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Japans Raumfahrt wächst rapide

Japan steckt deutlich mehr Geld in die Raumfahrt. Mit Deutschland gibt es eine Reihe von Kooperationen.

Frank Robaschik

Von Frank Robaschik | Tokyo

  • Japan schraubt seine Ausgaben für Raumfahrt massiv nach oben. Die Schwerpunkte liegen auf Satelliten, Raketen und Mondforschung.

    Japan zählt nach den USA und China zu den großen Raumfahrtnationen der zweiten Reihe. Parallel zum weltweiten Trend steigen auch in Japan die Ausgaben für die Raumfahrt schnell. Im Juni 2023 beschloss Japan eine überarbeitete Fassung des Basic Space Plans. Darin stellte Japan das Ziel auf, bis Anfang der 2030er Jahre den Raumfahrtmarkt in Japan gegenüber 2020 auf Yen-Basis mehr als zu verdoppeln. Er soll dann umgerechnet bei über 50 Milliarden US-Dollar (US$) liegen. Bis 2040 rechnet Japan nochmal mit fast einer Verdopplung des Raumfahrtmarkts gegenüber 2030. Bei der Aufstellung des Plans war die jetzige japanische Regierungschefin Sanae Takaichi als Ministerin für die Raumfahrtbranche zuständig.

    Der Staat unterstützt die Branche kräftig. Die Luft- und Raumfahrt zählt zu den 17 strategischen Bereichen, die die japanische Regierung besonders fördern will. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Raumfahrt. Bis 2040 strebt die Regierung staatliche und private Investitionen in Luft- und Raumfahrt von 114,5 Milliarden US$ an. Mehr als drei Viertel davon sollen auf die Raumfahrt entfallen.

    Satelliten, Raketen, und Mondforschung stehen im FokusAngestrebte Investitionen in der japanischen Raumfahrt bis 2040 in Milliarden US-Dollar*
     

    Investitionen

    Raketen, Startplätze

    14,2

    Mondforschung, Technologien für niedrige Erdumlaufbahnen

    34,6

    Satelliten, Dienstleistungen

    39,6

    * 1 US$ = 161,63 Yen am 1. Juli 2026Quelle: Kabinettbüro 2026

    Raumfahrtbudget steigt kräftig

    Trotz der starken Yen-Abwertung stiegen die staatlichen Haushaltsansätze für die Raumfahrt von 2021 bis 2026 deutlich. In US-Dollar gerechnet erhöhten sie sich um 73 Prozent auf rund 7 Milliarden US$. Das Raumfahrtbudget des Verteidigungsministeriums verdreifachte sich in den fünf Jahren auf 1,5 Milliarden US$. Das Ministry of Internal Affairs and Communications verfügt 2026 über ein Budget für den Aufbau von Infrastruktur für Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn von 1 Milliarde US$.

    Insbesondere die Schaffung des Space Strategy Funds im März 2024 ermöglichte höhere Ausgaben für die Raumfahrt. Der Fonds ebnete zudem den Weg für die Unterstützung privater Firmen und Universitäten über mehrere Haushaltsjahre hinweg. Im Haushalt stellte Japan für diesen Fonds bereits mehr als 5 Milliarden US$ bereit. Insgesamt sind dafür Mittel in Höhe von 6,6 Milliarden US$ geplant.

    Japan erweitert sein GPS und schickt mehr Satelliten ins All

    Ein weiterer größerer Posten im japanischen Raumfahrtbudget ist die Entwicklung, der Aufbau und der Betrieb des Quasi-Zenit-Satellitensystems, bekannt als „Michibiki“. Dieses ergänzt das US-amerikanische GPS und ermöglicht in Japan hochpräzise Standortbestimmungen. Es soll von derzeit fünf auf sieben Satelliten wachsen. Ein Ziel ist es, unabhängiger von Systemen anderer Länder zu werden. Dabei ist das System auch in Ostasien und Ozeanien nutzbar. Bis 2040 soll es auf elf Satelliten anwachsen.

    Das Verteidigungsministerium plant höhere Ausgaben unter anderem für den Aufbau einer Satellitenkonstellation, für die Erfassung von Daten für die Bildanalyse und für Kommunikationstechnik für die Verteidigung. Zudem stellt das Wissenschaftsministerium Mittel für Japans Beteiligung an der US-amerikanischen bemannten Mond-Initiative Artemis bereit. Weitere Schwerpunkte sind die Entwicklung und Weiterentwicklung von Trägerraketen sowie die Erhöhung ihrer Startfrequenz. Das Ramses-Programm wiederum soll Asteroiden erkunden. Ziel ist ein besserer Schutz der Erde vor dem Einschlag von Asteroiden oder Kometen. Zudem finanziert das Ministerium die Forschung und Entwicklung von künftigen Transportsystemen.

    Das Wirtschaftsministerium plant knapp 100 Millionen US$ für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Lieferketten bei Satelliten- und Raketenteilen ein. Bereits 2024 und 2025 erfolgten deutlich mehr Starts japanischer Satelliten als in den Vorjahren.

    Mehr Raketenstarts und Monderkundung geplant

    Auch die Zahl japanischer Raketenstarts soll zulegen. Im Jahr 2025 lag diese bei lediglich drei (Vorjahr: fünf). Um das Jahr 2030 rechnet die Regierung mit mindestens 30 Starts pro Jahr. Damit soll auch der Anteil japanischer Satellitenstarts mit japanischen Raketen auf 60 bis 80 Prozent ansteigen. Von 2015 bis 2024 betrug dieser Anteil lediglich 50 Prozent.

    Ein wichtiger Erfolg ist die Entwicklung der Trägerrakete H3. Sie macht künftige Starts deutlich günstiger als mit den Vorläufern. Dadurch kann Japan mehr Satelliten selbst ins All bringen und ist weniger auf ausländische Raketen angewiesen. Für Starts kleinerer Satelliten entwickelt Japan die Rakete Epsilon S. Diese sowie die kleinere Rakete Zero sollen 2027 erstmals starten. Die Starts der kleinen Kairos-Rakete schlugen bisher fehl.

    Japan baut zudem die Infrastruktur für Raketenstarts ins All aus. Der wichtigste Weltraumbahnhof Japans ist das Tanegashima Space Center auf der Insel Tanegashima vor Kyushu. Daneben betreibt die japanische Weltraumagentur JAXA mit dem Uchinoura Space Center eine weitere Anlage in der Präfektur Kagoshima. Jüngere Weltraumflughäfen sind der Hokkaido Spaceport in Taiki und der Spaceport Kii in Wakayama. Beide werden von privaten Betreibern geführt. Mit dem Spaceport Oita verfügt die Insel Kyushu über einen weiteren Weltraumflughafen. Darüber hinaus gibt es Pläne für den Bau solcher Anlagen auf der Insel Shimojijima in Okinawa und in der Präfektur Kochi auf der Insel Shikoku.

    Ein weiterer Schwerpunkt sind die Mond- und Marsforschung sowie die Entwicklung von Technologien für den erdnahen Orbit. Japan beteiligt sich wie auch die Europäische Weltraumorganisation (ESA) am Artemis-Programm. Das von den USA geführte internationale Projekt dient der Erforschung des Mondes und künftig des Mars. Japan hat dabei auch Interesse an Helium-3-Vorkommen auf dem Mond. Japans Kabinettbüro erwartet, dass ab den 2030er Jahren Raumstationen verstärkt von privatwirtschaftlicher Seite betrieben werden.

    Von Frank Robaschik | Tokyo

  • Traditionell treiben Japans Raumfahrtagentur und Mischkonzerne die Raumfahrt im Lande voran. In den jüngeren Jahren werden Start-ups immer wichtiger.

    Für die staatlichen Projekte ist Japans Raumfahrtagentur Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) eine wichtige Institution. Diese treibt eine ganze Reihe von Projekten voran. Schwerpunkte sind Mond- und Marsprojekte sowie die Entwicklung von Satelliten, Raketen und Raumstationen.

    Mond und Mars stehen im FokusAusgewählte Raumfahrtprojekte Japans
    BereichProjekte
    Mond und PlanetenMondsonde SLIM (abgeschlossen), Martian Moons eXploration (MMX), Lunar Polar Exploration (LUPEX), Beteiligung an US-Mondmission Artemis, Mondexplorationsprogramm Hakuto R und Nachfolger
    SatellitenRöntgenteleskop (XRISM, bereits im All), Sonnenbeobachtungsmission Solar-C, Beseitigung von Weltraummüll, Erdbeobachtung, Datenservices
    RaketenH3, Epsilon S, Zero, Kairos
    RaumstationKibo Experimentmodul auf der internationalen Raumstation ISS (im All), unbemanntes Frachtraumschiff HTV-X, Weltraumrobotik
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Bei der Umsetzung von Raumfahrtprojekten ist Japan mit seinen Mischkonzernen stark aufgestellt. Beim Raketenbau sind dies Kawasaki Heavy Industries, Mitsubishi Heavy Industries und IHI Aerospace und bei Satelliten NEC und Mitsubishi Electric. Beim Betrieb von Kommunikationssatelliten ist Sky Perfect JSAT ein großer Akteur. Das Unternehmen gab 2025 bekannt, rund 230 Millionen US-Dollar (US$) in den Aufbau einer Satellitenkonstellation in einer niedrigen Erdumlaufbahn zu investieren. Dafür will es ab 2027 optische Satelliten nutzen, die es vom US-amerikanischen Partner Planet Labs erwirbt.

    Bei der Entwicklung von Technologien zum Aufbau von Infrastruktur im Rahmen einer Präsenz auf dem Mond ist nicht nur Toyota mit einem Mondrover aktiv. Auch große Baufirmen wie Takenaka und Shimizu entwickeln Technologien für Mondprojekte.

    Start-ups gewinnen an Bedeutung

    Ähnlich wie in den USA und Europa gewinnen neben den großen Namen Start-ups an Bedeutung. Wichtige japanische Raumfahrt-Start-ups sind Interstellar Technologies (entwickelt Raketen), Astroscale (Weltraumschrott-Entfernung sowie Montage- und Wartungsarbeiten im All) und ispace (Mondmissionen). Bei Erdbeobachtungssatelliten sind beispielsweise Axelspace, Synspective, ArkEdgeSpace und iQPS aktiv.

    Start-ups bereichern Japans RaumfahrtszeneWichtige Akteure in Japans Raumfahrt
    TypSegmentAkteure
    Öffentlich Kabinettbüro, Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA)
    Große FirmenRaketen, etc.Mitsubishi Heavy Industries (H3, Frachtraumschiff HTX-V), IHI Aerospace (Epsilon, Teile), Kawasaki Heavy Industries (Teile, etc.)
     SatellitenSky Perfect JSAT, IHI (beide Betreiber), Mitsubishi Electric, NEC, Canon Electronics
     AndereSharp (Solarzellen, Kommunikationshardware), Toyota (Mondrover), Canon Electronics, Nikon (beide Optik), Nikon SLM Solution (in Deutschland, 3D-Druck), Toray Advanced Composites, Teijin Carbon (beide Werkstoffe), Baufirmen
    Start-upsSatellitenAxelspace, Synspective, ArkEdgeSpace, iQPS (alle Erdbeobachtungssatelliten, Warpspace (Kommunikation)
     RaketenSpace One (Kairos), Interstellar Technologies (Zero)
     AndereAstroscale (Weltraummüllentfernung), Elevation Space (Rückführung von Nutzlasten aus dem All), ispace (Mondlandegeräte), GITAI (Robotik)
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Bilaterale Kooperation erfolgt institutionell und durch Firmen

    Deutschland arbeitet über das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die European Space Agency (ESA) mit Japan zusammen. Zudem bestehen trilaterale Kooperationen mit der französischen Raumfahrtagentur Centre national d’études spatiales (CNES). Im Rahmen einer solchen Kooperation erhielt OHB Italia 2026 den Zuschlag für die Realisierung der Raumsonde für die europäisch-geführte Ramses-Mission. Teile der Sonde werden bei OHB in Bremen gebaut. Die OHB System AG ist zudem federführend bei der Integration der Struktur. Daneben gibt es laut Niklas Reinke, dem Leiter des DLR-Büros in Tokio, zahlreiche wissenschaftliche Kooperationen von DLR-Instituten mit Japan.

    Hinzu kommen privatwirtschaftliche Projekte. Bei Airbus Defense and Space liefern vor allem die Tochtergesellschaften Jena Optronik (Sternensensoren) und Tesat (Laserkommunikationsausrüstung) an die japanische Raumfahrtindustrie. Auf der japanischen Raumfahrtmesse Spexa waren 2026 daneben unter anderem die Firmen Schunk Ingenieurkeramik, LPKF, Siemens, Infineon und Weiss Technik vertreten.

    Im Mai 2026 besuchte eine Delegation des Bundeslandes Bremen mit Wirtschafts- und Wissenschaftsvertretern Japan. Der Schwerpunkt lag auf der Zusammenarbeit in der Raumfahrt. Dabei unterzeichnete Bremen zwei Kooperationsvereinbarungen mit japanischen Partnern in der Materialforschung. Interesse an Japan zeigt auch das bayerische Start-up Isar Aerospace. Das Unternehmen ist seit August 2026 Mitglied der Auslandshandelskammer (AHK) Japan.

    Zusammenarbeit meist bi- und trilateralAusgewählte deutsch-japanische Kooperationsprojekte
    MissionPartnerDeutscher Beitrag
    MMX – Marsmond-ErforschungJAXA, DLR, CNESMars-Rover Idefix (mit CNES)
    Callisto – Wiederverwendbarer RaketendemonstratorJAXA, DLR, CNESTeile und Infrastruktur
    Destiny+ – Mission zum Asteroiden PhaetonJAXA, DLRGerät zur Analyse von kosmischem Staub
    EEE – Nutzung von Auto-Komponenten in der RaumfahrtJAXA, DLRRegelmäßige bilaterale Bauteilekonferenzen
    Beppi Colombo – Erforschung des Merkurs (schon im All)JAXA, ESASpektrometer Mertis und Laser-Höhenmesser Bela
    Earth Care – Analyse von Wolken und Aerosolen (im All)JAXA, ESAMontage des Satelliten durch Airbus Space and Defense
    Ramses – Untersuchung eines nahe an der Erde vorbeifliegenden AsteroidenJAXA, ESAOHB koordiniert den Bau der Raumsonde
    Quelle: DLR, ESA, JAXA 2026; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Zugang zu Start-ups einfacher

    Der Zugang zu japanischen Großunternehmen ist nicht einfach und braucht Zeit. Niklas Reinke vom DLR in Tokyo sagt: 

    „Vertrauen ist wichtig. Nur besser und billiger zu sein, reicht nicht.“

    Eine interessante Alternative kann nach Erfahrung von Reinke die Zusammenarbeit mit japanischen Start-ups sein. Diese beschäftigen in der Regel mehr ausländische Mitarbeiter und sind häufig offener für die Zusammenarbeit mit dem Ausland. Großunternehmen vergeben Aufträge dagegen eher an japanische Firmen.

    Einige japanische Start-ups sind bereits in Deutschland vertreten. Warpspace eröffnete im Januar 2024 eine Niederlassung in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung laserbasierter Satellitenkommunikationssysteme spezialisiert. Synspective ist seit August 2026 mit seiner europäischen Niederlassung in München vertreten. Das Unternehmen produziert Erdbeobachtungssatelliten mit aktiven Radarsystemen.

    Viele Wege zum Markteinstieg

    Für erste Kontakte zu japanischen Firmen eignen sich zahlreiche Messen und Veranstaltungen. Beim Markteintritt deutscher Firmen in Japan unterstützt eine Reihe von Institutionen. Die Dienstleistungen des DLR-Büros in Tokyo für deutsche Firmen umfassen unter anderem die Vermittlung von Kontakten in Japan sowie die Beratung in der Geschäftspraxis. Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan unterstützt beim Markteinstieg. Auf japanischer Seite helfen vor allem die Japan External Trade Organization (JETRO) und die JAXA.

    Von Frank Robaschik | Tokyo