Die Kfz-Industrie ist ein aufstrebender Zweig des verarbeitenden Gewerbes in Kasachstan. Der Ausstoß an Fahrzeugen ist in den letzten Jahren kräftig gestiegen.
Die kasachische Kfz-Industrie ist noch jung, legt aber schnell an Bedeutung zu. Im Jahr 2025 trug sie bereits 10 Prozent zum Gesamtausstoß des verarbeitenden Gewerbes bei; 2020 hatte ihr Anteil nur 4,6 Prozent ausgemacht.
Kfz-Produktion wächst 2025 um 18 Prozent und erzielt Rekordergebnis
Im Jahr 2025 lieferte die kasachische Kfz-Branche die Rekordzahl von gut 170.000 Fahrzeugen aus. Das Produktionsplus gegenüber dem Vorjahr belief sich auf knapp 18 Prozent. Der Automobilverband Kasachstans schätzt, dass die Branche ihren Wachstumskurs 2026 fortsetzt: Dank Neu- und Ausbauprojekten dürfte der Ausstoß um 22 Prozent auf über 200.000 Fahrzeuge ansteigen.
Die Konzerne Allur Group und Astana Motors sind die wichtigsten Produzenten. Sie montieren jeweils mehrere Fahrzeugmodelle verschiedener ausländischer Marken. Im Fokus stehen dabei Pkw der Klein- und Mittelklasse sowie SUVs.
Neuer Player steigt 2027 in die Produktion von Pkw in Kasachstan ein
Die Allur Group betreibt das landesweit größte Kfz-Montagewerk. In Kostanai im Norden Kasachstans ermöglichen mehrere Linien die Fertigung von bis zu 120.000 Fahrzeugen pro Jahr. Das Unternehmen montiert aktuell jeweils mehrere Modelle der Marken JAC, Chevrolet, Kia, Jetour, Škoda und Hongqi.
Im Oktober 2025 wurde gemeinsam mit dem südkoreanischen Partner Kia das Autowerk Kia Qazaqstan eröffnet. Dort ist geplant, jährlich 70.000 Pkw der gleichnamigen Marke zu fertigen.
Wichtige Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in Kasachstanin Millionen US-Dollar Vorhaben | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Werk für die Montage der chinesischen Marken Exeed, Geely und Kaiyi in Almaty | 200 | Vorbereitung, die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant | Orbis Group |
| Werk zur Produktion von HOWO‑Lastkraftwagen (Gebiet Karaganda) | 70 | Umsetzung | Saran Machinery; Sinotruck |
| Erweiterung des Werks für die Produktion von Yutong‑Bussen in Scharan | 40 | Umsetzung | QazTekhna |
| Lokalisierungszentrum zur Herstellung von Autokomponenten für Pkw (Gebiet Kostanai) | 35 | Umsetzung | Allur Group |
| Herstellung verschiedener Kfz-Komponenten für Modelle der koreanischen Marke Hyundai in Almaty | 15 | erste Produktionslinien bereits in Betrieb, weitere Komponenten geplant | Astana Motors; Hyundai Trans Almaty |
| Entwicklung eines kasachischen Automobils | k.A. | Planung; Kooperationsvereinbarung unterzeichnet | Kooperationspartner: Proton Holdings (Malaysia) |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Hauptstandbein der Pkw-Produktion von Astana Motors war bisher das Werk Hyundai Trans Kazakhstan in Almaty. Es ist auf rund 50.000 Pkw der Marke Hyundai ausgelegt und wurde 2025 umfangreich modernisiert.
Darüber hinaus ist Astana Motors im September 2025 in die Montage der chinesischen Marken Chery, Haval und Changan eingestiegen. Das Werk hat eine Kapazität von 120.000 Wagen. Davon sind langfristig 60 Prozent für den Export vorgesehen.
Ab 2027 tritt mit der Orbis Group ein neuer Player in Kasachstans Pkw-Produktion auf. Das Unternehmen war bisher vor allem als Händler in Kasachstan tätig und steigt nun in die Produktion der chinesischen Pkw-Marken Exeed, Geely und Kaiyi ein. Dafür investiert das Unternehmen 200 Millionen US-Dollar in einen Produktionsstandort mit einer Kapazität von 80.000 Pkw.
Kasachische Autoproduzenten hegen Pläne für Export in Nachbarländer
Der Absatz konzentrierte sich bisher auf den kasachischen Markt und orientiert sich an den dortigen Nachfragetrends. Die Exporte fallen hingegen noch recht überschaubar aus, wenngleich Potenzial für die Ausfuhr in die Nachbarländer besteht. Kürzlich gestartete Montagewerke sowie in Vorbereitung befindliche Projekte zielen bereits darauf ab.
Damit Exporte rentabel werden, muss die lokale Wertschöpfung erhöht werden. Aktuell montieren kasachische Werke überwiegend Modelle im Semi-Knocked-Down (SKD)-Verfahren. Somit erfolgt vor Ort nur noch die Endmontage. Gesetzliche Vorschriften zielen bereits darauf ab, den Lokalisierungsgrad in der Fahrzeugfertigung schrittweise zu erhöhen.
Ab 2027 sollen 50 Prozent des Outputs aus CKD-Sätzen montiert werden
Nach Vorgaben des kasachischen Industrieministeriums sind die Hersteller bei der Fertigung von Pkw zweier oder mehrerer Marken schon jetzt verpflichtet, für mindestens je ein Modell auf CKD-Sätze (Completely-Knocked-Down) zurückzugreifen. Das bedeutet auch, dass für diese Modelle zusätzlich zur Komplementierung Schweiß- und Lackierarbeiten anfallen.
Ab 2027 soll die Hälfte des Outputs aus CKD-Sätzen montiert werden. Bei Astana Motors lag der entsprechende Anteil 2025 bei 30 Prozent. Das Unternehmen hat angekündigt, die gesetzliche Vorgabe erst Ende des Jahrzehnts erfüllen zu können.
Dafür wird Astana Motors weiter in seine Produktionsanlagen in Almaty investieren müssen. Den Schwerpunkt bilden Schweiß- und Lackierroboter für den Karosseriebau sowie Förderbänder. Zudem fertigt das Unternehmen zunehmend mehr Komponenten im firmeneigenen Technopark.
Immer mehr Teile und Komponenten werden vor Ort produziert
Astana Motors strebt an, ab etwa 2026 rund die Hälfte aller benötigten Kfz-Teile und -Komponenten lokal zu beziehen. Einen Großteil davon will Astana Motors in Kooperation mit Firmen aus Südkorea selbst herstellen. Im firmeneigenen Technopark in Almaty werden bereits Multimediasysteme, Schmutzfänger, Fußmatten sowie Auto- und Kindersitze produziert.
Südkoreanische Produzenten von Komponenten sind auch bei der neuen Kia-Montagelinie der Allur Group bevorzugte Partner. Darüber hinaus ist mit dem Start der Montage chinesischer Pkw-Modelle bei Astana Motors und bei Orbis mit dem Markteintritt von Anbietern aus China zu rechnen.
Bei Kfz-Teilen und -Komponenten befinden sich aktuell mehrere Projekte in der Vorbereitung. Dabei handelt es sich unter anderem um die Produktion von Klima- und Lüftungsanlagen, Brems- und Kraftstoffleitungen und Innenverkleidungen.
Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Kasachstanin Millionen US-Dollar; Veränderung in Prozent| Warengruppe (SITC) | 2024 | Veränderung 2024/2023 | aus Deutschland 2024 |
|---|
778.3 Kfz-Elektrik | 134,3 | 5,2 | 3,9 |
784 Karosserien, Stoßstangen etc. | 2.535,5 | -8,1 | 34,2 |
773.13 Zündkabelsätze | 20,9 | 30,8 | 0,4 |
713.2 Motoren | 628,3 | -9,4 | 5,3 |
Summe | 3.319,0 | -7,7 | 43,8 |
Quelle: UN Comtrade 2026
Nutzfahrzeuge und Busse werden in überschaubaren Mengen hergestellt
Die Produktion von Nutzfahrzeugen und Bussen wächst nicht so stark wie die Kfz-Produktion, weist aber eine höhere lokale Wertschöpfung auf. Firmen wie Orbis Heavy Machinery (Kia-Nutzfahrzeuge) und QazTekhna (Stadt- und Schulbusse von Yutong sowie How- und Scania-Lkw) haben bereits vollständig auf die CKD-Montage umgerüstet.
Zudem erzielt die Sparte bereits nennenswerte Exporte. Im Jahr 2025 wurden bei Nutzfahrzeugen rund 7 Prozent des Ausstoßes im Wert von 40 Millionen US$ exportiert. Zum Vergleich: Pkw wurden in diesem Jahr für rund 55 Millionen US$ ins Ausland verkauft.
Ein weiterer wichtiger Akteur ist Astana Motors, das am Standort Hyundai Trans Almaty mehrere Modelle von Nutzfahrzeugen und Bussen der Marke Hyundai fertigt. Hinzu kommen Stadt-, Schul- und Überlandbusse der Marke Golden Dragon sowie seit 2025 Elektrobusse von BYD.
Das Unternehmen SemAZ montiert in Semey Lkw- und Bus-Modelle mehrerer chinesischer Marken sowie Lkw der Marke Hino (Japan). Bei Daewoo Bus Kazakhstan fertigt SemAZ zudem Busse gemeinsam mit dem koreanischen Hersteller DaewooBus.
Von Jan Triebel
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Almaty