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Polens Medizintechnikmarkt zwischen Sparmaßnahmen und Wachstum

Einerseits kürzt Polens Krankenkasse die Vergütung von Leistungen, andererseits erreichen die Gesundheitsausgaben neue Höchststände. Der Markt bleibt anspruchsvoll, aber attraktiv.

Christopher Fuß

Von Christopher Fuß | Warschau

Ausblick der Medizintechnik in Polen

 

  • Die gute wirtschaftliche Lage in Polen sorgt für wachsende Budgets der Krankenkasse
  • EU-Gelder bleiben entscheidend bei der Finanzierung von Medizintechnik
  • Eine geplante Erstattungsreform könnte Absatzchancen für Hersteller verbessern
  • Kostendruck führt zu Sparmaßnahmen, darunter auch Konsolidierungen in der Krankenhauslandschaft

 

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: August 2026

  • Ein Abrechnungsskandal erhöht den Druck auf Polens Gesundheitswesen, Kosten zu senken. Die Nachfrage nach moderner Medizintechnik bleibt dennoch hoch, auch dank EU-Fördergeldern.

    Polens Gesundheitswesen erlebt turbulente Zeiten. Nachdem ein Arzt im Städtischen Südkrankenhaus in Warschau mutmaßlich überhöhte Arbeitszeiten abgerechnet haben soll, ist eine landesweite Debatte über schärfere Kontrollen in medizinischen Einrichtungen entbrannt. Das Gesundheitsministerium reagiert mit Reformplänen.

    So will die Regierung Gehaltsobergrenzen für Ärzte einführen, die auf freiberuflicher Vertragsbasis mit öffentlichen Gesundheitseinrichtungen zusammenarbeiten. Zudem will das Gesundheitsministerium den Anteil der Personalkosten an den Gesamtausgaben von Krankenhäusern deckeln. Nach Angaben von Gesundheitsministerin Jolanta Sobierańska-Grenda entfallen in einzelnen Einrichtungen bereits mehr als 80 Prozent der Kosten auf das Personal. Das Ministerium empfiehlt 60 Prozent.

    Diskussionen über Personalkosten sorgen einerseits für Unsicherheit im Gesundheitswesen. Andererseits beschleunigen sie die Digitalisierung. Um Manipulationen bei der Terminvergabe zu verhindern, will das Gesundheitsministerium digitale Lösungen schneller einführen als ursprünglich geplant. Im Fokus steht dabei die elektronische Vergabe von Arztterminen. Sie ist seit Januar 2026 verpflichtend für Einrichtungen, die Leistungen in den Bereichen Kardiologie, Mammographie und Zytologie erbringen. Bis Ende 2027 soll das System auf insgesamt 39 Fachrichtungen anwachsen. Das wäre zwei Jahre früher als bisher vorgesehen.

    Kürzungen bei Diagnoseleistungen

    Doch auch unabhängig von aktuellen Skandalen steigt der Kostendruck im polnischen Gesundheitswesen. Die gesetzliche Krankenversicherung NFZ verweist auf die wachsenden Ausgaben für ambulante fachärztliche Diagnostik. Deutlich gestiegen seien die Kosten für Computertomographien, Magnetresonanztomographien, Koloskopien und Gastroskopien. Als Reaktion hat NFZ in diesen vier Verfahren die Vergütung von Leistungen geändert, die über die vertraglich vereinbarten Mengen hinausgehen.

    Seit dem 1. April 2026 zahlt NFZ den medizinischen Einrichtungen für zusätzliche Behandlungen nur noch 50 bis 60 Prozent des regulären Satzes. Zudem können Krankenhäuser und Praxen diese Zusatzleistungen erst nach Ablauf des Kalenderjahres abrechnen.

    Damit sinkt für medizinische Einrichtungen der wirtschaftliche Anreiz, Untersuchungen über die vertraglich vereinbarten Mengen hinaus durchzuführen. Dies könnte die Investitionsbereitschaft einzelner Anbieter dämpfen und die Nachfrage nach Medizintechnik beeinträchtigen.

    Krankenhäuser ändern ihr Profil

    Zusätzliche Einsparungen verspricht sich das Gesundheitsministerium von der Krankenhausreform, die im 3. Quartal 2025 in Kraft trat. Krankenhäuser können mit Zustimmung von NFZ ihre Leistungsprofile anpassen. So dürfen nahegelegene Einrichtungen beispielsweise Stationen zusammenlegen oder bestimmte stationäre Leistungen in tageschirurgische Behandlungen umwandeln. Ziel ist es, die Verweildauer von Patienten zu verkürzen.

    Erste Umstrukturierungen sind bereits sichtbar. Laut einem Bericht der Tageszeitung Rzeczpospolita vom Juni 2026 haben unter anderem Krankenhäuser in den Woiwodschaften Śląskie, Dolnośląskie und Wielkopolskie entsprechende Anträge eingereicht. Betroffen sind auch Geburtsstationen. In Regionen mit niedrigen Geburtenzahlen beantragen Krankenhäuser die Schließung oder Umwandlung solcher Abteilungen.

    Chancen in einem anspruchsvollen Markt

    Trotz der Kostendiskussion investieren Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen weiterhin in ihre Ausstattung. Möglich wird dies durch EU-Fördermittel. Nach Angaben der polnischen Regierung erhielten medizinische Einrichtungen bis März 2026 rund 4,1 Milliarden Euro aus dem europäischen Corona-Wiederaufbaufonds KPO. Investitionen des Gesundheitsministeriums in die Digitalisierung sind dabei noch nicht berücksichtigt.

    4,9 Milliarden Euro

    prognostiziertes Marktvolumen für Medizintechnik in Polen im Jahr 2026 laut Fitch Solutions

    Auch wenn der KPO bis Ende 2026 ausläuft, stehen weiterhin Mittel aus anderen EU-Programmen zur Verfügung. Der Branchenverband Polmed betont die Bedeutung dieser Fördergelder. In einem Bericht vom Juni 2026 schreibt die Interessenvertretung der Medizintechnikbranche: „Ohne EU-Kofinanzierung beim Erwerb medizinischer Geräte wäre das polnische Gesundheitswesen in einem deutlich schlechteren Zustand.“

    Von dieser Kofinanzierung profitieren auch deutsche Anbieter. So gewann das Unternehmen Karl Storz im Februar 2026 eine Ausschreibung eines Krankenhauses im südpolnischen Cieszyn. Der Hersteller liefert Geräte für minimalinvasive Eingriffe. Das Projekt wird aus dem KPO finanziert.

    Neben Fördergeldern könnten auch Änderungen im Erstattungsrecht neue Wachstumsperspektiven eröffnen. Im 3. Quartal 2026 will die polnische Regierung eine Reform ins Parlament einbringen. Laut dem Entwurf wird das Gesundheitsministerium die Liste der sogenannten erstattungsfähigen verordneten Medizinprodukte mindestens alle zwei Jahre überprüfen.

    Der Branchenverband Polmed begrüßt diesen Schritt. Derzeit gibt es keinen formalisierten Weg, um neue Produkte auf die Verordnungsliste aufnehmen zu lassen. Eine Erstattung verbessert in der Regel die Marktchancen dieser Produkte. Über eine separate Anordnung will das Gesundheitsministerium außerdem den Kreis der Personen erweitern, die solche Medizinprodukte verschreiben dürfen.

    Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in PolenInvestitionssumme in Millionen Euro
    Akteur/ProjektInvestitionssummeProjektstandAnmerkungen
    Krankenhaus in Gliwice

    540

    PlanungsstadiumNeues Krankenhaus der Schlesischen Medizinischen Universität mit 698 Betten
    Krankenhaus in Wrocław

    350

    ProjektdurchführungNeues Krankenhaus für Onkologie, Pneumologie und Hämatologie (DCOPiH) mit 671 Betten
    Krankenhaus in Białystok

    220

    ProjektdurchführungAusbau des Universitätskrankenhauses (USK) um ein neues Zentrum für personalisierte Onkologie und neue Abteilungen
    Krankenhaus in Rzeszów

    177

    ProjektdurchführungNeues Kinderkrankenhaus (PCMD) mit 195 Betten
    Krankenhaus in Bydgoszcz

    105

    ProjektdurchführungAusbau des Zentrums für Onkologie um ein neues Zentrum für innovative onkologische Therapien sowie Modernisierung des Hauptgebäudes und des Operationsblocks
    Krankenhaus in Szczecin

    87

    ProjektdurchführungAusbau des Westpommerischen Zentrums für Onkologie (ZCO) um neue Gebäude und Modernisierung bestehender Einrichtungen
    Krankenhaus in Kalisz

    83

    ProjektdurchführungNeubau eines Operationskomplexes mit Intensivmedizin und Zentralsterilisation sowie Modernisierung von Abteilungen im Woiwodschaftskrankenhaus
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

     

    Der Ausblick bleibt positiv

    Steigende Ausgaben für die Erstattung sind einer von vielen Gründen dafür, dass die Budgets der gesetzlichen Krankenversicherung wachsen - entgegen allen Kürzungsdebatten. Laut dem Entwurf des NFZ-Finanzplans für 2027 sollen die Gesamtausgaben gegenüber dem Vorjahr um 9,2 Prozent auf 54,9 Milliarden Euro zulegen.

    Angesichts der steigenden Gesundheitsausgaben bewertet die Marktagentur Fitch Solutions die Perspektiven des polnischen Medizintechnikmarktes positiv. Die Marktforscher erwarten bis 2030 ein durchschnittliches jährliches Marktwachstum von 7,3 Prozent. Zu den wichtigsten Treibern zählen neben den steigenden Gesundheitsausgaben auch die alternde Bevölkerung, die höhere Lebenserwartung und der wachsende Wohlstand.

    Christopher Fuß

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Spitzentechnologie kauft Polen oft aus Deutschland. Doch die internationale Konkurrenz nimmt zu. Auch polnische Hersteller gewinnen an Bedeutung, vor allem bei digitalen Lösungen.

    Polen bleibt auf Importe von Medizintechnik angewiesen. Nach Berechnungen der Marktagentur Fitch Solutions stammen rund 70 Prozent der Verbrauchsmaterialien aus dem Ausland. Bei technisch anspruchsvollen Produkten ist die Importabhängigkeit noch höher. Bestrahlungs- und bildgebende Systeme werden nahezu vollständig aus dem Ausland bezogen.

    Von dieser Situation profitieren deutsche Hersteller. Deutschland zählt in vielen Produktgruppen zu den wichtigsten Lieferländern Polens. Das zeigt sich vor allem bei Geräten für die Elektrodiagnostik. Laut der europäischen Behörde Eurostat kamen 2025 rund 41 Prozent der polnischen Einfuhren dieser Produktgruppe aus Deutschland. Bei vielen anderen Medizintechniksegmenten liegt der deutsche Importanteil immerhin zwischen 20 und 30 Prozent.

    Die Nachfrage nach Spitzentechnologie entwickelt sich weiterhin dynamisch. Die polnischen Importe hochtechnischer medizinischer Geräte aus Deutschland legten 2025 um rund 13 Prozent zu. Deutlich langsamer wuchs dagegen das Geschäft mit Verbrauchsmaterialien. In diesem Segment steigt der Wettbewerbsdruck durch heimische und internationale Anbieter, darunter aus China.

    Internationale Konkurrenz für deutsche Hersteller kommt jedoch nicht nur aus Asien. Bei zahnmedizinischen Instrumenten hat Israel in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt. Das Land liegt inzwischen nur noch knapp hinter Deutschland. Bei Therapie- und Beatmungsgeräten wiederum dominiert China. Polen importiert in dieser Produktgruppe fast doppelt so viele Waren aus dem Reich der Mitte wie aus Deutschland.

    Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Polen

    Indikator

    Wert

    Einwohnerzahl (2026 in Mio.)36,3
    Bevölkerungswachstum (2026 in % p.a.)-0,5
    Altersstruktur der Bevölkerung (Jahr) 
      Anteil der unter 14-Jährigen (in %)14,8
      Anteil der über 65-Jährigen (in %)21
    Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2024 in Jahren)78,5
    Durchschnittslohn (2024 in Euro)2.100
    Gesundheitsausgaben pro Kopf (2024 in Euro)1.826
    Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2025 in %)8,89
    Ärzte/100.000 Einwohner (2024)386,2
    Zahnärzte/100.000 Einwohner (2023)99
    Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2024), davon627,5
      privat138,1
      öffentlich489,4
    Quelle: Eurostat 2026; GUS 2026

    Polnische Hersteller wachsen in verschiedenen Marktsegmenten

    Doch Polen ist nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt für Medizintechnik. Einige heimische Hersteller behaupten sich zunehmend auf internationalen Märkten. Laut Fitch Solutions entwickeln sich vor allem die Exporte aus den Bereichen Orthopädie und Prothetik dynamisch. Dazu trägt auch der wachsende Erfolg polnischer 3D-Druck-Unternehmen bei, die beispielsweise Implantate fertigen.

    Wettbewerbsfähig sind polnische Unternehmen zudem bei Einwegprodukten. Zum Kreis der dynamisch wachsenden Hersteller mit polnischem Eigentümer gehört das Unternehmen Balton, das 2025 seine Anlagen bei Warschau erweiterte. Das Unternehmen fertigt Einwegprodukte für minimalinvasive Eingriffe. Zu den weiteren bedeutenden Herstellern aus Polen zählen Chirmed, ein Produzent chirurgischer und zahnmedizinischer Instrumente, sowie Emtel, das Patientenmonitore und Defibrillatoren herstellt.

    Auch die polnische Start-up-Szene entwickelt Medizintechnik. Ein Beispiel ist Prometheus MedTech.AI. Das Unternehmen hat eine KI-gestützte Software zur Erkennung angeborener Herzfehler bei ungeborenen Kindern entwickelt. Für seine Forschung erhielt das Start-up Gelder aus EU-Förderprogrammen. Generell liegen die Stärken polnischer MedTech-Start-ups laut der staatlichen Förderagentur PARP vor allem in den Bereichen Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen für die diagnostische Bildgebung und Kardiologie.

    Die zunehmende Professionalisierung der Branche zeigt sich auch daran, dass sich die Firmen verstärkt organisieren. Die Industrie wird heute durch die Verbände Polmed und Technomed repräsentiert. Während in der Kammer Polmed viele internationale Hersteller präsent sind, organisiert Technomed überwiegend Unternehmen mit polnischem Eigentümer.

     

    Ausgewählte Branchenunternehmen in Polen*Umsatz in Millionen Euro (2025)

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz

    Aesculap ChifaMedizinische Instrumente und Werkzeuge für die Chirurgie, Orthopädie, Endoskopie, Anästhesie und Zahnmedizin384,5
    Fresenius Kabi PolskaInfusionspumpen, Transfusionstechnologie264,2
    Mercator MedicalEinwegartikel, darunter medizinische Handschuhe146,9
    Stryker PolskaChirurgische Instrumente121,9
    Demant Operations PolskaHörgeräte91,3
    BaltonEinweg-Medizinprodukte, insbesondere für die Kardiologie, Radiologie, Gefäßchirurgie38,4
    Famed ŻywiecOperations- und Behandlungstische32,3
    Timago International GroupGeräte für Rehabilitation, darunter Rollstühle, Pflegebetten, Gehhilfen26,7
    AstarGeräte für Physiotherapie13,7
    AspelKardiologische Diagnostiktechnik, darunter EKG-Geräte5,7
    * Unternehmen mit Produktion in PolenQuelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Ausbaufähige Innovationsförderung

    Die Branche könnte sich noch dynamischer entwickeln, wenn mehr Mittel für Forschung und Entwicklung zur Verfügung stünden. Die staatliche Agentur für medizinische Forschung (ABM) stellt 2026 nur rund 90 Millionen Euro für medizintechnische Forschungsprogramme bereit. Rund drei Viertel der Mittel sollen in das Programm "Transmed I" fließen, das unter anderem die Entwicklung von Diagnostiklösungen unterstützt. Das Programm startet im 4. Quartal 2026.

    Dass die Innovationsförderung noch ausbaufähig ist, zeigt auch ein Blick auf die Patentanmeldungen. Nach Angaben des Europäischen Patentamts (EPA) reichten Unternehmen aus Polen im Bereich Medizintechnik 2025 insgesamt 42 Patente ein. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2025 insgesamt 1.485 Patente angemeldet.

    Eine Herausforderung für innovative Medizintechnikunternehmen ist, dass die gesetzliche Krankenversicherung NFZ bei der Erstattung von Behandlungen stark auf die Kosten achtet. Dadurch sinken für Gesundheitsversorger die wirtschaftlichen Anreize, in besonders innovative, aber auch kostenintensive Technologien zu investieren. Dies zeigt das Beispiel der Roboterchirurgie. Das Universitätskrankenhaus in Rzeszów betreibt zwei da-Vinci-Operationsroboter. Es könnten noch mehr sein, doch nach Angaben des Krankenhauses erstattet NFZ nur 11 von insgesamt rund 200 möglichen robotergestützten Eingriffen.

    Sonderfonds und private Anbieter stärken die Nachfrage

    Wichtig sind deshalb alternative Geldquellen. Hierzu gehört der staatliche Medizinfonds. Er wird direkt aus dem Staatshaushalt finanziert. Von diesen zusätzlichen Mitteln profitieren auch deutsche Anbieter. Der polnische Luftrettungsdienst LPR will mit Geldern aus dem Medizinfonds fünf neue Rettungshubschrauber beschaffen. Das einzige Angebot im Gegenwert von mehr als 100 Millionen Euro kam im Juli 2026 von Airbus Helicopters aus Donauwörth.

    Immer wichtiger werden auch private Gesundheitsdienstleister. Die Zahl der Personen mit einer privaten Zusatzversicherung stieg laut Angaben der polnischen Versicherungskammer PIU 2025 um 8,6 Prozent auf 5,8 Millionen Menschen. Mit einer privaten Zusatzversicherung können Patienten in privaten Einrichtungen verschiedene Leistungen ohne weitere Kosten in Anspruch nehmen. Entscheidend sind für viele Versicherte die kürzeren Wartezeiten. 

    Ein weiteres Argument ist die Ausstattung. Das Krankenhaus des Anbieters Medicover in Warschau beispielsweise wirbt damit, dass MRT-Systeme von Siemens zum Einsatz kommen. Das zeigt: Das Wachstum privater Gesundheitsanbieter schafft Geschäftsmöglichkeiten für internationale Medizintechnikhersteller.

    Importe ausgewählter Medizinprodukte nach Polen und Anteil aus Deutschland 2025In Millionen Euro; Anteil in Prozent
    SITC 

    Import

    Anteil Import aus Deutschland

    774.1Elektrodiagnoseapparate und -geräte

    490,3

    41,2

    774.2Röntgenapparate etc.311,336,6
    741.83 Sterilisierapparate22,363,2
    872.1Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g.160,427,4
    872.21Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc.420,519,1
    872.25Ophthalmologische Instrumente62,715
    872.29Andere Instrumente, Apparate und Geräte881,124,3
    872.3Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc.212,918,9
    872.4Medizinmöbel etc.99,031,2
    899.6Orthopädietechnik, Prothesen etc.1.039,816,9
    Quelle: Eurostat 2026

    Christopher Fuß

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Die meisten Regelungen in Polen für die Medizintechnik beruhen auf EU-Vorgaben. Ähnlich wie in anderen Staaten ist das Erstattungswesen sehr herausfordernd.

    Die wichtigste Institution bei der Finanzierung medizinischer Leistungen in Polen ist die gesetzliche Krankenkasse NFZ. Sie verwaltet die Beiträge der Versicherten und finanziert daraus die Gesundheitsversorgung. 

    Leistungserbringer wie Arztpraxen, Ambulanzen und Krankenhäuser schließen Verträge mit NFZ ab. Die Abkommen regeln den Umfang und die Vergütung von Leistungen. NFZ untersteht dem Gesundheitsministerium. Versicherte können nicht aus der gesetzlichen Krankenkasse austreten. Private Zusatzversicherungen sind aber möglich.

    Registrierungspflicht für Medizintechnik

    Die Grundlage für das Inverkehrbringen von Medizintechnik in Polen ist die EU-Verordnung 2017/745 (Medical Device Regulation, MDR). Sie wurde mit dem Gesetz über Medizinprodukte vom 7. April 2022 in nationales Recht überführt.

    Jedes Medizinprodukt benötigt eine CE-Kennzeichnung. Sie bestätigt, dass das Produkt die grundlegenden Sicherheits- und Leistungsanforderungen der MDR erfüllt. Je nach Risikoklasse ist hierfür eine Konformitätsbewertung durch eine Prüfstelle erforderlich. In Polen sind das Polnische Zentrum für Prüfung und Zertifizierung (PCBC) sowie TÜV NORD Polska als Prüfstellen nach der MDR anerkannt.

    Für Produkte, die bereits in einem anderen EU-Mitgliedstaat rechtmäßig mit CE-Kennzeichnung in Verkehr gebracht wurden, ist keine erneute Zertifizierung erforderlich.

    Seit dem 28. Mai 2026 müssen Hersteller und Importeure bestimmte Registrierungen und Meldungen verpflichtend über EUDAMED vornehmen. Hersteller müssen neue Medizinprodukte grundsätzlich vor dem Inverkehrbringen in der EU in EUDAMED registrieren. Darüber hinaus müssen Hersteller und Importeure im sogenannten Actors-Modul registriert sein und eine Single Registration Number (SRN) erhalten. Für vor dem 28. Mai 2026 in Verkehr gebrachte Produkte gelten Übergangsfristen.

    Unabhängig davon muss ein Händler mit Sitz in Polen im Verzeichnis (Wykaz Dystrybutorów) des Amtes für die Registrierung von Arzneimitteln, Medizinprodukten und Biozidprodukten (URPL) eingetragen sein, wenn er ein Medizinprodukt aus einem anderen EU-Mitgliedstaat erstmals auf dem polnischen Markt bereitstellt.

    Es gibt eine Reihe von Händlern und Importeuren von medizinischen Geräten in Polen. Hierzu zählen beispielsweise Novamed.pl S.A. und MEDline sp. z o.o. Auch deutsche Hersteller arbeiten mit lokalen Vertriebspartnern zusammen. So vertreibt die Ulrich GmbH & Co. KG aus Ulm ihre Kontrastmittelinjektoren in Polen über das Unternehmen Bertz Medical.

    Wenige Produkte stehen auf der Erstattungsliste

    Wenn ein Hersteller seine Produkte in das Erstattungssystem aufnehmen lassen will, dann hat er im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: die Aufnahme in die Erstattungsliste (Lista refundacyjna) sowie die Erstattung von Artikeln auf ärztliche Verordnung (na zlecenie). Beide Wege ermöglichen eine teilweise oder vollständige Kostenübernahme durch NFZ.

    Bei der Erstattungsliste handelt es sich um eine sogenannte Positivliste. Das Verzeichnis umfasst konkrete Produkte mit Handelsnamen und Herstellerangaben. Neben Arzneimitteln stehen dort nur wenige Produkte der Medizintechnik, darunter Spezialverbände und Blutzuckermessstreifen. Das Verzeichnis wird regelmäßig aktualisiert. Hersteller, die ihre Produkte dort platzieren möchten, müssen ein Erstattungsverfahren durchlaufen. Die Prozedur umfasst unter anderem Preisverhandlungen mit dem Ministerium und eine Nutzenbewertung durch die Agentur für Gesundheitstechnologiebewertung (AOTMiT). Das Gesundheitsministerium trifft die letzte Entscheidung.

    Die Erstattung von Produkten auf ärztliche Verordnung hingegen erfolgt nicht für konkrete Markenprodukte, sondern für Produktgruppen. Der NFZ definiert sie in einem Katalog. Zu den Produktgruppen gehören beispielsweise Rollstühle, Einlagen oder Hörgeräte. Innerhalb dieser Gruppen können Produkte unterschiedlicher Hersteller verwendet werden. Voraussetzung ist, dass die Artikel die technischen Anforderungen erfüllen und bei URPL beziehungsweise EUDAMED registriert sind. Die Erstattung läuft über den Vertriebspartner, der einen Vertrag mit dem NFZ haben muss. Es gibt festgelegte Preisgrenzen. Übersteigt der Produktpreis dieses Limit, muss der Patient die Differenz selbst tragen. Der Katalog wird deutlich seltener aktualisiert als die Erstattungsliste.

    Größere Ausschreibungen landen auf einer zentralen Plattform

    Die Vergabe öffentlicher Aufträge für Medizintechnik in Polen erfolgt dezentral. Es gibt keine zentrale Beschaffungsstelle für Krankenhäuser, Praxen oder andere medizinische Einrichtungen. Stattdessen führen die einzelnen Einrichtungen ihre Vergabeverfahren selbst durch. Darüber hinaus schließen sich manche Krankenhäuser zu Einkaufsgemeinschaften zusammen.

    Größere öffentliche Ausschreibungen werden gemäß dem polnischen Vergaberecht auf der Plattform e‑Zamówienia veröffentlicht. Zusätzlich finden sich größere Projekte des polnischen Gesundheitssektors auf der europäischen Ausschreibungsplattform TED.

    Viele internationale Hersteller von Medizintechnik unterhalten eigene Vertriebsgesellschaften in Polen. Dies erleichtert die Teilnahme an Ausschreibungen in einem fragmentierten Markt mit zahlreichen Beschaffungsstellen. Vor diesem Hintergrund kann es für deutsche Unternehmen beim Markteintritt sinnvoll sein, die Gründung einer Niederlassung zu prüfen.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union (EU) sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V.).

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung. 

    Christopher Fuß

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Polen

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative GesundheitswirtschaftDie Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft

    Polnisches Gesundheitsministerium 

    Verantwortung für die öffentliche Gesundheitsversorgung 
    NFZ - Nationaler GesundheitsfondsStaatliche Einheitskrankenkasse, ist für einen Großteil der Finanzierung der öffentlichen Gesundheitsversorgung verantwortlich
    URPL - Amt für Registrierung von Arzneimitteln, Medizinprodukten und BiozidproduktenStaatliche Registrierungsstelle für Medizintechnik
    AOTMiT - Agentur für die Bewertung von Medizintechnologien und ErstattungsfestlegungStaatliche Beratungsagentur des Gesundheitsministeriums
    CeZ - E-Health-Zentrum Das staatliche Zentrum stellt verschiedene E-Health-Lösungen bereit
    ZZP - Öffentliches Ausschreibungsportal des GesundheitsministeriumsDas Portal listet Ausschreibungen des Gesundheitsministeriums für Krankenhäuser und öffentliche medizinische Einrichtungen
    UZP - Amt für öffentliches AuftragswesenDie Behörde führt eine Datenbank mit allen öffentlichen Ausschreibungen
    ABM - Agentur für medizinische UntersuchungenStaatliches medizinisches Testlabor, das auch Forschungsprogramme ausschreibt
    NCBR - Staatliches Zentrum für Forschung und EntwicklungStaatliche Förderagentur, die Forschungsprogramme unterstützt
    EU-SonderseiteSeite informiert über Ausschreibungen im Medizinsektor, die aus dem europäischen Wiederaufbaufonds finanziert werden

    Polnische Wirtschaftskammer für medizinische Erzeugnisse Polmed 

    Interessenverband der Medizintechnik
    Technomed - Arbeitgeberverband der medizinischen Industrie Interessenverband der Medizinbranche

    SALMED - Międzynarodowe Targi Sprzętu i Wyposażenia Medycznego

    Internationale Messe für medizinische Geräte und Ausstattung in Poznań 

    Rynek Zdrowia

    Internetportal und Fachzeitschrift zur Gesundheitswirtschaft

     

    Christopher Fuß

    Von Christopher Fuß | Warschau