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Gute Aussichten für Ghanas Medizintechnikmarkt

Die Regierung verfolgt ambitionierte Reform- und Investitionspläne für den Ausbau des Gesundheitssektors. Daneben sorgen steigende private Ausgaben für Wachstumsimpulse.

Von Corinna Päffgen | Accra

Ausblick der Medizintechnik in Ghana

 

  • Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur und Versorgung sichern steigenden Bedarf an Medizintechnik.
  • Staatliche und private Ausgaben wachsen seit Jahren kontinuierlich.
  • Ausländische Hersteller dominieren den Markt. Deutsche Produkte haben Qualitätsvorteil.
  • Steigender Bedarf an digitalen Lösungen eröffnet Chancen.

 

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: April 2026

  • Ghanas Gesundheitssektor wächst dynamisch, getragen von staatlichen Investitionen, einer wachsenden Mittelschicht und einer zunehmend strukturierten Gesundheitsfinanzierung.

    Der Medizintechnikmarkt in Ghana ist im globalen Vergleich mit einem erwarteten Volumen von rund 142 Millionen US-Dollar (US$) im Jahr 2026 relativ klein (2025: 116 Millionen US$). Jedoch wächst er aufgrund einer kontinuierlich steigenden Nachfrage stetig und dürfte in den kommenden Jahren stärker zulegen als die Gesamtwirtschaft.

    Das Marktforschungsunternehmen BMI erwartet für den Markt für Medizintechnik (einschließlich Verbrauchsgüter) ein jährliches Wachstum von etwa 12 Prozent bis 2029.

    3,1 Mrd. US$

    sieht der Haushalt für den Gesundheitssektor 2026 vor. 

    Mehr staatliche Mittel für den Gesundheitssektor 

    Die Regierung möchte bis 2030 eine flächendeckende Versorgung im Sinne der "Universal Health Coverage" für alle Bürger:innen aufbauen. Daneben steht die Verbesserung von Versorgungszugang und -qualität sowie die vermehrte Behandlung chronischer Krankheiten im Fokus. Mittlerweile sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in Ghana.

    Der Haushalt für 2026 sieht im Vergleich zu den Vorjahren mit 34 Milliarden ghanaischen Cedi (GHS, rund 3,1 Milliarden US$) deutlich mehr Mittel für den Gesundheitssektor vor. In den Jahren 2018 bis 2024 betrugen die staatlichen Mittel regelmäßig zwischen 1,5 und 2 Milliarden US$.

    NHIS wird aufgestockt

    Eine wichtige Neuerung ist die 2025 erfolgte Aufhebung der Einnahmendeckelung aus der Gesundheitsabgabe National Health Insurance Levy für die staatliche Krankenversicherung National Health Insurance Scheme (NHIS). Dadurch fließen nun die kompletten Einnahmen (vorher zwei Drittel) aus der Abgabe in die staatliche Krankenversicherung. Im Jahr 2025 sind das insgesamt rund 10 Milliarden GHS (etwa 900 Millionen US$).

    Neuer Fonds für die Behandlung chronischer Krankheiten (MahamaCares)

    Neu verabschiedet wurden der Ghana Medical Trust Fund (Mahama Care) und das Free Primary Healthcare (FPHC). Mahama Care ist ein staatlich finanzierter Sozialfonds für chronische Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Nierenerkrankungen. Die Behandlung chronischer Krankheiten ist von der NHIS nicht ausreichend abgedeckt. Diese Lücke soll MahamaCares schließen. Mit dem FPHC soll jeder Ghanaer kostenlosen Zugang zu medizinischen Basisleistungen erhalten. Für die Abdeckung der Primärversorgung sind 1,5 Milliarden GHS (rund 140 Millionen US$) veranschlagt.

    Branchenkenner gehen von einer Steigerung der Nachfrage nach diagnostischer und therapeutischer Ausrüstung aus, wie Dialysegeräte, EKGs, digitale bildgebende Systeme und Laboranalysegeräte.

    Regierung beschließt Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur 

    Im Haushalt 2026 sind auch mehr staatliche Mittel für die Infrastruktur vorgesehen. Sie fließen in den Bau neuer Krankenhäuser, in die Modernisierung bestehender Krankenhäuser und in die Fertigstellung unter der Vorgängerregierung begonnener Projekte. 

    Ausgewählte Investitionsprojekte im Gesundheitssektor in GhanaInvestitionssumme in Millionen US-Dollar
    Akteur/ProjektInvestitionssummeProjektstandAnmerkungen
    Drei neue Regionalkrankenhäuser 

    55,0

    In Planung.Geplant in den Regionen Savannah, Oti und Western North
    Zwei neue Distriktkrankenhäuser

    n.a.

    In Planung.Geplant in Bole und Shama
    Fertigstellung von zehn Krankenhäusern unter Agenda 111

    9,0

    Im Bau.Fertigstellung bis Ende 2026 geplant
    Modernisierung von sieben Krankenhäusern7,2In Planung.Modernisierung zur Verbesserung der Mutter-Kind-Versorgung
    Fertigstellung diverser Krankenhausprojekte 5,5Im Bau.La General Hospital,
    Effia Nkwanta Hospital, Komfo Anokye
    Maternity Block, Ashanti Regional Hospital in
    Sewua
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest; Ministry of Finance Ghana

    Größter Beschaffer von Medizintechnik ist der Staat. Der Bedarf an Medizintechnik wird zu rund 90 Prozent durch Importe aus der EU, Asien und den USA gedeckt. Im Jahr 2024 betrugen die Einfuhren nach Angaben von BMI rund 92 Millionen US$. 

    Private Ausgaben steigen kontinuierlich

    Die privaten Ausgaben für Gesundheitsleistungen steigen seit einiger Zeit. Für das Jahr 2026 geht das Marktforschungsunternehmen BMI von privaten Ausgaben in Höhe von 1,9 Milliarden US$ aus. Das ist eine Steigerung von 18,75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (1,6 Milliarden US$).  

    Ghana verfügt über eine wachsende Mittelschicht, der mehr als eine Million Menschen angehören. Bis 2030 könnten bis zu 10 Prozent der Bevölkerung zur Mittelschicht zählen. Diese Gruppe kann es sich leisten, die besser ausgestatteten Gesundheitseinrichtungen zu nutzen und private (Zusatz-)Leistungen in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig leidet diese Gruppe oft an chronischen Krankheiten und wird immer älter. Hier sind also entsprechende Investitionen in die Behandlung chronischer Krankheiten zu erwarten.

    Abwanderung von Fachkräften hält an

    Die Abwanderung (Braindrain) von Ärzten, Pflegekräften und Hebammen ist eines der größten strukturellen Probleme des Gesundheitssystems.

    Schlechte Bezahlung, nicht ausgezahlte Gehälter, Überlastung, schwache Infrastruktur und begrenzte Karriereaussichten sind die Hauptursachen für eine Abwanderung in Länder wie die USA, das Vereinigte Königreich, Kanada und Australien. So verdienen Ärzte zwischen 1.000 und 1.500 Euro (12.000 bis 20.000 GHS) netto abhängig von den Berufsjahren und dem Spezialisierungsgrad. Pflegekräfte erhalten im Schnitt in Abhängigkeit vom Ausbildungsgrad 250 bis 300 Euro (3.000 bis 4.000 GHS) im Monat.

    Allein im Jahr 2024 verließen Medienberichten zufolge etwa 6.000 Pflegekräfte das Land. Die Abwanderung führt vor allem in ländlichen Gebieten zu chronischer Unterbesetzung. Die Versorgungsqualität verschlechtert sich weiter und erhöht gleichzeitig die Arbeitslast. Zudem geht wertvolles Know-how verloren, was sich auch auf die Ausbildung nachfolgender Ärzte und Pflegepersonal auswirkt.

    Spielraum zur Eindämmung des Braindrain gibt es wenig. Die Regierung versucht mit einer Mischung aus finanziellen Anreizen, Reformen und mehr Regulierung der Entwicklung gegenzusteuern. Unterstützung erhält sie dabei von der Weltgesundheitsbehörde WHO.

    Von Corinna Päffgen | Accra

  • E-Health ist zentraler Bestandteil der Gesundheitspolitik, um Lücken in der Versorgung zu schließen. Private Investitionen nehmen zu, auch wenn der Markt noch klein ist.

    Der Digital-Health-Markt steckt in Ghana noch in den Kinderschuhen, belastbare Statistiken hinsichtlich der Marktgröße existieren bislang nicht.

    Die Modernisierung des Gesundheitssektors durch den Einsatz von Digitalisierung ist zentraler Bestandteil der nationalen Gesundheitspolitik. Eine Reihe von Digitalisierungsprojekten befinden sich bereits in der Umsetzung. Aufgrund der staatlichen Förderung und der steigenden Gesundheitsausgaben ist der Markt zunehmend für private Anbieter, vor allem Start-ups, interessant. Im Jahr 2024 konnten HealthTech Start-ups 80 Millionen US$ einsammeln.

    Branchenkenner gehen von einem moderaten Wachstum vor allem in den Bereichen elektronische Patientenakte und Telemedizin aus. Ebenfalls wachsen werden Anwendungen, die vernetzte Lösungen wie Telemonitoring anbieten.

    Digital Health soll Gesundheitsversorgung stärken

    Mit der in 2023 verabschiedeten  "Digital Health Policy & Strategy 2023- 2027" hat Ghana ein ambitioniertes politisches Fundament für die Digitalisierung im Gesundheitssektor geschaffen. Durch digitale Lösungen soll das Gesundheitssystem resilienter, effizienter und patientenzentrierter werden. Der Zugang zu medizinischer Versorgung kann maßgeblich verbessert werden, vor allem in unterversorgten ländlichen Regionen. 

    Der Fokus der Strategie liegt auf dem Aufbau klarer Governance-Strukturen, Interoperabilität, Datensicherheit sowie auf dem Auf- und Ausbau digitaler Kompetenzen.

    Zahlreiche Lösungen bereits in Umsetzung

    Viele digitale Gesundheitslösungen werden bereits in der Praxis erprobt. Dazu gehören die Einrichtung von Telemedizin-Zentren unter anderem in einer Reihe von Krankhäusern, der Aufbau elektronischer Patienten- und Impfsysteme sowie digitale Lieferkettenmanagementsysteme.

    Grundlage der digitalen Gesundheitsdatenverwaltung in öffentlichen Einrichtungen ist das Ghana Health Information Management System (GHIMS). Das System ersetzt das Vorgängersystem  Lightwave Health Information System (LHIMS) und ist das einzige autorisierte System für die Verwaltung von Patientenakten, Versicherungsprüfung und Abrechnung erstattungsfähiger Leistungen mit der NHIS. Derzeit befindet sich das System im Roll-out.

    Herausforderungen sind vor allem technischer Natur

    Trotz vieler Fortschritte bestehen eine Reihe von Herausforderungen bei der Umsetzung der "Digital Health Policy". Diese betreffen vor allem die Bereiche der technischen Infrastruktur und Interoperabilität. Vor allem in ländlichen Gegenden sind Internetverbindungen oft lückenhaft, die Stromversorgung instabil und die technische Ausstattung noch unzureichend. Zudem gibt es Nachholbedarf bei der Schulung von Personal und finanzieller Nachhaltigkeit von Projekten. Datensicherheit und Datenschutz sind ebenfalls wichtige Bereiche, die noch nicht auf gewünschtem Stand sind. 

    Digitale Lösungen spielen bei Beschaffung zunehmend eine Rolle

    Bei der Beschaffung durch den Staat spielen neben der physischen Hardware auch Softwarelösungen zunehmend eine Rolle. Vor allem elektronische Logistik und Versorgungsinformationssysteme dürften künftig bei der Beschaffung im Fokus stehen. Zudem besteht Bedarf bei fachlichen Dienstleistungen und Beratung zur Einführung und Skalierung von E-Health-Lösungen.

    Politische Grundlage ist der "Health Supply Chain Master Plan 2025-2029", der die Modernisierung der Lieferkette im Gesundheitssektor und den Aufbau eines integrierten Versorgungssystems vorsieht. Dafür ist die Einführung eines flächendeckenden, elektronischen Logistics Management Information Systems (E-LMIS, GhiLMIS) vorgesehen. Zudem ist die Digitalisierung sämtlicher Lager- und Distributionsprozesse geplant, das heißt von der Beschaffung über die Lagerhaltung bis zur Distribution von Medikamenten und von medizinischem Material. 

    Start-ups bieten innovative Lösungen

    Der E-Health-Sektor wird zunehmend von privaten Unternehmen und insbesondere Start-ups geprägt, die digitale Innovationen entwickeln um Versorgungslücken zu schließen. Diese reichen von Telemedizin über digitale Diagnostik bis hin zu pharmazeutischen Plattformen und mentaler Gesundheitsversorgung.

    Private E-Health-Lösungen in Ghana

    Name

    Kategorie

    Beschreibung

    HealthNeutronTelemedizinOnline-Konsultationen, Medikamenten-Lieferung, mobile Labordienste
    Bisa Health AppTelemedizinMedizinische Beratung online, anonyme Anfragen
    Berry HealthTelemedizinRemote-Diagnose, Behandlung chronischer Krankheiten
    Hewale (Social Health System)Virtuelle Gesundheitsversorgung & KrankenhaussystemDigitales Krankenhausmanagementsystem
    mPharmaDigitale PharmazieVerwaltung und Optimierung von Medikamentenversorgung; Preisoptimierung
    SnooCODEREDGesundheitslogistikDigitale Notfalllogistik
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Corinna Päffgen | Accra

  • Ghana ist stark importabhängig. Die lokale Produktion beschränkt sich bislang auf den Lowtech-Bereich. Internationale Firmen sind oft durch einen lokalen Partner vertreten.

    Das Krankenversicherungssystem in Ghana ist ein duales System, bestehend aus der staatlichen Krankenversicherung (National Health Insurance System - NHIS) und mehr als zehn privaten Krankenversicherungsunternehmen. Insgesamt sind etwa 75 Prozent der Bevölkerung krankversichert, wobei das staatliche NHIS 56 Prozent der Bevölkerung abdeckt (Stand 2025). Private Versicherungen sind oft eine Zusatzversicherung über den Arbeitgeber, da das staatliche NHIS gedeckelt ist.

    Den Großteil der ambulanten und stationären Behandlungen übernimmt das NHIS. Komplett erstattet werden Leistungen für Schwangerschaft und Geburt. Allerdings übernimmt das NHIS nur Leistungen von Vertragsärzten beziehungsweise -krankenhäusern.

    Bislang nicht übernommen wurden Behandlungen von chronischen Erkrankungen wie Krebs (außer Gebärmutterhals- und Brustkrebs) und Niereninsuffizienz. Diese Lücke soll nun MahamaCares schließen.

    Staat dominiert bei der Versorgung und Beschaffung

    Das ghanaische Gesundheitssystem ist ein gemischtes System aus öffentlicher und privater Gesundheitsversorgung. Die staatlichen Aufwendungen decken rund 65 Prozent der Gesundheitsausgaben ab. Insgesamt werden nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts BMI im Jahr 2026 die gesamten Gesundheitsausgaben 4,7 Milliarden US$ betragen, damit ist Ghana der achtgrößte Gesundheitsmarkt in Subsahara-Afrika.

    Die staatlichen Gesundheitseinrichtungen übernehmen den größten Teil der Versorgung sicher. Es gibt zwar mehr private als staatliche Krankenhäuser, jedoch stellen die staatlichen Krankenhäuser 70 Prozent der insgesamt rund 33.000 Krankenhausbetten. Zudem sind staatliche Einrichtungen in ländlichen Gegenden oft die einzigen Anbieter.

    Neben der Versorgung ist auch bei der Nachfrage nach Medizintechnik der Staat führend. Zentrale Stelle für die Planung, Steuerung und Beschaffung ist das Gesundheitsministerium (Ministry of Health). Beschaffende Stellen sind zudem der Ghana Health Service, Krankenhäuser und ausbildende Stellen wie Universitäten.

    Privater Gesundheitsmarkt wächst

    Ghana verfügt über eine wachsende Mittelschicht, die zunehmend private Gesundheitsleistungen nachfragt. Private Gesundheitseinrichtungen sind in der Regel sehr gut ausgestattet mit Gutverdienenden und Expats als Hauptkunden.

    In Accra gibt es eine Vielzahl privater Krankenhäuser wie das Nyaho Medical Center, das Bank Hospital, das Lister Hospital oder das Euracare Hospital. Darüber hinaus existieren eine Reihe privater Arztpraxen und Diagnostikzentren. Die privaten Betreiber achten in der Regel auf Qualität und beschaffen hochwertiges Equipment. Dies gilt jedoch auch für einige staatliche Gesundheitseinrichtungen, vor allem für die Lehrkrankenhäuser wie das Korle Bu Teaching Hospital.

    Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Ghana

    Indikator

    Wert

    Einwohnerzahl (2025 in Mio.)

    35,1

    Bevölkerungswachstum (2025 in % p.a.)

    1,8

    Altersstruktur der Bevölkerung (2025)

     

      Anteil der unter 14-Jährigen (in %)

    35,4

      Anteil der über 65-Jährigen (in %)

    3,8

    Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2023 in Jahren)

    65

    Durchschnittseinkommen (2025 in US$)

    3.193

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (2024 in US$)

    88

    Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2024 in %)

    4,0

    Ärzte/100.000 Einwohner (2024)

    18,2

    Zahnärzte/100.000 Einwohner (2024)

    17,2

    Krankenhausbetten/1.000 Einwohner (2024)

    0,94

    Quelle: Weltbank; Internationaler Währungsfonds; BMI 2026

    Lokale Produktion kaum vorhanden

    Die Branche wird von internationalen Herstellern und lokalen Distributoren geprägt. Ghana importiert über 90 Prozent der Medizintechnik, darunter sämtliche Hightechgeräte. Deutschland ist hinter China auf Rang 2 der Lieferländer. Deutschland exportiert nach Ghana vor allem Elektrodiagnosegeräte (SITC 774.1) sowie Therapie- und Atmungsgeräte (SITC 872.3).

    Importe ausgewählter Medizinprodukte nach Ghana und Anteil aus DeutschlandIn Millionen US-Dollar, Anteil in Prozent
    SITC 

    Import (2023)

    Anteil Import aus Deutschland

    774.1Elektrodiagnoseapparate und -geräte

    5,7

    58,0

    774.2Röntgenapparate etc.

    11,3

    5,4

    741.83 Sterilisierapparate

    1,6

    2,0

    872.1Zahnmedizinische Instrumente; a.n.g.

    0,5

    12,5

    872.21Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc.

    6,6

    1,1

    872.25Ophthalmologische Instrumente

    1,0

    1,8

    872.29Andere Instrumente, Apparate und Geräte

    13,8

    31,9

    872.3Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc.

    5,1

    38,0

    872.4Medizinmöbel etc.

    3,2

    10,0

    899.6Orthopädietechnik, Prothesen etc.

    1,6

    1,6

    Quelle: UN Comtrade 2026

    Bislang produziert nur das ghanaische Unternehmen Universal Hospitals Group zwei medizinische Geräte. Dazu zählt eine Wandversorgungseinheit (PBS bedhead unit) zur Bündelung von Versorgungsanschlüssen und ein Röntgenbildbetrachter (EA X-Ray Viewer).

    Daneben gibt es eine Reihe von lokalen Herstellern im Bereich Lowtech, die mechanische Mobilitätshilfen (Rollstühle, Gehhilfen), Möbel, Verbrauchsmaterialien und Dentalprodukte herstellen.

    Ausländische Unternehmen über lokale Partner vertreten

    Es gibt zahlreiche ausländische Medizintechnikhersteller, die regelmäßig über einen lokalen Partner in Ghana aktiv sind. Daneben unterhalten einige Unternehmen eigene Niederlassungen vor Ort, darunter die deutschen Unternehmen B. Braun, Dräger und Siemens. Dabei zeigen sich die meisten Unternehmensvertreter zufrieden: Zwar sind Ghana und weitere Länder in der Region als Märkte im globalen Vergleich klein, sie wachsen aber kontinuierlich, was sie interessant macht. 

    Wichtige Branchenunternehmen in Land

    Unternehmen

    Sparte und Beschreibung

    Universal Hospitals GroupMedizintechnik, einziges ghanaisches Unternehmen mit eigener Produktion
    Avgad GhanaVertrieb für Fuji, Toshiba und Shimadzu
    Becton DickinsonMedizintechnik, eigene Niederlassung
    B.BraunMedizintechnik, eigene Niederlassung
    DrägerMedizintechnik, eigene Niederlassung
    GE HealthcareMedizintechnik
    Johnson & JohnsonMedizintechnik, eigene Niederlassung
    MindrayMedizintechnik, Vertrieb durch u.a. Lynch Medical Services Limited
    PhilipsMedizintechnik
    Siemens HealthineersMedizintechnik, eigene Niederlassung
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Von Corinna Päffgen | Accra

  • Ausschreibungen erfolgen zentral und digital. Medizintechnikanbieter nutzen für den Markteintritt einen lokalen Distributor.

    Einfuhr ist streng reguliert

    Zuständige Behörde für die Registrierung und Zulassung medizinischer Produkte ist die Food and Drug Authority (FDA). Der Import richtet sich nach den Vorschriften des Public Health Act (2012, Act 851), Food and Drugs Act (1992, PNDCL 3058) sowie den Food and Drugs Board Guidelines (Guidelines of Importation of Medical Devices).

    Medizinische Produkte sind in Ghana einfuhrbeschränkt, das heißt sie dürfen nur eingeführt werden, wenn sie vorab durch den Importeur registriert und von der FDA zugelassen sind. Ausländische Hersteller benötigen zwingend einen lokal autorisierten Vertreter (local agent), der über eine entsprechende Lizenz verfügt. Für die Zulassung eines medizinischen Produkts bei der FDA muss unter anderem ein technisches Dossier mit Angaben zu Leistungsdaten, Risikoklasse, Zertifikate etc. beigebracht werden. Zudem unterliegen Produkte der Post-Market-Surveillance.

    Öffentliche Ausschreibungen nur digital

    Ausschreibende Ministerien und Behörden sind vor allem das Ministry of Health, Ghana Health Service und Krankenhäuser. Öffentliche Ausschreibungen erfolgen seit 2019 über die Plattform Ghana Electronic Procurement System (GHANEPS)

    Daneben erfolgen regelmäßig Ausschreibungen von geberfinanzierten Projekten im Gesundheitssektor Internationale Ausschreibungen und Projekte

    Markteinstieg erfolgt meist über lokalen Distributor

    Da Ghana medizinische Geräte fast vollständig importiert, dominieren lokale Distributoren den Markt. Ein lokaler Vertriebspartner übernimmt in der Regel den Import, die Logistik und Zollabwicklung, den After-Sales-Service und den Kontakt zu Behörden sowie zu privaten Gesundheitseinrichtungen. Dieser Partner ist zudem eine Voraussetzung, um an staatlichen Ausschreibungen teilzunehmen, sofern keine eigene registrierte Landesgesellschaft existiert. 

    Die Konkurrenz kommt vor allem aus Asien

    Der Großteil der importierten Medizintechnik stammt aus Asien, vor allem aus China. Dabei ist meistens der Preis und die Finanzierung das entscheidende Kriterium für die Wahl des jeweiligen Herstellers. Trotzdem sind deutsche Geräte aufgrund ihrer hohen Qualität und Langlebigkeit beliebt.

    Um sich von der Konkurrenz abzuheben, kann ein hochwertiger After-Sales-Service ein entscheidender Vorteil sein. Zudem stellt fehlendes Know-how in der Bedienung der Geräte häufig eine Herausforderung dar. Gerade hier können deutsche Unternehmen punkten: Durch die Bereitstellung gezielter Trainings und den damit verbundenen Wissenstransfer lassen sich zusätzliche Wettbewerbsvorteile schaffen. Denn bislang bieten asiatische Wettbewerber solche Schulungsprogramme in der Regel noch nicht an.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Corinna Päffgen | Accra

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Delegation der deutschen Wirtschaft in Ghana (AHK Ghana)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative GesundheitswirtschaftDie Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft

    Ministry of Health

    Gesundheitsministerium
    Ghana Health ServiceZentrale staatliche Gesundheitsbehörde
    Food and Drugs AuthorityRegulierungsbehörde für Lebensmittel, Arzneimittel u.ä. Produkte
    National Health Insurance SystemStaatlicher Krankenversicherer
    Ghana Medical AssociationÄrztlicher Berufsverband
    Ghana International Healthcare ExhibitionFachmesse für Gesundheit (2.-4.9.2026 Palm Convention Center, Accra)
    West Africa Pharma Healthcare Exhibition Fachmesse für Pharma und Medizintechnik (International Conference Center, Accra)