Nahaufnahme eines Computerchips mit der japanischen Flagge auf der Oberseite, eingebettet in eine dunkle Leiterplatte mit leuchtenden Schaltkreisen Ein Computerchip mit der Flagge Japans steht für die Rolle des Landes in der Halbleiter- und Chipindustrie. | © Mahir Asadli / iStock / GettyImages

Markets | Japan | Investitionsoffensive

Milliarden für Zukunftstechnologien: Japans massive Investitionen eröffnen neue Geschäftschancen

Japans Regierung will die Investitionen der Unternehmen im Land deutlich erhöhen. Das soll Löhne und Konsum stützen, die wirtschaftliche Sicherheit stärken und Japan besser auf den Weltmärkten positionieren. Für exportorientierte deutsche Mittelständler ergeben sich dadurch neue Marktchancen in einem politisch stabilen Zielmarkt.

Von Frank Robaschik | Tokyo

Premierministerin Sanae Takaichi hat keine Zeit zu verlieren. Für sie steht eine starke japanische Wirtschaft ganz oben auf der Agenda. Kurz nach ihrem Amtsantritt im Oktober 2025 benannte die Regierung 17 strategische Investitionsbereiche. Mit der im Februar 2026 gewonnenen Neuwahl und Zweidrittelmehrheit erhielt Takaichi das politische Mandat für diese Politik. Mitte 2026 folgte ein detaillierterer Vorschlag für die Investitionsoffensive, den das Kabinett am 21. Juli annahm. Jetzt geht es an die Umsetzung.

Zahlreiche Anknüpfungspunkte für den deutschen Mittelstand 

Bis 2040 will die Regierung gemeinsam mit privaten Unternehmen rund 2,3 Billionen US-Dollar investieren. Der Plan umfasst 62 Produktgruppen und Technologien, darunter Halbleiter, künstliche Intelligenz (KI), Robotik, Arzneimittel, Verteidigung, Raumfahrt, Schiffbau und Spiele. Neu sind dabei weniger die Förderschwerpunkte, sondern vielmehr die Bereitschaft der Regierung, mehr Geld auszugeben und Zusagen über mehrere Haushaltsjahre zu ermöglichen. Das gibt Unternehmen mehr Investitionssicherheit.

          Die Regierung Takaichi wird durch die [...] Wachstumsstrategie […] den übermäßigen Sparkurs hinter sich lassen, […] inländische Investitionen fördern und durch Lohnerhöhungen Konsum und Unternehmensgewinne steigern, was wiederum zu weiteren Investitionen führen und den positiven Kreislauf aus Investitionen und Lohnerhöhungen beschleunigen wird. 

Premierministerin Sanae Takaichi am 30. Juni 2026 anlässlich der Vorstellung von Japans neuer Wachstumsstrategie

Das Programm soll Japan wirtschaftlich sicherer und technologisch stärker machen, Weltmarktanteile erhöhen und Engpässe bei Arbeitskräften abfedern. Deutsche Unternehmen können vor allem bei Produkten, die Japan im Rahmen seiner Förderprogramme strategisch unterstützt, als Zulieferer oder Technologiepartner profitieren. Auch die Beschaffung etwa von Permanentmagneten oder neuen Werkstoffen aus Japan kann interessant sein.

Klarer Schwerpunkt auf Digitalisierung, KI und Robotik 

Das Programm listet zahlreiche Bereiche, Produkte und Technologien auf, in die investiert werden soll. Lediglich die wegen des schwachen Yen boomende Tourismusbranche sucht man vergebens.  Der Investitionsschwerpunkt liegt klar auf digitalen und KI-gestützten Technologien. Darauf entfällt die Hälfte der angestrebten Investitionen. Gefördert werden vor allem Halbleiter, KI, Datenzentren und Speicherbatterien, Informations- und Kommunikationstechnik, Robotik, autonomes Fahren, Cybersicherheit sowie Infrastruktur für die digitale Transformation. 

Modell der geplanten Rapidus-Halbleiterfabrik in Japan mit begrünten Dächern und umliegenden Park- und Waldflächen Modell der geplanten Rapidus-Halbleiterfabrik in Japan mit begrünten Dächern und umliegenden Park- und Waldflächen | © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Naoki Haranaka

Der größte Ausgabenblock entfällt auf Halbleiter. Japan will neben seiner starken Stellung bei Vorprodukten wie Maschinen und Chemikalien auch bei den Endprodukten wieder aufholen. Mit dem Halbleiterhersteller Rapidus baut das Land aktuell einen Auftragsfertiger für modernste Chips auf.

 

Auch beim Thema KI geht das Land ehrgeizig vor: Japan plant ein multimodales Basismodell, das Text, Bilder, Geräusche, Videos und industrielle Sensordaten verarbeitet. Die Investitionen dafür sollen bis 2030 circa 6 Milliarden US-Dollar erreichen. Japan will hier seine Stärken in der Industrierobotik für KI-Robotik und physische KI nutzen. An der für die Umsetzung verantwortlichen Firma Noetra sind unter anderem Sony, SoftBank, NEC, Honda, Fujitsu, Fanuc, Yaskawa und DMG Mori beteiligt.

4. Platz

Japan war 2025 die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt.  

Quelle: IWF 2026

1.228

Billionen US-Dollar beträgt Japans Bruttokapitalbildung 2025. Das ist trotz des schwachen Yen mehr als in Deutschland.  

Quellen: Cabinet Office 2026; Destatis 2026 

93 %

der deutschen Firmen in Japan bezeichnen die Stabilität und Zuverlässigkeit der Geschäftsbeziehungen als Alleinstellungsmerkmal Japans.  

Quellen: Geschäftsklima-Umfrage; AHK Japan; KPMG; April 2026 

Arzneimittel, Spiele, Ressourcen und Energie im Fokus 

In der Arzneimittelindustrie will Japan Forschungsergebnisse schneller in Produkte überführen, die Fertigung ausbauen und Antibiotikavorräte erhöhen. In der Spielebranche sollen Entwicklung und Produktion zulegen. 

Bei Ressourcen, Energie und grüner Transformation sind Wasserstoff, Offshore-Windenergie, neue Kernreaktoren und grüner Stahl die größten Posten. Im Zentrum steht die Technologie-Entwicklung. Dazu gehört auch, Chemikalien für Halbleiter und Batterien zu entwickeln und Wege zu finden, Kohlendioxid abzuscheiden und nutzbar zu machen.  

Japans Investitionsoffensive bietet Chancen für deutsche Firmen 

Für deutsche Unternehmen entstehen neue Liefermöglichkeiten bei Maschinen, Anlagen und Komponenten, der Mess-, Regel- und Analysetechnik sowie bei Chemikalien, Halbleitern, Optik und Software. Auch die entstehenden Datenzentren bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für Zulieferungen. Deutsche Anbieter haben zudem Stärken beim Aufbau und Betrieb von Anlagen rund um erneuerbare Energien, so etwa in der Offshore-Windenergie. 

Im Segment Wasserstoff oder bei der Abscheidung, Speicherung und Nutzung von Kohlendioxid entstehen ebenfalls Geschäftschancen. Meist handelt es sich um Pilotprojekte. Frühe Präsenz hilft jedoch, um sich für den späteren Markthochlauf zu positionieren. 

In Japan steigen die Investitionen bereits. Der schwache Yen sorgt bei großen exportorientierten Firmen für hohe Gewinne und stärkt ihre Investitionsbereitschaft. Auch die Förderprogramme der Regierung helfen. So stiegen beispielsweise die Maschinenimporte Japans 2025 um 12,3 Prozent auf den Rekordwert von 55,6 Milliarden US-Dollar. 

Deutscher Maschinenhändler verzeichnet Rekordauftragsbestand 

Der Investitionsboom in Japan macht sich schon jetzt bei deutschen Maschinenbauunternehmen bemerkbar: Das Japan-Geschäft des auf Maschinen und Anlagen spezialisierten deutschen Handelshauses Illies läuft laut Geschäftsführer Max Illies gut. Er sagt: „Wir haben derzeit den höchsten Auftragsbestand der letzten 20 Jahre.“ Bezüglich der Investitionsoffensive interessiert sich Illies besonders für den Sektor Ressourcen, Energiesicherheit und grüne Transformation. Denn das Lieferantenportfolio des Handelshauses umfasst viele Maschinenbauunternehmen mit besonderen Stärken bei Material- und Energieeinsparung. Langfristig blickt Illies auch auf die Bereiche Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung und Cybersicherheit. 

Japan riskiert noch höhere Staatsverschuldung 

Es ist unklar, wie viel von den ins Schaufenster gestellten Summen tatsächlich investiert wird. Im besten Fall spielt Japan 2040 dank massiver Investitionen in vielen Branchen an der Weltspitze mit. In diesem Szenario wächst die Wirtschaft besonders stark, die Steuereinnahmen steigen und die Staatsverschuldung bleibt trotz schrumpfender Bevölkerung tragbar. Besonders hohe Ambitionen, in zentralen Technologiefeldern führend zu sein, hat Japan bei Halbleitern und Halbleiterchemikalien, KI, Seekabeln, Fusionsenergie, Quantenkommunikation und maritimen Drohnen. 

Doch die Strategie birgt Risiken: Wenn die Investitionen viele Staatsmittel verbrauchen, ohne ausreichend höhere Steuereinnahmen zu erzeugen, müsste sich Japan mittelfristig um die Tragbarkeit seiner Staatsverschuldung sorgen. Die Zinsen für Japans zehnjährige Staatsanleihen stiegen bereits von 1,7 Prozent beim Amtsantritt Takaichis auf 2,7 Prozent am 21. Juli 2026. 

Die derzeitigen Chancen für deutsche Unternehmen sind greifbar, können sich aber je nach Szenario mittel- bis langfristig wieder verändern. Wer mit Japan ins Geschäft kommen will, braucht zudem einen langen Atem. Vertrauen zu Geschäftspartnern entsteht in Japan langsam.

Wo deutsche Unternehmen profitieren können 

Ausgewählte Investitionsfelder Japans mit den bis 2040 geplanten Mitteln (in Milliarden USDollar) und Geschäftsfeldern, in denen sich Möglichkeiten für deutsche Anbieter eröffnen.  

Investitionsfeld  

Geplante Investitionen (in Mrd. US$) 

Chancen für deutsche Unternehmen 

Halbleiter 

421 

Maschinen und Komponenten, Chemikalien, Optik, Mess- und Regeltechnik 

Arzneimittelentwicklung und Spitzenmedizin 

397 

Anlagen, Labor- und Analysetechnik, Mess- und Regeltechnik, Arzneimittel 

Digitales und Cybersicherheit 

343 

Halbleiter, Kühlungslösungen für Datencenter, Management von Batteriespeichern, Cybersecurity-Lösungen, Zulieferungen im Bereich autonomes Fahren 

KI und KI-Roboter 

208 

Halbleiter, Automatisierungslösungen, Sensoren und weitere Komponenten für die Robotik 

Ressourcen, Energiesicherheit und grüne Transformation 

178 

Aufbau und Betrieb von Offshore-Windkraftanlagen, Lösungen im Bereich Wasserstoff, Anlagen zum Sortieren und Recyceln, Kompressoren und weitere  Zulieferungen für die Abscheidung und Speicherung von CO2 

Spiele 

152 

Software für die Erstellung von Spielen, Unterstützung bei der Vermarktung im Ausland, Anpassungen von Spielen für Auslandsmärkte 

Quellen: Cabinet Office, 24. Juni 2026; Einschätzungen von Germany Trade & Invest, 2026