Marokko wirbt um ausländische Investoren mit moderaten Lohnkosten, steuerlichen Anreizen und einer erstklassigen Verkehrsinfrastruktur: Mit Erfolg.
Die ausländischen Direktinvestitionen haben zwischen 2021 und 2024 in Relation zur Größe und zum wirtschaftlichen Entwicklungsstand Marokkos kräftig zugelegt - zwischen 50 und 100 ausländische Unternehmen eröffneten pro Jahr ihre Niederlassungen.
Marokko ist für die EU ein Nearshoring-Hub
Im Jahr 2024 wurden 96 Ansiedlungen registriert. Auslandsinvestoren kommen insbesondere wegen dem Angebot an frei verfügbaren Arbeitskräften und den moderaten Lohnkosten ins Land. Zu den Standortvorteilen zählen weiterhin die geografische Nähe zu Europa, Freihandelsabkommen mit mehr als 50 Ländern, die Marokko aushandeln konnte, sowie staatliche Investitionsanreize. Positiv sehen ausländische Unternehmensniederlassungen ebenfalls die wirtschaftliche, finanzielle und politische Stabilität, mit denen sich das Königreich im afrikanischen Kontext hervorhebt.
Mit der aus historischer Sicht ersten Ansiedlungswelle von Auslandsinvestoren, die sich vor 20 Jahren auf die Automobil- und Flugzeugindustrie konzentrierte, hat Marokko bewiesen, dass sich technologisch anspruchsvolle Industriebranchen und Cluster in Nordafrika entwickeln lassen. Marokko ist in der Automobilindustrie sogar zum führenden Standort in Afrika aufgestiegen und hat damit Südafrika hinter sich gelassen. Im Flugzeugbau hält das Königreich den zweiten Rang nach Südafrika auf dem Kontinent.
Den Ausbau der erneuerbaren Energien treibt das Königreich seit 2009 voran. Seither fließen erhebliche in- und ausländische Gelder in die Bereiche Wind und Solar, nebst Netzausbau. Die Förderung grünen Wasserstoffs und seiner Derivate betreibt die Regierung ebenfalls mit Nachdruck, obgleich es scheint, dass fehlende Abnahmeverpflichtungen die ursprüngliche Dynamik etwas ausgebremst haben.
Im Bau- und Immobiliensektor sind ausländische Investoren ebenfalls anzutreffen. Darüber hinaus engagieren sich Auslandsfirmen in der Baustoffindustrie, aber auch in der Lagerhaltung und Logistik, in der elektrotechnischen und elektronischen Industrie, in den Bereichen Textilien und Bekleidung sowie in der chemischen Industrie und Pharmazeutik.
Regional bevorzugen Investoren die beiden Regionen Casablanca-Settat sowie Tanger-Tétouan-Al Hoceima. Wogegen personalintensive Produktionen sich in strukturarmen Regionen ansiedeln, um zusätzliche Ansiedlungs- und Betriebskosten zu sparen. Als strukturschwach gilt der Süden, der Nordosten sowie generell küstenferne Gebiete ohne Hafenanbindung.
Die wichtigsten Herkunftsländer von Direktinvestitionen sind Frankreich, die Vereinigten Arabischen Emirate, Spanien, die USA, das Vereinigte Königreich sowie Deutschland. Deutsche Firmenniederlassungen sind in der Kfz-Zuliefer-, Flugzeug-, Baustoff-, Chemie- und Pharmaindustrie, in der Elektrotechnik und Elektronik, in der Lagerhaltung und Logistik, in der IT-Wirtschaft, im Einzelhandel sowie in der Versicherungsbranche anzutreffen. Die übergroßen Zahl der etwa 300 deutschen Firmenniederlassungen setzt sich aus Vertriebs- und Servicevertretungen zusammen, die einen wichtigen Beitrag zum Wachstum der deutschen Exporte nach Marokko leisten.
Deutsche Green-Field-Investitionen im Jahr 2024| Böllhoff Group | Verbindungstechnik | Casablanca (Midparc) | Produktions- und Logistikstandort eröffnet |
| Leoni | Automobilzulieferer | Agadir | Niederlassung eröffnet |
| Benteler | Automobilzulieferer | Kenitra | Niederlassung eröffnet |
| Kostal | Automobilzulieferer | Tanger | Niederlassung eröffnet |
| Hirschmann Automotive | Automobilzulieferer | Oujda | Niederlassung eröffnet |
| Hahn Software | Industrielle IT-Lösungen | Rabat | Repräsentanz eröffnet |
| Weiss Chemie + Technik | Bauchemie/Baustoffe | Standortsuche | Investitionsabsichten, Standortsuche |
| Hornetsecurity | Cybersicherheit | Geplant | Ausbau der Aktivitäten in Afrika |
| Masterflex Group | Schläuche/Verbindungssysteme | Casablanca (Midparc) | Bau einer Niederlassung |
| Puma Group | Einzelhandel | Rabat | Flagship-Store eröffnet |
Quelle: GTAI-Recherche
Investitionsförderung: Jede Firmenniederlassung erhält eine individuelle Lösung
Marokkos Regierung behandelt jeden ausländischen Investor individuell. Die gesetzliche Basis bildet die Investitionscharta aus dem Jahr 2022, wonach die staatliche Zuschüsse bis zu 30 Prozent des Investitionsvolumens betragen können. Darüber kann und muss jeder Investor mit der Regierung selbstständig verhandeln.
Staatliche Zugeständnisse fallen umso größer aus, je mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn sich aus der Investition Entwicklungseffekte für strukturschwache Regionen ergeben oder besonders interessante Technologien ins Land gebracht werden. Speziell bei einer Ansiedlung in einer der Freihandelszonen werden zusätzliche steuerliche Vorteile gewährt, darunter Zollbefreiungen für importierte Investitionsgüter, für Vor- und Zwischenprodukte zur Lohnveredlung und der anschließenden Wiederausfuhr sowie kurze Verwaltungsverfahren. In den Freihandelszonen fallen zusätzlich die Devisen- und Kapitalverkehrskontrollen weg.
In den ersten fünf Jahren profitieren generell alle angesiedelten Firmen, auch außerhalb der Freihandelszonen, von einem reduzierten Körperschafts- und Gewerbesteuersatz. Staatliche Beihilfen können auf Verhandlungsbasis für den Landerwerb und zur Infrastrukturentwicklung fließen. An einigen Vorhaben kann sich auch der staatliche Investitionsfonds Hassan II mit bis zu 15 Prozent an der Gesamtinvestition beteiligen.
Landesweit bieten die Regionalen Investitionszentren (CRI) ihre Unterstützung an und zwar immer dann, wenn es mit der Projektrealisierung konkret wird. Zu den Dienstleistungen der CRI gehören unter anderem Hilfen bei der Standortwahl, aber auch bei Verwaltungsverfahren wie der Unternehmensanmeldung, der Einholung von Genehmigungen, aber auch bei der Personalsuche und bei Schulungsmaßnahmen.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.
Von
Ullrich Umann
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Casablanca