Japans Chemieindustrie erzielt hohe Umsätze, doch die Produktion vieler Grundstoffe sinkt. Chancen bieten vor allem Spezialchemie und Arzneimittel.
Die Chemiebranche ist nach der Automobilindustrie der zweitgrößte Industriezweig Japans. Teilbereiche wie Pharmazeutika und Spezialchemie weisen hohe Margen und eine hohe Forschungs- und Entwicklungsintensität auf. Auch die Wertschöpfung ist insgesamt hoch. Nach vorläufigen Zahlen des Wirtschaftsministeriums setzte die chemische Industrie 2025 umgerechnet rund 307 Milliarden US-Dollar (US$) um. Organische Chemikalien und Arzneimittel sind die beiden größten Absatzsegmente.
Produktion ausgewählter chemischer Erzeugnisse in Japan Absatz in Milliarden US-Dollar; Veränderung und Marktanteil in Prozent *| Sparte | 2025 | Veränderung 2025/2024 | Marktanteil |
|---|
| Organische Chemikalien | 106,7 | 5,9 | 34,7 |
| Arzneimittel | 94,7 | 4,6 | 30,8 |
| Reinigungsmittel | 29,6 | 4,1 | 9,6 |
| Anorganische Chemie | 27,6 | 6,8 | 9,0 |
| Kosmetika | 15,6 | 8,4 | 5,1 |
| Chemischer Dünger | 2,3 | 10,9 | 0,7 |
| Andere | 30,7 | 6,8 | 10,0 |
| Chemische Industrie insgesamt | 307,2 | 5,7 | 100,0 |
* Kalenderjahr; Umrechnung zum Wechselkurs 1 US$ = 149,56 Yen.Quelle: Economic Structure Survey (Keizai Kozo Jittai Chosa)/Ministry of Economy, Trade and Industry, 2026
Produktionsmengen sinken
Bei Grundchemikalien wird sich die Nachfrage in Japan insgesamt wenig ändern. Die Versorgung mit chemischen Basismaterialien wie Ethylen und Propylen ist ausreichend. In Ethylenäquivalenten geht die Mizuho Bank davon aus, dass die Inlandsnachfrage 2030 wie schon 2025 bei 3,9 Millionen Tonnen bleibt. Japan ist bei Grundchemikalien ein Nettoexporteur. Im Ausland, allen voran in China, entstehen jedoch neue, große petrochemische Anlagen. Das verschlechtert die Exportaussichten der japanischen Branchenanbieter. Sie planen daher, ihre Kapazitäten im Inland zu verringern. Nach Schätzungen der Mizuho Bank sinken diese von 4,8 Millionen Tonnen Ethylenäquivalent im Jahr 2025 auf 4,4 Millionen Tonnen im Jahr 2030. Gleichzeitig soll die Zahl der Ethylenanlagen von zwölf auf acht zurückgehen.
Mit der schrumpfenden Bevölkerung sinken die Produktionsmengen auch bei anderen chemischen Erzeugnissen. Laut der Japan Plastic Industry Federation lag die Erzeugung von Kunststoffen 2025 bei 8,9 Millionen Tonnen. Fünf Jahre zuvor waren es noch 9,6 Millionen Tonnen. Für Seifen und Reinigungsmittel fiel die Produktion laut der Japan Soap and Detergent Association zwischen 2020 und 2025 von 2,5 Millionen Tonnen auf 2,3 Millionen Tonnen. Bei Farben und Lacken verzeichnete die Japan Paint Manufacturers Association im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 1,5 Millionen auf 1,4 Millionen Tonnen. Bei Düngemitteln fiel die Produktion laut Daten der Japan Fertilizer & Ammonia Producers Association von 1,9 Millionen auf 1,5 Millionen Tonnen.
Wichtige Branchenunternehmen in Japan Umsatz in Milliarden US-DollarUnternehmen | Hauptsparten | Umsatz 2025 1) |
|---|
| Mitsubishi Chemical Group | Diversifizierter Chemiekonzern | 24,6 |
| Fujifilm Holdings | Fotolacke, Spezialchemikalien, Arzneimittel | 22,3 |
| Asahi Kasei | Diversifizierter Chemiekonzern | 20,4 |
| Toray Industries | Chemische Fasern | 17,2 |
| Shin-Etsu Chemical | PVC, Halbleitermaterial, Hochleistungswerkstoffe | 17,1 |
| Sumitomo Chemical | Petrochemie, Agrarchemikalien | 15,5 |
| Nippon Paint Holdings | Farben | 11,92) |
| Kao | Reinigungsmittel, Kosmetika, Industriechemikalien | 11,32) |
| Mitsui Chemicals | Funktionelle Harze, Petrochemie | 11,1 |
| Resonac | Petrochemie, Organische Chemie | 9,02) |
1 Fiskaljahr 1. April 2025 bis 31. März 2026, Umrechnung zum Wechselkurs 1 US$ = 150,62 Yen; 2 Kalenderjahr 2025; Umrechnung zum Wechselkurs 1 US$ = 149,56 YenQuelle: Unternehmensangaben 2026
Japan importiert vor allem Pharmazeutika
Japan importierte 2025 laut UN Comtrade chemische Erzeugnisse im Wert von 80,3 Milliarden US$. Pharmazeutische Erzeugnisse waren dabei mit knapp 33,3 Milliarden US$ der größte Einfuhrposten. Danach folgten organische Chemikalien mit 14,4 Milliarden US$.
Aus Deutschland führte Japan chemische Erzeugnisse im Wert von 7,0 Milliarden US$ ein. Damit war Deutschland für Japan das drittgrößte Lieferland in diesem Bereich. Auf pharmazeutische Erzeugnisse entfielen dabei 4,4 Milliarden US$.
Im Jahr 2025 erreichte der japanische Export chemischer Erzeugnisse 78,2 Milliarden US$. Dabei standen Kunststoffe mit einem Ausfuhrwert von 22,5 Milliarden US$ an erster Stelle. Bei organischen Chemikalien, dem zweitgrößten Ausfuhrposten, lag der Wert bei 12,6 Milliarden US$.
Deutsche Firmen sind in Japan präsent
Von deutscher Seite produzieren BASF, Bayer, Boehringer Ingelheim, Covestro, Evonik, Henkel, Lanxess und Merck chemische Erzeugnisse in Japan. Zum Teil betreiben sie auch Joint Ventures mit japanischen Partnern. Wacker Chemie stellt in Tsukuba, in der Präfektur Ibaraki, im Joint Venture mit Asahi Kasei Silikone her. Beiersdorf kooperiert bei der Fertigung in Japan mit der japanischen Firma Kao. Heraeus fertigt in Japan im Joint Venture mit Shin-Etsu Chemical Quarzglas.
Freudenberg übernahm zum Jahreswechsel 2025/26 den Vliesstoffhersteller Japan Vilene Company komplett. Das deutsche Unternehmen zahlte rund 100 Millionen Euro für den Anteil von 25 Prozent. Diesen hatte bis dahin der japanische Partner Toray gehalten. Evonik eröffnete im November 2025 eine neue Anlage für Spezialmetalloxide in Yokkaichi, in der Präfektur Mie.
Deutsche Firmen betreiben auch Forschung und Entwicklung in Japan. In der Chemieindustrie tun das beispielsweise Bayer, BASF, Evonik, Henkel, Japan Vilene Company (Freudenberg) und Heraeus (etwa über das Joint Venture Shin Etsu Quartz). Merck investiert von Ende 2024 bis 2026 über 70 Millionen Euro in ein neues Advanced Materials Center in Shizuoka, in der gleichnamigen Präfektur Shizuoka. Damit baut das Unternehmen seine Forschung und Entwicklung für die Elektronikindustrie in Japan aus.
In Japans Chemieindustrie sind auch deutsche Handelshäuser aktiv, darunter unter anderem Bodo Möller (seit 2024), Brenntag (seit 2024), Nordmann (seit 2007) und SKW (seit 1986). Von Schweizer Seite ist das Handelshaus DKSH vertreten.
Dazu kommen Zulieferungen deutscher Firmen für Projekte japanischer Unternehmen im In- und Ausland. Beispielsweise liefert Brückner Maschinenbau die Produktionslinie für das Werk für ultrasteife Polypropylen-Platten der FP Corporation in der Präfektur Ibaraki.
Von Frank Robaschik
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