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Israels Markt für Nahrungsmittel zeigt sich krisenfest

Trotz des Irankriegs ist die Nachfrage nach Nahrungsmitteln in Israel stabil. Deutsche Hersteller profitieren von Auftragsfertigungen für israelische Lebensmittelketten.

Von Wladimir Struminski | Jerusalem

 

Ausblick der Nahrungsmittelindustrie in Israel

Bewertung:

  • Nachfrage nach Nahrungsmitteln wird von Krisen kaum beeinflusst.
  • Große Käuferschicht erwirbt hochwertige Produkte.
  • Die Importe steigen beständig.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: August 2026

  • Israels Nachfrage nach Nahrungsmitteln wird Prognosen zufolge weiter steigen - trotz kriegsbedingter Einschränkungen. Eine breite Bevölkerungsschicht kauft hochwertige Produkte.

    Die kriegerischen Auseinandersetzungen seit dem Jahr 2023 haben die Nachfrage nach Nahrungsmitteln in Israel nicht entscheidend beeinflusst. Dennoch hat der Irankrieg spürbare Auswirkungen auf die Logistik und die Versorgung des Landes, insbesondere im Bereich der Lebensmittelimporte. 

    Importabhängigkeit bei Rohstoffen

    Die israelische Nahrungsmittelindustrie ist nahezu vollständig von Importen abhängig. So deckt Israel den Getreidebedarf zu rund 90 Prozent durch Einfuhren. Milchprodukte, die in Israel verbraucht werden, stammen zwar fast ausschließlich aus inländischer Produktion. Diese ist jedoch fast vollständig von Futtermittelimporten für die Nutztiere abhängig. Kriegsbedingte Störfälle in den Seehäfen würden nicht nur die Einfuhr von Rohstoffen behindern, sondern auch von Vorprodukten der Lebensmittelindustrie. 

    4,6 Milliarden US$

    betrug die Einfuhr von Nahrungsmitteln 2025.

    Im Jahr 2025 erzielte die israelische Lebensmittelbranche auf dem Binnenmarkt einen Umsatz von umgerechnet 24,8 Milliarden US-Dollar (US$) und deckte damit 84,4 Prozent des Bedarfs. Die heimische Industrie dominiert den Markt für verarbeitete Lebensmittel.

    Ausländische Anbieter mit Umsatzsteigerungen

    Trotz der Dominanz der lokalen Hersteller bauen ausländische Exporteure ihren Umsatz auf dem israelischen Markt beständig aus. Im Zeitraum von 2021 bis 2025 stieg die jährliche Einfuhr von Produkten der Nahrungsmittelindustrie (HS-Abschnitt IV) in laufenden Preisen (US$) kumuliert um 51,3 Prozent. Die Einfuhrquote stieg bis 2024 auf den Höchstwert von 16,4 Prozent. Im Jahr 2025 sank sie wieder auf 15,6 Prozent.

    Die führende Importkategorie war im Jahr 2025 Getränke, dicht gefolgt von Rückständen und Abfällen der Nahrungsmittelindustrie zur Futtermittelproduktion sowie Futterzubereitungen. In der Kategorie Lebensmittel lagen verschiedene Zubereitungen aus Getreide, Mehl, Stärke oder Milch vorne. Die Nahrungsmittelimporte kommen hauptsächlich aus Westeuropa, den USA und Fernost.

    Höher als die Einfuhr von Nahrungsfertigprodukten (HS- Abschnitt IV) waren im Jahr 2025 die Importe von Vorprodukten: Tiere und Waren tierischen Ursprungs, pflanzliche Waren sowie Fette und Öle (HS-Abschnitte I bis III). Diese beliefen sich auf 6,4 Milliarden US$.

    Nachfrage nach gesunden und hochwertigen Lebensmitteln wächst

    Trotz des vergleichsweise hohen Wohlstandsniveaus ist die Einkommensverteilung in Israel relativ ungleich. Daher bleibt die Nachfrage nach preisgünstigen Massenprodukten in weiten Teilen der Bevölkerung hoch. Gleichzeitig verfügt das Land über eine breite kaufkräftige Verbraucherschicht, die hochwertige Lebensmittel nachfragt. In diesem Segment sind auch Convenience- und Fertiggerichte stark verbreitet.

    Das Bewusstsein für gesunde Ernährung wächst. Staatliche Vorgaben und Maßnahmen des Gesundheitswesens unterstützen diesen Trend. So müssen etwa Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an gesättigten Fetten, Salz oder Zucker mit einem roten Warnhinweis versehen sein. Diese Kennzeichnungspflicht gilt auch für importierte Produkte.

    Besonders gefragt sind naturbelassene Lebensmittel ohne künstliche Zusatzstoffe, Konservierungsmittel, Aromen oder Farbstoffe. Auch fettarme und proteinreiche Produkte erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Schätzungen zufolge leben rund 5 Prozent der Israelis vegan und weitere 10 Prozent vegetarisch. Dieser Trend stärkt die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen zu Milch- und Fleischprodukten.

    Kultiviertes Fleisch (In-vitro-Fleisch) spielt im israelischen Lebensmittelmarkt allerdings bislang keine nennenswerte Rolle. Zwar gehört Israel zu den technologischen Vorreitern in diesem Bereich, doch fehlen bisher sowohl die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine wettbewerbsfähige Produktion als auch eine ausreichende Marktnachfrage.

    Von Wladimir Struminski | Jerusalem

  • Die Nahrungsmittelproduktion gehört zu den wichtigsten Industriezweigen Israels. Die Branche ist stark konzentriert und vor allem auf den Binnenmarkt ausgerichtet.

    Im Jahr 2025 entfielen 14,9 Prozent der gesamten israelischen Industrieproduktion auf den Nahrungsmittelsektor. Die Branche erzielt 96 Prozent ihres Umsatzes auf dem Binnenmarkt. Entsprechend gering ist die Exportquote mit 4 Prozent. Der Markt wird von wenigen großen, einheimischen Lebensmittelkonzernen dominiert. 

    Produktivität der Branche stagniert

    Israels Nahrungsmittelindustrie leidet unter stagnierender Produktivität. Zwischen 2021 und 2025 stieg die reale Wertschöpfung der Branche laut nationaler Industriestatistik kumuliert um 9,7 Prozent. Die Preise für Vorprodukte und Verpackungen sind in den vergangenen fünf Jahren gestiegen. Zudem verteuerten sich die Seetransporte infolge der geopolitischen Konflikte im Nahen Osten. Gleichzeitig haben die Unternehmen keine Stellen abgebaut, sodass sich die Wertschöpfung je Beschäftigtem verringerte. Sie sank in den Jahren 2021 bis 2025 um 1,7 Prozent.

    Das israelische Zentralamt für Statistik veröffentlicht seit einigen Jahren keine Aufschlüsselung der Umsätze nach Segmenten. Nach Daten zu den Lebenshaltungskosten bildeten Brot, Getreide und Teigwaren im Jahr 2025 mit einem Konsumwert von umgerechnet 5,1 Milliarden US$ die wichtigste Warengruppe, gefolgt von Milchprodukten mit 4,4 Milliarden US$ und Getränken mit 3,6 Milliarden US$. Auf Fleisch- und Fischprodukte entfielen 1,4 Milliarden US$.

     

    Einfuhr von Nahrungsmitteln und Getränken nach Israel In Millionen US-Dollar
    HSWarenbezeichnung

    2023

    2024

    2025

    16Zubereitungen von Fleisch, Fischen udgl.  

    175

    259

    193

    17Zucker und Zuckerwaren

    438

    434

    391

    18Kakao und Kakaozubereitungen

    306

    363

    507

    19Zubereitungen von Getreide, Mehl, Stärke oder Milch; Backwaren

    548

    537

    615

    20Zubereitungen von Gemüse, Früchten oder anderen Pflanzenteilen

    429

    532

    562

    21Verschiedene essbare Zubereitungen

    520

    550

    648

    22Getränke, alkoholische Flüssigkeiten und Essig

    583

    643

    658

    23Rückstände und Abfälle der Nahrungsmittelindustrie; Futterzubereitungen

    670

    646

    653

    24Tabak und verarbeiteter Tabakersatz

    282

    308

    341

    Quelle: UN Comtrade Database, 2026

    Deutschland zählt zu den wichtigsten Lieferländern

    Deutschland gehört zu den führenden Lieferanten von Nahrungsmitteln für Israel. Die Einfuhren unterliegen jedoch deutlichen Schwankungen. Laut UN Comtrade Database bewegte sich ihr Wert in den Jahren 2021 bis 2025 139 Millionen und 186 Millionen US$. Mit 186 Millionen US$ erreichten die Importe aus Deutschland den bisher höchsten Wert. Der deutsche Anteil an den israelischen Nahrungsmittelimporten lag damit bei 4,1 Prozent.

    Wichtigste deutsche Lieferkategorie waren im Jahr 2025 Kakao und Kakaozubereitungen mit einem Importwert von 62 Millionen US$. Das entspricht rund einem Drittel aller Nahrungsmittelimporte aus Deutschland. Weitere bedeutende Warengruppen waren Getränke im Wert von 55 Millionen US$ sowie Zucker und Zuckerzubereitungen für 51 Millionen US$. Besonders beliebte Produkte in Israel sind deutsche Schokolade, kakaohaltige Vorprodukte, Knabberwaren, Bonbons, Gebäck und Bier.

    Auftragsfertigung für israelische Eigenmarken bietet Chancen

    Deutschen Herstellern bieten sich Potenziale bei der Auftragsfertigung für israelische Handelsketten und Importeure. Mehrere führende israelische Handelsketten bieten eine breite Produktpalette unter ihren Hausmarken an. Zu den wichtigsten Anbietern zählen Marktführer Shufersal und der Discounter Rami Levy. Auch Yohananof hat sein Eigenmarkensortiment in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Hinzu kommen Carrefour Israel sowie die mittelgroße Handelskette Mahsanei HaShuk. 

    Eigenmarkenprodukte gelangen auch über Lebensmittelimporteure in den Einzelhandel, darunter Willi-Food, Tomer, Taaman sowie Schestowitz mit der Marke Master Chef. Zudem lassen israelische Lebensmittelhersteller einzelne Produkte ihrer Marken von deutschen Unternehmen fertigen. Dazu gehört unter anderem die Strauss Group, einer der beiden größten Lebensmittelhersteller des Landes.

    Eine Auswertung von Unternehmenswebsites und israelischen Produktdaten zeigt eine Reihe deutscher Unternehmen, die für den israelischen Markt produzieren. Dazu gehören unter anderem Coppenrath Feingebäck (Geeste), Krüger (Bergisch Gladbach) und Brüggen (Lübeck). Sie stellen Eigenmarken für Handelsketten her. Bodeta (Oschersleben) produziert für die Strauss-Marke Elite/MUST.

     

    Wichtige Unternehmen der Lebensmittelbranche in IsraelUmsatz in Millionen US-Dollar

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz 2025

    Tnuva GroupMolkereiprodukte

    2.290

    Strauss GroupMolkereiprodukte, Kaffee, Knabberartikel, Salate

    2.268

    Coca Cola IsraelGetränke

    2.232

    OsemFertiggerichte, Knabberartikel, Salate

    1.421

    Soda StreamTrinkwassersprudler

    957

    TempoGetränke

    813

    Unilever IsraelCerealien, Süßwaren, Knabberartikel, Speiseeis

    754

    TempoGetränke

    813

    BaladiFleischverarbeitung; Tiefkühlkost

    438

    Of TovGeflügeltiefkühlkost

    277

    SugatZucker, Reis, Mehl und andere Grundnahrungsmittel

    272

    Quelle: Dun and Bradstreet Israel

     

    Von Wladimir Struminski | Jerusalem

  • Die Einfuhr von Nahrungsmitteln unterliegt der Kontrolle des Gesundheitsministeriums. Der Import koscherer Produkte ist meistens keine Pflicht, aber vorherrschende Praxis.

    Nur zugelassene Importeure dürfen in Israel Nahrungsmittel einführen. Die Zulassung erfolgt durch das Gesundheitsministerium. Es stellt sicher, dass zugelassene Importeure in der Lage sind, alle Anforderungen an die importierten Produkte und an das Einfuhrverfahren zu erfüllen. 

    Beim Einfuhrverfahren wird unterschieden zwischen "nicht empfindlichen" – also für die öffentliche Gesundheit risikoarmen – und "empfindlichen" Produkten. Zu letzteren gehören beispielsweise Fleisch- und Fischprodukte. Sie bedürfen einer Vorab-Einfuhrgenehmigung des Gesundheitsministeriums und unterliegen strengeren Kontrollen.

    Dagegen reicht bei den "nicht empfindlichen" Nahrungsmitteln eine Konformitätserklärung des Importeurs aus, wonach das Produkt der dafür geltenden israelischen Norm entspricht. Das Gesundheitsministerium behält sich dabei das Recht auf Stichprobenkontrollen vor.

    Von dieser Regelung können sogenannte ordnungsgemäße – "zuverlässig" wäre die korrektere sinngemäße Übersetzung – Importeure profitieren. Als solche werden Importeure definiert, die sich verpflichten, ein strenges Überwachungssystem für die importierten Waren einzuführen und aufrechtzuerhalten. Dazu gehört unter anderem die Kontrolle der Temperatur, bei der die Produkte nach Israel transportiert werden. Das Überwachungssystem muss internationalen Standards folgen. Für andere Importeure "empfindlicher Produkte" gelten dagegen strengere Kontrollen. 

    EU-Normen reichen oft aus

    Im Jahr 2025 hat Israel 24 EU-Verordnungen für den Lebensmittelsektor übernommen. Sie wurden in das israelische Gesetz zum Schutz der öffentlichen Gesundheit Public Health Protection (Food) Law aufgenommen. Dadurch genügt es, wenn die importierten Nahrungsmittel EU-Normen erfüllen. Diese Maßnahme erfolgte im Rahmen einer umfassenderen Reform zur Übernahme europäischer Direktiven auch für andere Produkte – unter dem Namen "Was für Europa gut ist, ist auch für Israel gut".

    Zwar gibt es einige Ausnahmen. So bleibt die Anordnung in Kraft, Produkte mit hohem Gehalt an Zucker, Natrium und gesättigten Fetten als gesundheitsschädlich zu kennzeichnen. Zudem werden besonders sensible Lebensmittel, wie beispielsweise Babynahrung, auch bei der Einfuhr durch einen "zuverlässigen Importeur" einer Prüfung unterzogen. Erst danach erlaubt das Gesundheitsministerium die Zollfreigabe. Dennoch bedeutet die Übernahme europäischer Regeln insgesamt eine Erleichterung der Nahrungsmitteleinfuhr.

    Wohlgemerkt geht es bei der Reform nicht um das Ursprungsland der Waren. Vielmehr kommt es darauf an, ob das betreffende Produkt den Bestimmungen der Marktzulassung entspricht.

    Koschere Nahrungsmittel sind die Regel

    Die meisten importierten Nahrungsmittel sind koscher, entsprechen also den religiösen Speisegesetzen des Judentums. Die Einfuhr nicht koscherer Nahrungsmittel – mit Ausnahme von Fleischprodukten – ist zwar nicht untersagt, doch rund 70 Prozent der israelischen Juden ernähren sich koscher. Ein großer Teil von ihnen würde Lebensmittelgeschäfte, die auch nicht koschere Erzeugnisse anbieten, nicht aufsuchen. Dagegen macht es säkularen Juden nichts aus, koschere Produkte zu kaufen. Wer gezielt bestimmte nichtkoschere Nahrungsmittel sucht, kann sie in Geschäften finden, die auf religiöse Kunden verzichten.

    Um in Israel als koscher verkauft zu werden, bedürfen importierte Nahrungsmittel des Koscher-Zertifikats eines vom israelischen Oberrabbinat für diesen Zweck anerkannten Rabbiners. 

    Um koscher produzieren zu können, muss ein ausländischer Betrieb zweckgebundene Produktionslinien auf koschere Herstellung umrüsten. Dazu gehören eine gründliche Reinigung der Produktionsanlagen, der Einsatz koscherer Rohstoffe sowie Gebühren für die rabbinische Überwachung und Koscher-Zertifizierung. Solcher Aufwand ist hauptsächlich im Rahmen einer festen Lieferbeziehung sinnvoll.

     

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung. 

    Von Wladimir Struminski | Jerusalem

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Israel

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministry of Health

    Gesundheitsministerium

    Ministry of Economy and Industry

    Wirtschaftsministerium (u.a. für Außenhandel und Normenwesen zuständig)

    Ministry of Agriculture and Food Security

    Landwirtschaftsministerium (u.a. für die Einfuhr von Vorprodukten für die Nahrungsmittelindustrie zuständig)

    Food Industries Association

    Fachverband der Nahrungsmittelindustrie (im Rahmen der Industriellenvereinigung - Israel Manufacturers Association tätig)

    Federation of Israeli Chambers of Commerce

    Vereinigung der Handelskammern (agiert u.a. als Vertretung der Importwirtschaft)
    IsrafoodNahrungsmittelmesse

     

    Von Wladimir Struminski | Jerusalem