Branchen | Kasachstan | Tourismus

Kasachstan baut Weltklasse-Skigebiet

Von Viktor Ebel | Almaty

Anfang 2026 wurde bekannt gegeben, dass die kasachische Metropole Almaty Austragungsort der Asiatischen Winterspiele 2029 sein wird. Ursprünglich sollte das Sportereignis in Saudi-Arabien stattfinden. Aufgrund stockender Bauarbeiten in Neom, einer Zukunftsstadt am Roten Meer, konnte Saudi-Arabien die Ausrichtung jedoch nicht übernehmen.

Damit wurde der Weg frei für Almaty, das durch seine Lage am Fuße des Tienschan-Gebirges günstige klimatische Bedingungen bietet. Zudem spricht für die ehemalige kasachische Hauptstadt, dass sie die Spiele bereits 2011 ausgerichtet hat. Almaty verfügt daher bereits über eine Skisprunganlage, Skipisten und ein Eisstadion.

Diese internationale Aufmerksamkeit will Kasachstan nutzen, um sich als Wintersportzentrum zu positionieren. Im Jahr 2026 will die Regierung damit beginnen, nach Jahren der Planung kleine, bestehende Skigebiete zum Almaty Mountain Cluster auszubauen. Es soll europäischen Resorts in nichts nachstehen. Daher werden ausländische Unternehmen bei Ausrüstung, Beratung und Management einbezogen.

Kasachstan will mehr auf Tourismus setzen

Das zentralasiatische Land sieht im wachsenden Tourismus eine Möglichkeit, seine Wirtschaft breiter aufzustellen. Über 15 Millionen ausländische Gäste zählte Kasachstan 2025 und stellte damit erneut einen Rekord auf. Eine neue Bestleistung erzielte das Land auch im Global Travel and Tourism Index des World Economic Forum von 2024, bei dem sich Kasachstan um 14 Positionen auf Platz 52 von insgesamt 119 betrachteten Ländern verbesserte.

Experten führen diese Entwicklung auf Investitionen in die touristische Infrastruktur, gestiegene Standards und bessere Flugverbindungen zurück. Tatsächlich haben Unternehmen und die öffentliche Hand in den vergangenen Jahren umfangreich investiert. Im Jahr 2025 betrug das Investitionsvolumen fast 2,5 Milliarden US-Dollar (US$) und damit rund 32 Prozent über dem Vorjahreswert, wie das Ministerium für Tourismus und Sport in einer Pressemeldung mitteilte.

Neben neuen Hotels, Flughäfen und Verkehrswegen soll demnächst mit der Modernisierung der bestehenden Skigebiete begonnen werden. Dem Skitourismus misst die Regierung eine große Bedeutung zu, da wintersportaffine Erholungssuchende besonders viel Geld im Land lassen. Diese Zielgruppe will Kasachstan in einigen Jahren mit einem Skigebiet auf Weltklasseniveau anlocken. Der starke politische Rückhalt spricht dafür, dass das seit Jahren diskutierte Projekt nun umgesetzt wird.

Milliardeninvestitionen in Skitourismus geplant

Ende 2025 genehmigte die Regierung ein Entwicklungskonzept für den Skitourismus, das bis 2029 Investitionen in Höhe von über 1 Milliarde US$ vorsieht. Der Plan sieht vor, auf der Hochebene Kok Zhailau unter der Bezeichnung Almaty Super Ski ein neues Skiresort zu errichten und dieses über ein System von Liften und Bergbahnen mit den bestehenden Skigebieten Oi-Karagai und Shymbulak zu verbinden.

Mit dem Bau neuer Skilifte zur Erschließung zusätzlicher Pisten in Shymbulak soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Der Bau einer Straße, die zu Almaty Super Ski führt, soll im Juni 2026 starten. Bis Ende 2027 soll die Versorgungsinfrastruktur für das Gebiet stehen. Private Investoren sind dazu eingeladen, in Unterkünfte und Gastronomie zu investieren. Mit entsprechenden Ausschreibungen ist ab 2027 zu rechnen.

Über 1 Milliarde US-Dollar sollen in das Almaty Mountain Cluster investiert werdenIn Millionen US-Dollar
Kategorie

Investitionssumme

Wintersportinfrastruktur (Skilifte, Skipisten, Tal-, Mittel- und Bergstationen)

680,8

Verkehrsanbindung und Mobilität (Straßenbau, Parkplätze, Buslinien, Ladestationen für E-Autos)

158,3

Hotels und andere Unterkünfte

75,0

Technische und kommunale Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Gas, Beschneiung)

32,3

Stromversorgung, Beleuchtung und Telekommunikation (Strom-, Glasfaser- und Mobilfunknetze)

30,4

Serviceinfrastruktur (Ausrüstungsverleih, Skischulen, Besucherzentren)

18,2

Aufwertung der Infrastruktur und Sicherheit der Touristen (Wanderwege, Campingplätze, Treppenanlagen, Schutzhütten)

10,8

Digitalisierung, Vermarktung, Schulungen und Masterpläne für zwei weitere Täler

2,5

Quelle: Regierung Kasachstans 2025

Der Plan sieht vor, dass das Almaty Mountain Cluster 2029 über rund 40 Skilifte und mehr als 160 Kilometer Skipisten verfügen soll. Damit wäre das Gebiet das größte seiner Art in Asien.

Der asiatisch-pazifische Raum ist wiederum der wichtigste Zukunftsmarkt für den Skitourismus. Auch Indien und die Golfstaaten verzeichnen ein wachsendes Interesse am Wintersport.

Kasachstan bietet vergleichsweise günstige Preise, einfache Einreisebestimmungen, geografische Nähe und eine markante Kulisse am Tienschan-Gebirge. Damit könnte das zentralasiatische Land europäischen Skigebieten Konkurrenz machen.

Kirgisistan arbeitet an einem Konkurrenzprojekt

Das benachbarte Kirgisistan arbeitet seit 2025 ebenfalls  einem neuen Skigebiet. Südlich des Yssyk-Köl-Sees soll in den nächsten Jahren das Skigebiet Three Peaks entstehen.

Geplant sind 36 Seilbahnen, um über 200 Pistenkilometer zugänglich zu machen. Die Gesamtbauzeit wird mit sieben bis acht Jahren angegeben. Noch ist aber unklar, ob das kleine Kirgisistan ein Projekt mit diesen Ausmaßen stemmen kann.

Europäische Expertise für neues Skigebiet gefragt

Da Europa bei Wintersportinfrastruktur als Maßstab gilt, entwickelt Kasachstan sein Skipotenzial entsprechend mit europäischem Know-how weiter. Der Masterplan für das Skiresort Almaty Super Ski wurde gemeinsam mit dem Unternehmen Pas Grau International aus Andorra erstellt, das weltweit Skigebiete plant und betreibt.

Die Aufträge für Seilbahnen und Skilifte dürften an Branchenführer aus Österreich, Frankreich und Italien gehen, sagt ein mit der Angelegenheit vertrauter Experte. Für deutsche Unternehmen bestünden Chancen bei Zulieferungen, etwa bei Drahtseilen, Antriebstechnik und Steuerungssystemen.

9 Mio.

Gäste soll das Almaty Mountain Cluster jährlich zählen, gegenüber 2 Millionen aktuell.

Weitere Anknüpfungspunkte sind die Lieferung von Pistenfahrzeugen sowie der Ausbau des Hotel- und Gastronomieangebots. Zudem entsteht durch den Ansatz, das Skigebiet stärker als bisher ganzjährig zu nutzen, ein erhöhter Beratungsbedarf. Gefragt sind unter anderem Konzepte für die Planung und Markierung von Wander- und Mountainbikerouten, das Design moderner Besucherzentren sowie Ökotourismus.

Beratungsbedarf bei Nachhaltigkeit und Sicherheit ist hoch

Die Orientierung an europäischen Standards bedeutet auch, dass der Sicherheit besondere Bedeutung zukommt. Dazu zählen Lawinenverbauungen, Steinschlagschutznetze sowie Ausrüstung für die Bergwacht.

Die Bebauung des Areals ist nicht unumstritten: Die Hochebene Kok Zhailau ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und galt lange Zeit als geschützt. Erst Ende 2025 machte die Regierung den Weg frei für ihre Umgestaltung zu einem Skigebiet.

Um die negativen Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering zu halten, sollen laut Planung naturnahe Baumaterialien verwendet, eine strikte Abfallentsorgung und Abwasserbehandlung umgesetzt sowie eine kontinuierliche Überwachung von Luft, Boden, Wasser und Tierwelt eingeführt werden. In diesem Bereich könnten deutsche Unternehmen, so der Branchenkenner, mit moderner Umwelttechnik zum Zuge kommen.

Kontakte
NameFunktion
Delegation der Deutschen Wirtschaft für ZentralasienAnsprechpartner für deutsche Unternehmen in Kasachstan
Kazakh Tourism DevelopmentEntwickler von Almaty Super Ski
Qazaq Tourism Staatliche Tourismusentwicklungs- und Marketingorganisation; Investitionsförderung 
Akimat der Stadt AlmatyStadtverwaltung; verantwortlich für Ausbau der Verkehrs- und Kommunalinfrastruktur
Ministerium für Tourismus und SportRegulierung, Lizenzen und staatliche Aufsicht im Bereich Tourismus
Kazakhstan Tourist Association Tourismusverband
ShymbulakGrößtes Skiresort Kasachstans
Oi-QaragaiZweitgrößtes Skiresort Kasachstans
Kazakhstan International Tourism Fair (KITF)Wichtigste Tourismusmesse in Kasachstan; nächster Termin: 21. bis 23.04.27