Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Ainur Abdina, C. Spaarmann Logistics Ainur Abdina, C. Spaarmann Logistics | © C. Spaarmann Logistics

Special Kasachstan Konnektivität

„Zollanforderungen von Anfang an ernst nehmen“

C. Spaarmann Kazakhsta war an der Materialeinfuhr für vier kasachische Solarparks beteiligt. Ainur Abdina, CEO der Spaarmann-Filiale in Almaty, schildert, worauf es dabei ankam.

Von Lukas Latz | Berlin

Frau Abdina, Sie waren verantwortlich für die Zollabwicklung bei der Materialeinfuhr für den Solarpark in Saran. Wie umfangreich war das Projekt?

Es waren 466 Container, die per Zug aus China kamen. Dabei handelte es sich um die Module für die Solaranlagen. Aus Deutschland kamen 395 LKWs mit Kabeln, den Unterkonstruktionen, auf denen die Module installiert wurden, und anderen Dingen, wie etwa den Schneekehrmaschinen.

Was genau sind Ihre Aufgaben als Zollvertreter?

Wir helfen dem Kunden, alle Steuern und Zölle richtig zu berechnen und zu zahlen. Wir achten auf nicht-tarifäre Forderungen. Das heißt, wir prüfen, ob Anlagen vom kasachischen Staat zu zertifizieren sind und ob die Einhaltung von Patentrechten nachgewiesen ist. Seit 2018 haben wir ein digitales Zollsystem in Kasachstan. Meine Kollegen tippen diese Zolldeklaration in das System ein und dann geben wir die Fracht frei. Es gibt eine Nomenklatur mit Zollcodes. Unser Job ist es, die Zollcodes richtig zu bestimmen, damit der Kunde alle Zollsätze korrekt bezahlt und sein Gut schnell zur Hand hat.

Und bei Fehlern machen Sie sich haftbar?

Richtig. Als Spaarmann sind wir seit 2011 im kasachischen Register der Zollvertreter. Jedes Jahr müssen wir unsere Präsenz in diesem Register verlängern. Voraussetzung ist, dass wir fehlerfrei arbeiten. Nur wenige administrative Strafen pro Jahr sind zulässig. Im Jahr 2011 haben 600 bis 700 Firmen als Zollvertreter gearbeitet. Heute sind noch 10 Prozent davon übrig. Der Hauptgrund für diese Dezimierung ist, dass die Firmen die Forderungen des Zollkomitees nicht erfüllt haben.

Wie sind Sie an den Auftrag für den Solarpark in Saran gekommen?

Wir waren schon mit dem Projektentwickler in Kontakt, von dem Goldbeck Solar die Projektrechte gekauft hat. Als Goldbeck Solar die Projektrechte erworben hat, bin ich im März 2018 nach Deutschland geflogen und habe unsere Dienstleistungen angeboten. Es musste alles ganz schnell gehen. Im Juli waren die Waren bereits verzollt und ausgeliefert.

Was war die größte Herausforderung bei dem Projekt?

Wir haben mit dutzenden Lieferanten gearbeitet. Es war viel Zeit erforderlich, mit den einzelnen Lieferanten zu sprechen und die Prozeduren zu erklären. Für die Lieferanten haben wir Teile des kasachischen Zollkodexes übersetzt. Das war wichtig, um sie zu überzeugen, dass alle Rechnungen, die den Waren beiliegen, nach dem gleichen Standard geschrieben sein müssen. Mit den Lieferanten haben wir dazu auf Deutsch, Englisch und mithilfe von Google Translate auch auf Chinesisch kommuniziert. Wenn Waren beim Zoll eingelagert werden müssen, weil die Prüfung der Dokumente komplizierter ist, kann das sehr teuer werden. Es ist von vielen Kleinigkeiten abhängig, wie schnell wir die Zollerklärung machen und Zolllagerkosten vermeiden können. Es war wichtig, den Lieferanten zu vermitteln: Obwohl Kasachstan durch die EAWU in einer Zollunion mit Russland ist, gibt es bestimmte Unterschiede zu Russland. Man kann nicht so deklarieren, wie man es für eine Einfuhr nach Russland tun würde.

Wie konnten Sie ihrem Kunden helfen, sich als neuer Investor in Kasachstan zurechtzufinden?

Wir waren daran beteiligt, den Investitionsvertrag mit der kasachischen Regierung vorzubereiten, was eigentlich nicht zu den Aufgaben eines Zollabwicklers gehört. Aber weil es die erste Erfahrung von Goldbeck Solar als Investor in Kasachstan war, haben wir den Zollteil des Investvertrages vorbereitet. Außerdem haben wir aktiv nach Zolllagern gesucht. Zuerst wollten wir in Karagandy verzollen, weil das die nächstgrößere Stadt in der Nähe von Saran ist. Aber dort sind die Bahngleise des Güterbahnhofs nicht lang genug für die Blockzüge, die aus China kamen. Daher fand die Zollabwicklung in Nur-Sultan statt. Wegen der großen Menge an Material, die der Kunde einführen musste, haben wir für die Zolllagerkosten einen Rabatt ausgehandelt.

Gibt es in Kasachstan spezifische Risiken beim Umgang mit dem Zoll?

Bei den Materialien für die Anlage in Saran war ein großes Problem die Korrektur des Zollwertes. Wenn Sie ein Gerät für 100 Euro kaufen, wollen Sie natürlich Zölle und Steuern auf Grundlage dieser 100 Euro zahlen. Es kann aber passieren, dass der Staat den angegebenen Preis für unglaubwürdig hält und er stattdessen Zölle für einen Einkaufswert von 200 Euro berechnet.

Und was passiert im Streitfall?

Goldbeck Solar hinterlegte eine Kaution. Die Kaution besteht aus der Differenz zwischen dem Zollwert, den das kasachische Zollsystem bestimmt hatte, und dem Zollwert, der aus unseren Lieferdokumenten hervorging. Danach hatten wir eine Frist, zu beweisen, dass die Zollabgaben, die wir bestimmt hatten, richtig waren. Das ist ein aufwendiges Prozedere. Wir haben dutzende Dokumente, etwa Kontoauszüge und die Rechnungen vorgelegt. Am Ende erhielt unser Kunde das Geld zurück. Das war ein großer Erfolg für uns. Vor drei Jahren war es noch gar nicht so selbstverständlich, dass das passiert. Dafür waren viele Gespräche auf höherer Ebene mit den kasachischen Behörden nötig.

Auch bei den Folgeprojekten der Goldbeck-Gruppe hat Spaarmann sich um Zoll und Logistik gekümmert, richtig?

Ja. Das war die Schlussfolgerung, die wir gemeinsam mit Goldbeck aus dem Saran-Projekt gezogen haben. Es ist besser, wenn das in einer Hand liegt, weil es dann einfacher ist, alle Dokumente nach dem gleichen Standard vorzulegen.

Wie liefen die folgenden beiden Projekte?

Beim zweiten Projekt Akadyr gab es auch Probleme mit der Bestimmung des Zollwerts, aber wir erhielten die Kaution zurück. Beim dritten Projekt, dem Ausbau von Akadyr, haben wir mit der kasachischen Zollbehörde im Vorhinein eine Lösung gefunden. Da wir zuvor schon mehrmals bewiesen hatten, dass das Geschäft sauber ist, gab es dann beim dritten Projekt keine Probleme mehr.

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