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Special | Litauen | Wasserstoff

Regierung gibt nationale Wasserstoffstudie in Auftrag

Litauen soll in Zukunft nicht nur Wasserstoff für den eigenen Bedarf, sondern auch für den Export produzieren. Das Gasnetz soll innerhalb von zehn Jahren angepasst werden. 

Von Niklas Becker | Helsinki

Litauen hat Mitte Juli 2021 eine Studie über die Nutzung und Entwicklung von Wasserstofftechnologien bis 2050 ausgeschrieben. Der Vertrag mit dem zukünftigen Verfasser der Studie soll im Herbst 2021 unterzeichnet werden. Bis zum Frühjahr 2022 soll der nationale Fahrplan dann inklusive Strategie, Leitlinien und Aktionsplan vorliegen. Die Studie analysiert nicht nur Wasserstoffangebot und -nachfrage für den Energie-, sondern auch für den Verkehrs- und Industriesektor. Litauens staatliche Gruppe von Energieübertragungs- und -austauschunternehmen EPSO-G wurde vom Energieministerium mit der Koordinierung der Ausschreibung sowie den weiteren organisatorischen Aufgaben betraut.

Heimisches Gasnetz soll bis 2030 auf Wasserstoff umgestellt werden

Das baltische Land strebt an, mithilfe des Wasserstoffs nicht nur die eigene Importabhängigkeit von fossilen Kraftstoffen zu reduzieren, sondern einen Teil des Gases zu exportieren. Wie Nemunas Biknius, Chief Executive Officer des heimischen Gasfernleitungsnetzbetreibers Amber Grid, gegenüber der Wirtschaftszeitung Verslo žinios berichtet, kann Litauen aufgrund der natürlichen Gegebenheiten mehr grüne Energie produzieren, als es selbst verbraucht.

Mit der überschüssigen Energie könnte dann Wasserstoff für den Verkauf ins Ausland produziert werden. Als potenzielles Exportziel nennt der Experte unter anderem Deutschland. Die notwendigen Umstellungen des heimischen Gasnetzes für den Transport des Gases soll bis 2030 erfolgen. Ähnliche Zielsetzungen sind unter anderem auch aus dem litauischen Wirtschaftsministerium zu hören.  

Ministerium und Verbände gründen Wasserstoffplattform 

Am 30. November 2020 haben das litauische Energieministerium und 19 weitere Institutionen, Verbände und Unternehmen eine Vereinbarung zur Einrichtung einer Wasserstoffplattform unterzeichnet. Das erste Treffen fand Mitte Dezember 2020 statt. Die Initiative soll sich unter anderem bei der Formulierung von nationalen, regionalen aber auch europäischen Zielen und bei der Festlegung von Schwerpunktbereichen für die Entwicklung von Wasserstofftechnologien in Litauen beteiligen. Willkommen seien auch Beiträge bei Gesetzesinitiativen zur Förderung der Entwicklung von Wasserstofftechnologien im Land. 

Litauens Parlament hat im Juni 2018 die Nationale Strategie zur Energieunabhängigkeit (Nacionalinėje energetinės nepriklausomybės strategijoje) genehmigt. Sie legt die Perspektive des heimischen Energiesektors sowie die strategische Ausrichtung, Ziele und Aufgaben fest. Unter anderem soll eine ausgewogene und nachhaltige Entwicklung der erneuerbaren Energien (EE) im Land unterstützt werden. Das soll einen reibungslosen Übergang von fossilen Energieträgern zu EE ermöglichen.

2050 sollen die Erneuerbaren der Strategie zufolge 80 Prozent des litauischen Endenergieverbrauchs decken. Zudem soll der heimische Bruttostromverbrauch zu 100 Prozent durch lokale Stromerzeugung gewährleistet sein. An einer Stelle geht das Strategiepapier auch auf das Thema Wasserstoff ein. So ist zu lesen, dass die Bedeutung alternativer Kraftstoffe (beispielsweise Elektrizität, Wasserstoff, Biokraftstoffe, Flüssigerdgas, komprimiertes Erdgas) im Verkehrssektor zunehmen und der EE-Anteil weiter steigen soll.  

Aufbauplan sieht eine Reihe von Wasserstoffinvestitionen vor

Um die Auswirkungen der Coronapandemie in den Mitgliedsländern abzufedern, hat die Europäische Union (EU) die sogenannte Aufbau- und Resilienzfazilität eingeführt. Den Ländern stehen je nach Auswirkungen der Pandemie Fördergelder in unterschiedlicher Höhe zur Verfügung. Um diese abzurufen, müssen nationale Aufbaupläne bei der Europäischen Kommission eingereicht werden, die aufzeigen, wofür die Gelder ausgegeben werden sollen.

Im litauischen Aufbauplan lassen sich verschiedene Fördermaßnahmen für den heimischen Wasserstoffsektor finden. So soll beispielsweise der Kauf von sauberen Fahrzeugen durch den öffentlichen Sektor und die Unternehmen unterstützt werden. Als Beispiele für die emissionsfreien und emissionsarmen Fahrzeuge werden neben Elektro- auch Wasserstofffahrzeuge genannt. Mit den Geldern aus der Aufbaufazilität will Litauen bis zur Jahresmitte 2026 zudem vier Wasserstofftankstellen errichten.

Zudem soll die Entwicklung des Sektors für erneuerbaren Kraftstoffen gefördert werden. Nach dem Aufbau zusätzlicher neuer Kapazitäten für die Erzeugung von Wasserstoffgas aus erneuerbaren Energiequellen will die litauische Regierung bis Mitte 2026 insgesamt rund 1,7 Millionen Kubikmeter grünes Wasserstoffgas erzeugen.

Weitere europäische Mittel zur Förderung der Wasserstofftechnologien in Litauen könnten aus dem sogenannten Modernisierungsfonds der EU kommen. Wie das heimische Energieministerium Ende Juli 2021 gegenüber der Tageszeitung Verslo žinios berichtet, wurde ein Finanzierungsplan für die Entwicklung von grünen Wasserstofftechnologien mit einem Volumen von 50 Millionen Euro aus dem Modernisierungsfonds aufgesetzt. 

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