Der Wunsch nach mehr Kreislaufwirtschaft und Recycling bringt Impulse für Marktwachstum in Japans Abfallwirtschaft mit sich. Die Abfallmengen sinken dagegen.
Japans Ziel der Klimaneutralität bis 2050 stützt die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft. Denn diese hilft bei der Senkung der Emissionen. Zudem genießt Urban Minig wegen chinesischer Sanktionen für den Export von Dual-Use-Gütern nach Japan seit Anfang 2026 mehr Aufmerksamkeit.
Die Kreislaufwirtschaft soll laut Japans Wirtschaftsministerium 2030 ein Marktvolumen von umgerechnet circa 535 Milliarden US-Dollar (US$) erreichen. Auf Yen-Basis sind das etwa 60 Prozent mehr als 2020. Allerdings fiel der Yen von 2020 bis 2025 von 107 Yen auf 150 Yen pro Dollar. Bis 2050 soll die Branche gemäß der Prognose nochmal um 50 Prozent zulegen. Zu erwarten ist eine kontinuierliche Modernisierung der Abfallwirtschaft und des Recyclings. Möglichst effiziente und umweltschonende Lösungen sind gefragt, wobei deutsche Anbieter in Japan möglicherweise punkten können.
Rang 1
belegt Japan im Global Waste Index 2025 des Abfallmanagement-Dienstleisters Sensoneo unter den 38 Ländern der Organization for Economic Cooperation and Development (OECD).
Verbesserungsmöglichkeiten gibt es dennoch. So produziert Japan pro Einwohner zwar mit 326 Kilogramm deutlich weniger Müll als die meisten Länder im Index. Jedoch ist die recycelte Menge mit 63 Kilogramm pro Kopf deutlich geringer. Auf Deponien landet nur wenig Abfall. Der größte Teil wird derzeit verbrannt, um Elektrizität und Wärme zu erzeugen. Angesichts von Knappheiten bei Arbeitskräften und einer alternden Bevölkerung besteht Interesse an Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen, auch unter Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI).
Kreislaufwirtschaft ist kein Fremdwort
Das Konzept einer Kreislaufwirtschaft ist in Japan seit dem Basic Act for Establishing a Sound Material-Cycle Society aus dem Jahr 2000 gesetzlich verankert. Seit 1993 hat das Land ein Recycling-Gesetz und nach und nach für einzelne Produktgruppen Vorschriften erlassen, um das Konzept von Reduce, Reuse und Recycle (3R) umzusetzen.
Laut dem Plastic Resources Recycling Promotion Law von 2022 sollen noch mehr Kunststofferzeugnisse gesammelt und wiederverwertet werden. Langfristig will Japan alle Kunststoffe chemisch wiederverwerten und so den Kreislauf schließen. Langfristig entstehen neue Märkte im Recycling von Batterien und von Solarmodulen.
Das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium vereinbarten 2021 mit dem Unternehmensverband Keidanren eine Japan Partnership for Circular Economy (J4CE). Diese soll den Übergang zu einer umfassenderen Kreislaufwirtschaft beschleunigen. Ende 2023 entstand mit den Circular Partners ein Zusammenschluss von Firmen, Behörden und Forschungseinrichtungen, die gemeinsam Projekte zur Kreislaufwirtschaft vorantreiben.
Die Abfallmengen selbst sinken. Gründe sind ein höheres Umweltbewusstsein, höhere Recyclingvorgaben und eine abnehmende Bevölkerungszahl.
Aufträge für Abfallentsorgungsanlagen legen 2025 zu
Die Nachfrage nach Umweltausrüstung in Japan entwickelt sich insgesamt über die Jahre hinweg relativ stabil, da die Aufträge des öffentlichen Sektors aufgrund der in etwa gleichbleibenden jährlichen Haushaltsausgaben erfolgen. In der Regel stehen Modernisierungen im Vordergrund.
Im Jahr 2025 legten die Auftragseingänge für Abfallentsorgungsanlagen deutlich zu. Nach Informationen des zuständigen japanischen Industrieverbands hat das damit zu tun, dass Anfang der 2000er Jahre in Japan die Dioxin-Regulierung strenger wurde. Die damals gebauten Anlagen kommen nun in die Jahre und werden sukzessive ersetzt, insbesondere in den Städten. Diese Entwicklung dürfte demnach einige Jahre anhalten. Dagegen geht in ländlichen Gebieten mit schrumpfender Bevölkerung die Zahl an Abfallentsorgungsanlagen zurück. Auch dort gibt es Ersatzinvestitionen, es entstehen aber weniger neue Anlagen, als alte wegfallen.
Aufträge für Abfallentsorgungsanlagen stiegen 2025in Millionen US-Dollar; Veränderung in Prozent *)Ausrüstung | Privat | Öffentlich | Inland | Ausland | Insgesamt | Veränd. 2025/24 |
|---|
Haushaltsmüll | 236 | 3.246 | 3.482 | 104 | 3.587 | 57,8 |
Gewerblicher Müll | 125 | 8 | 134 | 7 | 141 | -15,9 |
Zubehör | 20 | 216 | 236 | 0 | 236 | -24,6 |
Insgesamt | 381 | 3.471 | 3.852 | 112 | 3.963 | 43,9 |
* Wechselkurs: 1 US$ = 149,6 Yen; Abweichung in den Summen durch Rundung.Quelle: Japan Society of Industrial Machinery Manufacturers, 2026; Berechnungen von Germany Trade & Invest, 2026
Chemisches Recycling gewinnt an Bedeutung
Der Chemie- und Kosmetikkonzern Kao ist eine der Firmen, die bei der Alliance to End Plastic-Waste mitmachen. Shiseido, Sekisui Chemical und Sumitomo Chemical haben Demonstrationsanlagen zum chemischen Recycling von Kunststoffbehältern errichtet. Der Mineralölkonzern Eneos und Mitsubishi Chemical stellten 2025 eine Anlage fertig, in der Kunststoffe zu Öl verarbeitet werden.
JFE Engineering nahm 2025 eine Demonstrationsanlage in Betrieb, die Restabfälle über chemisches Recycling in Basischemikalien umwandelt. Sie ist Teil eines von der staatlichen New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) geförderten Projekts zur Herstellung von grünem Ethanol durch Vergasung und biochemische Umwandlung. Der Einsatz des Verfahrens in größerem Stil ist ab 2030 vorgesehen.
Großprojekt in Hiroshima
JFE Engineering baut von 2025 bis 2030 Anlagen zur Abfallverbrennung und zur Behandlung von Sperrmüll in Kure in der Präfektur Hiroshima. Einschließlich 20 Jahre Betrieb beträgt das Auftragsvolumen 356 Millionen US$.
Der Ferrolegierungshersteller Nippon Denko investiert in Kashima in der Präfektur Ibaraki 80 Millionen US$ in zwei weitere Schmelzöfen für Verbrennungsasche. Ende 2027 soll der kommerzielle Betrieb des ersten Ofens beginnen. Dadurch gewinnt Nippon Denko Metalle und Schlacke als Ressourcen zurück. Nippon Denko erhält für die Erweiterung Fördermittel des japanischen Wirtschaftsministeriums von bis zu einem Drittel der Investitionskosten.
Reederei NYK Line will Schiffe recyceln
Das Abwracken ausgedienter Schiffe findet bisher vor allem in südasiatischen Ländern wie Bangladesch und Indien statt. Die Reederei NYK Line will mit dem Konglomerat Oono Associates ab 2028 in Japan Schiffe recyceln. Ziel sind Kapazitäten für das Recycling von 20 Schiffen der Panamax-Klasse pro Jahr auf dem Trockendeck von Oono Associates in Chita in der Präfektur Aichi.
Mitsubishi Ube Cement (MUCC) will 2027 die Zementproduktion in einer Anlage in Kandamachi in der Präfektur Fukuoka beenden. Auf der Fläche wird MUCC bestehende Abfallaufbereitungsanlagen erweitern. Dazu zählen Anlagen zur Zerkleinerung und Ballenpressung von Kunststoffabfällen und Chlor- und Fremdstoffentfernungsanlagen. Darüber hinaus will MUCC nicht-recycelbare Abfälle energetisch verwerten.
Von Frank Robaschik
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Tokyo