Special | Israel | Krieg in Nahost

Der Krieg belastet die Logistik in Israel

Israels Logistik arbeitet im Kriegsmodus: Kapazitäten sinken, Kosten steigen, Verzögerungen nehmen zu. Priorisierte Güter werden jedoch bevorzugt abgefertigt.

Von Wladimir Struminski | Israel

Nach Angaben der Federation of Israeli Chambers of Commerce (FICC) arbeitet der israelische Logistiksektor im Modus einer Kriegswirtschaft. Infrastruktur und Häfen halten den Betrieb aufrecht, unterliegen jedoch strikten Sicherheitsvorgaben. Dadurch sinkt die verfügbare Kapazität, während Versicherungskosten steigen und Verzögerungen zunehmen.

Essenzielle Importgüter wie Lebensmittel, Medikamente und kritische Industrie- und Zwischenprodukte werden vorrangig abgefertigt. Bei nicht priorisierten Waren kann es zu Wartezeiten in Ursprungs‑ und Umschlaghäfen kommen. Der Beschuss Nordisraels zwingt Reedereien zudem, Schiffe von Haifa nach Ashdod umzuleiten.

Laut FICC sind die Kriegsrisikoprämien für See- und Luftfracht um mindestens 50 Prozent gestiegen. Große Reedereien haben zusätzliche Konfliktzuschläge eingeführt. Für Unternehmen erhöhen sich Transportkosten spürbar – ein wichtiger Faktor für margensensible Industriegüter.

Luftfracht eingeschränkt: Engpässe bei zeitkritischen Gütern

Der Flughafen Ben Gurion bleibt für Fracht geöffnet, jedoch mit begrenzter Kapazität. Frachtflüge dürfen nach Abstimmung dort landen. Die israelische Luftfrachtgesellschaft Challenge Airlines (CAL) erhielt Sondergenehmigungen für Flüge von New York, Lüttich und Oslo. Internationale Anbieter wie FedEx und DHL haben laut FICC Servicewarnungen veröffentlicht, fliegen jedoch wieder mit eingeschränkter Kapazität. 

Am 18. März 2026 setzte die israelische Fluggesellschaft El Al ihren regulären Flugplan jedoch aus Sicherheitsgründen bis zum 29. März aus. Die Flugübersicht des Flughafens Ben Gurion zeigt, dass der Luftfrachtverkehr bislang aufrechterhalten wird. Frachtflüge werden von El Al und Challenge Airlines (CAL) durchgeführt.

Problematisch ist der Ausfall vieler Passagierflüge: Normalerweise werden 25 bis 37 Prozent der israelischen Luftfracht im Belly‑Cargo (Frachtraum von Passagiermaschinen) transportiert. Der Wegfall dieser Kapazitäten führt zu akuten Engpässen bei nicht priorisierten Gütern und ist relevant für hochwertige Maschinenbauteile, Elektronik oder pharmazeutische Zwischenprodukte.

Versorgung gesichert: Staat übernimmt Kriegsrisikodeckung

Für ausländische Exporteuren vorteilhaft: Die israelische Regierung hat die staatliche Kriegsrisikodeckung aktiviert. Sie garantiert die Versicherung für importierte Waren und erleichtert Importeuren Zugang zu Bankkrediten. Das Programm läuft zunächst bis Ende März und stabilisiert den Außenhandel trotz höherer Risiken.

Industrie bleibt produktiv – Exporte weichen auf alternative Routen aus

Die israelische Industrieproduktion läuft laut Israel Manufacturers Association weitgehend stabil. Da Luftfrachtkapazitäten fehlen, weichen Exporteure teilweise auf kombinierte Routen aus: Produkte gelangen per Schiff nach Griechenland oder Zypern und werden dort per Luftfracht weitertransportiert. Für deutsche Zulieferer bedeutet das: Liefer- und Abholprozesse bleiben möglich, aber weniger planbar.

Die Exporttätigkeit läuft über Seehäfen und ausgewählte Luftkorridore weiter. Branchen mit Just‑in‑Time‑Strukturen sollten aber zusätzliche Puffer einkalkulieren. Branchenexperten rechnen damit, dass der israelische Luftraum bald wieder vollständig geöffnet wird.

Energiesektor: Stillstand bei Gasplattformen, steigender Kohleeinsatz

Im Jahr 2025 entfielen Schätzungen zufolge 70 Prozent der Stromerzeugung auf Erdgas, 17 Prozent auf erneuerbare Energien und 13 Prozent auf Kohle. Erdgas und erneuerbare Energien stammen aus einheimischen Quellen. Die Importabhängigkeit der Stromwirtschaft ist somit vor allem auf Kohle beschränkt.

Mit Kriegsbeginn wurden die Offshore‑Plattformen Leviathan und Karish präventiv abgeschaltet. Tamar blieb in Betrieb und deckt etwa zwei Drittel des israelischen Gasbedarfs.

Auf Basis der Notstandswirtschaftsregelungen kann das Energieministerium die Gaslieferungen an die Industrie drosseln, um kritische Infrastrukturen zu priorisieren. In diesem Fall würden die Gaszuflüsse aus Tamar an die Stromerzeuger sinken. Um dennoch ausreichend Strom zu liefern, fahren die bestehenden Kohlekraftwerke ihre Auslastung hoch. Gaskraftwerke können bei Bedarf auf Diesel oder schweres Heizöl umstellen. Diese Maßnahmen verteuern die Stromproduktion und führen zu höheren Tarifen für gewerbliche Verbraucher. 

Für energieintensive Exporteure – etwa in der Metallverarbeitung, Chemie oder Kunststoffindustrie – kann dies die Wettbewerbsfähigkeit einschränken.

Kraftstoffpreise ziehen an – relevante Kostensteigerungen im Inlandstransport

Außerhalb des Elektrizitätssektors ist Israels Wirtschaft stark von Erdöl abhängig, insbesondere für die Produktion von Kraftstoff für den Landtransport und die Energieversorgung der Industrie. 

Höhere Spotpreise im Ölmarkt wirken zeitversetzt auf israelische Importpreise, da Terminkontrakte greifen. Ab April dürften die Treibstoffpreise deutlich steigen und damit Logistik, Handel und Industrie belasten. Für deutsche Unternehmen verteuern sich dadurch Transport, Lagerlogistik und lokale Serviceeinsätze in Israel.

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