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Israel-Wahl 2026: Zentrale Herausforderungen für Wirtschaft und Unternehmen
Im israelischen Wahlkampf stehen Sicherheitsfragen im Vordergrund. Doch die nächste Regierung muss auch über Staatsfinanzen, Außenwirtschaft und den Umbau der Justiz entscheiden. Davon hängt mit ab, wie attraktiv das Land für deutsche Unternehmen bleibt.
22.09.2026
Am 27. Oktober 2026 wählt Israel ein neues Parlament, die Knesset. Die Umfragen deuten auf ein enges, zersplittertes Rennen hin. Ob Likud, die rechtskonservative Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, erneut stärkste Einzelpartei wird, ist fraglich. In den meisten Prognosen liegt Yashar vorn, die sicherheitspolitisch geprägte Partei des früheren Generalstabschefs Gadi Eisenkot. Auch das Mitte-Rechts-Bündnis Together könnte bei der Mehrheitsbildung eine Rolle spielen. Für eine tragfähige Koalition dürfte es zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die kleineren Parteien ankommen.
Mit ihrer Stimme entscheiden die Israelis auch, wer zukünftig den wirtschaftlichen Kurs des Landes bestimmt. Im Wahlkampf steht das Thema Wirtschaft kaum im Mittelpunkt. Traditionell prägen Sicherheitsfragen und der israelisch-palästinensische Konflikt die politische Debatte. Dennoch muss die nächste Regierung wichtige Weichen stellen, die auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes in den kommenden Jahren wesentlich prägen werden.
Dazu gehört der weitere Umgang mit den militärischen Konflikten, in die Israel seit 2023 mit unterschiedlicher Intensität involviert ist. Sie belasten den Staatshaushalt und Israels Beziehungen zu wichtigen Partnern. Zudem können sie Handel, Kooperationen und Investitionen erschweren. Auch der umstrittene Umbau der Justiz könnte wirtschaftliche Folgen haben. GTAI hat die wirtschaftspolitischen Herausforderungen in den Blick genommen, die die neue Regierung bewältigen muss.
Israels Verteidigungsausgaben engen den Haushalt ein
sieht die derzeitige israelische Regierung für den Zeitraum 2027 bis 2036 vor, um das Militär und andere Sicherheitsorgane zu stärken.
Quelle: Außen- und Verteidigungsausschuss der Knesset
Der am 7. Oktober 2023 durch den Überfall der Hamas auf Israel ausgelöste Gaza-Krieg, die anschließenden Konflikte im Libanon sowie der Luftkrieg gegen den Iran haben Israel laut einer Schätzung der Bank von Israel insgesamt 350 Milliarden Neue Israelische Schekel (NIS) gekostet (rund 114 Milliarden US-Dollar). In Binnenpreisen entspricht das circa sechs Prozent des kumulierten BIP, das Israel zwischen Oktober 2023 und Mitte 2026 erwirtschaftete. Zudem hat das Land eine drastische Erhöhung der Verteidigungsausgaben beschlossen, um die Schwächen seines Militärs abzubauen. Prognosen zufolge wird der Verteidigungshaushalt 2026 bei 183 Milliarden NIS liegen (rund 60 Milliarden US-Dollar).
Durch die hohen Verteidigungsausgaben ist der Staatshaushalt aus dem Gleichgewicht geraten. Die Staatsverschuldung, die 2022, dem letzten Vorkriegsjahr, bei rund 60 Prozent des BIP lag, stieg Ende 2025 auf 68 Prozent. Zugleich besteht unverändert erheblicher Nachholbedarf bei Investitionen, unter anderem in Verkehrsinfrastruktur, Energiewirtschaft, Bildung, Forschung und das Gesundheitswesen. Für die technologische Zukunft des Landes wird es zudem entscheidend sein, die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz auszubauen.
Damit steht Israels Wirtschaftspolitik vor einem Zielkonflikt: Will die Regierung die Verschuldung bremsen, muss sie Steuern erhöhen oder Ausgaben reduzieren. Steuererhöhungen können die Kaufkraft der Haushalte schmälern und Unternehmen Investitionsmittel entziehen. Werden öffentliche Investitionen gekürzt oder verschoben, würde dies künftiges Wirtschaftswachstum beeinträchtigen. Beide Wege träfen auch deutsche Unternehmen: Höhere Steuern können Kosten steigern und die Nachfrage schwächen. Verschobene Staatsprojekte verzögern womöglich Aufträge oder lassen sie ganz ausfallen.
Verzichtet die neue Regierung weitgehend auf solche Maßnahmen, steigen Verschuldung und Zinsbelastung weiter, während der finanzielle Puffer für zukünftige Krisen kleiner wird. Die neue Regierung muss hier einen tragfähigen Weg finden.
Was ist die Knesset?
Die Knesset ist das 120 Sitze umfassende Einkammerparlament Israels. Es besteht aus 120 Abgeordneten, die für jeweils vier Jahre mit einer Sperrklausel von 3,25 Prozent gewählt werden. Wegen der Parteienzersplitterung sind Koalitionsregierungen die Regel – oft bestehend aus mehreren kleinen Parteien, was die Regierungsbildung erschwert.
Politische Spannungen belasten den Handel
Vor allem der Krieg in Gaza hat teils scharfe internationale Kritik an Israel ausgelöst. Hinzu kommt die beschleunigte und zunehmend konfrontative Expansion israelischer Siedlungen im besetzten Westjordanland. Zwar kritisiert auch die EU diese scharf, die von europäischen Kritikern geforderte Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel blieb allerdings bisher aus (Stand Anfang Oktober 2026).
Seitens der EU gelten besondere Zollregularien für Waren aus israelischen Siedlungen, die sich in der Westbank, Ostjerusalem und auf den Golanhöhen befinden. Diese Gebiete werden von der EU nicht als Teil des israelischen Staatsgebiets anerkannt. Dort hergestellte Produkte dürfen daher nicht als “Made in Israel“ gekennzeichnet werden. Länder wie Spanien, Irland und die Niederlande haben Einfuhrverbote gegen Produkte verhängt, die in israelischen Siedlungen hergestellt werden. Belgien bereitet eine entsprechende Regelung vor. Das Vereinigte Königreich, Frankreich und Kanada haben nationale Verbote angekündigt.
Die direkten Folgen solcher Verbote für die israelische Wirtschaft sind begrenzt. Allerdings befürchten Wirtschaftskreise Auswirkungen, die über die offizielle Politik ausländischer Regierungen hinausreichen. Roi Fisher, Leiter der Außenhandelsverwaltung im israelischen Wirtschaftsministerium, erklärte im September 2026 gegenüber der Wirtschaftszeitung Calcalist: „Unmittelbar treffen die Boykottmaßnahmen europäischer Länder etwa 20 Exporteure […]. Wenn wir aber über den abschreckenden Effekt sprechen, geht es um den gesamten israelischen Export. Dieser Effekt könnte auch auf Medizintechnik, Arzneimittel und Konsumgüter übergreifen.“
Deutsche Unternehmen in Israel: Sicherheitslage und Lieferketten im Blick
Bei Investitionen des Auslands in Israel ist die Situation komplex. In den ersten beiden Jahren des Gaza-Krieges, 2023 und 2024, sind die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Israel spürbar zurückgegangen. In welchem Umfang das eine Reaktion der Investoren auf die Kriegslage war, ist unklar. 2025 kam es zu einer starken Erholung. Allerdings stammten 20,5 der insgesamt 26,6 Milliarden investierten US-Dollar aus reinvestierten Gewinnen und nicht aus neuem Beteiligungskapital.
Indessen hat der Krieg auch Schwächen des Standorts Israel deutlich gemacht. So entzog die Masseneinberufung von Reservisten vielen Unternehmen Arbeitskräfte. Vor allem während des Iran-Krieges im Frühjahr 2026 wurde die Anfälligkeit Israels für Raketenbeschuss deutlich – trotz einer hochentwickelten Raketenabwehr. Zwar kam es zu keinen größeren Infrastrukturschäden, doch Israels Wirtschaft ist von Elektrizität und Wasserentsalzung abhängig. Das Land kann weder Strom noch Wasser importieren und ist deshalb auf eine stabile eigene Versorgung angewiesen. Für deutsche Unternehmen, die bereits in Israel tätig sind oder dort investieren wollen, gehören Personalengpässe, Lieferkettenstörungen und mögliche Ausfälle bei der Strom- oder Wasserversorgung daher unbedingt in die Risikoplanung.
Wie langfristig die Folgen des Krieges und der Siedlungspolitik für Israels Wirtschaft sind, lässt sich aktuell nicht absehen. Zumindest teilweise hängt das auch von der Politik der nächsten Regierung ab.
Israels Justizumbau könnte das Investitionsklima belasten
Einfluss auf die Wirtschaft hat auch die von der gegenwärtigen Regierung angestrebte Umgestaltung der Gewaltenteilung zwischen der Exekutive und der Judikative. Die Regierung kündigte ihre Pläne bereits Anfang Januar 2023 an. Proteste und Krieg hinderten sie jedoch bislang an der Umsetzung.
Zu den zentralen Zielen des Justizumbaus gehören drei Änderungen: Erstes soll das Oberste Gericht Regierungsbeschlüsse selbst bei "extremer Unangemessenheit" nicht mehr aufheben können. Zweitens soll die Möglichkeit, mit den Grundgesetzen unvereinbare Gesetze zu annullieren, abgeschafft werden. Drittens soll die Regierung mehr Einfluss auf die Ernennung von Richtern erhalten. Kritiker warnen, sie könnte dadurch Richter ernennen, die ihr genehm sind.
Der Umbau der Justiz würde die politische Macht in den Händen der Regierung bündeln und die Kontrolle durch die Gerichte schwächen. Anhänger der Reform, darunter führende Mitglieder der aktuellen Koalition, argumentieren hingegen, die Judikative besitze in Israel zu viel Macht. Führende Experten warnen, dass die geplante Neuverteilung der Macht zwischen den Staatsgewalten auch die Wirtschaft beschädigen könnte. Unter anderem stellte die Bank of Israel bereits im April 2023 ein Szenario vor, in dem die rechtlichen und institutionellen Veränderungen zu einer höheren Risikoprämie, geringeren Exporten und schwächeren Investitionen führten.
Was die Israel-Wahl für den Wirtschaftsstandort bedeutet
Wie stark die Politik der neuen Regierung Israels Wirtschaft tatsächlich prägen wird, lässt sich heute noch nicht sicher abschätzen. Klar ist aber: Deutsche Unternehmen, die in Israel aktiv sind oder den Markt neu erschließen möchten, sollten die weitere Entwicklung von Staatsfinanzen, Außenwirtschaft, Investitionsklima und Justizumbau genau verfolgen und ihre Strategie regelmäßig anpassen.
Jahr | Mrd. US-Dollar |
2021 | 19,0 |
2022 | 22,9 |
2023 | 16,2 |
2024 | 14,8 |
2025 | 26,6 |
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