Wirtschaftsumfeld | Mexiko | Investitionsklima
Ein Direktinvestitionsrekord 2025, aber neue Fragezeichen
Die Förderstrategie "Plan México" soll für private Investitionen in Produktion und Infrastruktur sorgen. Damit will die Regierung die Abhängigkeit von externen Faktoren senken.
29.05.2026
Von Björn Lisker | Mexiko-Stadt
Mexiko erlebte als Nearshoring-Standort einen Boom. Der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen hat sich von 2004 bis 2024 auf 720 Milliarden US$ mehr als verdreifacht, zeigen Zahlen der UN-Handels- und Entwicklungsorganisation UNCTAD. Nur Brasilien weist in Lateinamerika noch höhere Zahlen auf. Im Jahr 2025 gab es bei den Direktinvestitionszuflüssen einen weiteren Rekord. Nach vorläufigen Angaben des mexikanischen Wirtschaftsministeriums waren es mit knapp 41 Milliarden US$ rund 10 Prozent mehr als 2024.
Besonders ausländische Unternehmen, die bereits in Mexiko aktiv sind, investieren in ihre Erweiterung. Bei 68 Prozent der Direktinvestitionssumme handelte es sich um Reinvestitionen.
Investitionen in die Produktion schwächeln
Wichtigstes Ursprungsland blieb der Regierung zufolge 2025 die USA mit 39 Prozent der Gesamtinvestitionen. Es folgten Spanien (11 Prozent), Kanada (8 Prozent), die Niederlande und Japan (jeweils 6 Prozent). Anders als in den Vorjahren ist Deutschland aus der Gruppe der Top-5-Investoren herausgefallen und lag nur noch auf Rang 9, da die Direktinvestitionen um drei Viertel auf 800 Millionen US$ fielen. Einerseits ist dies zyklisch begründet, weil mehrere große Investitionen in Produktionsstätten abgeschlossen sind. Andererseits ist die Ursache eine generelle Verunsicherung infolge der US-Zollpolitik sowie der USMCA-Revision; beide Aspekte wirken sich besonders auf das verarbeitende Gewerbe aus, in dem deutsche Unternehmen stark vertreten sind.
Zwar entfiel auf die verarbeitende Industrie auch 2025 der größte Teil (36 Prozent) der zugeflossenen ausländischen Direktinvestitionen. Doch war es mit 14,8 Milliarden US$ ein Viertel weniger als 2024. Mit Abstand wichtigste Branche bleibt die Herstellung von Kraftfahrzeugen und ihren Teilen vor Elektronik, Chemie und der Nahrungsmittelproduktion.
Dass Mexiko 2025 erneut einen Direktinvestitionsrekord erzielen konnte, lag vor allem an gestiegenen Zuflüssen im Bausektor, dem Finanz- und Versicherungswesen sowie Immobiliendienstleistungen. Besonders markant war zudem der Anstieg in der Kategorie "Leitung und Verwaltung von Holdings und Managementgesellschaften", was auf Einmaleffekte durch Umstrukturierungen innerhalb von Konzernen schließen lässt.
Industrieflächen, Wasser und Strom werden teilweise knapp
Wer investieren will, findet in Industrieparks an einigen attraktiven Standorten derzeit kaum verfügbare Flächen. Zudem sorgen in mehreren Regionen Unterbrechungen der Elektrizitätsversorgung immer wieder für Produktionsausfälle, etwa im bei deutschen Unternehmen beliebten "Bajío" im Zentrum des Landes sowie im nördlichen Nuevo León. Auch Wassermangel, besonders im Zentrum und Norden, bereitet Unternehmen Sorgen.
Galt die Wirtschaftspolitik über Jahrzehnte hinweg als verlässlich, änderte sich dies unter der Regierung des Linkspopulisten Andrés Manuel López Obrador (2018-2024). So erschwerte er mit Verweis auf die Stabilität der Netze die Einspeisung von Elektrizität aus erneuerbaren Energien. Dem Militär übertrug er große Infrastrukturvorhaben und die Kontrolle über Flughäfen, Häfen und den Zoll. Vertreter von Unternehmen beklagen im vertraulichen Gespräch das mangelhafte Verständnis der Militärs für wirtschaftliche Abläufe.
Seine Nachfolgerin, Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo (2024–2030), bemüht sich im Ton, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. In der Sache aber setzt sie zentrale Projekte der Vorgängerregierung fort, die in der Privatwirtschaft auf Vorbehalte stoßen. Wichtigstes Beispiel ist die von López Obrador initiierte Justizreform, bei der Richterinnen und Richter direkt vom Volk gewählt werden. Die Sorge, dass diese zur Erhöhung ihrer Wahlchancen Positionen der Regierungspartei übernehmen und so an Neutralität verlieren, ist zuletzt gewachsen. Das zeigen auch die Ergebnisse der jüngsten Umfrage unter den Mitgliedern der AHK Mexiko (siehe Kasten).
Plan México: Regierung setzt auf Rückenwind durch den Privatsektor
Um die Abhängigkeit von externen Faktoren wie der sprunghaften US-Politik zu verringern, will die Regierung ausländische Unternehmen mit Steuervergünstigungen und kurzen Bearbeitungszeiten anlocken und so die Wirtschaft ankurbeln. Der Fokus richtet sich auf strategische Branchen, zu denen etwa die Automobilindustrie, Halbleiter, Elektronik, Pharma, Chemie, Luftfahrt und Rechenzentren zählen. Als besonders förderungswürdig gelten zudem Investitionen in den "Wohlstands-Polen", Industrieparks entlang der Bahnlinie über den Isthmus von Tehuantepec in den Bundesstaaten Oaxaca und Veracruz.
Zugleich sieht der Plan México ambitionierte Infrastrukturprojekte vor, darunter hohe Investitionen in Energie- und Wasserversorgung sowie Transport und Logistik. Doch kann der Staat nicht alle Vorhaben aus eigener Kraft stemmen, zumal große Teile des Haushalts durch steigende Sozialausgaben gebunden sind.
Die Regierung setzt daher verstärkt auf die Beteiligung der Privatwirtschaft an diesen Schlüsselprojekten. Ein im April 2026 erlassenes Dekret regelt die Öffentlich-Privaten-Partnerschaften (PPP) neu. Experten bemängeln bei dem Instrument eine teilweise unklare Risikoverteilung. Gerade für ausländische Investoren werde es deswegen entscheidend sein, robuste Schutzmechanismen wie internationale Schiedsgerichtsklauseln vertraglich zu verankern.
Unternehmen | Branche/Werke | Beschäftigte |
|---|---|---|
| Volkswagen-Gruppe | Kfz-Industrie/Fertigungswerke von VW und Audi in Puebla, VW-Motorenwerk in Guanajuato | 18.500 |
| Aumovio (ehemals Continental) | Kfz-Industrie/22 Werke | 20.500 |
| ZF | Kfz-Industrie/16 Werke | 23.000 |
| Bosch | Kfz-Industrie, Maschinenbau/11 Werke | 17.200 |
| BMW | Kfz-Industrie/Fertigungswerk in San Luis Potosí, eigene Batterieproduktion im Aufbau | 3.800 |
| Boehringer Ingelheim | Pharma/ Ausbau der Produktion in Mexiko-Stadt | 1.650 |
Mexikos Regierung setzt auf Politik mit kühlem Kopf
Dass US-Präsident Donald Trump die Nachbarländer Mexiko und Kanada auch als Konkurrenten sieht, zeigt die aggressive Zollpolitik. Anfang 2025 verhängte er Strafzölle von 25 Prozent auf mexikanische und kanadische Produkte, die nicht die USMCA-Vorgaben erfüllen. Die Begründung war politisch: Mexiko und auch Kanada täten nicht genug gegen den illegalen Drogenhandel und die illegale Migration.
Mexikos Regierung bemüht sich seither, der US-Seite Verlässlichkeit zu demonstrieren. Das Land lieferte mehrere hochrangige Kartellmitglieder an die US-Behörden aus und geht verstärkt gegen den illegalen Drogenhandel vor.