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Kirgisistan investiert in moderne Bewässerungstechnik

Kirgisistan will die Bewässerung in der Landwirtschaft ausbauen und damit die Ernteerträge erhöhen. Geberbanken unterstützen das Land. Wassersparende Technik ist besonders gefragt.

Von Viktor Ebel | Bischkek

259 Mio. US$

staatlicher Investitionen flossen 2021-2025 in die kirgisische Wasserinfrastruktur

Die zentralasiatische Gebirgsrepublik Kirgisistan ist stark landwirtschaftlich geprägt. Der Agrarsektor beschäftigt nicht nur große Bevölkerungsteile, sondern trägt durch lokale Erzeugnisse wesentlich zur Nahrungsmittelsicherheit in dem Schwellenland bei. Um die Erträge zu steigern, will die Regierung in den nächsten Jahren in die Bewässerungsinfrastruktur investieren.

Aktuell werden moderne Bewässerungsmethoden laut dem Wasserministerium lediglich auf 16.000 Hektar eingesetzt. Bis 2030 soll der Einsatz auf 200.000 Hektar ausgeweitet werden. Dafür sind im Rahmen des Investitionsplans für den Bewässerungssektor große Ausgaben geplant. Internationale Geber stellen in den nächsten Jahren 540 Millionen US-Dollar (US$) an finanzieller Unterstützung in Aussicht.

Wassersparende Technologien im Fokus

Internationale Geberbanken unterstützen das Land bei der Bewässerungsinitiative finanziell, da der nachhaltige Umgang mit Wasser einer der Hauptansatzpunkte bei der Entwicklungshilfe in Zentralasien ist. Die Region leidet besonders stark unter dem Klimawandel und somit steigenden Temperaturen, Dürren und Bodendegradation.

Die Weltbank hat im Juni 2026 bekannt gegeben, den kirgisischen Investitionsplan im Bewässerungssektor in einer ersten Phase mit rund 96 Millionen US$ zu bezuschussen. Gemeinsam mit anderen Gebern wie der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) wurden dem Land 172 Millionen US$ zugesagt. Damit soll die Bewässerung zunächst auf 82.000 Hektar ausgeweitet werden. Bei den Projekten werden wassersparende Technologien im Fokus stehen, was auch deutschen Firmen Lieferchancen eröffnet.

Über 100 Wasserobjekte bis 2030 geplant

Das Projektportfolio der nächsten Jahre umfasst laut dem Ministerium für Wasserressourcen 106 Vorhaben. Dazu zählen beispielsweise:

  • Bewässerungskanäle,
  • Entwässerungsnetze,
  • Regulierungs- und Wasserreservoirs,
  • Staudämme,
  • Smartmeter,
  • Überwachungssysteme.

Besonderer Bedarf bestehe an Geomembranen zur Reduzierung der Versickerungsverluste in Reservoirs, so der Leiter der Abteilung für Wasserpolitik und Trinkwasserversorgung beim Ministerium für Wasserressourcen in einem Pressestatement.

Ihm nach fließen neben neuen Konstruktionen auch Instandsetzungsprojekte in die Investitionsliste der Staatlichen Agentur für Wasserressourcen mit ein. Die beim Wasserministerium angesiedelte Behörde setzt den Investitionsplan für den Bewässerungssektor um und dient als zentraler Ansprechpartner für interessierte Unternehmen.

"Da die meisten Wasserobjekte bereits 60 Jahre und mehr im Einsatz und daher verschlissen sind, gleicht ihre Rekonstruktion, was Tiefe und Kapitalintensität angeht, einem Neubau",

so der Vertreter des Wasserministeriums.

Regierung fördert auch private Investitionen

Zentralasien ist für deutsche Anbieter von Wassertechnik kein Neuland. Der Pumpenhersteller WILO ist bereits seit langem in dem Markt tätig, seit 2018 auch mit einem eigenen Werk in der Region Almaty in Kasachstan. Von hier aus bearbeitet das Unternehmen die gesamte zentralasiatische Region. Das Unternehmen Naue, ein Produzent von Geobaustoffen und Auskleidungen, ist ebenfalls bereits im kasachischen Wassersektor aktiv und sondiert von dort den kirgisischen Markt.

Um Landwirte bei der Einführung wassersparender Sprinkler- und Tröpfchenbewässerungssysteme zu unterstützen, hat die kirgisische Regierung 2026 zwei Förderprogramme gestartet. So wurde der Strompreis für Landwirte, die auf entsprechende Technologien zurückgreifen, bis 2030 eingefroren. Wer in wassersparende Ausrüstung investieren will, kann zudem für die Anschaffung Kredite mit einem besonders günstigen Zinssatz von 2 Prozent beantragen.

Nachbarländer modernisieren bereits erfolgreich

Dass die Pläne Kirgisistans ernst zu nehmen sind, zeigt ein Blick in die Nachbarländer: Usbekistan und Kasachstan haben bereits vor Jahren begonnen, ihre Bewässerungsinfrastruktur auszubauen und zu modernisieren. Im Flächenstaat Kasachstan hat sich der Ausbau wassersparender Bewässerung verfünffacht – statt 30.000 Hektar jährlich, werden damit nunmehr 150.000 Hektar pro Jahr ausgestattet. Auch die Investitionen in den gesamten Wassersektor erreichten laut dem kasachischen Minister für Wasserressourcen und Bewässerung zuletzt Rekordhöhen.

Durch die Zusammenarbeit der Anrainer in Wasserfragen wächst auch der Druck auf Kirgisistan. Wasser ist dort aufgrund der Lage am Oberlauf wichtiger Flüsse wie dem Syr Darja weniger knapp. Dennoch soll Kirgisistan Wasser einsparen und dieses für die Landwirtschaft in den Unterliegerstaaten zur Verfügung stellen. Die Wasserkooperation zwischen Kirgisistan, Kasachstan und Usbekistan gilt als eine der größten diplomatischen Errungenschaften der letzten Jahre in der Region.

Informationen über Projekte und Ausschreibungen

Geberinstitutionen schreiben Bau-, Liefer- und Beratungsleistungen für Vorhaben im Wassersektor oft international aus. Auch deutsche Firmen können sich an der Planung und Umsetzung von Wasserprojekten beteiligen.

GTAI informiert tagesaktuell über Ausschreibungen weltweit im Bereich Wasser und Umwelt.

Neues Wassergesetz seit 1. Januar 2026 in Kraft

Noch etwas spricht dafür, dass in Kirgisistan beim Umgang mit der Ressource Wasser ein Umdenken stattgefunden hat: Zum 1. Januar 2026 trat in Kirgisistan ein neues Wassergesetz in Kraft. Das Hauptziel des Gesetzes ist der Schutz der Bevölkerung, der Umwelt und die Sicherstellung der nachhaltigen Entwicklung des Wasser- und Bewässerungsfonds.

Unter anderem wurden neue Pflichten für Wasserverbraucher eingeführt: Seit Januar 2026 gilt ein einheitlicher Wassernutzungstarif und die Pflicht zur Installation eines Wasserzählers. Diese Pflicht betrifft sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen. Die Installation soll auf eigene Kosten erfolgen.