Deutsche Produkte sind in Mauritius branchenübergreifend präsent. Als regionaler Vertriebshub für Afrika wird die Insel bislang jedoch kaum genutzt.
Mauritius ist für deutsche Unternehmen bisher kein bedeutendes Investitionsziel. Zwar befinden sich einige Hotels in deutschem Eigentum und einzelne Firmen sind über Holdingstrukturen präsent. Zudem haben ausgewanderte Deutsche kleinere Dienstleistungsunternehmen gegründet. Vertriebsniederlassungen deutscher Zulieferer existieren jedoch nicht. Deutsche Produkte sind im Markt gut vertreten, werden aber ausschließlich über Handelsvertretungen vertrieben.
Die Regierung verfolgt das Ziel, Mauritius als stabiles Sprungbrett für die riskanteren Märkte des afrikanischen Festlands zu etablieren. Beispiele hierfür sind das Shared Service Center von Huawei oder Fulfillment-Zentren (Lagerhaltung und Vertrieb) einzelner Zulieferer. Deutsche Unternehmen nutzen diesen Vertriebskanal bislang nicht – entscheidend bleibt für sie die Frage, wie wichtig die unmittelbare Nähe zum Endkunden auf dem Festland ist.
Exportdrehscheibe mit hoher Kaufkraft
Mauritius positioniert sich über zahlreiche Wirtschaftsabkommen als Exportstandort. Besonders hervorzuheben ist das seit 2021 bestehende Freihandelsabkommen mit China. Zudem erleichtern Partnerschaftsabkommen mit der Türkei, Indien, dem Vereinigten Königreich und der EU den Marktzugang.
Mit dem Wegfall von AGOA unterliegen Exporte in die USA nun Zöllen von derzeit 15 Prozent. Für deutsche Investoren besonders relevant: Mauritius verfügt über Doppelbesteuerungs- und Investitionsabkommen mit Deutschland. GTAI bietet hierzu ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen an.
Trotz seiner geringen Größe erreichte Mauritius im Jahr 2024 mit Exporten im Wert von 159,7 Millionen Euro Platz 11 unter den 49 Exportpartnerländern Deutschlands in Subsahara-Afrika. Die hohe Kaufkraft ermöglicht den Erwerb sowohl von Konsum- als auch Investitionsgütern – pro Einwohner und Jahr rund 123 Euro für deutsche Produkte. Im Vergleich dazu liegt Kenia bei lediglich 4,60 Euro pro Kopf.
Die Vertriebswege sind professionell organisiert. Viele Importeure und Handelsvertreter, darunter auch CFAO, verfügen über internationale Strukturen. Ein Großteil der Waren gelangt über Dubai, Frankreich oder Südafrika ins Land. Ob sich die kostenintensive Gründung eigener Vertriebsniederlassungen lohnt, sollten deutsche Unternehmen daher sorgfältig abwägen.
Standortvorteile: Rechtssicherheit und gute Infrastruktur
Zu den Standortvorteilen zählen hohe Rechtssicherheit und eine geringe Steuerlast. Die leistungsfähige Internetinfrastruktur macht Mauritius attraktiv für IT-Firmen. Auch Start-ups finden ein für afrikanische Verhältnisse vergleichsweise günstiges Umfeld vor. Der Inselstaat ist per Flugzeug und Schiff hervorragend angebunden und verfügt über eine international vernetzte Business-Community, die Deutschland häufig von Fachmessebesuchen kennt.
Investitionen konzentrieren sich vor allem auf Finanzdienstleistungen und FinTech, erneuerbare Energien, die Blue Economy sowie Tourismus und Immobilien. Die Herkunft der Investoren ist breit gestreut: Aus Europa sind vor allem das Vereinigte Königreich und Frankreich aktiv. Enge Beziehungen bestehen zu Südafrika. Weitere Kapitalgeber kommen aus Indien, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Geringe Marktgröße und Fachkräftemangel bremsen Wachstum
Der lokale Absatzmarkt verfügt zwar über eine vergleichsweise hohe Kaufkraft, bleibt mit rund 1,3 Millionen Einwohnern jedoch begrenzt und wächst im Vergleich zum afrikanischen Festland nur schwach.
Zudem verschärft ein ausgeprägter Fachkräftemangel die Lage, insbesondere im Dienstleistungssektor: Qualifizierte Arbeitskräfte sind rar und kostenintensiv. Die Regierung will Mauritius dennoch als Fertigungsstandort – vor allem für Medizintechnik – weiterentwickeln und setzt angesichts des Fachkräftemangels verstärkt auf Automatisierung.
Economic Development Board bündelt Investorenservices
Mit dem Economic Development Board (EDB) verfügt Mauritius über eine aktive und kompetente staatliche Standortmarketinggesellschaft. Das EDB fungiert als One-Stop-Shop für ausländische Investoren und arbeitet eng mit Behörden wie der Financial Services Commission (FSC) und dem Corporate and Business Registration Department (CBRD) zusammen, um Genehmigungsprozesse bei der Ansiedlung zu erleichtern.
Darüber hinaus wirbt das EDB im Ausland durch regelmäßige Veranstaltungen für Unternehmensansiedlungen in Mauritius. Das Europabüro ist in der mauritischen Botschaft in Paris angesiedelt und auch für Deutschland zuständig. Veranstaltungen finden regelmäßig auch in Berlin und anderen deutschen Großstädten statt.
Die Bandbreite an Branchen, in denen das EDB Investitionschancen sieht, reicht vom Agrarsektor über Finanzdienstleistungen, Informationstechnologien und Kreativwirtschaft bis hin zu Immobilien, erneuerbaren Energien, Verarbeitung und Sport.