Ghanas Gesundheitssektor wächst dynamisch, getragen von staatlichen Investitionen, einer wachsenden Mittelschicht und einer zunehmend strukturierten Gesundheitsfinanzierung.
Der Medizintechnikmarkt in Ghana ist im globalen Vergleich mit einem erwarteten Volumen von rund 142 Millionen US-Dollar (US$) im Jahr 2026 relativ klein (2025: 116 Millionen US$). Jedoch wächst er aufgrund einer kontinuierlich steigenden Nachfrage stetig und dürfte in den kommenden Jahren stärker zulegen als die Gesamtwirtschaft.
Das Marktforschungsunternehmen BMI erwartet für den Markt für Medizintechnik (einschließlich Verbrauchsgüter) ein jährliches Wachstum von etwa 12 Prozent bis 2029.
3,1
Mrd. US$
sieht der Haushalt für den Gesundheitssektor 2026 vor.
Mehr staatliche Mittel für den Gesundheitssektor
Die Regierung möchte bis 2030 eine flächendeckende Versorgung im Sinne der "Universal Health Coverage" für alle Bürger:innen aufbauen. Daneben steht die Verbesserung von Versorgungszugang und -qualität sowie die vermehrte Behandlung chronischer Krankheiten im Fokus. Mittlerweile sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in Ghana.
Der Haushalt für 2026 sieht im Vergleich zu den Vorjahren mit 34 Milliarden ghanaischen Cedi (GHS, rund 3,1 Milliarden US$) deutlich mehr Mittel für den Gesundheitssektor vor. In den Jahren 2018 bis 2024 betrugen die staatlichen Mittel regelmäßig zwischen 1,5 und 2 Milliarden US$.
NHIS wird aufgestockt
Eine wichtige Neuerung ist die 2025 erfolgte Aufhebung der Einnahmendeckelung aus der Gesundheitsabgabe National Health Insurance Levy für die staatliche Krankenversicherung National Health Insurance Scheme (NHIS). Dadurch fließen nun die kompletten Einnahmen (vorher zwei Drittel) aus der Abgabe in die staatliche Krankenversicherung. Im Jahr 2025 sind das insgesamt rund 10 Milliarden GHS (etwa 900 Millionen US$).
Neuer Fonds für die Behandlung chronischer Krankheiten (MahamaCares)
Neu verabschiedet wurden der Ghana Medical Trust Fund (Mahama Care) und das Free Primary Healthcare (FPHC). Mahama Care ist ein staatlich finanzierter Sozialfonds für chronische Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Nierenerkrankungen. Die Behandlung chronischer Krankheiten ist von der NHIS nicht ausreichend abgedeckt. Diese Lücke soll MahamaCares schließen. Mit dem FPHC soll jeder Ghanaer kostenlosen Zugang zu medizinischen Basisleistungen erhalten. Für die Abdeckung der Primärversorgung sind 1,5 Milliarden GHS (rund 140 Millionen US$) veranschlagt.
Branchenkenner gehen von einer Steigerung der Nachfrage nach diagnostischer und therapeutischer Ausrüstung aus, wie Dialysegeräte, EKGs, digitale bildgebende Systeme und Laboranalysegeräte.
Regierung beschließt Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur
Im Haushalt 2026 sind auch mehr staatliche Mittel für die Infrastruktur vorgesehen. Sie fließen in den Bau neuer Krankenhäuser, in die Modernisierung bestehender Krankenhäuser und in die Fertigstellung unter der Vorgängerregierung begonnener Projekte.
Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in GhanaInvestitionssumme in Millionen US-Dollar| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Drei neue Regionalkrankenhäuser | 55,0 | In Planung. | Geplant in den Regionen Savannah, Oti und Western North |
| Zwei neue Distriktkrankenhäuser | n.a. | In Planung. | Geplant in Bole und Shama |
| Fertigstellung von zehn Krankenhäusern unter Agenda 111 | 9,0 | Im Bau. | Fertigstellung bis Ende 2026 geplant |
| Modernisierung von sieben Krankenhäusern | 7,2 | In Planung. | Modernisierung zur Verbesserung der Mutter-Kind-Versorgung |
| Fertigstellung diverser Krankenhausprojekte | 5,5 | Im Bau. | La General Hospital, Effia Nkwanta Hospital, Komfo Anokye Maternity Block, Ashanti Regional Hospital in Sewua |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest; Ministry of Finance Ghana
Größter Beschaffer von Medizintechnik ist der Staat. Der Bedarf an Medizintechnik wird zu rund 90 Prozent durch Importe aus der EU, Asien und den USA gedeckt. Im Jahr 2024 betrugen die Einfuhren nach Angaben von BMI rund 92 Millionen US$.
Private Ausgaben steigen kontinuierlich
Die privaten Ausgaben für Gesundheitsleistungen steigen seit einiger Zeit. Für das Jahr 2026 geht das Marktforschungsunternehmen BMI von privaten Ausgaben in Höhe von 1,9 Milliarden US$ aus. Das ist eine Steigerung von 18,75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (1,6 Milliarden US$).
Ghana verfügt über eine wachsende Mittelschicht, der mehr als eine Million Menschen angehören. Bis 2030 könnten bis zu 10 Prozent der Bevölkerung zur Mittelschicht zählen. Diese Gruppe kann es sich leisten, die besser ausgestatteten Gesundheitseinrichtungen zu nutzen und private (Zusatz-)Leistungen in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig leidet diese Gruppe oft an chronischen Krankheiten und wird immer älter. Hier sind also entsprechende Investitionen in die Behandlung chronischer Krankheiten zu erwarten.
Abwanderung von Fachkräften hält an
Die Abwanderung (Braindrain) von Ärzten, Pflegekräften und Hebammen ist eines der größten strukturellen Probleme des Gesundheitssystems.
Schlechte Bezahlung, nicht ausgezahlte Gehälter, Überlastung, schwache Infrastruktur und begrenzte Karriereaussichten sind die Hauptursachen für eine Abwanderung in Länder wie die USA, das Vereinigte Königreich, Kanada und Australien. So verdienen Ärzte zwischen 1.000 und 1.500 Euro (12.000 bis 20.000 GHS) netto abhängig von den Berufsjahren und dem Spezialisierungsgrad. Pflegekräfte erhalten im Schnitt in Abhängigkeit vom Ausbildungsgrad 250 bis 300 Euro (3.000 bis 4.000 GHS) im Monat.
Allein im Jahr 2024 verließen Medienberichten zufolge etwa 6.000 Pflegekräfte das Land. Die Abwanderung führt vor allem in ländlichen Gebieten zu chronischer Unterbesetzung. Die Versorgungsqualität verschlechtert sich weiter und erhöht gleichzeitig die Arbeitslast. Zudem geht wertvolles Know-how verloren, was sich auch auf die Ausbildung nachfolgender Ärzte und Pflegepersonal auswirkt.
Spielraum zur Eindämmung des Braindrain gibt es wenig. Die Regierung versucht mit einer Mischung aus finanziellen Anreizen, Reformen und mehr Regulierung der Entwicklung gegenzusteuern. Unterstützung erhält sie dabei von der Weltgesundheitsbehörde WHO.
Von Corinna Päffgen
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Accra