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Der Bajterek-Turm in der kasachischen Hauptstadt Astana: Er symbolisiert den Bajterek, einen mythologischen Lebensbaum. Der Bajterek-Turm in der kasachischen Hauptstadt Astana: Er symbolisiert den Bajterek, einen mythologischen Lebensbaum. | © AdobeStock/udmurd

Markets International 4/25 I Kasachstan I Logistik

Neue Drehscheibe

Kasachstan, das größte Binnenland der Welt, ist für deutsche Unternehmer ein attraktiver Markt. Geschäftschancen bieten sich in vielen Branchen, vom Bergbau über Logistik bis zu erneuerbaren Energien. 

Von Viktor Ebel | Almaty

Ende September 2025 fand in Almaty der 27. Tag der deutschen Wirtschaft in Kasachstan statt. Unter die rund 300 Gäste aus Politik und Verbänden hatten sich auch zahlreiche Vertreter deutscher Unternehmen gemischt – darunter Siemens Energy und Healthineers, der Chemiekonzern BASF, der Bergbauzulieferer Becker sowie mehrere Logistikunternehmen. Ihre Präsenz machte deutlich: Kasachstan ist für deutsche Geschäfts­leute längst kein weißer Fleck auf der Landkarte mehr. „Einst geprägt von grundlegenden Transformationsprozessen, ist die Region heute ein dynamischer Partner mit wachsender globaler Relevanz“, erklärt Eduard Kinsbrunner, Delegierter der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien. Er ergänzt: „Kasachstan verbindet Märkte, bietet vielfältige Investitionschancen und ist zu einem zentralen Knotenpunkt zwischen Europa und Asien geworden.“ 

Markets International Ausgabe 4/25

Markets International 04/25 Markets International 04/25 | © GTAI

Dieser Beitrag stammt aus der Zeitschrift Markets International, Ausgabe 4/2025 mit dem Schwerpunkt Klimaanpassung. Erfahren Sie, welche weiteren Beiträge die Ausgabe für Sie bereit hält.

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Deutsche Produkte sind gefragt

Laut der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien sind rund 400 deutsche Unternehmen im Land aktiv. Ihre Direktinvestitionen lagen zum 1. Januar 2025 laut kasachischer Statistik bei rund 1,03 Milliarden Euro. Größter Investor ist Baustoffproduzent Heidelberg Materials, gefolgt von der Metro AG. Zahlreiche Unternehmen festigen Deutschlands Stellung als drittwichtigstes Lieferland nach Russland und China: Allein im ersten Halbjahr 2025 exportierten sie Waren im Wert von 1,37 Milliarden Euro, so das Statistische Bundesamt.

Deutschen Einfuhren sind kaum Grenzen gesetzt, der Modernisierungsbedarf betrifft nahezu alle Branchen. Ob traditionelle Sektoren der kasachischen Wirtschaft wie Bergbau und Landwirtschaft, die auf Produktionssteigerung und moderne Technik setzen, oder neu aufkommende Trends wie erneuerbare Energien und eine effiziente Wasserwirtschaft – deutsche Ausrüster sind stets vorne mit dabei. Besondere Aufmerksamkeit verdient das produzierende Gewerbe, dessen Anteil am Bruttoinlandsprodukt 2024 mit 12,2 Prozent erstmals den der Rohstoffförderung (zwölf Prozent) überstieg. Um die heimische Wirtschaft breiter aufzustellen, fördert die Regierung unter anderem Projekte in den Sparten Kfz, Lebensmittelverarbeitung und Chemie.

Alternativrouten beleben das Geschäft

Ländercheck Kasachstan Ländercheck Kasachstan | © GTAI/KammannRossi

Auch die Logistikbranche erlebte in den vergangenen Jahren einen deutlichen Aufschwung – insbesondere wegen des Mittleren Korridors, einer alternativen Transportroute, die Europa über das Kaspische Meer und Zentralasien mit China verbindet. Die EU fördert die Entwicklung dieses Korridors, der Russland umgeht, und stellt im Rahmen ihres Global-Gateway-Programms große Summen für Infrastrukturprojekte bereit. Die Regierung nutzt die Gunst der Stunde, um sich als Transporthub zu etablieren, und investiert gezielt in Straßen, Schienen und Häfen. Das lockt zunehmend deutsche Logistikunternehmen ins Land.

Christian Telieps von Dachser Cargoplus sieht nicht nur Potenzial beim Transport auf der Achse Europa–China, sondern möchte auch das wachsende Exportpotenzial der zentralasiatischen Länder bedienen: „Mit Break-Bulk-Geschäften sollen Exporteure, beispielsweise aus Kasachstan, ihr Kundenportfolio auch mit kleinen Mengen aufbauen können.“ Wie das abläuft? „Die Ladungen kommen in unserem Zolllager in Ungerhausen an. Anschließend verteilen wir sie über unser europäisches Dachser-Netzwerk an die einzelnen Abnehmer“, erläutert der Business Development Manager Germany.

Lokale Herausforderungen meistern

Ob bereits im kasachischen Markt aktiv oder kurz vor dem Markteintritt – was alle deutschen Unternehmen eint, sind die Herausforderungen vor Ort. Vorteile hat, wer gut vernetzt ist, einen direkten Draht zu Entscheidungsträgern pflegt, Finanzierungslösungen mitanbietet und auf Zahlungsmodalitäten sowie rechtliche Rahmenbedingungen achtet. Dennoch sind Probleme bei der Abwicklung von Exportgeschäften und Investitionen nicht ausgeschlossen. Bei solchen Fragen unterstützen die AHK Zentralasien sowie mehrere deutschsprachige Consultingfirmen vor Ort.

Die beobachten auch das wachsende Inte­resse am Land. Mit der Energiewende, dem Ausbau von Verkehrskorridoren, der Förderung und Verarbeitung kritischer Rohstoffe stellen beide Länder ihre wirtschaftlichen Beziehungen zunehmend breiter auf. „Zentral­asien erlebt eine Renaissance seiner Rolle als ver­bindendes Element zwischen Europa und Asien. Für deutsche und europäische Unterneh­men ergeben sich dadurch neue Chancen“, resümiert etwa Michael Quiring, Partner und Rechtsanwalt bei Rödl & Partner Zentralasien. 

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