietern. 

Zugleich erfordert der Markteintritt eine sorgfältige Vorbereitung und realistische Einschätzung der Rahmenbedingungen:

  • Ausländische Zulieferer in hohem Maße auf lokale Partner angewiesen. Kooperationen mit Vertriebspartnern, Systemintegratoren und Ingenieurbüros eröffnen häufig erst den Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen. 

  • Die relevante Markt- und Projektinformation liegt überwiegend in hebräischer Sprache vor. Auch staatliche Ausschreibungen werden größtenteils ausschließlich auf Hebräisch veröffentlicht, vor allem im Regierungsportal. Englischsprachige Ausschreibungen beschränken sich auf ausgewählte – meist große – Projekte, bei denen eine Beteiligung internationaler Bieterkonsortien ausdrücklich vorgesehen ist. 

  • Infrastrukturvorhaben in Israel haben lange Vorlaufzeiten. Häufig kommt es auch zu Verzögerungen. 

  • Bei öffentlichen Aufträgen ab 5 Millionen US$ müssen sich ausländische Auftragnehmer bis 2029 zu einer Gegengeschäftsquote von 20 Prozent verpflichten. 

    Langfristige Investitionsschwerpunkte im israelischen InfrastrukturbauBranchen und Zulieferprodukte (Auswahl)
    BereichSchwerpunkteRelevante Zulieferprodukte (Auswahl)
    EnergieStromnetze, KraftwerkeHoch- und Mittelspannungstechnik Umspannwerke, Umrichter-, Wechselrichter- und Netzregeltechnik; Netzintegration und Kabelsysteme
    VerkehrMetro, schwere Eisenbahn, Straßenbahn, intelligente VerkehrssteuerungSignal- und Sicherhungstechnik, Stellwerke, Leit- und Betriebssysteme, Zugsteuerungs- und -assistenzsysteme
    WasserEntsalzung, Wasser- und Abwassertransport, AbwasserreinigungPumpen, Ventile, Filter, Mess- und Regeltechnik
    Digitale InfrastrukturRechenzentren, TelekommunikationsnetzeDatenübertragungs- und Steuerungstechnik; Strom- und Kühltechnik
    Quelle: Recherchen von GTAI, 2026

nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.