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Mauretanien digitalisiert Staat und Infrastruktur
Geberfinanzierte Programme eröffnen Chancen bei E-Government, Netzen, Cybersicherheit und Datenplattformen.
27.10.2026
Mauretanien weitet die Digitalisierung der Verwaltung aus. Weltbank, Europäische Investitionsbank und die deutsche Entwicklungszusammenarbeit finanzieren zentrale Vorhaben. Für deutsche IT-Unternehmen entstehen Ansatzpunkte vor allem bei sicheren Identitäten, Systemintegration, DevSecOps, Datenmanagement und Netzinfrastruktur.
Staat plant höhere Digitalinvestitionen
Der konsolidierte Investitionshaushalt 2026 weist für das Digitalministerium Zahlungskredite von rund 16,6 Millionen Euro aus. Darunter fallen unter anderem das weltbankfinanzierte Western Africa Regional Digital Integration Program (WARDIP), die zweite Unterseekabelverbindung, Sicherheitslizenzen, Netzerweiterungen und die Beschleunigung der Verwaltungsdigitalisierung. Über diese Zahlungskredite hinaus wurden für das Ressort weitere 4,7 Millionen Euro an Haushaltsausgaben eingeplant, sodass 2026 insgesamt 21,3 Millionen Euro für IT-Investitionen im öffentlichen Sektor zur Verfügung stehen, etwa doppelt so viel wie im Vorjahr. Bei den Summen handelt es sich jedoch ausdrücklich um Planungsgrößen, womit sie nur annähernd die tatsächlich ausgeführten Ausgaben beziehungsweise den öffentlichen IT-Markt widerspiegeln.
Die größten Vorhaben werden von internationalen Gebern getragen. WARDIP bildet eindeutig den Schwerpunkt der Digitalinvestitionen. Aber auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt die Digitalisierung. Die GIZ setzt von September 2024 bis August 2027 das mit 4 Millionen Euro ausgestattete Programm Digital-Y (ProDIGIT) um. Schwerpunkte sind E-Government, digitale Kompetenzen und die Förderung der mauretanischen Digitalwirtschaft. Das nationale Rechenzentrum in Nouakchott wurde mit einem Kredit der Europäischen Investitionsbank von 15 Millionen Euro errichtet und im Mai 2025 eröffnet.
WARDIP bündelt die größte Beschaffungspipeline
Das WARDIP ist der wichtigste sichtbare Projektträger. Der Vergabeplan 2026 umfasst den Bau fehlender Backboneabschnitte, Backboneausrüstung, eine nationale Public-Key-Infrastruktur, Zertifikatsmanagement und die Integration elektronischer Signaturen. Hinzu kommen Beratungsleistungen für E-Procurement, internationale Konnektivität und die Konzeption weiterer digitaler Verwaltungsdienste. Mehrere dieser Verfahren sind bereits angelaufen. So wurde die Ausschreibung für die fehlenden Backboneabschnitte im Juli 2026 veröffentlicht; die Angebote wurden Ende September 2026 geöffnet.
Für deutsche Anbieter ist vor allem die Kombination aus internationaler Referenz und lokaler Umsetzung relevant. Bei größeren Vergaben bieten sich Konsortien mit einem mauretanischen Integrator an. Lokale Partner können unter anderem eine französisch- und arabischsprachige Projekteinführung, die Behördenkommunikation, Schulungen und Wartungsarbeiten übernehmen. Bei bereits vergebenen oder geschlossenen Verfahren verbleiben Unterauftrags- und Lieferbeziehungen mit den erfolgreichen Bietern.
Welche lokalen IT-Unternehmen als Kooperationspartner infrage kommen und in welchen Bereichen zusätzlich private Nachfrage entsteht, zeigt der Bericht „Mauretaniens IT-Wirtschaft bietet Absatz- und Kooperationschancen“.
Verwaltungsplattformen benötigen sichere Schnittstellen
Das nationale Portal Khidmaty wird schrittweise um digitale Leistungen erweitert. Seit Februar 2026 bündelt zudem die staatliche Verwaltungsplattform Ijraati Informationen zu mehr als 800 Verwaltungsverfahren. Parallel plant die Regierung spezialisierte Fachverfahren, darunter konsularische Dienste, Medikamentenbestände, Sozialleistungen, Wissensmanagement, Bürgerbeteiligung und ein Regierungs-Dashboard. Der geschäftliche Schwerpunkt liegt damit zunehmend bei interoperablen Webservices, Registeranbindung, Datenqualität, Prozessmanagement und sicheren mobilen Anwendungen.
Das geplante nationale Datenportal data.gov.mr und die vorgesehene gemeinsame Hosting- und DevSecOps-Architektur schaffen zusätzliche Ansatzpunkte. Gefragt sind offene Datenstandards, Metadatenmanagement, API-Sicherheit, automatisierte Bereitstellung und die Qualifizierung der späteren Betreiber.
Digitalisierung erhöht Bedarf an Cybersicherheit
Die nationale PKI und ein Certificate Management System sollen sichere digitale Identitäten, Zertifikate und elektronische Signaturen ermöglichen. Die Ausschreibung dafür lief in zwei Losen bis Juli 2026. Chancen bestehen nun vor allem als Lieferant oder Unterauftragnehmer des Zuschlagsempfängers, etwa bei Hardware-Sicherheitsmodulen, Identity- und Access-Management, Signatursoftware, Sicherheitsarchitektur und Integration. Das nationale Rechenzentrum erzeugt darüber hinaus Bedarf an Migration, Backup, Monitoring, Notfallmanagement und Betriebsqualifizierung.
Marktzugang erfolgt über Vergaben und Partnerschaften
Bei weltbankfinanzierten Projekten bestimmen formale Vergabeverfahren den Marktzugang. Unternehmen sollten die Beschaffungspläne von WARDIP sowie Veröffentlichungen des Digitalministeriums kontinuierlich beobachten, da Fristen teils kurz sind. Leistungsbeschreibungen verlangen häufig nicht nur Technik, sondern auch Beratung, Dokumentation, Schulung und Wissenstransfer. Teilweise sind Angebote nur in Papierform vor Ort in Nouakchott zugelassen.
Digital-Y beziehungsweise ProDIGIT kann Kontakte zu öffentlichen Bedarfsträgern und lokalen Digitalunternehmen erleichtern. Daraus folgt jedoch kein bevorzugter Zugang zu staatlichen Aufträgen. Für kleinere Pilotvorhaben mit entwicklungspolitischem Nutzen kann außerdem eine Entwicklungspartnerschaft mit der Wirtschaft geprüft werden.
Projektübersicht
Projekt | Auftraggeber / Finanzierung | Dokumentierter Stand | Ansatz für deutsche Unternehmen |
|---|---|---|---|
Backboneausbau: fehlende Abschnitte | Digitalministerium / Weltbank | Ausschreibung DAO-01_WARDIP-2026 (zwei Lose) im Juli 2026 veröffentlicht; Angebotsöffnung 30. September 2026; Ausführung laut Plan bis Oktober 2028 | Netztechnik, Projektsteuerung, Überwachung, Cybersicherheit |
Ausrüstung des nationalen Backbone | Digitalministerium / Weltbank | Beschaffung 2026; Ausführung laut Plan bis Oktober 2028 | Router, Übertragungstechnik, Monitoring, Integration, Wartung |
Nationale PKI und Zertifizierung | Digitalministerium / Weltbank | Ausschreibung in zwei Losen (nationale PKI sowie CMS und Signaturintegration); Abgabefrist 21. Juli 2026 abgelaufen; geplanter Abschluss August 2027 | PKI, HSM, elektronische Signaturen, Identity Management |
AMOA für digitale Verwaltungsdienste | Digitalministerium / Weltbank | Geplanter Start Oktober 2026; Abschluss Mai 2028 | Anforderungsmanagement, Prozessdesign, technische Qualitätssicherung |
Nationale Interoperabilität | Digitalministerium / Weltbank | Webservices, Datenbereinigung und Anpassung bestehender Systeme im Plan 2026 | API-Management, Registerintegration, Datenqualität |
Gemeinsame Hosting- und DevSecOps-Architektur | Digitalministerium / Weltbank | Im jährlichen Beschaffungsplan 2026 | Cloudarchitektur, CI/CD, Containerisierung, Security Automation |
Plattform für konsularische Dienste | Digitalministerium / Weltbank | Beratungsleistung (SQC) im Beschaffungsplan 2026; Start für Anfang 2026 geplant, aktueller Stand offen | Portale, digitale Akten, Identitätsprüfung, Zahlungsintegration |
System für Medikamentenbestände | CAAM / Digitalministerium / Weltbank | Beratungsleistung (SQC) im Beschaffungsplan 2026; aktueller Stand offen | Bestandsführung, Lieferkettenanalyse, mobile Erfassung |
Digitalisierung von Sozialhilfe und Ernährungssicherung | CSA / Digitalministerium / Weltbank | Beratungsleistung (SQC) im Beschaffungsplan 2026; aktueller Stand offen | Fallmanagement, Register, mobile Anwendungen, Zahlungsschnittstellen |
Nationales Datenportal data.gov.mr | Digitalministerium / Weltbank | Einrichtung als Beratungsleistung im Beschaffungsplan 2026; vorläufiges Vergabeergebnis veröffentlicht; endgültiger Vertrag und Wert nicht verifiziert | Open Data, Metadaten, APIs, Visualisierung |
Elektronische öffentliche Beschaffung | Regierung / Weltbank | Audit und zweisprachige Lerninhalte 2026 vorgesehen | Systemaudit, E-Procurement, Schulung, Zertifizierung |
Khidmaty und digitale Verwaltungsdienste | Digitalministerium | Laufender Ausbau und Integration weiterer Leistungen | Fachverfahren, Schnittstellen, UX, mobile Dienste |
Digital-Y / ProDIGIT | GIZ / deutsche Entwicklungszusammenarbeit | Laufzeit September 2024 bis August 2027; Volumen 4 Mio. Euro | Beratung, Weiterbildung, E-Government, lokale Kooperation |
Nationales digitales Adresssystem | Digitalministerium | Pilot bis Ende 2026 angekündigt, genauer Zeitplan offen | GIS, Geocodierung, mobile Kartierung, Logistiksoftware |
Nationales Rechenzentrum | Digitalministerium / EIB | Seit Mai 2025 in Betrieb; EIB-Kredit 15 Mio. Euro; Tier-III-Zertifizierung | Migration, Backup, Monitoring, SOC, Betriebsqualifizierung |