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Japan investiert in Halbleiterchemikalien und Arzneimittel

Japans Chemieindustrie entwickelt sich zweigeteilt: Während Unternehmen Ethylenkapazitäten abbauen, investieren sie in Spezialchemikalien, Pharma und Batteriematerialien.

Frank Robaschik

Von Frank Robaschik | Tokyo

Ausblick der chemischen Industrie in Japan

Bewertung:

  • Viel Schwung in der Halbleiterindustrie, einschließlich staatlicher Förderungen für Hersteller von Chemikalien.
  • Neue Kapazitäten entstehen bei Batteriechemikalien und Arzneimitteln.
  • Mit staatlicher Förderung versuchen japanische Firmen Technologien zur Dekarbonisierung zu entwickeln.
  • Bei Basischemikalien reduziert der Aufbau von Kapazitäten in China die Exportmöglichkeiten Japans.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: August 2024.

  • Japans Chemiefirmen treiben vor allem Investitionen bei Halbleiterchemikalien und Pharmazeutika voran. Sie planen dabei viele Projekte im Ausland.

    Die japanische Regierung unterstützt die Halbleiter- und Batterieindustrie mit hohen Fördermitteln. Beide Branchen sollen im Inland Kapazitäten aufbauen, wofür sie mehr Chemikalien benötigen. Teil der japanischen Wachstumsstrategie ist zudem, die Produktion von Pharmazeutika zu stärken.

    In der Spezialchemie bauen japanische Firmen ihr Angebot aus. Einige von ihnen zählen in ihren Nischen zu den Weltmarktführern. Beispiele sind die Halbleiterchemie, Batteriechemikalien und Kohlenstofffasern. Japanische Unternehmen investieren zudem kräftig in Forschung und Entwicklung. Zusätzlich zum organischen Wachstum kaufen sie Firmen zu. Damit wollen sie ihr Produktportfolio stärken und weitere Marktanteile gewinnen.

    Viel Schwung bei Halbleiterchemikalien

    Die Anbieter von Halbleiterchemikalien profitieren von Großinvestitionen bei Chipprojekten in Japan. So expandiert der taiwanische Chiphersteller TSMC auf Kyushu. Gleichzeitig baut Japan den Auftragsfertiger Rapidus auf. In der Folge steigen hier auch die Investitionen in Vorprodukte.

    Das Ministry of Economy, Trade and Industry (METI) gewährt finanzielle Unterstützung. So soll Sumco für seine Waferproduktion in der Präfektur Saga bis zu einem Drittel seiner Investitionskosten als Subvention erhalten. Sumco will für das Vorhaben 388 Millionen US$ aufwenden. Das ist nur noch rund ein Viertel der Summe, die das Unternehmen nach ursprünglichen Plänen aus dem Jahr 2023 investieren wollte. Grund ist laut Meldungen der japanischen Presse die schwächere Nachfrage nach Wafern für PCs und Smartphones. Dagegen steigt die Nachfrage nach Wafern für Anwendungen in der künstlichen Intelligenz. 

    Auch weitere Firmen wie NGK, Zeon und Fuso Chemical treiben größere Vorhaben bei Halbleiterchemikalien in Japan voran. Der französische Industriegasspezialist Air Liquide errichtet zwei weitere Anlagen für Gase für die Halbleiterindustrie. 

    Ein größeres Vorhaben von Nippon Shokubai für Elektrolyte für Lithium-Ionen-Batterien unterstützt Japans Wirtschaftsministerium ebenfalls mit Subventionen. JX Advanced Metals wiederum erweitert seine Kapazitäten bei Substraten für die optische Kommunikation.

    Ausgewählte Investitionsprojekte der chemischen Industrie in Japan Investitionssumme in Millionen US-Dollar
    Akteur/Projekt

    Investitions-summe *

    ProjektstandAnmerkungen
    NGK/Neue Fabrik in Nomi in der Präfektur Ishikawa 

    468

    4/2027 - 10/2029Erhöhung der Produktionskapazität von Keramik für Halbleiterfertigungsanlagen
    Zeon/Bau eines Werks in Shunan in der Präfektur Yamaguchi

    468

    2/2026 - 2028Cyclo-Olefin-Polymere für Medizintechnik und Halbleiterindustrie, Kapazität von 12.000 Tonnen pro Jahr
    FP Corporation/neue Fabrik in Bando in der Präfektur Ibaraki

    388

    5/2026 - 9/2028Werk für ultrasteife Polypropylen-Platten und Logistikanlagen
    Sumco / Erweiterung der Produktion in den Präfekturen Yamagata und Saga

    388

    Beginn der Lieferungen 2028 - 2031Erweiterung Produktion von Halbleitersilizium und von 300-mm-Siliziumwafer hoher Präzision in Imari (Präfektur Saga) und Yonezawa (Präfektur Yamagata)
    Nippon Shokubai/ neue Fabrik in Kitakyushi in der Präfektur Fukuoka

    288

    1/2026 -12/2028Batterieelektrolyt Lithiumbis(fluorsulfonyl)imid (LiFSI), Kapazität 3.000 Tonnen pro Jahr
    Fuso Chemical/neue Fabrik in Fukuchiyama in der Präfektur Kyoto

    267

    3/2026 - 2/2029Siliziumdioxid als Rohstoff für Poliermittel für die Halbleiterproduktion
    Air Liquide / zwei neue Anlagen in Hiroshima

    226

    4/2026 - 12/2028Industriegase für die Halbleiterindustrie: ultrareiner Stickstoff, Sauerstoff und Argon
    JX Advanced Metals/Erweiterung in Kitaibaraki in der Präfektur Ibaraki

    134

    2/2026 - 2030Verdreifachung der Kapazität bei Indiumphosphid für Anwendungen in der optischen Kommunikation.
    * Umgerechnet zum Wechselkurs 1 US$ = 149,56 Yen. Quelle: Unternehmensangaben 2026; Ministry of Economy, Trade and Industry 2026

    Investitionen auch bei Arzneimitteln

    Takeda Pharmaceutical plant in Osaka bis 2029 eine Erweiterungsinvestition von rund 1 Milliarde US-Dollar (US$) für plasmabasierte Therapien. Chugai Pharmaceutical steckt von 2026 bis 2028 rund 535 Millionen US$ in ein neues Laborgebäude in Tokyo. Die Japan Blood Products Organization gab im Juli 2026 Pläne für den Bau einer neuen Anlage für Plasmapräparate in Chitose auf Hokkaido bekannt. Dafür und für den Ausbau zweier bestehender Standorte will sie 1,3 Milliarden US$ investieren.

    Das deutsche Unternehmen Boehringer Ingelheim errichtet von 2026 bis 2028 für rund 240 Millionen Euro ein weiteres Werk in Higashine in der Präfektur Yamagata. Das Werk ist auf die Versorgung japanischer Patienten ausgelegt und soll darüber hinaus Pharmazeutika für den Export nach Asien und Ozeanien produzieren. Die US-amerikanische Firma Eli Lilly steckt von 2026 bis 2028 rund 134 Millionen US$ in den Ausbau von Produktion und Lagerung in Kobe in der Präfektur Hyogo.

    Im Ausland setzen die Firmen vor allem auf Arzneimittel

    In der Petrochemie will Shintech in den kommenden Jahren für 3,4 Milliarden US$ sein Werk in Plaquemine im US-Bundesstaat Louisiana ausbauen. Die Erweiterungen betreffen Ethylen, Vinylchloridmonomer und kaustische Soda. Diese werden zur Produktion von Polyvinylchlorid benötigt. Shintech ist die US-Tochterfirma von Shin-Etsu Chemical.

    Bei Arzneimitteln investiert Fujifilm im Ausland massiv in den Ausbau seiner Kapazitäten in der Auftragsproduktion. Von 2024 bis 2028 investiert das Unternehmen noch einmal 1,2 Milliarden US$ in den USA. Bis dahin will Fujifilm bei Biopharmazeutika weltweit über Kapazitäten von 750.000 Litern verfügen. Daiichi Sankyo erweitert für rund 1 Milliarde Euro seinen Standort Pfaffenhofen in Deutschland. Asahi Kasei schloss im April 2026 die rund 780 Millionen Euro schwere Übernahme des deutschen Pharmaunternehmens Aicuris ab. Shionogi vereinbarte im Oktober 2026 den Erwerb des US-amerikanischen Wettbewerbers IntraBio. Der Kauf des Spezialisten für Medikamente für seltene Krankheiten soll Shionigi 2 Milliarden US$ kosten.

    Bei Batteriechemikalien baut Asahi Kasei für 1,2 Milliarden US$ ein Werk für Separatoren in Kanada. Die Inbetriebnahme verzögert sich jedoch wegen des zurzeit schwächeren Wachstums der Elektromobilität in Nordamerika. Anstatt des ursprünglich geplanten Starts im Jahr 2027 soll dieser nun etwa 1,5 bis 2 Jahre später erfolgen. Bei Farben vereinbarte Nippon Paint im Oktober 2026 die Übernahme des Südostasiengeschäfts des niederländischen Wettbewerbers Akzo Nobel. Diese soll 1,35 Milliarden US$ kosten und bis Mitte 2027 abgeschlossen sein. 

    Von Frank Robaschik | Tokyo

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  • Japan fördert die Entwicklung nachhaltiger Technologien. Sobald diese künftig am Markt nachgefragt sind, will das Land sie anbieten können.

    Die Bepreisung von Kohlenstoffdioxid ist in Japan bisher moderater als in Deutschland. Daher ist der Handlungsdruck für klimafreundliche Lösungen geringer. Dennoch ist einiges im Fluss. Mit Unterstützung des japanischen Staats entwickeln japanische Firmen vor allem Technologien zur Dekarbonisierung. Bisher beschränkt sich die Anwendung oft auf Demonstrationsprojekte, die zeigen, dass die Technologien funktionieren. Bemühungen gibt es etwa beim Recycling, bei der Speicherung von Kohlenstoffdioxid, bei Wasserstoff und nachhaltigen Treibstoffen für Flugzeuge (sustainable air fuel, SAF). 

    Im Ausland gibt es ein großes Nachhaltigkeitsvorhaben unter Beteiligung japanischer Firmen. In den USA wollen der US-amerikanische Ammoniakspezialist CF Industries, der japanische Stromerzeuger JERA und das japanische Handelshaus Mitsui klimafreundliches Ammoniak produzieren. Im August 2026 erfolgte der erste Spatenstich für das Vorhaben: Es soll eine Kapazität von bis zu 1,4 Millionen Tonnen Ammoniak pro Jahr haben. Für das Projekt in Ascencion Parish im US-Bundesstaat Louisiana wollen die Partner die Speicherung von Kohlenstoffdioxid (CCS) nutzen und 3,7 Milliarden US-Dollar (US$) investieren. Die beiden japanischen Firmen halten zusammen einen Anteil von 60 Prozent an dem Vorhaben. Die kommerzielle Inbetriebnahme ist für 2029 geplant. Linde plant, für dieses Ammoniakprojekt für mehr als 400 Millionen US$ einen Luftzerleger zu bauen. 

    Kreislaufwirtschaft auf dem Vormarsch

    Beim Ausbau der Kreislaufwirtschaft steht die Entwicklung biologisch abbaubarer Kunststoffe und leicht recycelbarer neuer Materialien im Fokus. Japan will die Wiederverwertungsrate von Kunststoffverpackungen bis 2030 auf 60 Prozent steigern. Im Jahr 2024 wurde laut dem Plastic Waste Management Institute hierbei ein Wert von 34,4 Prozent erreicht. Daher erscheint das Ziel für 2030 ambitioniert. 

    Für die Wiederverwertung aller Kunststoffe gilt ein Ziel von 100 Prozent bis 2035. Dabei ist allerdings auch die thermische Wiederverwertung, also die Verbrennung, zulässig. Im Jahr 2024 erreichte Japan so eine Wiederverwertungsrate bei Kunststoffen von 89 Prozent. Tatsächlich recycelt wurden von der Gesamtmenge 22 Prozent, davon 20 Prozent physisch und 2 Prozent chemisch. Künftig soll insbesondere das chemische Recycling zunehmen.

    Bei Wasserstoff gibt es einige interessante Vorhaben

    Bei Wasserstoff unterzeichneten Daimler Truck, die Hamburger Hafen und Logistik sowie Kawasaki Heavy Industries im Oktober 2025 eine Absichtserklärung für eine Kooperation. Die Partner wollen bis Anfang der 2030er Jahre eine Lieferkette für Flüssigwasserstoff in Europa aufbauen.

    In Japan legten Japan Suiso Energy und Kawasaki Heavy Industries im November 2025 den Grundstein für ein Flüssigwasserstoffterminal in Kawasaki in der Präfektur Kanagawa. Dieses Terminal soll unter anderem einen Speicher für 50.000 Kubikmeter Flüssigwasserstoff erhalten und im Fiskaljahr 2030 (April bis März) in Betrieb gehen. Bis dahin will Kawasaki Heavy Industries auch einen Tanker für 40.000 Kubikmeter Flüssigwasserstoff bauen. Beide Vorhaben werden von der staatlichen New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) finanziell unterstützt. Der Flüssigwasserstoff selbst soll aus dem Ausland kommen.

    Im Inland will Japan zudem einen Transportkorridor für Wasserstofffahrzeuge von Fukushima nördlich von Tokyo bis Fukuoka auf Kyushu bauen. Dabei sollen circa 30 Wasserstofftankstellen primär für Lastkraftwagen entstehen. Daneben gibt es in acht Präfekturen vom Zentralstaat unterstützte regionale Wasserstoff-Initiativen: in Tokyo, Fukushima, Kanagawa, Hokkaido, Yamanashi, Aichi, Fukuoka und Hyogo. Dazu gehören auch die Städte Kawasaki, Yokohama, Nagoya und Kobe. Die Präfektur Tokyo denkt unter anderem an den Bau von Pipelines.

    Bei nachhaltigem Flugbenzin startet Japan langsamer als Europa

    Beim Flugbenzin SAF ist seit 2025 eine Anlage von Cosmo Oil in Osaka mit einer Kapazität von 30 Millionen Litern pro Jahr in Betrieb. Weitere Anlagen planen ENEOS in der Präfektur Wakayama, Idemitsu Kosan in der Präfektur Yamaguchi, Taiyo Oil in der Präfektur Okinawa, Cosmo Oil in der Präfektur Kagawa und Idemitsu Kosan in der Präfektur Chiba. Japan subventioniert SAF-Vorhaben je nach Technologie bis zu einem Drittel beziehungsweise bis zur Hälfte der Investitionskosten. Das Wirtschaftsministerium METI hatte 2025 für diese Subventionen ein Budget von mehr als 2 Milliarden US$ vorgesehen.

    Allerdings dürfte keine der Anlagen vor 2028 mit der kommerziellen Produktion starten. Japan hat zwar bereits seit Längerem das offizielle Ziel ausgegeben, bis 2030 einen Anteil von 10 Prozent SAF am genutzten Flugbenzin zu erreichen. Bisher gibt es jedoch keinerlei Pflichtanteile. Im August 2026 schlug ein Beratungsgremium des METI die Einführung erster Pflichtanteile für SAF vor. Gemäß dem Vorschlag sollen diese 2030 mit 1 Prozent beginnen und bis 2034 auf 5 Prozent steigen. Sie sollen zudem nur für internationale Flüge gelten, die von Japans sieben größten Flughäfen starten.

    Von Frank Robaschik | Tokyo

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  • Japans Chemieindustrie erzielt hohe Umsätze, doch die Produktion vieler Grundstoffe sinkt. Chancen bieten vor allem Spezialchemie und Arzneimittel.

    Die Chemiebranche ist nach der Automobilindustrie der zweitgrößte Industriezweig Japans. Teilbereiche wie Pharmazeutika und Spezialchemie weisen hohe Margen und eine hohe Forschungs- und Entwicklungsintensität auf. Auch die Wertschöpfung ist insgesamt hoch. Nach vorläufigen Zahlen des Wirtschaftsministeriums setzte die chemische Industrie 2025 umgerechnet rund 307 Milliarden US-Dollar (US$) um. Organische Chemikalien und Arzneimittel sind die beiden größten Absatzsegmente.

    Produktion ausgewählter chemischer Erzeugnisse in Japan Absatz in Milliarden US-Dollar; Veränderung und Marktanteil in Prozent *
    Sparte

    2025

    Veränderung 2025/2024

    Marktanteil

    Organische Chemikalien

    106,7

    5,9

    34,7

    Arzneimittel

    94,7

    4,6

    30,8

    Reinigungsmittel

    29,6

    4,1

    9,6

    Anorganische Chemie

    27,6

    6,8

    9,0

    Kosmetika

    15,6

    8,4

    5,1

    Chemischer Dünger

    2,3

    10,9

    0,7

    Andere

    30,7

    6,8

    10,0

    Chemische Industrie insgesamt

    307,2

    5,7

    100,0

    * Kalenderjahr; Umrechnung zum Wechselkurs 1 US$ = 149,56 Yen.Quelle: Economic Structure Survey (Keizai Kozo Jittai Chosa)/Ministry of Economy, Trade and Industry, 2026

    Produktionsmengen sinken

    Bei Grundchemikalien wird sich die Nachfrage in Japan insgesamt wenig ändern. Die Versorgung mit chemischen Basismaterialien wie Ethylen und Propylen ist ausreichend. In Ethylenäquivalenten geht die Mizuho Bank davon aus, dass die Inlandsnachfrage 2030 wie schon 2025 bei 3,9 Millionen Tonnen bleibt. Japan ist bei Grundchemikalien ein Nettoexporteur. Im Ausland, allen voran in China, entstehen jedoch neue, große petrochemische Anlagen. Das verschlechtert die Exportaussichten der japanischen Branchenanbieter. Sie planen daher, ihre Kapazitäten im Inland zu verringern. Nach Schätzungen der Mizuho Bank sinken diese von 4,8 Millionen Tonnen Ethylenäquivalent im Jahr 2025 auf 4,4 Millionen Tonnen im Jahr 2030. Gleichzeitig soll die Zahl der Ethylenanlagen von zwölf auf acht zurückgehen.

    Mit der schrumpfenden Bevölkerung sinken die Produktionsmengen auch bei anderen chemischen Erzeugnissen. Laut der Japan Plastic Industry Federation lag die Erzeugung von Kunststoffen 2025 bei 8,9 Millionen Tonnen. Fünf Jahre zuvor waren es noch 9,6 Millionen Tonnen. Für Seifen und Reinigungsmittel fiel die Produktion laut der Japan Soap and Detergent Association zwischen 2020 und 2025 von 2,5 Millionen Tonnen auf 2,3 Millionen Tonnen. Bei Farben und Lacken verzeichnete die Japan Paint Manufacturers Association im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 1,5 Millionen auf 1,4 Millionen Tonnen. Bei Düngemitteln fiel die Produktion laut Daten der Japan Fertilizer & Ammonia Producers Association von 1,9 Millionen auf 1,5 Millionen Tonnen.

    Wichtige Branchenunternehmen in Japan Umsatz in Milliarden US-Dollar

    Unternehmen

    Hauptsparten

    Umsatz 2025 1) 

    Mitsubishi Chemical GroupDiversifizierter Chemiekonzern24,6
    Fujifilm HoldingsFotolacke,  Spezialchemikalien, Arzneimittel22,3
    Asahi KaseiDiversifizierter Chemiekonzern20,4
    Toray IndustriesChemische Fasern17,2
    Shin-Etsu ChemicalPVC, Halbleitermaterial, Hochleistungswerkstoffe17,1
    Sumitomo Chemical Petrochemie, Agrarchemikalien15,5
    Nippon Paint Holdings Farben11,92)
    KaoReinigungsmittel, Kosmetika, Industriechemikalien11,32)
    Mitsui ChemicalsFunktionelle Harze, Petrochemie11,1
    ResonacPetrochemie, Organische Chemie9,02)
    1 Fiskaljahr 1. April 2025 bis 31. März 2026, Umrechnung zum Wechselkurs 1 US$ = 150,62 Yen; 2 Kalenderjahr 2025; Umrechnung zum Wechselkurs 1 US$ = 149,56 YenQuelle: Unternehmensangaben 2026

    Japan importiert vor allem Pharmazeutika

    Japan importierte 2025 laut UN Comtrade chemische Erzeugnisse im Wert von 80,3 Milliarden US$. Pharmazeutische Erzeugnisse waren dabei mit knapp 33,3 Milliarden US$ der größte Einfuhrposten. Danach folgten organische Chemikalien mit 14,4 Milliarden US$. 

    Aus Deutschland führte Japan chemische Erzeugnisse im Wert von 7,0 Milliarden US$ ein. Damit war Deutschland für Japan das drittgrößte Lieferland in diesem Bereich. Auf pharmazeutische Erzeugnisse entfielen dabei 4,4 Milliarden US$.

    Im Jahr 2025 erreichte der japanische Export chemischer Erzeugnisse 78,2 Milliarden US$. Dabei standen Kunststoffe mit einem Ausfuhrwert von 22,5 Milliarden US$ an erster Stelle. Bei organischen Chemikalien, dem zweitgrößten Ausfuhrposten, lag der Wert bei 12,6 Milliarden US$.

    Deutsche Firmen sind in Japan präsent 

    Von deutscher Seite produzieren BASF, Bayer, Boehringer Ingelheim, Covestro, Evonik, Henkel, Lanxess und Merck chemische Erzeugnisse in Japan. Zum Teil betreiben sie auch Joint Ventures mit japanischen Partnern. Wacker Chemie stellt in Tsukuba, in der Präfektur Ibaraki, im Joint Venture mit Asahi Kasei Silikone her. Beiersdorf kooperiert bei der Fertigung in Japan mit der japanischen Firma Kao. Heraeus fertigt in Japan im Joint Venture mit Shin-Etsu Chemical Quarzglas. 

    Freudenberg übernahm zum Jahreswechsel 2025/26 den Vliesstoffhersteller Japan Vilene Company komplett. Das deutsche Unternehmen zahlte rund 100 Millionen Euro für den Anteil von 25 Prozent. Diesen hatte bis dahin der japanische Partner Toray gehalten. Evonik eröffnete im November 2025 eine neue Anlage für Spezialmetalloxide in Yokkaichi, in der Präfektur Mie.

    Deutsche Firmen betreiben auch Forschung und Entwicklung in Japan. In der Chemieindustrie tun das beispielsweise Bayer, BASF, Evonik, Henkel, Japan Vilene Company (Freudenberg) und Heraeus (etwa über das Joint Venture Shin Etsu Quartz). Merck investiert von Ende 2024 bis 2026 über 70 Millionen Euro in ein neues Advanced Materials Center in Shizuoka, in der gleichnamigen Präfektur Shizuoka. Damit baut das Unternehmen seine Forschung und Entwicklung für die Elektronikindustrie in Japan aus.

    In Japans Chemieindustrie sind auch deutsche Handelshäuser aktiv, darunter unter anderem Bodo Möller (seit 2024), Brenntag (seit 2024), Nordmann (seit 2007) und SKW (seit 1986). Von Schweizer Seite ist das Handelshaus DKSH vertreten.

    Dazu kommen Zulieferungen deutscher Firmen für Projekte japanischer Unternehmen im In- und Ausland. Beispielsweise liefert Brückner Maschinenbau die Produktionslinie für das Werk für ultrasteife Polypropylen-Platten der FP Corporation in der Präfektur Ibaraki.

    Von Frank Robaschik | Tokyo

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  • Die Rahmenbedingungen für Japans Chemieindustrie ändern sich je nach übergeordnetem Ziel wie sichere Lieferketten, Vorgaben zu mehr Recycling und die Dekarbonisierung.

    Einen Überblick über die in Japan zu befolgenden gesetzlichen Bestimmungen liefert Chemsafetypro. Über die Handhabung von chemischen Erzeugnissen in Japan informiert das Wirtschaftsministerium  METI. Bei Wasserstoff gilt die Regulierung auf Grundlage des High Pressure Gas Safety Act als sehr anspruchsvoll. Die Zulassungsverfahren sind daher nach Einschätzung von Marktkennern langwierig und teuer.

    Rahmenbedingungen in Japan stabil

    Auskünfte zum Zollverfahren finden sich auf der Webseite der japanischen Zollbehörde. Umfangreiche Informationen zu Vorschriften und Standards bei der Einfuhr chemischer Erzeugnisse enthält der Bericht der JETRO "Handbook for Industrial Products Import Regulations 2009". Marktzugangsbeschränkungen sind im chemischen Bereich nicht bekannt.

    Die Einfuhr vieler Chemikalien nach Japan ist zollfrei. Auf andere fallen im internationalen Vergleich geringe Zölle an. Chemische Erzeugnisse mit Ursprung in der EU sind dank des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Japan mit nur sehr wenigen Ausnahmen zollfrei. Weitere Details zum japanischen Zolltarif finden sich auf den Internetseiten des japanischen Zolls.

    Ausdauer und Geduld sind wichtig beim Marktzugang

    Deutsche Produkte kommen vor allem dann zum Zug, wenn sie Lösungen für Probleme bieten, die der Kunde sonst nicht lösen kann. Waren und Dienstleistungen „Made in Germany“ sind daher vor allem dann nachgefragt, wenn sie an der Spitze der technischen Entwicklung stehen. Chancen gibt es insbesondere bei Arzneimitteln, Chemikalien, Maschinen und Ausrüstungen einschließlich Teilen davon. Hinzu kommen Software für die Automatisierung sowie Mess- und Regeltechnik.

    Der Marktzugang ist generell zeitintensiv und erfordert viel Geduld. Wer Vertrauen erworben und den Zugang geschafft hat, findet dafür in Japan in der Regel sehr zuverlässige Partner.

    Bei Projekten in neu entstehenden Bereichen wie Wasserstoff oder Speicherung von Kohlenstoffdioxid kann die Beteiligung an Demonstrationsprojekten den Zugang zu zukünftigen großen Projekten bedeuten. Den zeitlichen und regulatorischen Aufwand sollte man jedoch auch hier nicht unterschätzen. 

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Frank Robaschik | Tokyo

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  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Japan

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministry of Economy, Trade and Industry (METI)

    Strategie und Planung der chemischen Industrie

    Japan Chemical Industry Association

    führender Fachverband
    Japan Plastics Industry FederationFachverband

    Japan Chemical Exporters and Importers Association

    Fachverband
    Japan Hydrogen AssociationFachverband
    Chemicals Evaluation and Research Institute, JapanTest- und Analyseinstitut

    Chemical Materials Japan

    Fachmesse
    Highly Functional Material WeekFachmesse